[mohrmiezen] Cat on the run!

schmitzWie kein anderes Mitglied des Rudels versteht es unsere Frau Schmitz perfekt, uns glaubhaft vorzuspielen, dass sie den ganzen Tag ausschließlich damit verbracht hat, uns in jeder Sekunde zu vermissen und ungeduldig auf unsere abendliche Heimkehr zu warten. Kaum ist eine unserer Blechkutschen im Hof zu Stillstand gekommen und die Fahrertür gerade so weit geöffnet, dass ein plüschiger Katzenkörper durch den Spalt passt, schon sitzt der Schmitzster mit einem eleganten Satz im Auto auf dem Schoß des Fahrers und schnurrt sich ’nen Wolf.

Nach ausgiebigster Beschnurrung des Zweibeiners wird dann noch fix der Innenraum inspiziert, Schaltknüppel und Lenkrad kräftigst mit dem Kopf berieben und sich danach dekorativ auf dem Beifahrersitz drappiert – mit einem Blick, der ziemlich unmissverständlich klarmacht, dass sie für diese extraordinäre Leistung des Im-Auto-Rumschwarwenzelns nun aber zwölfzig Leckerchen verdient hat. Mindestens.

So niedlich diese Angewohnheit auch ist – hin und wieder werde ich ein bisschen bänglich beim Gedanken, dass die Schmitzekatze auch mal in ein fremdes Auto hopst und am Ende sogar unbemerkt mit auf Reisen geht und uns abhanden kommen könnte. Aber da ihre Spaziergänge meistens nur bis zur gegenüberliegenden Straßenseite reichen und sie dort jeder kennt  (und sie mit ihrer präsenten Körperfülle sowieso nicht unbemerkt in fremderleuts Autos herumturnen könnte) verscheuche ich übernervöse Gedanken an diesen schaurigen Worst-Case meistens schnell wieder und lasse den Innenraum meiner Karre weiterhin kräftig vom Schmitzster beschnurren.

In jenem Freitag hocke ich wie so oft um diese Zeit krummbuckelig („Kind, halt‘ dich GERADE!“ „Ja, ja…“) über meinen Monitor gebeugt und tippe mehr oder weniger brilliante Texte in meinen Computer, als vor dem Nachbarhaus ein weißer Transporter anhält. Ein kräftiger Herr entsteigt dem Gefährt, öffnet lautstark klappernd die hintere Tür und beginnt umständlich, ein monströses Paket in Spül- oder Waschmaschinengröße herauszuhieven. Unter mächtigem Ach! und Krach! gelingt es ihm dann endlich, er klingelt an der Tür des Nachbarhauses und schleift seine Ladung ächzend in den Hausflur. Ich schmunzele eine Sekunde lang über die Erkenntnis, dass ich nicht eine Sekunde lang darüber nachgedacht habe, ihm meine Hilfe anzubieten (ich meine..hey..es ist FREItag! Da muss ich nicht arbeiten!), schlürfe weiter am Morgenkaffee und hacke meine unfassbar geistreichen Gedanken in die Tastatur. Keine Sekunde später kündigt ein lautes „Klackklack!“ der Katzenklappe mit anschließendem dramatischem Geschrei im Flur an, dass Herr Tiger seinen morgendlichen Reviercheck beendet hat und nun durch sofortige Fütterung vor dem drohenden Hungertod bewahrt werden muß. Folgsam – wie es sich für einen gut abgerichteten Miezen-Sklaven gehört – schlurfe ich in die Küche, um das gewünschte Pressfleisch mit Glibber anzurichten. Sogleich fliegt auch das Frollein Fritzi von draußen ein, um sich auf die vermutlich schon verspachtelten 2-3 Mäuse noch einen Nachschlag aus der Dose abzuholen. Nur von der Schmitzekatze ist noch keine einzige Fluse zu sehen. Merkwürdig. Wo sie doch den Beinamen „Immerhungria“ trägt und normalerweise immer als Erste mit umgebundenem Schlabberlatz vor den Näpfen hockt und mit dem Besteck klappert.
Untermalt von „Schmi-hiiiitzi!“-Gesängen halte ich die Trockenfutterdose aus dem Fenster und rappele lockend in der Morgenstille herum. Nüscht.

Nebenan verlässt der Waschmaschinen-Schlepper das Haus, schließt die Tür des Transportes und besteigt die Fahrerkabine. Oh! Nein! Frau Schmitz wird doch nicht… Ich flitze aus der Haustür in den Hof. „Schmi-hiiiiiitzi!“ Meine Stimmlage hebt sich in hysterische Tonlagen. Der Fahrer lässt den Motor an und legt hörbar den ersten Gang ein. Der hat ein Kölner Kennzeichen! Der fährt jetzt nach KÖLN und kommt nie wieder! Binnen einer Nanosekunde öffnen sich sämtliche Schweißdrüsen auf meiner Epidermis, mit einem Hechtsprung spurte ich über die Straße und hämmere mit der Faust hysterisch auf den anfahrenden Transporter.
„HALT!! MEINE KATZE!!!!“

Die Anfahrt stockt und mein linker Pantoffel fliegt auf den Bürgersteig. Scheißegal! „Nicht wegfahren! Meine Katze ist da drin!“ Meine Tränendrüsen fühlen sich wohl durch die Schweißdrüsen im Zugzwang, ebenfalls mit Hochdruck ihre Arbeit zu beginnen. Mit entnervtem Gesicht steigt der momentan-nicht-ganz-so-freundliche Herr wieder aus, während ich ihm heulend und stammelnd klarmache, dass er so!-fort! die hintere Tür aufmachen muss, weil meine Miezekatze in sein Auto gehüpft ist.
SOFORT!
AUFMACHEN!

Als der Herr brummig zum Türgriff greift, sehe ich aus dem Augenwinkel, wie eine getigerte Fellkugel unter dem Malventrauch vor unserem Haus hervorklettert, sich einmal kräftig streckt, mit weitaufgerissenem Mäulchen herzhaft gähnt und mir einen irritierten Blick zuwirft. Die Schweißdrüsen legen noch ein paar Kohlen aufs Feuer und tränken meine Gesichtshaut in einen poppigen Rot-Ton. Das ist ja jetzt ein bisschen peinlich. Aber – egal. Die Schmitzekatze! Den Katzengöttern sei Dank!

Der Herr aus Köln guckt mindestens genauso irritiert, als ich ihm hochroten Kopfes erkläre, dass er nun doch gerne wegfahren darf (und das möglichst ZACKIG!), weil mein Kätzchen wohl nur tief und fest unter den Malven gepennt und das Frühstückssignal verschlafen hat. Hach…hihi…diese verrückten Kätzchen aber auch immer, die machen was sie wollen. Hihi. Nix als Sorgen mit den Kindern. Hihi. (Nu‘ hau‘ endlich ab, bevor ich vor Scham sterbe, Blödmann!)

Der weiße Transporter verschwindet auf (hoffentlich) Nimmerwiedersehen, ich sammele meinen Pantoffel ein, wische mir Tränen und Schweiß aus den Augen und werde von Frau Schmitz dekorativ im Hof thronend erwartet…mit einem Blick, der ziemlich unmissverständlich klarmacht, dass sie für diese extraordinäre Leistung des Sich-in-Luft-Auflösens-und-wieder-Materialisierens nun aber zwölfzig Leckerchen verdient hat. Mindestens.
Und ausnahmsweise stimme ihr zu.
Chapeau, Frau Schmitz.


 

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16 Gedanken zu „[mohrmiezen] Cat on the run!

  1. Frau Fröhlich

    Uaaah, ein persönlicher Albtraum !!!
    Da wäre mir aber auch das Herz in die Hose gerutscht.

    Aber ob das gnädige Frollein tatsächlich in fremde Autos einsteigen würde ? Hat sie ja bislang auch nicht. Also gehen wir mal davon aus, dass sie jetzt damit auch nicht mehr anfängt.

    Ich möchte nicht wissen, was dem Frollein so im Kopf herumging, als sie dich beobachtet hat. Von „oh, wie schön, was für Sorgen sie sich um mich macht“ bis „mein Gott ist die dämlich, ich steig doch nicht in fremde Autos“ ist ja alles möglich. 😉

    LG Frauke

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  2. Marlene

    Welch ein Krimi, nein fast schon ein Thriller 😀
    Ein wenig mehr Action hätte ich nun eigentlich schon bei der Rettungsaktion erwartet. *flöt*
    Vor dem Sprinter werfen, Reifen mit einem gezielten Wurf eines Hausschuhs blockieren …

    Zu gerne hätte ich auch ein Foto vom Fahrer sehen wollen … der Blick wie er gesagt bekommt ‚Ätsch, versteckter 1. April, kannst weiter cruisen‘

    Frau Schmitz, wenn du nächstes Mal von solch einem Tumult unter den Malvenstrauch geweckt wirst, dann lasse den armen Fahrer erst noch die Hintertür öffnen sowie einen Teil der Ladung ins freie befördern 8)

    LG
    & Kinnkrauler
    Marlene

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  3. Steif

    … dramatische Entführungszenen … da fiebert man mit! Ich finde, man sollte Katzen beim Paragraph §28 ausschliessen und sie bei den schwächeren Personen (Kinder und zerstreute ältere Herrschaften) zuordnen und daher mit in Paragraph §1 StVO ausdrücklich aufnehmen! 😀

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  4. Heike

    Ja das kennen wir hier schon!
    Wir haben auch so eine Dreierbande und noch einen Hundepapa dazu.
    Unser einäugiger Bandit Spike ist schon ein paarmal schlafenderweise mit Nachbarn mitgefahren und wurde immer wieder laut schimpfend zurück befördert.
    Also der Kater schimpft laut, weil er will ja die Welt erkunden und nicht heimgekarrt werden.
    LG Heike

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  5. wortgestoeber

    Hallo Daniela,
    das war ja ein echter Krimi . Sind Frau Schmitz und Herr Tiger und Frollein Fritzi denn gechipt ?Doch sicher und ein Halsband? Ich würde durchdrehen wenn unsere Samtpfote sich draußen herumtreiben würde , ohne mich…. G´tt sei dank das bleibt uns erspart.
    Das Titelbild ist wirklich einmalig
    LG Wortgestoeber

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Alle 3 sind gechipt und registriert, und naja…wenn ich nochmal „ganz von vorn“ anfangen würde, würde ich wohl auch eher Stubenmiezen holen. Aber eigentlich klappt das alles ganz gut – die laufen nie allzuweit weg und dürfen auch nicht über Nacht draußen bleiben.

      Aber nervös bin ich trotzdem oft 😉

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  6. Mietze

    Also da hat sich das Schmitzgetier wirklich mehr Leckerchen als sonst für verdient. Gleichzeitig schlafen und Frauchen zum Herzinfarkt bringen…das muss man erstmal schaffen

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  7. Fellindianer

    Puuuhhh … was für eine spannende Geschichte! Ich wäre ja schon hysterisch bei jedem fremden Auto welches sich der Heimat nähert *augen-verdreh*
    Sie ist aber schon eine kleine Mistmatz die Frau Schmitz 😉 <3 wir sind davon überzeugt, dass sie eure Autos genau erkennt 🙂 !!!
    Habt eine schöne Woche
    VlG, Michaela mit den Fellindianern

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Letztlich geht sie eh meistens dahin, wo es Leckerchen gibt 😉 Sofern also niemand aus ’nem fremden Auto was zu futtern darreicht, dürften wir eigentlich auf der sicheren Seite sein.

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  8. Elke

    Liebe Daniela,
    au wei, was für ’ne Nummer! Ich wäre dem aber auch hinterher gerannt, egal ob da ein Schluffen auf der Straße liegen bleibt. Glück gehabt, die Schmitzdame. Oder sie ist doch klüger als gedacht und erkennt Eure Autos. Aber ob man sich darauf verlassen kann…? Dann lieber mal einen Kurzsprint einlegen 🙂
    Liebe Grüße
    Elke

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  9. Christiane

    *lach* so kann’s gehen. Wobei ich die Angst, Deine Miezi könnte eine ungeplante Autofahrt mit einem Fremden unternehmen, gut nachvollziehen kann. Unser verstorbener Kater inspizierte bevorzugt die Autos von Tierarzt und Schmied – von innen versteht sich. Und unser Futtermittellieferant hatte mal eine Katze auf dem Wagen die irgendwo zugestiegen war.
    Danke für diese vergnügliche Geschichte zum Frühstück.
    LG Christiane

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Wir haben ja immer Katzenleckerchen (bzw. Trockenfutterstückchen) in der Tasche und anfänglich haben wir Frau Schmitz auch immer eins davon zur Begrüßung gegeben..aber das haben wir nun eingestellt, weil ich Angst hatte, dass sie glaubt, in Autos gibt es grundsätzlich immer was zu fressen 😉

      Eigentlich ist sie schon sehr schlau und erkennt unsere Autos schon am Motorengeräusch und kommt dann angeflitzt..aber man weiß ja nie.

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