Archiv für den Monat: März 2015

Des Lahmarschs neue Kleider

Gestern morgen bin ich über einen Blog-Kommentar gestolpert, in dem eine Lauf-Anfängerin verschämt anmerkte dass sie sich beim Tragen von allzu sportiven High-End-Funktionsfasertights und -shirts regelrecht geniert, weil sie doch so foschtbar langsam sei und auch gar keine richtige Läuferin und überhaupt…

Auch wenn mein Großhirn sofort ein kopfschüttelndes „Watt’n Blödsinn!“ entsendete, ist bzw. war mir so eine Denkweise nicht gänzlich unbekannt. Als ich vor knapp 13 Jahren meine ersten Jöggel-Schrittchen im Schutze des heimischen Forsts gewagt habe, waren „richtige“ Jogger (also jene, die mit Startnummern auf’m Bauch bei „10 km-Marathons“ mitrennen und dann bollerwagenweise Pokale nach Hause karren) in meinen ehrfürchtigen, schweissdurchtränkten Augen sowas wie unnahbare Wesen von einem anderen Stern – also, so „richtige“ Sportler eben, in so „richtigen“ strumpfhosenartigen Sportlerhosen und gemeshten Sportlershirts. Lange Zeit bin ich schwitzend und triefend in meiner ausgebeulten Baumwolljoggingbüxe Marke „Kratzt-inne-Achselhöhlen“ und einem verwaschenen Ramones-Shirt durch den Wald geschlurft und fand mich der professionellen Funktionsfaser unwürdig. In den Baumwollbuxen-Staub mit dir, unwürdiges Lahmarsch-Schlurferlein!

Meine allererste Dreivierteltight ergatterte ich bei „Sportshop Aldi“ und genierte mich fast 2 Wochen lang, bis ich das zartglänzende Teilchen zum ersten Mal auf die Laufstrecke ausführte – derart athletisch gewandet fühlte ich mich mit meiner 8-Minuten-Pace fast wie ein Betrüger. Allerdings – das Funktionsfaserbeinkleid war deutlich bequemer als meine Achselhose aus Sweatshirtstoff und hing bei Schweissfeuchte auch nicht unangenehm sackig an den Extremitäten. Nachdem ich beim örtlichen 4 km-Jedermannslauf (fürs Protokoll: Ich wurde Letzte. Hinter einer ca. 80-jährigen Schwergewichtsmatrone, die ich partout in der Zielgerade wg. drohendem Nahetod-Erlebnis nicht mehr überholen konnte) meine allererste eigene Startnummer auf dem Bauch spazierengetragen habe, fühlte ich mich der Laufgemeinschaft ohnehin doch ein klitzekleines bißchen zugehöriger und somit der Athletenkleidung einen Hauch würdiger – auch wenn ich immernoch verschreckt zusammenzuckte, wenn sich in den einschlägigen Laufforen von arroganten Superläufern über die „Pfeifen“ die „vollausgerüstet, aber im Wandertempo“ durch die „Wälder hecheln“ lustig gemacht wurde. (Heute würde ich zu solchen Beiträgen bloss ein hirneigenes „Wichtigtuerischer Vollpfosten!“ absondern und wegen so ’nen Scheiss keine weitere Sekunde Gedankenzeit verschwenden, aber wie gesagt…“richtige Läufer“…“unnahbare Superwesen“…und ich sach‘ noch…)

IMG-20140823-WA0014Nach beinahe 13 Läuferinnen-Lenzen auf dem Buckel hat sich zwar am Tempo nix nennenswert geändert, wohl aber an der Einstellung. Generell habe ich mir ohnehin eine gewisse Woschtigkeit (abgeleitet von „Iss mir woscht!“) bezüglich der Meinung meiner Mitmenschen über meine Person angeeignet und denke eigentlich kaum bis gar nicht darüber nach, ob ich mich mit meinem Verhalten/Klamotten/Meinungen nun lächerlich machen könnte. Aus diesem Grund ist es mir also ohnehin schon mal wumpe, ob ich in den Augen der gestrengen Experten als gemütliche Laufschlenderine stylish-professionelle Athletenkleidung tragen „darf“ oder nicht.

Und wenn man’s mal in einem anderen Licht betrachtet, dann ist das Tragen hübsch-bunter Bekleidung gerade von uns lahmen Laufradiergummis ein ganz schön feiner Zug:

Diese wieselflinken Laufraketen an den Spitzen der Volksläufe oder die Speed-Platzhirsche im heimischen Forst rasen ja meistens schneller vorbei, als das Publikums-Auge sie packen kann – die könnten also eigentlich Sack und Asche, Lumpen oder gleich überhaupt nix am Leib tragen. Sieht ja ohnehin keiner.

De1491715_650066351714743_3705793365042145884_nm Anblick der Lahmarsch-Fraktion unter den Läufern ist der Blick der Spaziergänger oder der Zuschauer nun aber deutlich länger ausgesetzt – also ist es doch geradezu edelmütig von uns, ebenjenen Guckerchen durch hübsch-bunte, augeschmeichelnde Kleidung ein Wohlgefallen zu sein und sie nicht durch den Anblick farblos-labbernder Joggingbuxen und gräulich-ausgeblichenen Baumwollshirts zu quälen.

So kann man das ruhig auch mal betrachten.
Find ich.


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Fotografen Ralf Jaeger u. Sigi Bullig

[mohrkochen] Ma-Pha-Da mit Käschcreme

Meine sehr verehrten Damen und Herren, heute neu aus der Reihe „quick, raw and easy“ eins meiner Lieblings-Blitzfrühstücke – täterätääää!

Der „Ma-Phada“ (gesprochen „Maffadda“)!

Dieser extrem exotische und un!-glaub!-lich originelle Name setzt sich zusammen aus „MA“ndeln…“AP“fel (die beiden teilen sich hier ganz geschwisterlich das „A“), „HA“selnuss und „DA“tteln. Und tatsächlich dauert das Niederschreiben dieser Erläuterung länger als die gesamte Zubereitung dieses süßen Frühstücks.
blaubeeren
Man benötigt
1 säuerlichen Apfel
1 EL Zitronensaft
1 Handvoll (ca. 40-50 g ) Haselnüse
1 Handvoll (ca. 40-50 g ) Mandeln
2-3 Datteln (je nach Größe und Süße der Sorte, mein Favorit ist die süße und saftige Medjool-Dattel)
1 kleine Karotte
ca. 0,5 TL Zimt

Zubereitung im Terrormix:
Karotte schälen, in 2-3 Stücke schneiden, zusammen mit den Datteln in den MIxtopf geben und 5 Sekunden auf Stufe 6 verrödeln. Den Apfel vierteln und zu den gehäckselten Dattel-Karotten in den Hexenkessel geben, Nüsse, Mandeln, Zitronensaft und Zimt zugeben und alles zusammen 4-5 Sekunden auf Stufe 5 zerkleinern.

Zubereitung im Handbetrieb:
Apfel würfeln und in Zitronensaft marinieren. Nüsse, Datteln und Karotte in der Küchenmaschine (Hackmesser) zu einer feinen, aber noch stückigen Masse verrödeln, mit Zimt abschmecken und mit dem marinierten Apfel vermischen. Fertig. Lecker. Süß.

Wenn der Ma-Phada mit ins Büro reisen soll, packe ich den marinierten Apfel immer am Vorabend in eine Tupperbox, gebe die Nussmischung drüber und parke das Ganze im Kühlschrank. Umgerührt wird dann erst am Schreibtisch kurz vor der endgültigen Vernichtung.

Dieses Frühstück ist meiner Meinung nach eigentlich schon so perfekt, wie es ist…es ist lecker, saftig und süß, es braucht keinen weiteren Schnickschnack. Für die Sonntagsversion gebe ich allerdings gerne noch frisches Obst wie z.B. Blaubeeren, Nektarine, Erdbeeren dazu und setze einen großen Eßlöffel süße Cashewsoße auf den Fruchtberg, die ich der Trendigkeit halber Käschcreme nenne und die folgendermassen fabriziert werden kann:

Zutaten:
250 gr. Cashewkernekaeschcreme
Wasser zum Einweichen
1 halbe Zitrone
3-4 Datteln (je nach Größe…je größer und saftiger die Dattel, desto süßer wird die Creme).

Die Cashewkerne und die Datteln mit Wasser bedecken und einweichen lassen…die Einweichdauer richtet sich nach dem persönlichen Zeitplan, bei mir waren es heute ca. 2 Stunden. Wenn die Kerne länger im Wasser dümpeln dürfen (gerne auch über Nacht), wird die Creme umso „seidiger“.

Die eingeweichten Kerne abtropfen lassen und mit ca. 280 ml Wasser in den Vita- oder Terrormix füllen (ich bevorzuge hier den Vitamix – im Thermomix wird die Creme nicht ganz so fein. Geht aber auch, logisch.) Zitrone auspressen und die Schale vorsichtig mit einem Sparschäler absäbeln. Zitronensaft, -schale und -fruchtfleisch zu den Cashews in den Mixer geben und alles auf höchster Stufe so lange durchrödeln lassen, bis sich eine glatte Creme ergibt. Wer es etwas flüssiger haben möchte, kann nach Gusto etwas mehr Wasser zugeben…wer lieber eine richtig dicke Pampe mag, fängt mit weniger Wasser als angegeben an.

Die fertige Creme lässt sich prima als Soße für Obstsalate verspachteln, auf Rohkosttorten klecksen, ins Müsli mischen oder mit weniger Datteln (=Süße) auch mit Salz und Schnittlauch vermischt als Salat-Häubchen oder Dips für Gemüsesticks futtern. Eigentlich kann man damit alles machen, was man mit Joghurt machen würde. Ich packe die Käschcreme immer in ein Schraubglas in den Kühlschrank, da hält sie sich mindestens eine Woche (zur längeren Haltbarkeit kann ich nix sagen, weil ich die Gläser immer vorher schon leergefuttert habe).

Bei der Zubereitung sind natürlich die Vita- oder Thermomixer ganz weit vorne, aber eine Bekannte hat’s mt einem ganz normalen Pürierstab ausprobiert und schwört, dass die Creme auch so schmeckt und angeblich sogar richtig cremig wird.
Wenn man also keinen dieser überteuerten, leistungsstarken Foodprozessoren sein eigen nennt und mit dem Pürierstab werkelt, sollte man die Kernchen allerdings lieber über Nacht einweichen lassen.


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„Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“

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„Iiiih…Küsschen von der verrückten Katzenfrau!“

Huch, tempus fugit, my ass!
Ein maximalerschrockener Blick auf den Kalender zeigte eben deutlich, dass es nun nur noch weniger als 30 Tage bis zum Startschuss des 24-Stundenlaufs am Seilersee sind, den ich auch in diesem Jahr wieder als Spendenlauf für Fellnasen in Not abspulen möchte. Letztes Jahr beim Debüt sind durch die siegreiche Kombi „Viele Unterstützer/Viele Kilometer“ über 2000 Euro in die stets hungernden Kassen der Katzenhilfe Neuwied geflossen und wir konnten damit unzähligen Miezen in Not aus selbiger heraushelfen.

Auch in diesem Jahr freue ich mich wieder über die vielen großzügigen Fellnasenmeilenpaten, die sich schon angemeldet haben (und die, die noch kommen mögen!)

Bei der Katzenhilfe Neuwied liegen mir zwei außergewöhnlich gebeutelte und dennoch so tapfere und fröhliche Schützlinge besonders am Herzen – das schwarze Katzenmädchen Tonks und der rotblonde Kater Ruby.

Tonks kam als winziges Katzenbaby zusammen mit ihren Geschwistern in unsere Obhut und litt leider von Anfang an unter chronischem Durchfall und damit verbundener Schwäche-Anfälle und Wachstumschwierigkeiten. Leider konnte bis heute keiner der zahlreichen konsultierten Tierärzte und Heilpraktiker die Gesundheitsprobleme der süßen Maus lösen – und mehr als einmal hab‘ ich mich schon flennend von Tonks verabschiedet, weil es so aussah, als würde sie die nächste Nacht nicht mehr überstehen. Aber das kleine Kämpferchen ist dem Katzen-Sensemann immer wieder ganz frech von der Schippe gehüpft und mittlerweile trotz leider immer noch unverändertem Durchfall fröhlich und weitestgehend stabil.

IMG-20140425-WA0047Kater Ruby wurde in einer stürmischen Nacht in einem ganz und gar erbärmlichen Zustand vor unserem Katzenwohnheim ausgesetzt – der blauäugige Katzenmann war abgemagert und verwahrlost, komplett verdreckt und stank zum Steinerweichen. Aber trotz seines wirklich gruseligen Zustands war er ziemlich flott wieder munter und aufmerksam und plärrte lautstark durch sein Gittertürchen, weil er gestreichelt und beachtet werden wollte. Unser Doc fand heraus, das Ruby u.a. unter einer Auto-Immunkrankheit leidet, die man leider nicht heilen, sondern nur „erträglicher“ machen kann. Nach wie vor ist Ruby eine kleine Sabberschnute, der sich durch die Bakterien in seinem Speichel regelmässig bei dem Versuch der Körperpflege von der Öhrchen- bis zur Fußspitze komplett einschmuddelt und immer aussieht wie ein kleiner Schornsteinfeger, dem die blauen Äuglein aus dem rußigen Gesicht blitzen.

Derzeit sieht es leider nicht so aus, als würde eins unserer beiden Sorgenfellchen jemals wieder richtig gesund werden und könnte in ein richtiges Zuhause umziehen – daher freut es mich ganz besonders, dass unsere Pflegestellenleiterin die beiden Drecksspätzchen so sehr ins Herz geschlossen hat, dass die Beiden bis zum hoffentlich noch in ganz weiter Ferne liegenden Lebensende bei ihr auf der Pflegestelle bleiben dürfen. Ich finde es sowas von bewundernswert, dass man bzw. frau diese ganzen persönlichen Einschränkungen und die Arbeit auf sich nimmt, um zwei Sorgenkätzchen ein zumindest ansatzweise artgerechtes, glückliches Katzenleben zu schenken. Und so ist Ingrid trotz Vollzeitjob ständig damit beschäftigt, mit dem Putzlappen hinter den beiden Ferkelchen herzulaufen, sämtliche Möbel abzudecken und täglich riesige Ladungen voller eingeschmuddelter Handtücher und Laken durch die Waschmaschine zu jagen. Ein Scheißjob – im wahrsten Sinne des Wortes.

Aber ich bin sicher, die zwei Schmuddels könnten nirgendwo auf der Welt so sehr geliebt werden – sofern sie „anderswo“ überhaupt noch am Leben wären.

IMG-20140425-WA0019Tonks und Ruby danken diesen großherzigen Einsatz allerdings auch mit ganz viel Lebensfreude und Fröhlichkeit und scheinen sich selbst am allerwenigsten um ihre gesundheitlichen Einschränkungen zu scheren. Im Sommer dürfen die Beiden auch im Außengehege toben oder mit Besuchern an der Leine im Garten spazierengehen und ist so wunderschön und rührend, dem schwarzen kleinen Teufelchen und dem rotblonden Schelm bei ihrem Schabernack zuzugucken.

Ganz sachlich gesehen sind die beiden goldigen Strauchdiebe durch ihre ständigen Tierarztbesuche, das teure Spezialfutter und Dauermedikationen nun aber leider auch 2 Geldvernichtungsmaschinen auf 8 Pfoten, die mit ihren frechen Zähnchen oft ganz schön große Löcher in unsere Vereinskasse nagen. Daher möchte ich in diesem Jahr sämtliche Spenden für die Katzenhilfe Neuwied aus dem Fellnasenmeilen-Lauf einzig und ausschließlich für die Versorgung unserer 2 süßen Schmutzfinken stiften, so dass es dem Verein ein wenig leichter gemacht wird, für die beiden Sorgenfellchen ein schönes und hoffentlich sehr, sehr langes Leben auf ihrer Pflegestelle zu finanzieren….und vielleicht springt dabei ja noch ein ganz besonders schöner und möglichst gut abwaschbarer Kratzbaum für die schmuddelnasige Rasselbande raus, denn wie man sich sicher denken hat, sorgt so ein „Scheißerchen“ wie Tonks für einen ziemlich regen Verschleiß an plüschigen Gebrauchsgegenständen.

Vielleicht mag es dem kaufmännischen Denken des ein oder anderen geneigten Unterstützers widerstreben, die hoffentlich zahlreich erlaufenen Talerchen „nur“ für 2 einzelne Katzen zu verwenden – aber letztlich bleibt dadurch ja auch wiederum mehr Geld in der Vereinskasse übrig, dass dann wieder für Kastrationen, Tierarztbesuche und die Versorgung unserer vielen anderen Fellnasen ausgegeben werden kann.

Ganz besonders mag ich gerade in diesem Zusammenhang den kitschigen Spruch „Du kannst vielleicht nicht alle Tiere der Welt retten, aber die ganze Welt für ein Tier“ – und deswegen rühre ich heute nochmal mit richtig viel Getöse und Krawall die Werbetrommel für meinen Spendenlauf.

Los, Leute – macht mit!
Für Tonks und Ruby!
Volle Schmuddelnasenkraft voraus!

Alle offenen Fragen sollten eigentlich hier beantwortet werden können – ich stehe aber bei Unklarheiten natürlich auch gerne per Mail Gewehr bei Fuß.


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