Archiv für den Monat: Mai 2016

[mohrmiezen] Mal am Rande erwähnt….

Ich finde ja, der Alltag als solcher enthält eindeutig viel zuviel Arbeit/Pflicht und viel zu wenig Pelz. Ich fordere eine tägliche Mindestkatzenanglotzzeit von 2 Stunden.
Minimum.
Und da ist die Zeit zum „Aaah!“ und „Oooch!“-Säuseln noch nicht eingerechnet. herrtiger frolleinfritziFrauschmitz


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[mohrgedanken] Von festen Vorstellungen und der Liebe

Als Teeniemädchen hatte ich ziemlich feste Vorstellung darüber, wie mein Traummann (gefälligst!) auszusehen und zu sein hatte. Ich habe mir so einen leicht hageren, blauäugigen Hünen mit dunklen Haarfransen vorgestellt, Marke „Nick Cave in jung“, der mit einem Rotweinglas in der Hand melancholische Songs schreibt oder weltschmerzige Bilder malt. Und alles in allem natürlich unfassbar intellektuell ist und total unangepasst und bohémehaft. Versteht sich von selbst. Seit mehr als 16 Jahren teile ich nun mein Leben mit einem pragmatischen Glatzkopf mit dunkelbrauen Ponyaugen, der mit Kunst ungefähr soviel am Hut hat wie ich mit den sterbenslangweiligen Weltraum-Dokus, auf die er so abfährt. Statt an Kunstwerken schraubt er lieber an seinem Auto rum und statt Rotwein trinkt er Cola. Und trotzdem gibt es auf der ganzen Welt vermutlich keinen Menschen, der besser zu mir und meinen Macken passen und mit dem der zumeist chaotische Alltag soviel Spaß machen würde.
So ist das eben mit der Liebe.

Als wir ich uns mir dann irgendwann in den Kopf gesetzt hatten, das Leben zusätzlich mit ein paar Vierbeinern zu teilen, wußte ich gleich ziemlich genau, wer da bald bei uns einziehen würde. Ich hatte mich in die Fotos von 2 kleinen Katerchen verknallt, die ich auf der Webseite der örtlichen Katzenhilfe gesehen hatte und genau die sollten es sein. Ich würde sie „Kirk“ und „Spock“ nennen und ganz sicher wären das lustige, schmusige Racker und alles würde ganz großartig werden mit den 2 pelzigen Buben.  Tja, und nur wenige Tage später saß dann in der geliehenen Transportbox eine leicht mürrische, aber zum Dahinschmelzen charmante Tigerdame , die ungefähr soviel wog wie 4 junge Kater zusammen und es auch in Sachen Lebensalter mit einem ganzen Rudel Jungspunde aufnehmen konnte. Und trotz allem war unsere Frau Schmitz von der ersten Sekunde an die entzückendeste, lustigste und maximalliebenswerteste Miezekatze, die man sich vorstellen kann und keine Sekunde lang hätte ich sie wieder gegen die kleinen Wunschkaterchen eintauschen wollen. (Der Herzmann im Übrigen auch nicht. Der hat nur ungefähr 2 Sekunden länger gebraucht, um sich Hals über Kopf in die Katzendame zu verknallen.)
So ist das eben mit der Liebe.

Und seitdem bin ich jedes Mal wieder fasziniert und begeistert, wieviele komplett unterschiedliche Katzen und Hunde aller Altersklassen und Temperamente in den Tierheimen und der Katzenhilfe auf ihre Menschen fürs Leben warten. Kleine schmusige Babykätzchen mit niedlichen dicken Bäuchleins, gelassene Katzenopas und -omas, die sich durch nix aus der Ruhe bringen lassen und zauberhafte fröhliche Miezen-Jungspunde. Lustige kleine Hundeclowns mit kurzen Beinchen und großen Herzen, langbeinige Wauz-Langstreckenläufer und Joggingkumpels mit karamellfarbenem Fell und goldenen Augen,  gemütliche Couchpotatoes, schüchterne Hundedamen deren Herz man nur zaghaft gewinnen kann. Hunde und Katzen mit langen Haaren oder glänzenden Kurzhaarfrisuren. Selbstbewußte und ängstliche Fellnasen, Große und Kleine, Alte und Junge, unkomplizierte Frohnaturen für „Anfänger“ und charakterstarke Tiere für „Kenner“.Katzen

Im Grunde spricht ja überhaupt nix dagegen, feste Vorstellungen zu haben, gerade wenn es um einen Freund fürs Leben geht. Und vermutlich hat jeder Einzelne seine (mehr oder weniger guten) Gründe dafür, einen Katze oder einen Hund „nach Maß“ zu kaufen statt ihn aus dem Tierschutz zu adoptieren. Aber bevor man Stunde um Stunde das Internet durchforstet auf der Suche nach einem Züchter, um einen Australian Sheperd-Welpen zu kaufen „mit so hellbrauen Fellstreifen um die Ohren, und blauen Augen, weil das einfach am schönsten aussieht“ – oder gar wochenlang nach einem „British-Kurzhaar Silbertabby-Katerchen, genau wie aus der Whiskas-Werbung“ sucht, schadet es auch nicht, einfach mal mit aufgeschlossenem Geist und offenem Herz ins örtliche Tierheim zu gehen. Denn wer weiß, vielleicht zieht dann am Ende ein strubbeliger Terriermix mit dunklen Knopfaugen ein, weil er einen mit seinen drolligen Streichen immer wieder zum Lachen bringt. Oder ein großer schwarzer Kater mit Bernsteinaugen und einem Knick-Ohr, der schnurrt wie ein rostiges Türscharnier und im Nullkommanix das Menschenherz für immer gefangen hat. Und ganz sicher sind das alles dann die besten Freunde fürs Leben, die man sich nur wünschen könnte.

So ist das eben mit der Liebe.hunde


(Alle pelzigen Modelle sind (z.T. ehemalige) Schützlinge der Katzenhilfe Neuwied und des Tierheims in Andernach. Und alle sind unfassbar großartig und wundervoll.)

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[mohrwandern] Oh, du schöner Westerwald! Yeah, yeah, yeah!

Normalerweise ist ein frühes Weckerklingeln selten ein Grund zur Freude, aber heute springe ich schon nach dem ersten quengeligen „Möööp!“ des Weck-Sklaven euphorisch aus der Schlafstätte. Heute ist Westerwaldmarsch. Oh happy day. Aber SOWATT von.

Diese grandiose Lauf- und Wanderveranstaltung in Rengsdorf (also quasi auf den Schultern Neuwieds und somit beinahe direkt in meinem Wohnzimmer) fiel letztes Jahr leider wegen organisatorischer Probleme und akuten Helfermangel aus, aber dieses Jahr hat es der TV Rengsdorf zum Glück wieder geschafft, dieses schmerzlich vermisste Klassentreffen laufverrückter Ultrafuzzis und naturverliebter Wandervögel wieder auf die – Achtung, mieses Wortspiel – Beine zu stellen.

Im allerersten Anlauf hatten meine Wunderkumpeline Fritzi und ich zwar geplant , die kompletten 50 km zu marschieren, aber im Laufe der Wochen haben diverse Zipperlein an Leib und Seele die Streckelänge erst auf 32 und dann final auf 20 km runterreguliert. Und obwohl Westerwaldmarsch für mich eigentlich in den letzten Jahren immer von Herzen gerne „Langdistanz“ bedeutet hat, bin ich total grün und im Reinen mit dieser Bambinistrecke. Hauptsache, man ist an der frischen Luft. Hauptsache Westerwaldmarsch. The best things in life are free. (Oder in diesem Fall für den appel-und-eiigen Betrag von „Dreifuffzisch“ erhältlich.)

Um noch eine kleine Prise Ultraluft zu schnuppern und meine ganzen verrückten, liebenswerten Läuferkumpel „von damals“ nochmal an die Brust drücken zu können, wollen wir auch um 08.00 Uhr loswandern, gemeinsam mit den Läufern. Ansonsten gibt es ja hier keine besonderen Regularien, gerade auf Schusters Rappen als Wandersmännin darf man weitestgehend loslatschen, wann man möchte, sofern man spätestens 19.00 Uhr wieder zurück ist.

Auf der kurzen Fahrt zum Start muss ich mich ständig zusammenreißen, um nicht wie ein hysterischer Flummi auf meinem Autositz hin und herzuspringen und die Vorfreude tropft mir beinahe aus den Haarspitzen. Westerwaldmaaaarsch. Yeah, yeah, yeah. Lalalalalaaaa!

ww1Schnell ist ein Parkplatz gefunden und fix sause ich Richtung Schwimmbad, um mir meine Startkarte zu ergattern und eine Prise Ultraluft zu schnuppern. Angesichts der kopflosen Freude am frühen Morgen finde ich es total beachtlich, dass ich es trotzdem geschafft habe, mich komplett und dem Anlass angemessen anzukleiden – das ich nun über die langen, offenen Schnürsenkel meiner Wandergaloschen stolpere, ist vernachlässigbar. Man kann sich ja nicht um alles kümmern. Westerwaldmarsch. Yeah, yeah, yeah!

Zwischen den parkenden Autos springt sofort Sascha auf mich zu, der Keeper von „Trailsrunnersdog“. Ich freue mir sogleich ein kinderkopfgroßes Loch in den Wanst. Viel zu lange nicht gesehen, den Typen. Die letzten beiden Male sind wir die 50 km zusammen gelaufen, aber heute..hachjanun…ach, jetzt noch wehmütig werden wäre ja auch blöd. Es ist wie es ist. Und auch wenn der Blick in den Spiegel oft Gegenteiliges vermuten lässt: Ich bin ja noch jung und vielleicht kann ich irgendwann auch wieder so wunderbar lange Strecken laufen. Und wenn nicht, dann nicht. Piffpaff.

Wanderkumpeline Fritzi trudelt ein, und nachdem wir uns gegenseitig mehrfach mit breitgebleckten Zahnreihen bestätigt haben, wir sehr wir uns auf diesen Tag freuen, schlendern wir Richtung Start. Hier wabert schon eine buntgekleidete Läufersuppe und wartet auf das „Go!“, bzw. „Run!“. Wie immer begrüßt die Organisatorin die Teilnehmer und erzählt ein bisschen was zur Strecke – und wie immer bekomme ich kein einziges Wort davon mit, weil ich angestrengt nach links und rechts plaudere und mehrfach verkünden muss, wie SEHR ich mich doch freue und wie TOLL das hier doch alles ist. Könnte ja sein, dass irgendjemand das noch nicht wusste. Das wäre ja schade drum. Finde ich.
Nach dem obligatorischen „Hui Wäller!“ „Allemol“ wird die Läufermeute dann endlich von der Kette gelassen und saust in die Botanik. Wir schlendern gemütlich hinterher. Wir haben ja Zeit.

wwAuch Petrus scheint sich zu freuen, dass hier endlich wieder bunte „Internationaler Westerwaldmarsch“-Banner im zarten Wind flattern und kübelt eimerweise feinstes Frühlingswetter aus. Mit strahlendblauem Himmel, zartgoldenen Sonnenstrahlen auf taubedeckten Wiesen und allem Zipp und Zapp. Selbst wenn ich mich ernsthaft anstrengen würde, würde mir partout nix einfallen, was hier und heute besser sein könnte. Yeah, yeah, yeah.

Die zu wandernden oder laufenden Strecken werden jedes Jahr von den fleissigen Helferchen aus dem reichhaltigen Pfade-Sortiment der Region neu zusammengestrickt und so sieht man jedes Mal ganz neue Ecken. Selbst ich, die ich nun schon seit Jahren hier regelmässig durch den Forst stromere, bin wieder aufs Neue von den Socken, welch‘ malerische Waldespracht sich vor dem Auge ergießt, wann man – so wie heute – an der „Bank hinter dem Bach“ einfach mal rechts statt wie gewohnt links abbiegt. Fritzi und ich staunen Bauklötze. Und freuen uns. Und seufzen im Minutentakt „Hachwieschöööööön!“

ww3Die Kilometer flattern nur so an uns vorbei und nach ca. 12 km verbindet sich „unsere“ Strecke wieder mit großen Runden, und wir stoßen auf die ersten 32 km-Läufer. Als wir einen knackigen Anstieg hochschnaufen, werden wir von 2 gertenschlanken Herren mit stählernden Waden überholt, die sich munter plaudernd im Laufschritt an Berg hochschrauben. Wir staunen. „Die schnaufen ja noch nicht mal.“ schnauft Fritzi erstaunt. „Und wie FLOTT die sind“ japse ich hinterher. Sachen gibt’s. Ich find’s ja immer wieder beachtlich, WIE fit man sein kann und was so alles möglich ist. Da ist bei mir noch Luft nach oben.

Wobei „Luft“ hier auf dem Weg nach oben gerade ein wenig Mangelware in meinen Lungenflügeln zu sein scheint, dafür werden wir oben mit einem weiteren Eimer voll warmer Sonne und einem allerliebsten „Prima!“-Schriftzug belohnt, den die Helfer beim Markieren der Strecke mit Kreide an einen kleinen Hang gestreut haben. „Prima!“ krakelen wir unisono und beschließen, genau hier unsere „Noch-nicht-ganz-Mittag-aber-Hunger!“-Vesper einzunehmen und „noch’n paar Läufer anzuglotzen.“
Kurze Zeit später tänzelt Christoph laufend ums Eck, der von 50 auf 32 km umgemeldet hat und unverschämterweise noch so frisch aussieht, als wäre er gerade mal losgelaufen. „Prima!“ kreischen wir kauend, wir plaudern ein paar Worte und der Herr rennt von dannen. Frisch und flockig und junges-Reh-alike. Ich ess‘ lieber noch ’ne Stulle. Und irgendwo sollten wir vielleicht doch mal weitergehen, auch wenn es gerade so idyllisch ist.prima

Beim 43 km-Schild werde ich dann doch kurzfristig noch ein wenig wehmütig – da haben wir uns „damals“ immer ganz besonders drüber gefreut, weil „ab jetzt ist Ultra!“. Wohl um mich von meiner Melancholie abzulenken, fliegt mir nach dem obligatorischen Erinnerungs-Selfie mein Smartphone in hohem Bogen aus der Hand und landet mit einem unschönen „Puluppp!“ exakt in einer tiefen, matschigen Pfütze. Eine Blase steigt auf und Fritzi und ich starren erstmal fassungslos auf die Wasseroberfläche, bis ich auf den Gedanken komme, das gute Stück vielleicht mal doch lieber aus seinem nassen Grab zu bergen. Iris, die gerade japsend (na, immerhin! Das ist ja wohl das Mindeste, was man bei so einem Anstieg erwarten kann) mit ihrem Mitläufer (Unjapsend. Unverschämt.) um die Kurve geflitzt kommt, bietet gleich ihre Hilfe beim Festhalten, Trockenlegen und Retten an, aber zum Glück ist das Teil ein Outdoor-Handy, von dem ich nur dummerweise mal die Abdeckung der Ladeöffnung abgerissen habe. Allzuviel Wasser scheint bislang nicht eingedrungen zu sein. Funktioniert noch. Puh. Ich klemme das Gerät mit der Öffnung nach unten in die Seitentasche meines Rucksackes in der Hoffnung, dass die warme Sonne da jetzt irgendwie wieder alles richtet, trocknet und heile macht. Sonne hilft ja bekanntlich immer, also bestimmt auch bei ertrunkener Elektronik. Nützt ja jetzt auch nix. Und Sich-Ärgern wäre jetzt doof.

Bereits auf dieser vergleichweise kurze Strecke zeigt sich die grandiose Vielseitigkeit unserer schönen Gegend – auf „nur“ 20 km ist wirklich alles dabei, was das Outdoorfan-Herzchen begehren könnte…schmale, wurzelige Pfade durch schattige Laubwälder, breite sonnige Waldautobahnen, lauschige Bächlein, sattgrüne Blumenwiesen und jetzt zum Schluß eben noch asphaltierte Wirtschaftwege mit blühenden Kirschbäumen und einer umwerfenden Fernsicht über Rapsfelder. Ich hab’s ja sonst nicht so mit dem Lokalstolz, aber hier schwillt mir wie immer die Brust – wir haben es echt mal verdammt unfassbar gigantisch schön. Leckofatz. Yeah, yeah, yeah.

Wie jedes Jahr erwartet mich auch dieses Mal wieder der Herzmann im Ziel, dem es in Wirklichkeit wohl weniger um den Empfang seiner Liebsten, sondern um die im Ziel angebotene Erbsensuppe mit Woscht geht – aber am Ende zählt das Ergebnis. Und das lautet: Danke, oh du wunderschöner Westerwald. Und Danke, TV Rengsdorf. Ihr seid alle großartig. Das war ein Hammertag.

(Eins noch? Na gut – „Yeah, yeah, yeah!“)westerwald

Mit einem klitzekleinen Hauch von Wehmut habe ich danach nochmal meinen Bericht vom Westerwaldlauf 2013 geschmökert und (nur ganz, ganz leise) seufzend die Bilder angeguckt. Aber alles im Leben hat eben seine Zeit. Und wer weiß, was noch alles kommt. Genug Wege und Wald sind auf jeden Fall vorhanden.


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