Casheesio (Cashew-Frischkäse)

(Mit strammen 997 Wörtern ist das hier vermutlich das längste Rezept im Mohrblog – schätze, da dauert das Lesen beinahe genauso lange wie die Zubereitung selbst..)

Mit der Veröffentlichung dieses Rezeptes habe ich mich längere Zeit ziemlich schwer getan – zum einen finde ich diesen Cashewfrischkäse dermassen lecker, dass ich das Rezept am liebsten ganz für mich alleine behalten und in eine hölzerne Kiste verschlossen hätte. Diese hätte ich in den Keller geschleppt, mich draufgehockt und gelegentlich „Mein Sssssschatz“ gezischt. Und zum anderen ist die Zubereitung mit nicht wenig Aufwand und Zeit verbunden und insgesamt sind die Zutaten auch nicht ganz billig.

Da es langfristig gesehen im Keller auf meiner Holzkiste aber vermutlich kalt und langweilig werden würde und zudem jeder Leser alt genug ist um selbst entscheiden zu können, ob er diesen nicht ganz billigen Käse nachbasteln möchte, habe ich nun meinen inneren Gollum überwunden und präsentiere (mit leicht flackerndem Blick) den wunderbaren Casheesio! (aka „voll datt geile Zoich!“)

Die schlechten Nachrichten zuerst:

1.) Der Casheesio braucht ein paar Tage Vorlauf, bis er verspachtelt werden kann. Cashews müssen eingeweicht werden, dann muss die Masse 2 Tage fermentieren und hinterher nochmal mind. 2 Tage im Kühlschrank reifen. Der Casheesio ist also mit Fug und Recht als „Slowfood“ zu bezeichnen.

2.) Man braucht meines Erachtens nach zwingend einen wirklich leistungsfähigen Blender (Vita- oder Thermomix, Optiblend o.ä. überteuertes Gerät) , damit die Cashews zu einer richtig cremigen, homogenen Paste zerhäckselt werden. Denn gerade die Konsistenz ist ein entscheidender Punkt für den Titel „Voll datt geile Zoich!“ – sorry an alle Pürierstab- und Mini-Mixer-Arbeiter: Ihr seid leider raus!

Ich habe mich anfangs an einer paar Rezepten englischsprachiger Blogs orientiert und mit Sauerkrautsaft und sog. „probiotic powder“ herumprobiert aber dieses ominöse Pulver ist superteuer, schwer zu bekommen und Sauerkrautsaft ziemlich kräftig im Geschmack…mittlerweile verwendete ich Brottrunk (gibt’s im Reformhaus, aber auch in größeren Supermärkten). Der Geschmack ist milder und die enthaltenen Milchsäurebakterien (keine veganen Schweißausbrüche, bitte – in diesem und in den meisten anderen Fällen ist Milchsäure clean) sorgen für eine ausreichende Fermentation des „geilen Zoichs“. Zudem hält sich der Brottrunk recht lange im Kühlschrank und kann noch in Smoothies verwurstelt oder auch pur als isotonischer Durstlöscher nach dem Sport gesüppelt werden.

Genug geschwafelt…volle Cashewkraft voraus, es geht los:

500 gr. Cashewkerne ca. 8-12 Stunden in reichlich Wasser einweichen. Wasser abschütten, die Kerne kurz abspülen und in den Mixbecher des Blenders geben (ich sach‘ nur…Vitamix!)

150 ml. Brottrunk zu den Kernen in den Mixbecher geben und so lange auf höchster Stufe mixen, bis ein cremiger, homogener Brei entstanden ist.

Danach gibt man die Masse in ein Baumwolltuch oder ein „Nussmilchsäckchen“. Ich habe dazu mit Küchentüchern, Mullwindeln und eben jenem Nussmilch-Sack experimentiert und finde letzteres am praktischsten. Man kann auch ein feinmaschiges Wäschenetz verwenden..am besten einfach mal ausprobieren, und notfalls eine Lage Küchenkrepp unterlegen Wenn die Masse im Sack ist, drehe ich ihn oben zu und lege das Käsepäckchen auf ein Sieb, stelle eine Schüssel zum Abtropfen drunter und decke das Sieb mit einem Tuch ab (Fruchtfliegen finden die Käsemasse nämlich besonders lecker).

Jetzt muss/kann/darf die Masse fermentieren – je länger, umso kräftiger wird der Geschmack. Bei mir darf der Casheesio 2 ganze Tage lang bei Zimmertemperatur herumlungern…wer es milder mag, kann die Zeit auf 1 Tag abkürzen. Versuch macht kluch, wie immer. Man kann die Käsemasse auch mit einem Teller o.ä. beschweren und somit mehr Feuchtigkeit aus der Masse drücken, dann wird der Käse hinterher fester – aber ich finde ihn perfekt, so wie er ist, bei mir wird nix gedrückt.

Nach der Reifezeit wird die Käsemasse in eine Schüssel gegeben und gewürzt. Hier kann man seine persönlichen Neigungen und Vorlieben ausleben – „Grundwürze“ und unbedingt erforderlich für den juten Jeschmack sind 2 Eßl. Würzhefeflocken und 2 Teel. Salz….bei mir kommen dann noch ½ Teel. Kümmel, 1 Teel. Paprika, 1 Teel. Zwiebelpulver, ½ Teel. schwarzer Pfeffer und ein bißchen Knoblauchpulver dazu.
Beim Würzen kann man seinen Vorlieben freien Lauf lassen und auch getrocknete Tomaten, Kräuter oder auch orientalische Gewürze zugeben….was immer man mag.

Am besten Gewürze und Hefeflocken nochmal gemeinsam kurz in der Kaffeemühle oder dem Blender fein mahlen. Dann in die Schüssel zur Käsemasse geben und gut vermischen. Dieses Rezept ergibt ca. 750 gr. Käsemasse, die jetzt in Gläser oder Tupperdosen gefüllt und im Kühschrank geparkt wird.

Man kann den Casheesio natürlich sofort casheesiofuttern oder sich noch ca. 2 Tage gedulden…dann sind die Gewürze schön durchgezogen und die Masse ist fester geworden. Wenn man z.B. eine kleine runde Tasse mit etwas Öl auspinselt und z.B. Schnittlauch ausstreut, kann man den Käseklops nach ein paar Tagen stürzen (siehe Foto). Macht für Buffets etc. optisch mehr her.

Und wer es noch länger aushält als 2 Tage, darf sich freuen…der Casheesio wird mit jedem Tag besser und würziger. Yummy galore, nämlich! Haltbarkeit: mindestens 2 Wochen. Langzeitstudien gibt es allerdings noch nicht, wir haben immer vorher alles aufgegessen.

Und was macht man nun damit? Zum einen schmeckt dieser Cashewkäse einfach pur auf der Stulle ganz köstlich, oder als Dip für Gemüse. Ich benutze ihn aber auch mit wachsender Begeisterung als „Sahneersatz“ für Soßen und Suppen, da er eben würzig und lecker schmeckt, aber auch Flüssigkeit bindet.

Für eine lecker-rahmige Tomatensoße kann man 1 Zwiebel würfeln und anbraten, 1 Dose gehackte Tomaten zugeben und kurz aufköcheln lassen. Dann 1 Handvoll getrockneter Tomaten, ein paar frische Kräuter und 1 großen Eßlöffel Casheesio in einem hohen Mixgefass mit dem Stabmixer pürieren, in die Tomatensoße einrühren, kurz aufkochen lassen und fertig…ist eine flotte, sahnige und grandios gute Tomatensoße zu Nudeln, Kartoffeln etc. Zubereitungszeit: ca. 5 Minuten. Da lacht das Köchinnenherz (und der Magen erst…)

Auch in meinen Gemüsesuppen landet öfter 1 Eßl. dieser dollen Käserei….für Broccoli-Kartoffelsuppe einfach Kartoffelnwürfel und Broccoli in Gemüsebrühe weichkochen, 2 Schöpfkellen abnehmen und zusammen mit dem Casheesio gut pürieren…zurück in den Suppentopf, durchrühren, fertig. Lecker. Ich mach‘ sowas auch supergerne mit roter Beete statt Broccoli – schmeckt genial und die knallpinke Farbe im Teller rockt einfach.

13 Gedanken zu „Casheesio (Cashew-Frischkäse)

  1. Sandy

    Hallo,
    wirklich super Rezept!

    Bei mir ist allerdings nach zwei Tagen im Kühlschrank eine rosa Farbe auf der Oberfläche erschienen….
    Ist das ein erstes Anzeichen von Schimmel????

    Danke und viele Grüße

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Hmm..das kann ich dir ehrlich gesagt nicht beantworten, bei mir ist das noch nie aufgetreten. Schimmel kann ja durchaus manchmal rosa sein, aber nach 2 Tagen sollte der Käse eigentlich noch lange nicht schimmeln. Ich hatte den schon locker über 1 Woche im Kühler und habe noch nie Schimmel bemerkt.

      Sorry – da kann ich leider nicht hilfreich sein. Ich glaube, ich würde einfach mal vorsichtig eine Ecke probieren – aber ich bin auch echt „vor nix fies“ 😉

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  2. Igor

    Jetzt kommen die blöden Fragen: Ich habe noch nie Hefeflocken für irgendwas benutzt. Welche nehme ich denn bitteschön – Vollkorn-Hefeflocken oder „normale“??? Habe im Geschäft nämlich diese beiden Varianten entdeckt und bin nun irgendwie ratlos… Und dann noch was: Wofür sind die eigentlich gut? Bringen sie Geschmack in den Casheesio oder trägt die Hefe noch irgendwie zur „Reifung“ bei?
    Froie mich über eine Antwort. Bitte. Danke.

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Um eine „blöde“ Frage zu werden, muss sich deine Frage aber noch ein bisschen anstrengen 😉
      Ich muss aber gestehen, dass ich noch nie irgendwo Vollkorn-Hefeflocken gesehen habe…aber ich vermute mal, die gehen genauso wie „normale“. Ich selber benutze immer die Würzhefeflocken von Naturata.
      Die Hefe gibt dem Casheesio einen würzigeren, „käsigen“ Geschmack und auch ein bisschen Festigkeit.

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      1. Igor

        Fein. Alle Zutaten sind jetzt versammelt – nun kann der ganze Käse losgehen. Bin schon sehr gespannt… Vielen Dank für Deine schnelle Antwort!
        LGI

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        1. mohrblog Beitragsautor

          Ich bin total gespannt, wie es klappt. Und überhaupt muss ich das gute Zeug nun endlich mal wieder selbst ansetzen, ich hatte schon eeeewig keinen Casheesio 😉

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  3. Katalin Kovács-Bea

    Super-sau-unverschämt lecker. Habe noch mit Bärlauch vollgepumpt. Danke für das tolle Rezept und für die gute Beschreibung!

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  4. Eni

    Das Rezept ist der Hammer!!!
    Selten so einen leckeren Brotaufstrich gegessen!
    Der „Käse“ wurde zwar kein bisschen fest, obwohl ich die Masse im Nusssäckchen beschwert habe und alles im Kühlschrank 10 Tage reifen durfte, aber das tut dem Geschmack ja keinen Abbruch. Ist halt eine leckere Streichcreme.
    Als Grundwürze habe ich Hefeflocken, Salz, Pfeffer, Zwiebelpulver und Knoblauchpulver verwendet. Dann habe ich die Masse geteilt und einen Teil mit Paprikapulver und Kümmel gewürzt und den anderen mit Kräutern und Schabziegerklee. Wir konnten uns nicht entscheiden was besser schmeckt.
    Danke für das tolle Rezept! Wird es definitiv öfters geben!
    LG
    Eni

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  5. Evi B.

    Vielen Dank für das Rezept! Cashewkerne sind äusserst gesund: reich an ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, proteinreich, enthalten sie auch Tryptophan, welches vom menschlichen Körper in Glückshormone (Serotonin) umgewandelt wird!

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  6. Tanja

    hallo,

    kann ich die cashews auch vorher gaaaanz fein mahlen und dann in wasser einweichen??? ich hab keinen vita- oder thermomix, aber einen kleine, ziemlich gute mühle, die die nüsse ganz fein mahlen kann….

    danke!
    gruß 🙂

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Ganz ehrlich – keine Ahnung 😉
      Ich stell’s mir nur schwer vor, hinterher das Wasser aus dem eingeweichten Nussmehl wieder abzugießen?
      Du kannst es ja einfach mal ausprobieren…vielleicht sogar aufs Einweichen verzichten und das Nussmehl gleich mit dem Brottrunk vermixen, ggf. dann etwas mehr Brottrunk zugeben wenn es zu fest wird.

      Ohne Geling-Garantie natürlich – aber Versuch macht ja oft kluch 😉

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      1. Petra Laggies

        Ich kann nur sagen:Einfach kööööööstlich!!!
        Ich habe habe den Käse nach dem würzen (unfreiwillig wegen Krankenhausaufenthalt) volle 12 Tage im Kühlschrank reifen lassen.Das Ergebnis war ein halbfester,aromatischer Käse mit einem Aroma das mich schlichtweg umgehauen hat!
        Mein größtes Problem ist jetzt beim nächsten Mal wieder 12 Tage (oder länger?)zu warten.Wird schwierig,aber es lohnt sich definitiv!!!!
        Vielen Dank das du dieses Rezept mit der Welt geteilt hast,es ist definitiv ein“ SCHAAATZ“.

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