Archiv für den Monat: April 2016

[mohrexperimente] Follow the white rabbit

Kennst Du schon den Tierchenpark? Die haben hier eine FB-Seite. Das musst Du Dir mal ansehen. Was die da machen ist gleichzeitig so ballaballa und so liebevoll, dass ich gleichzeitig total begeistert bin und mir andererseits ununterbrochen an den Kopf packen könnte.“


Wenn man als semi-emotionaler Tierfreund zum ersten Mal auf der Seite des „Tierchenparks“ (einem privaten Gnadenhof für Kaninchen ) landet, ist der erste Gedanke: „Ach du liebe Zeit! Die haben doch nicht mehr alle Latten am Zaun!“
So war es zumindest bei mir.

Auf der Seite werden regelmässig Fotos und kleine Anekdoten aus dem langohrigen Alltag der Tierchenparkbewohner gepostet, garniert mit Texten in einer – mit Verlaub – im höchstmöglichen Maße albernen „Kaninchensprache.“ Bei anfangs nur schwer zu verstehenden Sätzen wie „Tante, hassu mia Tolrabiblätsn mitdebringt?“ oder „Wenn du den Henrie anfassen tust, spring is dis voll ins Desicht.“ sind die Mitarbeiter der Abteilung „Intellekt“ meiner Hirnstube schon nach kürzester Zeit ohnmächtig zu Boden gesunken.baumeister

Aber bereits nach dem zweiten und dritten virtuellen Besuch im Tierchenpark beginnt eine schleichende Assimilation, und man findet sich vergleichsweise schnell beim verzückten Aufquietschen angesichts dieser vielen plüschigen Langohren wieder, saugt begeistert alle Neuigkeiten der Hasenbande in sich auf – und ehe man sich versieht, führt man schon selbst (zunächst im Schutz der eigenen 4 Wände, später dann sogar in der Öffentlichkeit) hochgeistige Konversationen mit dem Herzmann wie „Sssatzi, hastu mia was mitdebingt?“ „Nain, da nix hab iss mitdebingt, tain ain Desenk niss!“ „Dassa aine Uneathötliskeit, dann wias tu auch niss tetnuuust!“
So war es zumindest bei mir.

Allerdings – unter uns geflüstert, fällt bei mir die Saat eines höchstalbernen Verhaltens angesichts von niedlichen Vierbeinern ohnehin auf sehr fruchtbaren Boden, also ist es nicht allein dem Tierchenpark-Personal anzulasten, dass ich immer öfter mit wachsender Begeisterung Kaninchenbilder angeguckt und Kindchensprachen-Texte nachgebrabbelt habe, und nach und nach zum waschechten Fan mutiert bin.

samsifleckiWie sich nach und nach „herausgelesen“ hat, finanziert die Betreiberin Corinna Zimmermann den Tierchenpark nahezu ausschließlich aus Spenden und buttert – wie fast alle Tierschützer aus Leidenschaft – auch den größten Teil ihrer eigenen Einkünfte in die mümmelnden Mäulchen der Langohren. Und sowas finde ich immer und ausschließlich großartig und maximalunterstützenswert. So kam es am Ende fast zwangsläufig dazu, dass der Herzmann und ich statt gegenseitiger Weihnachtsgeschenke eine Patenschaft für einen der hoppelnden Tierchenparkbewohner übernommen haben und auch sonst hin und wieder gerne mal ein Scheinchen in die Tierchenparkkasse gestopft haben.

13012892_1718715975035233_5871643763114972210_nUnd natürlich wollten wir uns den Tierchenpark auch nun endlich mal selbst angucken, unseren Patenhasen James kennenlernen und unsere neugierigen Nasen in die Ställe der Hoppelmänner und -frauen stecken. Also verabredeten wir uns mit Corinna und ihrem Freund Ronny und bekamen eine Wegbeschreibung, die zwar ein bisschen an die Zufahrt zu Schlumpfhausen erinnert, aber am Ende zum plüschigen Ziel führte. Zu unserer großen Überraschungen wurden wir nicht von einem quietschigen „Oh, dassa niedlis, dassi Tante Dani dekommen iss, tnuuuuts!“ begrüßt, sondern von einem fröhlichen „Schön, dass ihr da seid!“ und einer herzlichen Umarmung. So richtig spinnen tun die also gar nicht hier im Tierchenpark, die können auch „richtig.“

Dafür quietsche ICH eine Sekunde später vor Entzücken, als ich die vielen lustigen Langöhrchen erblicke, die hier mit fröhlich wackelndem Puschelschwänzchen in der Frühlingssonne durcheinanderhüpfen. Die meisten Kaninchen kenne ich schon von Fotos, und so hat das Ganze ein bisschen was von einer Promi-Veranstaltung. „Oh, die Emma! Die ist ja noch süßer als auf den Fotos! Nein, wie toll, dahinten ist Flecki! Und der James!“ Besonders beeindruckt mich der karamellbraune Samsi, der auf den Fotos wie ein handliches Karnickelchen wirkt, aber in Wirklichkeit größer ist als ein ausgewachsener Dackel. „Watt’n Brocken!“ murmelt der Herzmmann anerkennend und Samsi kommt sogleich angehoppelt, um sich ein paar Stängel Möhrchengrün von mir zu mopsen. Ich bin entzückt. Verliebt. Begeistert. Quietschig. Und verstehe sofort, wie man dazu kommt, in diese alberne Sprache zu verfallen. „Dassa dass weiße Möahsen. Tuck mal, iss bin auch ein Möahsen“ säusele ich und rutsche mit Begeisterung vor der plüschigen weißen Hasendame Möhrchen herum, die mich leicht irritiert anguckt. „Die Alte hat sie nicht alle!“ scheinen die roten Augen zu sagen…“Aber hey..die hat Grünzeugs dabei!“ Da will man ja nicht so sein. Futtern
Wir plaudern und streicheln und fotografieren und ich kann mich nur schwer beherrschen, nicht gleich in J.F.-Kennedy-Manier auf den Tisch zu springen und „Ich bin ein Kaninchen!“ zu brüllen.

jamesfleckiSpäter dann steht die Fütterung der Raubtiere an und ich staune erneut angesichts der riesigen Mengen Salat, Äpfel, Möhren, Brokkoli, Gurke und Sellerie, die hier täglich in den Langohrmägen landen.  Während des Schnippelns und Anrichtens läuft mir das Wasser im Mund zusammen, so lecker sehen die knackfrischen Hasen-Buffets aus…und als niemand hinguckt, mampfe ich fix ein paar frische Gurkenstückchen. (Da es bestimmt für ganz schlechtes Karma sorgt, wenn man Tieren in Not das Futter wegfrisst, kaufe ich mich später noch mit einem Zehnerchen von meiner Schuld frei. Aber wenn es doch so lecker war!)
Und wenn die Sache mit dem Karma gut läuft, werde ich im nächsten Leben ja vielleicht ein Kaninchen im Tierchenpark. Wäre nicht das Schlechteste.


Nachtrag: Nikki
Ich selbst bin ja eher so ein Schönwetter-Tierschützer – bei Sonnenschein ein paar Salatblätter anreichen und den karnickelschen Bocksprüngen zugucken, ist schon ziemlich nach meinem Gusto. Aber Corinna und das gesamte Tierchenpark-Personal hüpfen ja nicht nur sonntags nonchalant mit einem Ballen Frischheu durch die Botanik, sondern kümmern sich tagein, tagaus bei jedem Wetter und jeder Gefühlslage mit ganz viel Liebe und Herzblut um ihre Schützlinge…und damit sie das auch weiterhin so gut tun können, brauchen sie jede Menge Salat- und Karottentaler. Ihr wisst worauf ich hinauswill? Ja, dann los. Auf der FB-Seite des Tierchenparks könnt ihr beim Button „Jetzt kaufen“ über PayPal ein bisschen Hilfe für die Langöhrchen schicken.
Ein paar Talerchen hat doch sicher jeder übrig.


Die Fotos, auf denen mein Kopp zu sehen ist, hat allesamt der Ronny geknipst.

[mohrkochen] OMG – Oh my Giersch!

Bekanntermassen ist mein Hirn ja ein steter Quell sprudelnder Ideen und für gewöhnlich verbringe ich mit Begeisterung Stunde um Stunde am Schreibtisch, um alle Rezepte, Anekdoten und Gedanken in meinen PC zu hacken und in die Welt zu tröten. Zur Zeit sprudelt es zwar unvermindert im Hirnkasten, aber die Aufschreib- und In-Die-Welt-Tröt-Motivation lässt zu wünschen übrig. Genauer gesagt: Meine Schreiblust tendiert gen Null. Aber – wie der Rheinländer sagt – „Datt hätt me enns!“ und vermutlich ist auch auf dieser Phase ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufgedruckt.

Aber weil ich gerade im Wald frischgrünen Jung-Giersch entdeckt habe, recycle ich einfach mal einen „alten“ Text aus einem Mohrbrief-Newsletter aus Mai 2015. Der gute Giersch kann ein wenig Imagepflege ganz sicher gebrauchen.

GierschDen meisten Hobbygärtnern ist Giersch eher als die „wuchernde Pest mit Wurzeln bis zum Erdkern“ bekannt und hat garantiert einen Spitzenplatz auf der Top-Ten des am meisten gehassten Unkrauts. Aber man kann diesem Kraut deutlich eleganter den Garaus machen als durch stoisches Ausrupfen – man kann es nämlich einfach aus seinem Garten wegfressen und sich damit selbst noch was richtig Gutes tun.

Eigentlich ist der arme grüne Giersch nämlich völlig zu Unrecht als lästiges Unkraut verschrien und sollte vielmehr als Heilkraut gepriesen werden. Die grünen Blätter enthalten 4x soviel Vitamin C wie Zitronen und sind besonders reich an Eisen, Kalium, Magnesium, Calcium, Zink, Bor, Kupfer, Mangan, Titan und Kieselsäure (genau – Kieselsäure. Ich sach‘ nur „Bindegewebe“, meine Damen!)

Die jungen hellgrünen Blätter sind noch recht zart und können einem Wildkräutersalat beigemischt werden, ältere Blätter schmecken herber und sind auch etwas zäher. Man kann sie wie Spinat kochen oder in Suppen, Soßen – und Pesti, Pestanten (oder wie auch immer die Mehrzahl von „Pesto“ lautet) werfen. Bei mir landet der gute Giersch (wie wir das gesunde Kraut bitteschön fortan nennen möchten) allerdings aus Faulheit meistens im Smoothie, am liebsten mit süßen Früchten wie reifen Bananen, Birnen und Datteln und einem Stückchen Ingwer.

Volle Gierschkraft voraus!


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