Archiv für den Monat: November 2014

Scharfer Gemüsesalat – zum Einheizen und Anbraten

Die dunkle Jahreszeit macht aus mir gerne schon mal das, was der Rheinländer leicht abfällig „Frierhutsch“ nennt – denn trotz dicker Pullis und Mehrfach-Besockung fröstele und bibbere ich, wo ich nur gehe und stehe. Zusätzlich zum Dauerbibbern gesellt sich eine gewisse Trägheit und statt lange in der Küche zu stehen, um mir eine vollwertig-frische Mahlzeit zu erkochen, lungere ich lieber in Wolldecke gehüllt mit Kater auf dem Schoss vor dem Ofen und schlürfe heißen Kakao mit Sahne.

Diesem FF-(Faule-Frierhutsch!)-Naturell kommen derzeit Gerichte sehr entgegen, die sich in größeren Mengen gut vorbereiten lassen, schnell und vielseitig zuzubereiten sind und meinem inneren Gefrierschrank mit scharfen Gewürzen ordentlich einheizen – so wie dieser einfache Gemüsesalat, der – sonntags vorgeschnippelt – die ersten Tage der Arbeitswoche lecker und schnell abfüttert:

Zutaten:
2 mittelgroße Zucchini
4 große Tomaten
3-4 Paprika (farblich bunt gemischt, der Optik wegen)
1 große Gemüsezwiebel
2-3 Zweige Rosmarin
1-2 Knoblauchzehen
1-2 frische Chilischoten je nach persönlichem Scharf-O-Meter, auch gerne mehr wer’s verträgt und mag
ca. 150 gr. getrocknete Tomaten (die mit den Kräutern)
ca. 50-60gr. Olivenöl
Salz, Pfeffer, Paprika
wer auf bizarr anmutende Kombinationen steht (wie ich) darf/sollte noch eine großzügige Prise Zimt zugeben.

Und jetzt wird geschnibbelt in der Teufelsküche – Tomaten und Paprika vom Kerngehäuse befreien und in Streifen schneiden, Zucchini der Länge nach vierteln und in Scheiben schneiden und Zwiebel nackisch machen und würfeln. Den Knobi via Knoblauchpresse zerdrücken und zusammen mit den getrockneten Tomaten, den Chilis und dem Öl in einem hohen Gefäß zu einer öligen Paste pürieren. (Wer keinen Bock zum Püriergemansche hat, kann die Trocken-Tomaten auch einfach fein hacken und am Ende mit dem Salat vermischen.) Rosmarinnadeln abzupfen und grob hacken und mit dem Gemüse und der Tomatenpaste gründlich in einer Schüssel vermischen. Mit den Gewürzen abschmecken, gut durchmischen, zudeckeln und im Kühlschrank parken. Den Knoblauch kann man natürlich weglassen wenn man soziale Ausgrenzung fürchtet.

gemuesesalatHätten wir nun Sommer, könnte man die komplette Schüssel einfach zur nächstgelegenen Grillfeier schleppen und mit dem Inhalt eine mehrköpfige Partygesellschaft abfüttern.

Aber auch ohne Gartenparty kann man den Gemüsesalat einfach so pur futtern, wenn er eine Weile durchgezogen ist. Desweiteren kann man nach einem langen Arbeitstag eine Portion abzwacken, in einer Pfanne anbraten und hat ratzfatz eine wärmende, würzige Mahlzeit auf dem Teller. Das angebratene Gemüse passt prima zu Nudeln oder Bratkartoffeln und schmeckt auch eingetuppert im Büro als Mittagessen  (spart je nach Schärfegrad der Chilis Heizkosten im Büro und sorgt durch den Knoblauch für ungestörtes Arbeiten).

Wenn ich diesen Gemüsemix schon samstags vorbereite, darf er sich sonntags wenn ich vom obligatorischen Morgen-Waldlauf zurückkomme, auf (ggf. tiefgekühlten) Hefeteig ausbreiten und wird zu einer schnellen und lecker-scharfen Veggie-Pizza – was mich natürlich nicht davon abhält, mich nicht trotzdem nebst Kater auf die Couch zu kuscheln…spart aber die Wolldecke und das zweite Paar Socken 😉

Brex, brex – hurra!

Aus diversen blöden Gründen stehen meine Wanderschuhe nun schon viel zu lange in der Schuh-Garage und schnauben mittlerweile ungeduldig am Garagentor wie nervöse Pferde – und davon abgesehen wird es dringend mal wieder Zeit für ein paar Stunden ganz alleine für mich, in kontemplativer Stille zum Hirnrinden-Großputz und Auffüllen der Sauerstoff-Depots. Eigentlich hatte ich mir für diesen Novembersonntag den Förstersteig auf die To-Wander-Liste geschrieben, aber auf mysteriöse Weise hat sich der GPS-Track für den Brexbachschluchtweg auf meine Forerunnerin eingeschlichen. Und wenn er eh schon mal da ist, kann der auch gewandert werden. Iss‘ ja gehüppt wie gesprungen.

Unerfreulicherweise beginnt mein Tag mit einem ziemlich toten Kaninchen, das sich mein ach!-so-süßes Katzenmädchen von draußen mitgebracht und als zweites Frühstück auf dem Wohnzimmerteppich angerichtet hat. Das darauffolgende Tauziehen um den toten Kanickelkörper und das ausgiebige hysterische Gekreische meinerseits schubst den anvisierten Startzeitpunkt ziemlich unsanft nach hinten. Zudem eskortiert mich ein Zahlendreher bei der Eingabe des Startkoordinaten in eine steile, enge Nebengasse eines Mini-Ortes names „Kammerforst“ und frisst unnötig Zeit, aber letztlich gelingt mir dann noch die gewünschte Landung am Fuße der Burgruine Grenzau, und dann kann das dann auch endlich mal losgehen hier. Entspannung ist befohlen, aber dalli!

brexGleich zu Beginn geht es stramm bergan zu besagter Burgruine, der ich aber ignorant die kalte Schulter zeige – mit Sehenswürdigkeiten und Kultur kann ich ja nicht so. Mit Waldidyll und charmanten Licht- und Schattenspielen kann ich hingegen voll gut und davon gibt’s hier gleich ’ne volle Schippe auf die Augen. Kost‘ nix, nehm ich.

Ein kurzes Stückchen später geht es nicht minder idyllisch und zauberhaft, aber auch reichlich steil über wurzelige Serpentinen hinunter ins Brexbachtal. „Für’n Winter wär‘ das aber nix!“ vermerke ich innerlich und lege mich erstmal herzhaft mit einem fluchuntermalten „Wumms!“ auf den Hosenboden. Na, dann hätten wir den Tagesordnungspunkt „Sich-Dumm-Anstellen“ ja auch gleich zu Beginn schon abgehakt, wie praktisch.

Obwohl sich der Forst wirklich größte Mühe gibt und mit buntem Laub, vernebelten Sonnenstrahlen und glitzernden Farnen fuchtelt, will sich der Wanderflow bei mir nicht so richtig einstellen. Mein Gedankenzug ist überfüllt mit plappernden Passagieren, die sich schlechtgelaunt in die Abteile quetschen, ruppig mit der Schulter anrempeln und gegenseitig zu übertönen versuchen – und über allem schwebt das traurige Bild des toten Kaninchens auf meinem Wohnzimmerteppich. Zudem sind die Wege am heutigen Tag für meinen Misantrophengusto viel zu stark frequentiert mit Läufern, Wanderern, Bikern und ähnlichem Gemensche – aber wenn man an einem sonnigen Sonntag zur allerbesten Festtagsbratenzeit losmarschiert, darf man sich da wohl kaum beschweren und muss sich ein dickes „Selbst schuld!“ auf die Launen-Fahne schreiben.

Zudem kristallisiert sich recht schnell heraus, dass eine Route, die die Worte „Bach“ und „Schlucht“ in ihrem Namen führt, nicht unbedingt die allerbeste Wahl ist, wenn es der Wandersfrau danach gelüstet, auf lauschigen Trampelpfädchen möglichst viele spätherbstliche Sonnenstrahlen aufzusaugen. Denn Bäche sind bekanntermassen eher kühl und feucht und Schluchten schattig. Weiß man doch. Auch hier gilt: Selbst schuld (Zusatz: Ich Dämel aber auch. Ich meine…hey…BrexBACH-SCHLUCHTweg!)

brex1jpgZugegeben, auch wenn er popokalt und ziemlich klamm ist, ist dieser Weg dennoch allerliebst – plätschernde Bächlein, tiefrote Blätter und sattgrünes Moos sind ja ohnehin immer ein Garant für Wandersfrauenseligkeit. Trotzdem schiele ich des öfteren sehnsüchtig auf die sonnigen Baumkronen, zumal so langsam auch ein dumpfes Grollen aus der Leibesmitte „Hunger!“ signalisiert. Aber am feuchten Bächlein rasten will ich nicht, da fällt mir ja die Klappstulle aus den steifgeforenen Griffeln. Echt, ey.

„Teufelsberg 1 km“ frohlockt der Wegweiser und ich frohlocke mit – „Berg“ bedeutet ja bekanntlich „ruff!“ und das wiederum bedeutet „wech vom feuchtkalten Bachtal“. Mit jedem Höhenmeterchen steigen Temperatur, Laune und Magenknurren und alsbald finde ich mich verzückt feixend auf einem Hochsitz in der Sonne wieder, wo ich mir unter innerlichem „Hmmmm!“ und „Oooh!“ meine köstlich belegte Klappstulle ins Gesicht stopfe.

Sonniger Wald, lecker Stulle und Traubensaftschorle sind schon ’ne ziemlich geile Mischung. Besser als Drogen.
Lasst es euch gesagt sein, Kinder.

Ein paar Kilometer weiter trifft mich die stimmungsfördernde Wirkung der „Ausdauertätigkeit an frischer Luft“ mit voller Wucht und – BÄM! – breitgrinsend marschiere ich leise pfeifend durch den Forst. Hach, watt iss datt Leben doch plötzlich wieder schön. Trotz aller Gedankenzüge und toter Kaninchen.

ich lasse mich in meiner Euphorie sogar großmütig dazu herab, ein paar höfliche Worte mit einem Wanderpaar zu wechseln. Im Nachhinein betrachten haben wohl die Schutzengel verpeilter Wandersfrauen diesen Kontakt organisiert, denn eben jenes Paar rettet mich ein Stündchen später vor dem Verlaufen. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll.
Oder gar nicht.

 

„Guten Morgen, es ist 5.00 Uhr, sie wollten geweckt werden!“

Eine der zahlreichen faszinierenden Eigenschaften meiner Miezenschaft ist ihre nahezu sekundengenaue innere Uhr. Ganz egal, wie spannend die Outdoor-Aktivitäten gerade sind – Punkt 18.00 Uhr materialisieren sich jeden Abend drei plüschige Katzenkörper mit umgebundenen Schlabberlätzen in der Küche und klappern mit dem Besteck.
Morgens funktioniert die miezige Zeitschaltuhr genauso fehlerlos – mein Wecker schreit mich werktags zwar ohnehin um 5.00 Uhr an, aber exakt 1 Minute vor 5 vernehme ich lautstarkes Scharren in der kätzischen sanitären Einrichtung im Nachbarzimmer – die Katzen sind wach. Punkt 5 landen dann zeitgleich zum Einsetzen des Wecktons zwei hungrige Katzenkörper auf meiner Schlafstatt. Meistens kraule ich dann schlafblind kurz in die Richtung, in der ich die Katzenköpfe vermute, ernte bei einem Treffer ein lautes Schnurren aus der Dunkelheit und werde dann ziemlich nachdrücklich vom vierbeinigen Weckdienst in die Küche eskortiert und zum umgehenden Dosenöffnen aufgefordert. So weit, so witzig.

Lästig ist nur, dass die innere Katzen-Uhr sich nicht auf Wochenend-Modus umstellen lässt, denn an Frei-/Sams- u. Sonntag würde ich dann doch ganz gerne ein klitzekleines bißchen länger in Morpheus Armen rumlungern. Aber da Katzen Gewohnheitstiere sind, beharren sie eben auch am freien Freitag auf ihr Recht auf frühmorgendliche Fütterung. Wär‘ ja auch noch schöner, wenn man dem Mensch seinen freien Willen liesse.
Mein scheues Frollein Fritzi verfolgt die Aktion „Aktivieren des zweibeinigen Fütterungs-Apparates“ mit ihrem ganz eigenen Kleinmädchen-Charme – leicht wie eine Feder landet sie mit einem ganz zarten Lufthauch neben meinem müden Kopp, legt sich dort nieder und beginnt brüllend laut ganz allerliebst zu schnurren.

Mein dicker Tigerkater – ganz punk at heart – setzt da eher auf die Methode „Krawall und Remmidemmi“. Wenn ich meinen schlappen Korpus nicht wie an den anderen Werktagen innerhalb von 5 Minuten in die Senkrechte erhebe, beginnt er zügig damit, mir durch lautstarkes Kratzen an der unbehandelten Holzleiste des Klamottenregal meine schlaf-tauben Nerven freizulegen. Meistens nuschele ich dann irgendwas wie „Och, Tigerchen, komm‘, wir schlafen noch’n bißchen“, was aber tigerseits komplett unbeachtet bleibt. Schliesslich gibt’s IMMER Frühstück um 5, also auch heute. Hoch datt faule Fleisch!

Datt faule Fleisch hingegen versucht konsequent, über das fritzische Powerschnurren und das tigersche Herumgekratze hinwegzuhören und die innere Mitte zu finden.
Herr Tiger zündet Stufe 2 des Erweckungsfeuerwerks und springt mit vollstem Körpereinsatz auf meine just wiedergefundene innere Mitte und beginnt, wie ein Elefant auf einem Trampolin auf mir herumzuspringen. Uärks. Mit fast 7 kg Katergewicht kein reines Vergnügen. Ich taste nach dem Katerkopf und versuche ihn, durch meditatives Kraulen ruhigzustellen. Fritzi schnurrt weiter – der Kater hingegen pfeift mir watt und trampelt wie ein plüschiges Flusspferd auf meinen Extremitäten herum. Meine matte Drohung „Ich bring‘ dich zurück in den Katzenknast!“ bleibt ohne Wirkung, und meistens spüre ich danach eine Katzenpfote im Gesicht – dankenswerter Weise zumindest ohne Kralleneinsatz.

Tatsch, tatsch, tatsch – das zweibeinige Dings muss doch irgendwie zu erwecken sein.

TigerlaufMeistens ist das zweibeinige Dings zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon glockenwach, versucht aber zumindest den Anschein zu wahren, kein komplett willfähriger Sklave der Miezendominanz zu sein. „Geh weg, Ich schlafe!“ verkünde ich wenig überzeugend.

Stufe 3 – Herr Tiger springt mit lautem „Bautz!“ zurück auf die Holzdielen und versucht anderweitig möglichst viel Lärm zu machen. Kratzen an Kartons, Herumrascheln mit Plastiktüten, Schubsen von Schuhen, egal was – Hauptsache LAUT. Fritzi schnurrt. Ich widerstehe dem Impuls, dem Kater augenblicklich den Hals umzudrehen. Denn dafür müsste ich aufstehen und dann hätte er gewonnen.

„TigerchenschätzchenwenndujetztaufhörstkriegstegleicheinsuperLeckerchen!“ murmele ich.
Leckerchen am Arsch, ey! Aufstehen! Zackzack!

Stufe 4 – der Plüsch-Elefant landet wieder mit Karacho auf meinem Unruhe-Kissen und plaziert seinen imposanten Leib neben meinem Nachtisch. Immerhin hält er an dieser Stelle fairerweise meistens kurz inne, so dass ich zumindest reagieren könnte…und streckt die Pfote aus, um alles, was greifbar ist, schön langsam und vor allem laut vom Nachttisch runterzuschmeissen. Wachs-Ohrenstöpsel  (die nicht auf dem Tisch liegen, sondern in meinem Ohr stecken sollten..aus der Reihe „Finde den Fehler“)…klong! Klong! Trotz diffuser Dunkelheit könnte ich schwören, dass mich die Katzenaugen provokant angucken. Langsam streckt er die Pfote Richtung Metall-Tablettendöschen aus…klong! Vom der Akkustik des herunterfallenden Taschentuchs offensichtlich enttäuscht, reckt sich die Pfote Richtung Brille…und..“Ist ja gut, ich steh auf!“

Während ich mich erhebe, könnte ich schwören, dass Fritzi und Tiger sich hinter meinem Rücken ein High-Five zuwerfen. Mission erfüllt!

Frau Schmitz als ranghöchste Katzen-Clan-Chefin hingegen gibt sich mit derartiger schweißtreibender Aufweck-Drecksarbeit natürlich nicht ab und begrüsst uns 3 nonchalant mit einem lässigen „Puurrr!“ in der Küche, was wohl soviel bedeutet wie „Ach, wenn ihr eh schon mal da seid..ich würd’n Häppchen mitessen.“

Ich schaufele folgsam und effizient „Pressfleischbröckchen an Glibber“ in die Näpfe und schlafe – untermalt von lautem Schmatzen zu meinen Füßen – im Stehen an der Küchenwand ein. Haustiere sind ’ne Bereicherung. Echt jetzt.

 


mohrblog

 

Der Mohrblog freut sich auch auf Facebook auf Besuch!