„Mehr Licht!“ oder „Fuck you, darkness!“

Zeit meines Läuferlebens stehe ich schon auf Kriegsfuß mit der dunklen Jahreszeit und bin des Winters immer eher unwillig unter Abseufzen von „Nützt ja nix!“ wie eine motzige Motte um die funzeligen Straßenlaternen durchs Wohngebiet gezockelt – aber in diesem Jahr bemerkte ich an mir zusätzlich (bedauerlicherweise) eine neue „Das-Glas-ist-halbleer“-Mentalität und die Laternenlauf-Saison wird von mir schon gehasst und gefürchtet, lange bevor sich die ersten frühen Schummerstunden über meine Laufstrecken gelegt haben. Dieses Herumgehusche auf beleuchteten Bürgersteigen und das nervige Ampelgehampel haben so gar nix gemein mit dem seelenerfrischenden Trampelpfadtraben im entzückenden heimischen Forst und auch alternatives Indoor-Laufbandgeschlurfe macht die arme Outdoor-Seele nicht glücklich.

Obwohl sich die Spätsommerstrahlen noch golden und wärmend durch die Baumkronen gruben, murmelte mein innerer Miesmacher oft bereits übellaunig „Ist ja eh bald vorbei, dann kommt der Winter“ und „Dann geht der Scheiss mit dem Bordsteingeschlurfe wieder los, watt’n Mist!“

Und dann – nach Wochen des Vorabgemotzes – klopft die unausweichliche Dunkelheit nun wirklich an meine Läufertüre und ich begegne ihr bockig wie ein kleines Kind und erfinde mit sprühender Kreativität innerliche Ausreden, um heute nun aber wirklich keinen Fuß mehr auf die Bordsteine setzen zu müssen.

Zu spät, zu müde, zu erkältet, zu bockig, zu blöd, zu dunkel, nein, nein, nein, meine Straßenlaternensuppe ess‘ ich nicht!

Aber bekanntermassen ist Nichtlaufen auch keine Lösung – zum einen packt die Konditon ratzfatz die Koffer und fliegt mit den Gänsen in den Süden, und zum anderen leidet der Geist ziemlich fix unter der mangelnden Durchlüftung der Hirnstube. Von rostig-knirschenden Hüftgelenken und knackenden Kniescheiben mal ganz abgesehen. Wenn ich also den Winter nicht als meckernde, übellaunige Körpergroßbaustelle verbringen möchte, muss eine Lösung her…und die brachte mir der Postbote dann nach entsprechender Bestellung in Form zweier leistungsstarker Stirnlampen – eine für mich, eine für Fritzi.

Derart erleuchtet sind wir unabhängig vom Tageslicht und können auch fortan fröhlich den Forst durchflitzen statt mässig motiviert über den Asphalt zu schlurfen. Und siehe da – an dem Tag, der für den Testlauf anberaumt ist, macht sich tatsächlich eine leise Vorfreude breit statt dem üblichen innerlichen Kramen nach neuen Ausreden. Heureka! Der Wald ruft!

Die ersten Bedenken „Kann man denn mit so ’ner Funzel am Kopp überhaupt genug sehen“ verflüchtigen sich gleich beim ersten Anschalten der Kopfbeleuchtung in Flutlicht-Wohlgefallen….wir „aaaah!-en“ ergriffen und bewundern die überraschende Helligkeit, die von unseren Schädeln in den Hain fliesst. Eine Sekunde später „aaaah!-en“ wir erneut, diesmal vor Schreck, weil wir uns durch gegenseitiges Angucken die Netzhäute verblendet haben und uns erstmal lustige schwarze Punkte durchs Sichtfeld flimmern.
Merke: Mit gleißendem Flutlicht am Kopf niemals dem Laufpartner direkt ins Gesicht gucken. Muss man frau ja auch erstmal wissen, das.

IMG-20141023-WA0046Das Lampenlaufen fühlt sich sofort überraschend gut an, das Funzelgerät am Kopf stört kein Stück und wir freuen uns mehrere apfelgroße Löcher in die funktionsgewandeten Bäuche, dass wir augenscheinlich der öden Laternenlaufrunde „Auf Nimmerwiedersehen, du Arsch!“ sagen können. Und auch die leise Skepsis, dass wir uns so mutter- und vaterseelenalleine im dunklen Walde eventuell ganz fürchterlich gruseln würden, zerquatschen und verkichern wir einfach ins Nirwana. Es ist eh viel zu hell zum Gruseln. Wir fühlen uns unfassbar cool und megalässig und vor allem massivst erleuchtet, als wir munter keuchend zum Auto zurückkommen. Die Frage, warum zur Hölle ich mir nicht schon vor Ja-haaaaren so ein Schädel-Leuchteteil zugelegt habe statt murrend die Straßenlampen zu umflattern, kann ich mir selbst nicht beantworten. Ist ja auch wumpe. Ab jetzt wird geleuchtet.

3 Gedanken zu „„Mehr Licht!“ oder „Fuck you, darkness!“

  1. Eddy

    Wenn man erst mal akzeptiert hat, dass der Sommer jetzt erst auf der anderen Seite dieser Erde nach dem rechten sieht, und wenn man seine eigene kleine Sonne auf dem Kopf trägt, dann klappt’s auch mit dem Winter.

    Ich bin noch auf der Suche nach einem Nachfolger für meine alte „Heimleuchte“. Daher wäre ich dankbar für einen Tipp: was hast du Dir auf den Kopf geschnallt?

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  2. Blumenmond

    Das Tragen einer Stirnlampe ist für mich nur dann sinnvoll, wenn der Laufpartner auch dazu zur Hand ist. Selbst mit der Stirnlampe würd ich allein nicht durch die Rabatten laufen. Aber sowohl Du als auch ich scheinen diesen Winter das Glück dessen zu haben. Auf dass wir wenig Bürgersteige erklimmen müssen.

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