Archiv für den Monat: Januar 2015

Der Februar im Zeichen der Zeit – oder „Neue Challenge, neues Glück“

„Wenn du merkst, das du ein totes Pferd reitest, dann steig ab!“

Diese Weisheit wird den Dakota-Indianern zugesprochen, ich finde sie aber immer wieder
äußerst passend in vielen Bereichen des Lebens. Meine „Kuschelkurs-Challenge“ hat sich in
der Praxis recht schnell als „totes Pferd“ entpuppt – als nix wie runter vom Gaul.

Dass es fürs Seelenheil recht wenig Erleichterung bringt, sich seiner rasenden Wut nicht durch Fluch-Tiraden Luft zu machen und es nicht wirklich funktioniert, Ärger einfach fröhlich wegzuatmen, hätte mir eigentlich von Anfang an klar sein müssen, wenn ich mich einfach mal von einer anderen Seite an die Sache herangegrübelt hätte…aber hinterher hat man’s ja immer schon vorher gewußt.

Aber dennoch war der Kuschelkurs nicht vergebens – ich habe (auch mit Hilfe von Challenge-Kollegine Silke) viel über meine Verhaltensweisen an und für sich (und überhaupt und so, nech?) nachgedacht und bin zum vorläufigen Schluß gekommen, dass ich vielleicht zuerst mal für eine deutlich zen-likere Grundstimmung bei mir sorgen sollte.

Ständig wie ein schwelender Vulkan herumzueiern und versuchen, sich nicht uffzuregen, ist
so als würde man in einem Haus mit einer Gießkanne unablässig kleine Brände löschen,die
alle Naselang an anderen Stellen auflodern…..statt einfach mal den Keller aufzuräumen und die trockenen Strohballen zu entsorgen, die direkt neben dem Gasfeuerzeug liegen und beim kleinsten Fünkchen Feuer fangen. Zugegeben, der Vergleich hinkt nicht nur, der geht sogar am Stock – aber meine überaus schlauen Leser werden sicher verstehen, was ich meine.

Ich merke immer wieder, dass ich dem Chaos und den Widrigkeiten des Alltags deutlich
lässiger entgegentreten kann, wenn ich ausgeglichen und relaxt bin. („Oh, WAS für eine
vollkommen neue Erkenntnis! Das ist ja BAHN!-BRECH!-END!“…“Ruhe in den letzten
Reihen!“)

Und eine Sache, die mich ständig vom Chillen-in-der-inneren-Mitte abhält, ist das Gefühl,
keine Zeit zu haben. Wenn ich abgehetzt und gestresst bin und ständig die Uhr im Blick haben muss, weil gefühlte 246 Dinge noch „mal eben schnell“ gemacht werden müssen, kann mich schon eine simple rote Ampel aus dem Konzept bringen. Also gilt es, diesen Hetz-Zustand abzustellen, Klingt einfach, eh?

Somit steht der Februar im Zeichen einer „Time-Challenge“….ich habe mir einige Dinge
überlegt, die mein Leben deutlich entschleunigen könnten (z.B. Reduzierung der Online-Zeit,
bessere Tages- und Wochenplanung und Hinterfragen von Sinnhaftigkeit so einiger sicherlich deutlich effizienter abzuhandelnder Tätigkeiten).

Eine weitere Sache, die mich oft massivst zur Weißglut bringt, ist das Gefühl, ständig von allen Seiten mit Bitten, Wünschen, Fragen und Kannste-mal-ebens belagert zu werden…an Tagen, wo mein Handy nicht stillsteht und ich zudem noch auf allen nur erdenklichen Kanälen mit sozialem-Gemenschel überflutet werde, schlägt mein Aggr-O-Meter spätestens gegen Abend gerne mal massivst aus.

Lösungsansatz: Die Erkenntnis, dass ich doch gar nicht 24 Stunden auf allen Kanälen
„Bereitschaft“ haben muss…dass mein Handy auch locker mal ’nen Tag oder länger
ausgeschaltet unter’m Autositz liegen darf ohne dass die Welt untergeht. Das Mails auch
einfach mal NICHT oder zumindest nicht sofort beantwortet werden müssen. Das ich nicht
auf alles und jeden reagieren und auch nicht bei jedem „Kannste-mal-gerade“ aufmerken
muss.

Und vor allem – das sich auch im privaten und sozialen Bereich viele Dinge effizienter
abhandeln lassen, wenn man nicht alles ständig bis ins kleinste Detail ausdiskutieren und
wiederkäuen muss – klingt komisch, ist aber so.

Geheime Feldbeobachtungen haben ergeben, dass ich wirklich und traurigerweise in den letzten Tagen und Wochen so richtig viel Zeit damit verbracht habe, Dinge und Vorgänge, die im Prinzip mit 2 oder 3 Sätzen oder Gedanken abgehandelt und erledigt wären, immer wieder aufs Neue durchzukauen, bis die Nerven blankgescheuert sind…hier ist der Vorsatz, deutlich früher den Ausknopf zu finden und den auch konsequent zu benutzen. Denn auch in diesem Bereich gibt’s reichlich tote Pferde, die sich auch durch penetrantes In-die-Flanke-treten nicht mehr zum Weiterreiten bewegen lassen und statt Möhren bloß Zeit fressen.

Natürlich geht das nur privaten Bereich – im Büro würde ein abgestelltes Telefon und ein „Nö, das Angebot schreib‘ ich nicht und die Anfrage bearbeite ich auch nicht, keinen Bock. Ich mach‘ Challenge, weißte?“ wohl nicht so richtig auf Begeisterung stoßen.

Zum Ablauf dieser Challenge und der damit hoffentlich verbundenen Zeit-Ersparnis habe ich ziemlich konkrete Pläne (die aber erstmal ’ne Sache zwischen mir und Silke bleiben) – und bin mal gespannt, was das mit mir und auch mit meinem Umfeld macht. Vielleicht finden mich zum Monatsende alle Freunde und Bekannte doof, unsozial und nicht verlässlich….vielleicht passiert aber auch einfach überhaupt nix, die Welt dreht sich weiter und mir kommt die Erkenntnis, dass ich gar nicht so wichtig und unabkömmlich bin, wie ich immer dachte.

Wer weiß, vielleicht tut es meinem Umfeld sogar am Ende noch gut, mich nicht dauernd um sich haben zu müssen – denn Diskussionen sind ja bekanntermassen keine Einbahnstraße,  Durch mehr Effizienz spare demnach gegebenenfalls nicht nur ICH Zeit und Nerven.

Und wenn ich dann am Ende tatsächlich mehr Zeit übrig habe und entspannter bin, dann könnte ich in der März-Challenge nämlich…ach, Moment. Immer eins nach dem Anderen, Frollein!

Der „Time-Challenge“-Februar-Plan steht, also – ab aufs Pferdchen und Richtung
Glückseligkeit geritten. Horrido!

30-Tage-Kuschelkurs-Challenge – „Same shit, different day“

Als ich gestern einem ziemlich unverschämten Parkplatzdieb, der zudem noch scheinbar das dringende Bedürfnis hatte, mit seinem Kotflügel meine Seitentür zu küssen, ein beherztes „Fick dich, du Bastard!“ entgegenschmettere, fiel es mir plötzlich siedendheiß wieder ein….Challenge, da war doch was! Verflixt.

Irgendwie war ich wohl in letzter Zeit viel zu beschäftigt, um mich mit Nicht-Fluchen und Nicht-Aufregen zu befassen – aber da ich fast ausschließlich mit spannenden Projekten und tollen Menschen hantiert habe, gab’s auch wenig Anlass für Wut-Ausbrüche oder Groll. Ich war die Ruhe selbst und sowatt von zen-like, da wäre sogar Buddha himself vor Neid grün angelaufen.

Aber vor zwei Tagen kippte das Gerüst – die Realität trifft mich in aller Hässlichkeit in Form eines…nun, nennen wir es..“Eklats“, der Unmengen von Mails, Telefonaten und Kopfzerbrechen mit im Gepäck hatte und für schlaflose Nächte sorgt. Nach einer Weile ist meine Grundstimmung ins Bodenlose zermürbt und der Hausherr lässt sich bei Sichtkontakt mit mir sicherheitshalber sofort flach auf den Boden fallen und spielt toter Mann, um nur ja keinen Vulkanausbruch durch seine bloße Anwesenheit zu provozieren.

Diese gereizte Grundstimmung ist ein perfekter Nährboden für Aggro-Keime und so fliegt mir – wie der 80iger-Jahre-Sponti sagen würde – bei jeder Kleinigkeit das Blech weg.

Da aber im Januar nicht nur meine „Ich-werde-ein-guter-Mensch“-Challenge, sondern auch der Trainingsplan für den 24-Stundenlauf im April gestartet ist, der meine einsame Laufstundenanzahl im heimischen Forst deutlich erhöht hat, ist dennoch Zeit genug für Ursachenforschung und ein paar Gedanken zur Challenge während des entspannenden Trimm-Trab im matschigen Wald.

Im Gegensatz zu meiner „Kuschelkollegin“ Silke, bei der das Nicht-Fluchen und Freundlichsein zu permanenten Spannungen und Aufladung führt und die es kaum erwarten kann, bis der Februar kommt, um sich endlich wieder mal richtig Luft zu machen, liegt bei mir das Problem eher woanders, scheint mir…ich müsste eher versuchen, den Grundgroll gar nicht erst aufkommen zu lassen, statt mir einen mentalen Reissverschluß vor die wütenden Lippen zu kleben.

Blöderweise ist dem Leben als solches so eine Challenge natürlich scheißegal und niemand kann nervigen Situationen oder aufreibenden Problemen aus dem Weg gehen…aber so’n bißchen was geht bestimmt.

Ein ziemlich unbedeutendes Beispiel (also jetzt mal nix für ungut, aber die „echten“ Probleme lasse ich dann lieber unter Offline-Verschluss, man muss sich ja selbst als Blogger nicht komplett nackig machen): Mittagspausenzeit ist bei mir immer eher spärlich gesäht, und trotzdem versuche ich meistens, hundertzwölfzig Sachen in dieser knappen halben Stunde zu erledigen….schnell noch tanken, dann isses erledigt, schnell noch zur Post, schnell noch was einkaufen, schnell noch was essen, schnell noch was entspannen, jetzt aber dalli! Somit stehe ich zumeist vor Ungeduld zappelnd an der Schlange vor der Tankstellenkasse, verspüre das dringende Bedürfnis, den lahmarschigen Opa vor mir nach Strich und Faden zu verhauen, fluche über rote Ampeln, blicke ständig panisch auf den Zeitmesser und verschlucke mich fast an meiner hektisch reingestopften Stulle. Später würde ich dann am liebsten im Büro auf dem Schreibtisch zusammenbrechen, weil ich so abgehetzt bin…und bin am Ende vor allem eins: STINK!SAUER!

Das lässt sich perfekt umgehen, indem ich mein Mittagessen mitnehme und mir nix mehr kaufen muss….und einfach nur im Park auf einer Bank ohne Handy meine Stulle kaue, vor mich hinatme und entspanne. Und das Ticket nach Ausflippistan bleibt erstmal in der Schublade. Grundstimmung: Wölkchen

Und auch bei solchen Dramen wie in den letzten Tagen sollte ich einfach irgendwann den Ausknopf drücken – klar muss man Probleme angehen , aber irgendwann muss auch mal gut sein…und irgendwann dreht man sich eh nur im Kreis, kaut ständig die gleichen Phrasen wieder oder wird – wie ich – STINK!SAUER!

Da wäre es vermutlich schlauer gewesen, einfach mal Handy und PC auszuschalten, irgendwas komplett anderes zu machen und zwar BEVOR die Laune komplett in Sturm und Gewitter umschlägt – und den Scheiss einfach mal ein paar Stunden ruhen zu lassen. Ein Buch zu lesen. Spazieren zu gehen. Patschouli-Räucherstäbchen entzünden. Oder sonstigen abgeschmackten Wellness-Firlefanz zu veranstalten.

Und generell – „was Anderes machen“ scheint bei mir auch ein wichtiges Stichwort zu sein….ich merke immer wieder, dass es mich unglaublich anstrengt, abfuckt und nervt, tagelang das Gleiche zu machen, mich mit den gleichen Menschen zu umgeben und immer wieder auf den gleichen Themen und Problemen zu kauen. Sowas macht mich auch ziemlich schnell STINK!WÜTEND!
Blöderweise merke ich meist erst dann, dass ich meine Fähigkeit, ewig auf denselben Dingen herumzureiten vollkommen überstrapaziert habe, wenn das Aggro-Meter bereits dramatisch ausschlägt und ich in einer dampfenden „ICH-KANN-DEN-VERDAMMTEN-SCHEISS-NICHT-MEHR-HÖREN!“-Rauchwolke explodiere. Iss‘ auch nich‘ immer schön, vor allem für die, die sich dann am Rauch die Nasenhaare verbrennen, weil sie zu ihrem Pech gerade in der Nähe sind.

Wie genau ich daran schrauben möchte, muss ich mir noch en detail überlegen und das ist dann ein Thema für die Februar-Challenge…aber jetzt werde ich erstmal meine Fotokamera entstauben. Fotografiert habe ich nämlich schon ewig nicht mehr. Und dann werde ich ganz viele Fotos machen, um mich von meinem eigenen Lauf-/Challenge-/Dramen-Geschwätz abzulenken.

Ich kann den Scheiß nämlich nicht mehr hören. Echt jetzt.