Archiv für den Monat: Juni 2015

Lucy in the sky with…Stängele!

Die Meldung „Neuzugang im Miezhaus“ ist für meine Neugiernase immer ein Startsignal, mich möglichst flott mit Leckerchen zu bewaffnen und dem neuen vierbeinigen Bewohner meine Aufwartung zu machen. Dieses Mal sollte eine rauhbeinige ältere Katzendame mit Namen „Lucy“ eingezogen sein, deren Herz wohl nicht gerade im absoluten Übermaß für die Menschenschaft schlagen soll. Kurz: Eine zickige Oma, die gerne mal die Krallen ausfährt, wenn ihr was nicht passt – und die vermutlich richtig angepisst darüber ist, dass sie auf ihre alten Tage ihr Zuhause verloren hat und nun erstmal im Katzenknast wohnen muss. Schöner Mist. Da wäre ich auch stinkig.
Aber „eigenwillige Charakterkatzen“ mag ich ja ganz besonders gerne, also mache ich mich sogleich mit meiner schwäbischen Mitstreiterin und einer großen Packung Knabberstangen auf zum miezigen Blind-Date.

Als wir vorsichtig die Tür zum Büro der Katzenhilfe – Lucys Übergangswohnzimmer – öffnen, erblicken unsere gespannten Augenpaare zwei gefüllte Futternäpfe am Boden und eine Trinkschale…aber weit und breit niemanden, der sich an diesem Buffet bedienen könnte. Katzenoma Lucy glänzt durch zurückhaltende Contenance, was ich nachvollziehen kann. Ich würd‘ mich auch nicht jedem Hinz und Kunz in den Arm schmeißen, der einfach ungefragt in mein Hotelzimmer latscht.

Wir starten unser erprobtes Katzen-Betörungsprogramm mit dem säuseligen Anstimmen schmeichelnder Sirenengesänge. „Luuu-huuuuucy“ wispere ich unter Aufbietung meines komplettes Liebreizes in höchstmöglicher Stimmlage – „Wo biiiiist du, feinekleines Lucymäuslein?“
Wir lauschen in die Stille – nix, kein Rascheln und oder Scharren deutet darauf hin, dass irgendwo im Raum eine Katze Anstalten macht, ihr Versteck zu verlassen um uns zu kontaktieren. .
Natalie als Schwäbin weiß, das Liebe auch durch den Magen geht und raschelt verlockend mit der Knabberstangentüte. „Luuuucy, mir honn häi Stängele, kumm doch emol heeer“. Keine Reaktion.
Nachdem wir alle Strophen des Katzenlockkonzerts abgesungen haben, wechseln wir in die niedrigste Gangart, kriechen auf dem Boden zwischen Katzenklo, Futterschalen und Katzenstreusäcken herum, stecken unsere Schädel in jeden möglichen Winkel und „lu-huuuucien“ dabei unablässig mantramässig vor uns hin. Aber in keiner der abgesuchten Ecken ist auch nur ein Hauch Pelz zu entdecken – dafür ist nun allerdings der Boden porentief sauber. Wir zucken ratlos die Achseln.
Natalie bringt die Sache eindeutig auf den Punkt:
„Häi isch koi Katz!“

(Das die Katzenoma zu diesem Zeitpunkt vermutlich in luftigster Höhe von „ihrem“ Schrank aus unser unwürdiges Treiben beobachtet und dabei irgendwas Abfälliges denkt wie „Diese jämmerlichen Menschen mit ihren peinlichen, kleinen Gehirnen…erbärmlich!“ ahnen wir zum Glück nicht. Hätte aber auch nix geändert.)

Wir trösten uns mit dem Gedanken, dass die Miezenseniorin wohl gerade einen kleinen Ausflug unternimmt und pfötchenhaltend mit einem grauschläfigen, rüstigen Katzenmann auf einer Bank am Rhein in den Sonnenuntergang maunzt – und treten den Rückzug an.

lucyferFür den nächsten Versuch lassen wir uns mit genauen Koordination zur Katzen-Ortung versorgen („Auf dem höchsten Schrank im Büro, ganz oben rechts, unter dem Regal mit den Transportkörben“) und nachdem wir uns mittels Trittleiter in die nächsthöhere Ebene begeben haben, blickt uns aus der hintersten Ecke tatsächlich ein ziemlich misstrauisches Augenpaar an. „Da ist ja die LUCY!“ / „Do isch jo d’LUCY!“ quietschen wir zweisprachig und maximaleuphorisch, aber die Freude scheint doch recht einseitig.
„Luuuucy, guggemol, mir hann Stängele“ versucht Natalie ihr Glück und bricht ein kleines Stückchen der normalerweise sehr begehrten Katzenleckerei ab, um die brummige Miezenoma aus der Schrankreserve zu locken. Tatsächlich scheint Madame nicht uninteressiert und lässt sich immerhin dazu herab, sich das köstliche Angebot mit langausgestreckter Pfote (und ziemlich furchteinflössendem Blick) von der Schrankkante zu angeln. Läuft. Wir fühlen uns wie Katzenflüsterer in Reinform und brechen im Sekundentakt emsig neue Stängele-Stückle ab, um uns die Gunst der noch recht zugeknöpften Samtpfote zu erkaufen. Immerhin stimmen die Leckereien die Katzendame so milde, dass sie fast eine halbe Minute lang ihren brummig-hinreißenden Kopf unter dem Regal hervorstreckt und mir erlaubt, den lustigen roten Fellpuschel zwischen ihren Ohren zu kraulen. Ich fühle mich geadelt. Und wie zur Hölle es diese vierbeinigen Pelzträger nur immer wieder schaffen, dass man ihnen aus tiefster Faser ihres Herzens dankbar ist, wenn sie einem – metaphorisch gesehen – einen winzigen Brotkrumen vor die Füße schmeissen, wird wohl für immer ein Rätsel der Wissenschaft bleiben. Menschen müssen sich zumindest deutlich mehr anstrengen, um meine Gunst zu gewinnen – bei Katzen reicht schon ein wohlwollendes Zucken der Augenlider und mein Herz flattert ihnen im Sturzflug zu.

Beim nächsten Stängele-Kränzchen mit Lucy werden wir mutiger und kraulen zwischen den einzelnen Leckerchengaben immer wieder beherzt den brummigen Katzenkopf – und Natalie wird dafür auch nur ein klitzekleines bisschen mit Schmackes in die Hand gebissen. Grundlos, versteht sich. Die Hand war halt einfach nur da. Wir sind ja auch schließlich selbst schuld, wenn wir der kapriziösen Tigerin immer wieder unsere Griffel vor die süße Nase halten. Unwürdige Menschlein, die wir sind.

Später dann halten wir vor Überraschung den Atem an, als die Miezenmadame sich allen Ernstes anschickt, ihre Schrank-Chaiselongue zu verlassen und sich doch tatsächlich zu uns zweibeinigem Fußvolk auf den selbigen Boden zu begehen. „Heiligs Blechle!“ staunt Natalie und „Leckofatz!“ entfährt es mir. Mit einem lässigen „Ist was?“ im Blick streicht uns Lucy doch dann tatsächlich um die Beine und fordert unzweifelhaft eine Streicheleinheit ein.
„D’Lucy will gschtreichelt wärre!“
„Gibt’s ja nicht!“

Dummerweise macht meine Gefährtin aus dem Schwabenland den Fehler, der schnurrenden Lucy eine Nanosekunde lang ihre Aufmerksamkeit zu entziehen, weil ich gerade irgendeinen Blödsinn erzähle – und wird prompt für ihre unverzeihliche Missetat mit einem beidpfotigen Schlag in den Unterarm bestraft. Unter vollstem Einsatz der Krallenwerkzeuge, versteht sich. Würde ja sonst nur halb so weh tun.

LucyPunktiert und filetiert (Natalie) und ein wenig ratlos, aber erleichtert selbst nicht zerfleischt worden zu sein (ich) verlässt das schwäbische-rheinische Katzenflüstererteam das Büro bzw. die Residenz der alten Katzendame.
Aber genau wie in den gleichnamigen Lied von Simon & Garfunkel, in dem ein Boxer darüber berichtet, wie er sich bei seinen Kämpfen blutige Nasen und ein gebrochenes Ego holt und trotzdem jeden Abend erneut in den Ring steigt, stehen auch wir immer wieder bei der undurchsichtigen Miezendame auf der Matte, um uns ihr Wohlwollen zu erstängeln, ihren süßen Katzenkopf mit dem roten „Sträussle“ zu kraulen und ein paar Kratzer einzukassieren. Und dabei drücken wir Lucy natürlich alle Daumen, dass sich ganz bald jemand von ihrem rustikalen Charme ums Pfötchen wickeln lässt und sie mit nach Hause nimmt. Nur – selbstbewußt sollte der neue Besitzer schon sein. Solche Blicke abgrundtiefer Verachtung erträgt nicht jeder.


Falls jemand die getigerte Schrankbewohnerin kennenlernen möchte – derzeit ist sie bei der Katzenhilfe Neuwied zu Hause. Aber hoffentlich nicht mehr allzu lange.

Hallowach-Energieriegel

hallowachEiner der u-huuuunzähligen positiven Aspekte des Ausdauersports ist die Tatsache, dass man beim Erwähnen von Nüssen, Erdnussbutter und Schokolade nicht in „Hilfe-Hüftgold!“-Panikgeschrei einstimmen muss, sondern lautstark „Immer her damit!“ plärren kann. Glück für mich, denn zum einen mag ich diese leckeren Energieriegel viel zu gerne um Angst vor ihnen haben zu müssen, und zum anderen sind da auch noch Vitamine und Mineralien drinne. Und die sind ja erst recht kein Grund zum Fürchten, sondern toller Brennstoff für unseren Athletenkorpus.

Die Riegelchen schmecken vor und nach dem Sport und können im Winter auch zum Wandern mitgenommen werden. Wärme vertragen sie allerdings nicht so gut, weil Kokosöl und Schokolade dann weich werden. Die Erdnussbutter kann die Sache dann auch nicht mehr retten. Am besten stellt man ihnen für den Zeitraum ihrer (erfahrungsgemäß nicht allzu langen) Lebensdauer einen dauerhaften Wohnraum im Kühlschrank zur Verfügung.

Zutaten:
100 gr Kokosöl
100 gr Erdnussbutter
100 gr Zartbitterschokolade
50 gr Agavendicksaft *) – Ahornsirup wäre auch eine Option
2-3 Teel. löslicher Kaffee (je nachdem wie gerne man den braunen Wachmacher mag)

200 gr. Nüsse (Sorten nach Gusto und Vorrätigkeit)
30 gr. Amaranthpops
50 gr. Getreideflocken (je nachdem was man gerade so im Vorratsschrank findet – Hafer-/Dinkel-/Mehrkornflocken…geht und schmeckt alles)

Zubereitung im Terrormix:
Die Nüsse in den Mixtopf hüpfen lassen, 5 Sekunden auf Stufe 5 kleinhäckseln und umfüllen.
Die Schokolade in Stücke brechen, 6 Sekunden auf Stufe 6 zerkleinern, dann Kokosöl, Erdnussbutter, Agavendicksaft*) und Kaffeepulver zugeben und 5 Minuten bei 50 Grad / Stufe 1 schmelzen.
Nüsse, Amarathonpops und Flocken zugeben, 1 Minute auf Stufe 2 (mit Linkslauf) verrühren, danach alles nochmal gründlich mit einem Löffel, Spatel oder Womit-auch-immer durchmischen.

Zubereitung in Topf und Rührschüssel:
Als ersten Streich Kokosöl, Erdnussbutter, Schokolade, Agavendicksaft (oder auch nicht) und den Kaffee in eine Schüssel geben (die Schokolade vorher in Stücke brechen) und im Wasserbad erwärmen, bis alles flüssig ist. Gut durchrühren.

Der zweite Streich folgt sogleich –  Nüsse hacken, zusammen mit den Amaranthpops und den Flocken in die flüssige Kokos-Erdnuss-Schokoladenmasse geben und gründlich vermischen.

Und weiter geht’s:
Die fertige Masse kommt nun in eine Form, wo sie kaltwerden und trocknen darf (Ich nehme dazu eine rechteckige Butterbrot-Box mit dem Innenmaß 20 x 13,5 cm, dann werden die fertigen Riegel ca. 2,5 cm dick/hoch.)

Gleichmässig in der Form verteilen, gut andrücken und im Kühlschrank parken, bis die Masse kalt und schnittfest ist…dann aus der Form stürzen, mit einem scharfen Messer Riegel, Quadrate, Rauten oder Herzchen schnitzen und bis zur endgültigen Vernichtung wieder in den Kühlschrank stellen.

*) – Beim letzten Mal habe ich das süße Zeugs doch glatt komplett vergessen und mir schmecken die Riegel überraschenderweise ohne Agavendicksaft noch besser – aber das Bittere ist vielleicht nicht jedermanns Sache, also wäre meine Empfehlung: Bei ersten Mal brav nach Rezept arbeiten und das Ergebnis erstmal kosten – falls man ein herber Typ kann, kann man den Agavendicksaft ja beim nächsten Mal probeweise weglassen. Ich mach das jetzt auf jeden Fall immer so.
Check this out, nämlich.

 HIER gibt’s noch viele andere Rezepte aus dem Mohrtopf. Da ist für jeden Hunger was dabei.


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[baby belly party]

nataliesbabypartyWenn im Freundes- und Bekanntenkreis Nachwuchs einzieht, bin ich jetzt nicht unbedingt der Allererste,  der selig grinsend mit einem riesigen Stofftier unter’m Arm vor der Haustür steht, um den neuen Erdenbürger zu besuchen und „Dutzi-Dutzi“ zu machen.

Es sei denn, der Nachwuchs trägt Pelz und hat 4 Pfötchen.