Liebesgrüße aus Verblödistan

Nach knapp zwei Jahren unter mieziger Regenschaft hege ich die Vermutung,  dass bereits vor dem Einzug einer Katze ins Haus ein nicht unerheblicher Teil der Gehirnzellen gleich beim Unterzeichnen des Schutzvertrags mit der Kugelschreibertinte auf die Vertragsunterlagen fließt. Anders lässt sich die Mutation kaum erklären, die den Hausherrn (in mittlerem Ausmaß) und mich (in beängstigend schwerem Ausmaß) zu mitunter grenzdebil babbelnden Zombies gemacht hat.

Früher waren wir nicht so.
Echt jetzt.

In FrauSchmitz6dem Moment, als Frau Schmitz ihre zuckersüßen kleinen Marzipanpfötchen Pfoten über die Schwelle des Transportkorbes gesetzt hat, erhoben wir beide unsere Stimmen in einer bisher nie gekannten Tonlage zu einem hochfrequenzigen „Ooohdufeeeeeeeinekatze!“-Chor – und irgendwie ist „das“ seitdem nicht mehr richtig weggegangen. Wann immer die samtpfötige Tigermamsell in unser Blickfeld spaziert, scheint unser Verstand entnervt das Handtuch zu werfen und wir ergehen uns in säuselnden Oden an die Miez. „Ja, Schmitzilein, ja feine Maaaaaaus, du sü-hüüüüße kleine Schmitzipumpitzi!“ Garniert wird das Gesäusel zumeist mit debil-leerem Blick und entrücktem Grinsen.

Schmitzipumpitzi schaut derweil meist konsterniert aus der Wäsche und scheint irritiert angesichts des Grades der Verblödung ihrer menschlichen Mitbewohner.
Verständlicherweise.
Im Austausch für ein Leckerchen oder Öhrchenkraulen lässt sich aber huldvoll dazu herab, uns diese akkustische Belästigung zu vergeben.

Das der Einzug von zwei zusätzlichen Samtpfoten diesen Zustand eher nicht verbessert hat, versteht sich von selbst. Wo wir uns anfangs noch gelegentlich halbherzig mit einem bestimmten „Jetzt komm‘ mal wieder RUNTER, das ist ja nur noch peinlich!“ gegenseitig zu ein wenig mehr Coolness ermahnt haben, haben wir uns seit dem Einzug von Herrn Tiger und Frollein Fritzi endgültig der vollkommenen Verblödung ergeben – wobei der Hausherr zumindest gelegentlich noch ein paar lichte Momente zu haben scheint, wie man der Fairness halber erwähnen sollte.

Komme ich von der Arbeit nach Hause und begrüsse Herrn Tiger wie üblich mit zwölfig schmatzenden Knutschern auf das wullewulleschnuffipuffi Katerköpfchen den pelzigen Schädel und überflute den sich vor Wonne kringelnden Kater dabei mit schwerstintellektuellen Fragen wie „Ja, we-heeeer IST denn mein kleiner Schatz? Ja, WER denn? Wer ist denn mein süßerpüßer Tigipummpigi? Ja, DUUU bist das, gell? Duuu bist mein kleiner Knuffipuffischatz!“, tönt zumindest hin und wieder eine tiefe Stimme aus dem Off „Glaubste nicht, der Kater hat’s inzwischen kapiert?“

(Nur um dann seinerseits dem Katzenmann den plüschigen Bauch unter Abgesang von „Ja, feiner Kater, ja feeeeeein!“ zu kraulen, wohlgemerkt.)

Der Sonntagsfilm wird oft zur Nebensache, wenn sich einer der Pelzträger entschieden hat, uns seine kuschelige Gesellschaft auf der Couch zu gewähren – und während auf der Mattscheibe Raumschiffe explodieren oder Serienkiller gejagt werden, entblöden wir uns in gequietschtem „Guck mal, was für süße Pföööö-höööötchen“ und „Ooooh, guck mal, wie niiiied-lich die/der sich die Ööööhrchen putzt!“ Hin und wieder bemerkt der Mann zwar, dass er nun doch auch mal wieder gerne ins TV gucken würde, aber vor lauter „Wuddelpuddelschmitzipumpitzi“ oder „Tigipigikleinerbabyschatz“ meinerseits versteht er ja meistens ohnehin kein Wort vom Film. Und wen interessieren schon große Kinofilme, wenn sich neben einem ein Stubentiger wälzt und unfassbar niedliche Dinge tut wie….ähem – Wälzen.
Liegen.
Atmen.

Da kann man ja durchaus schon mal vor Entzücken ausrasten.

Find ich.

(Übrigens möchten wir uns in aller Form davon distanzieren, dass unser Verhalten nur im Entferntesten Ähnlichkeit mit dem albernen Gebaren junger Eltern hat, die unablässig quietschend mit dem Kopf über dem Babybettchen in affiges „Eiwuddewuddewuuuh!“ ausbrechen.
Weil – sowas ist nämlich voll peinlich. Und total würdelos. Und sowieso was GANZ anderes.

Echt jetzt.)


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20 Gedanken zu „Liebesgrüße aus Verblödistan

  1. Andrea

    same here. Wir haben schon lange keinen Fernseher mehr und brauchen ihn auch nicht, denn unserem Mori beim Katzen-Yoga (wenn er sich vor dem Kamin oder wahlweise auf der Couch räkelt und streckt und in den schier unmöglichsten Posten verharrt) zuzuschauen ist Unterhaltung genug 🙂

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  2. Christiane

    Wahahahaha!
    100% meine Welt! Und die bessere Hälfte hat ihre anfängliche Coolness in sehr kurzer Zeit eingebüßt.
    Irgendwie machen sie es… wahrscheinlich sind es die süüüüüüßen Knuddelöhrchen…. knuddelknuddelknudd… Oh!

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  3. Jana

    Das Ganze kann dann in einem „Komm zu Papa …“, nach dem Kater 1 von 3 gerade seine jährliche und ziemlich unbeliebte Impfung durch die Tierärztin bekommen hat, gipfeln.

    Klasse beschrieben und so wahr 😀

    Liebe Grüße

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  4. Nadja

    Ich habe da so eine Theorie.
    Die wollen per Gedankenkontrolle die Weltherrschaft!
    Zum Glück ist mein Kalli zu faul dafür!

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  5. Sui

    Willkommen im Club.
    Ich unterschreibe alles, ohne mit der Wimper zu zucken
    Übrigens…auch nach 30 Kahren Katzenhaltung legt sich das absolut nicht. Kann ich definitiv versprechen.

    Miaumio
    Susi und die Fellflusenbande

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  6. Frau Fröhlich

    *gröööööhl* das kommt mir ja soooo bekannt vor 🙂 Und bei 5 Tigern benimmt man sich wahrscheinlich noch bescheuerter. Wer lebt schon freiwillig mit 5 Katzen unter einem Dach 😉

    LG Frauke

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    1. mohrblog Beitragsautor

      5 Miezen – also ICH würde sofort bei euch einziehen 😉
      Aber ich bin eigentlich ganz froh, dass unsere „Clanchefin“ Frau Schmitz nach dem Einzug der 2 Halbstarken ziemlich unmissverständlich klargemacht hat, dass sie keinen weiteren Zugang mehr wünscht. Ich helfe nämlich nebenher bei der örtlichen Katzenhilfe aus und verknalle mich da eigentlich wöchentlich neu in einen der Schützlinge und denke jedesmal „Ach..also DER/DIE könnte doch noch bei uns einziehen“…und so wären wir vermutlich ratzfatz im 10stelligen Fellnasenbereich daheim 😉 Und wenn man 10 hat, dann kommt’s auf die 11. dann vermutlich auch nicht mehr an…denke ich mal so.

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      1. Frau Fröhlich

        *ggg* ein Teufelskreis 🙂
        5 sollten es hier auch nie werden, hat sich aber einfach so ergeben durch verschiedene Umstände 😉 Aber wenn unsere 3 Alten irgendwann nicht mehr sind (was hoffentlich noch seeeeehr lange dauert), dann bleibt es bei 2 Miezen, denn 5 Ories sind teilweise schon sehr anstrengend, sodass ich manchmal, je nachdem wie fordernd die 2 jungen Wilden sind, was was das Bespaßen angeht, das Gefühl habe, die 3 Alten kommen zu kurz … was natürlich nicht der Fall ist, weil mein schlechtes Gewissen das zu verhindern weiß. Artet aber für mich dann oft in Stress aus, weil ich andere Dinge, die auch erledigt werden wollen, dann nicht erledigt bekomme *grrrrr* Aber ich möchte sie nicht missen 🙂

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Echt. Dagegen biste machtlos. Da sind bestimmt irgendwelche Duftstoffe im Fell, die Menschenhirne austrocknen oder so…

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      1. Sabine

        Bei uns geht morgens so,Kinder stehen auf,Katzendame July wackelt hinterher oder wartete schon in der Küche und bevor nur EIN Guten Morgen Mama kommt,fängt schon das schmatzige Guten Morgen Julyyy meine süßi mein Mietzekätzchen haddu beim mir heichene gemacht haddu gut geschlafen ….dududud…komm mal her ich mudd dir Knutschi geben.Und wenn das fertig ist,dann gibt es ein Guten Morgen Mama aber welcher Katzenbesitzer schmilzt nicht dahin,wenn er dieses bezaubernde Geschöpf vor sich hat 😀

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  7. Sabine

    Muuuaahh bei uns sind nicht nur papa und mama verblödet,sie haben auch die Kinder mit infiziert.Ohhh Mäusilein.Muzelchen mubidutschi Dutschiiii Grööölll 😀 Wie gut das ich jetzt weiß das ich nicht allein so bin 😉

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Ich bin ja so froh, dass ich den Artikel geschrieben habe – ich fühle mich plötzlich so verstanden und nicht mehr GANZ so verrückt 😉

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  8. Heidi Schmitt

    Ich kann Dir irgendwie folgen. Es ist nicht ohne weiteres herleitbar, wie man einen Hund namens Panini „Schlützelpawützel“ nennen kann, aber es geschieht. Täglich. Es könnte auch mal „Wöffelkatöffel“ sein. Ich weiß nicht, was da passiert. Hormonell, meine ich. Meine größte Sorge ist, es könnte versehentlich draußen passieren. Am Ende hört es jemand. Nicht auszudenken.

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Ich sag‘ nur „Obacht!“ und „Wehret den Anfängen!“
      Gerüchten zufolge sollen mich Passanten gestern dabei beobachtet haben, wie ich beim Laufen eine fremde Katze in einem Vorgarten angelockt, getätschelt und mit „Bischu-abba-eine-schüsche-mausch!“ besäuselt haben soll. Ist natürlich alles haltloser Rufmord.

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