Archiv für den Monat: Juni 2016

[mohrwandern] Anleitung zum Aufstöbern einer Eisenerzgrube – oder „Feierabendwandern auf’m Katzenschleif“

Wenn man sich so durch die zahlreichen Berichte der Wanderbloggerkollegenschaft über die „Erlebnisschleife Katzenschleif“ schmökert, fällt vor allem eins ins Auge: Die Namensgeberin für diesen hübschen Rundkurs durchs Wiedtal, nämlich die Eisenerzgrube „Katzenschleif“, scheint zumindest auf der offiziellen Route bisher niemand gefunden zu haben. Und da es mir bei meiner Erstbegehung ganz genauso erging, habe ich mir zu für den nächsten Versuch die Unterstützung von zwei waschechten „Locals“ gesichert, genauer gesagt: Von Mutter und Vater Mohr. Meine Mama ist in der Gegend aufgewachsen und auch mein Papa kennt das Wiedtal durch unzählige Wandertouren wie seine Westentasche. Auf meine Frage, ob er weiß, wo diese ominöse Grube zu finden sein könnte, erntete ich ein knackiges „De Katzeschlääf? Jajo!“ Und so sattelten die Mohrs an Fronleichnam Schusters Rappen, um die Erlebnischleife Katzenschleif unter die Hufe zu nehmen. Da meine Eltern im Gegensatz zu mir eher foto- und öffentlichkeitsscheu sind, habe ich als folgsames Töchterlein brav darauf verzichtet, unseren gemeinsamen Wandertag fotografisch und schriftlich zu protokollieren und mich stattdessen ein paar Tage später mit meinem Freund Christian erneut auf den Weg gemacht. „Feierabendwandern“ habe ich zwar noch nie gemacht, aber so eine vergleichsweise Runde lässt sich ja auch prima nach Dienstschluß abwandern, ohne dass man Angst vor der einbrechenden Dunkelheit haben muss.13344600_1064348586966527_5409707358454641464_n

Nachdem ich Christian zum obligatorischen Wanderselfie genötigt habe, marschieren wir hochmotiviert los, und zwar nicht wie angegeben Richtung Mühlenberg, sondern mit dem von Papa Mohr eruierten Umweg über ein Waldstück mit dem adretten Namen „Fratzehölzje“. Warum das Eckchen so heißt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich finde das Wort so lustig, dass ich auf ca. 500 Metern ungefähr zwölfzig Mal „Gleich kommt ett Fratzehölzje!“ krakeele. (Und jetzt alle: „Fratzehölzje, Fratzehölzje, Fratzehölzje!“)
Im Fratzehölzje (und ich sach‘ noch!) merken wir auch gleich, dass es vielleicht nicht die allerbeste Idee war, gleich nach einem schweren Unwetter in den Wald zu stapfen, denn hier liegen die Bäume kreuz und quer wie nach einem Riesen-Mikado und zwingen uns zu einigen Klettereinlagen. Aber so jung wie heute kommen wir nie wieder zusammen ins Fratzehölzje (jaja, ist ja schon gut!), also hoch das Bein und weiter im Text.

StollenDie eigenmächtige Kursabweichung durchs Fratzehölzje (!) führt den Wandersmann nicht nur durch ein ganz besonders hübsches Fleckchen Erde mit zauberhaften Trails wie aus dem Bilderbuch, sondern leitet nach nach kurzer Wanderzeit rechts an einem leicht zugewucherten Eingang zu einem Stollen vorbei. Ob dieser Stollen nun zur bis dato unsichtbaren Grube Katzenschleif gehört, lässt sich aber leider nicht herausfinden – aber Stollen iss‘ Stollen und somit wird der Weg durch den Fratzehölzje-Schenker eindeutig „grubiger“. Piffpaff.

Nach dem Fratzehölzje (yeah, yeah!) folgt der Anstieg über den Mühlenberg, der zwar harmlos und idyllisch klingt, es aber faustdick in den Höhenmeter-Ohren hat. Aber für schweißtreibende Anstiege wird man ja immer zweifach belohnt – zum einen macht „steil“ ’nen strammen Knackpopo (zwar nicht direkt, aber langfristig gesehen), und zum Anderen gibt’s auf heimtückischen Bergen am Ende meistens Aussicht.

AussichtSo schmiegt sich auch hier kurz vor dem Dörfchen Over das malerische Waldbreitbach ganz wunderbar augenschmeichelnd vor unsere Netzhäute, und wir nutzten den hübschen Fleck Erde als Kulisse für unser wohlverdientes Abendbrot. Mit lecker‘ Stulle und süßem Backwerk in den Backentaschen bestätigen wir uns kauend, dass „Feierabendwandern echt ’ne grandiose Sache“ ist.

Und das „wir das auf jeden Fall mal wieder“ machen.

Bestens gestärkt ziehen wir weiter an Schloß Walburg vorbei und ich versorge meinen Mitwanderer mit spannenden Anekdoten aus meiner Kindheit. „Hier auf der Wiese standen früher Ponys. Eins davon hat mich mal in die Seite gebissen.“ Falls das Adrenalin angehörs dieser nervenaufregenden Geshichte Herrn Gaida beinahe aus den Wanderschuhen reißt, so kann er das zumindest gut verbergen. Banause.

Was für alle Wanderungen durchs Wiedtal gilt, trifft natürlich auch hier zu: Der Weg ist wirklich exorbitant schön und die Landschaft zum Niederknien. Da trübt es auch die Laune nicht, dass kurz vor Gasbitze die Wolken aufreißen und uns mit einem Regenguss bedenken, bei dem kein Auge (und keine Socke und auch sonst irgendwie nix) trocken bleibt. „Daheim würde man ja eh nur auf der Couch sitzen.“ Genau. Und was nass wird, wird auch wieder trocken.

GedenksteinHinter Gasbitze weichen wir erneut renitent vom Originalkurs ab und wandern am Campingplatz vorbei zum Schützenhaus. Hier wird’s nämlich extrem katzenschleifig – hier war seinerzeit der Eingang zur Grube und ein Gedenkstein und ein Förderband-Denkmal erinnert an selbige.

Ein paar Meter weiter steht auch noch eine Lore mit dem Aufdruck „Grube Katzenschleif.“ Piff, paff.

Regennass tropfend sinieren wir noch eine Weile schwerstphilosophisch vor uns hin.
„Lore..sagt man ja heute irgendwie auch nicht mehr.“
„Nee – nur wenn jemand „Lore“ heißt…Hannelore zum Beispiel.“
„Hm ja, dann schon. Aber sonst irgendwie nicht. Ist ein aussterbendes Wort.“
„Man benutzt ja nun auch keine Loren mehr. Wann soll man das Wort denn verwenden – „Harry, fahr‘ schon mal die Lore vor?“ oder „Ich spring‘ nur schnell in die Lore und hol‘ an der Tankstelle ein paar Dosen Bier!“
„Stimmt. Daran liegt’s wohl.“
„Klingt aber auch voll komisch, das Wort – Lore. Dann sag‘ ich lieber zehnmal Fratzehölzje.“

LoreNachdem wir diesen wichtigen Punkt geklärt haben, schlendern wir an der Wied entlang zurück zum Auto, verspachteln zufrieden die Proviantreste in unseren Rucksäcken und tuckern in verschiedene Richtungen heimwärts.

Noch was? Ach ja – den Track zu unserer Wanderung findest du HIER!


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