Archiv für den Monat: Mai 2017

[mohrviecher] Frau Mohr, Herr Google und Frau Schmitz

(Auch dieser Text ist nicht taufrisch, sondern aus der Retorte.
Ich hoffe, man sieht’s/liest’s mir nach.)

Als vor gut 3,5 Jahren meine allererste Katze Frau Schmitz bei uns Einzug gehalten hat, wusste ich über Katzen ungefähr soviel wie Lukas Podolski über Atomphysik. Im Nachhinein betrachtet finde ich es sogar ziemlich mutig (mit leichter Tendenz zu „leichtsinnig“) von der Neuwieder Katzenhilfe, mir die Verantwortung für dieses wundervolle Lebewesen überlassen zu haben, obwohl ich noch am Tag des Auszugs mit dem schmitzgefüllten Transportkorb in der Hand vollkommen stümperhafte Fragen wie „Was frisst’n so ’ne Katzen überhaupt? Und wieviel? Und watt‘ iss‘ mit Impfen?“ gestellt habe, was nun nicht gerade auf fundiertes Katzenwissen und einschlägige Erfahrung hingedeutet hat. Aber wie auch immer, eine gute Stunde später trippelte eine laut schnurrende Miezekatze durch unser Haus, begleitet von zweistimmigem „Jafeeeeiiinekatze!“-Gesäusel – und Mr. Google wurde mein bester Freund. Begleitet wurde diese neue Freundschaft von der Erkenntnis, dass das mit der Katzenhaltung noch nicht mal ansatzweise so leicht ist, wie ich naiverweise angenommen hatte, denn alleine die Frage „Was frisst’n so ’ne Katze?“ stößt den verwirrten Katzenneuling sogleich in wahre Glaubenskriege. „Auf jeden Fall ausschließlich hochwertiges Nassfutter, sonst ist ein umgehendes Organversagen und ein grausamer Blitztod vorprogammiert!“ Jawohl, mach‘ ich. Organversagen und Blitztod möchte ich ja schon gerne alleine deshalb vermeiden, weil ich gerade erst stramme 90 Taler an Schutzgebühr gelöhnt habe. Da soll die Katz‘ doch erstmal ein Weilchen halten.

Während ich nun also krummbuckelig zwecks Recherche im Arbeitszimmer vor meinem Monitor hockte, hörte ich draußen im Flur ein geschäftiges Scharren…aha! Aufgemerkt! Der erste Toilettenbesuch ist erfolgt! Wie aufregend. Sogleich eilte ich pflichtbewußt mit dem niegelnagelneuen Schäufelchen herbei, um Miezenklofrau zu spielen. Motiviert tauchte ich die Schüppe tief ins Streu und..nix! Kein einziges kümmerliches Klümpchen, von einem großen Geschäft ganz zu schweigend. Unschuldig rieselte das Katzenstreu klumpfrei durch das Gitter der Schaufel und ließ mich in Ratlosigkeit zurück.

Zum Glück stand ja Herr Google treu an meiner Seite und wurde umgehend zur Thematik „Katze macht kein Pipi“ befragt – und die Ergebnisse waren niederschmetternd. „Harnwegsverschluß“ wurde mir um die Ohren geschleudert, gefolgt von „Nierenversagen.“ NIERENVERSAGEN! Leckofatz! Gerade bei älteren Katzen sollen Nierenprobleme wohl gar nicht so selten sein, und eine umgehende Google-Recherche ergab: Mit ihren strammen 10 Lenzen ist meine neue Mitbewohnerin eindeutig dem „älteren Semester“ zuzuordnen. Meine Schweißdrüsen öffneten die Schleusen und verteilten Sturzbäche von Panikschweiß über Gesicht und Rücken (während die todkranke Miezekatze fröhlich maunzend mit aufgerecktem Schwänzchen auf der Treppe herumkletterte. Die Arme. Wenn die wüßte, dass hinter dem Treppenabsatz schon der Katzen-Sensemann lauerte….)

„Oooooolaf!“ kreischte ich hysterisch nach dem Herzmann „wir müssen SO!-FORT! in die Tierklinik, die Katze stirbt!“ Frau Schmitz untermalte diese Forderung durch lauthals, ja nahezu panisches, schnurrendes Um-die-Beine-Streichen. „Wieso das denn, die ist doch ganz fröhlich?“ entgegnete der Herzmann, den dramatischen Umständen zum Trotz in einem tiefentspannten Ton. Arschherzmann! „Schnell, das muss schnell gehen, die NIEREN!“ Hektisch riss ich Tür der Transportbox auf, aus der die Schmitzekatze gerade erst vor 2 Stunden so hoffnungsvoll geklettert war. „Was ist denn mit den Nieren?“ „Die macht kein Pipi! Die hat Nierenversagen!“ Der Herzmann glotzt ratlos von mir zur schnurrenden Katze und zurück.

„NIERENVERSAGEN!“ krakele ich, um die Dramatik der Situation zu unterstreichen. Ja, HIimmelherrgott, warum bewegt der Kerl sich denn nicht?
NIERENVERSAGEN!
„Woher weißte’n das? Haste in die Katze reingeguckt oder was?“ Mann. Männer! „Die war auf Klo und hat rumgescharrt und da war kein Pipi-Klümpchen drin!“ Meine Stimme beginnt zu kippen, wir verlieren doch hier wertvolle Zeit.

NIERENVERSAGEN!

„Moment mal…“ murmelt der Herzmann und stapft mit unfassbar stoischer Gelassenheit in den Keller. Die Mietzekatze trippelt neugierig hinterher. Ich trippele von einem Bein aufs andere. Gefühlte Stunden später kommt der Herzmann breitgrinsend (Was gibt’s denn da zu grinsen? DIE KATZE STIRBT!) mit der Katzenstreu-Tüte zurück, deutet mit dem Finger auf die Aufschrift „Silikat-Streu“ und feixt „Da haste dein Nierenversagen!“ Was? Ist etwa das Streu schuld am moribunden Zustand der Mieze? Mein Gehirn qualmt im Versuch, den Grund für dieses leicht schadenfrohe Amüsement zu eruieren. „Hä?“ „Na, das ist Silikat-Streu. Das klumpt nicht!“ Es dauert einen Moment, bis die Information sich durch meine Hirnwindungen gegraben und zu brauchbaren Erkenntnissen umgewandelt wurde. Ach herrje. Wenn sich also keine Pipiklumpen in der Katzenkeramik befinden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass meine neue Miezekatze dem Tod geweiht ist, sondern nur….dass ich halt eben in meiner Unkenntnis der Materie kein Klumpstreu gekauft habe. Ich Dämel. Auf die naheliegendsten Sachen kommt dieser vermaledeite Google-Trottel scheinbar nicht.

Das schlagartig vollkommen gesundete Katzentier folgt dem (immer noch breit grinsenden) Hausherrn in die oberen Gemächer, ich wechsele die schweißnasse Oberbekleidung und erteile mir selbst ein striktes Google-Verbot.
Da steckt kein Segen drin.


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[mohrviecher] Trautes Heim, Pipiglück allein!

…oder „Meine erste Nacht mit Heidi Herrlich“

(Wie man am verschneiten Foto erkennen kann, ist dieser Text schon älter und wäre mit dem „01.01.17“ korrekt datiert. Aber so grundsätzlich und überhaupt ist die kleine Anekdote zeitlos.)

Der ein oder andere erinnert sich bestimmt noch an Halle Berrys tränendurchflutete Dankesrede bei der Oscar-Verleihung, als sie mit verlaufener Mascara in Pandabären-Optik vollkommen überwältigt ihr legendäres „This moment is so much bigger than me“ ins Mikro wimmerte. Genauso hatte ich mir in den vergangenen Wochen den Moment vorgestellt, in dem Heidi Herrlich endlich, endlich nach wochenlanger Vorfreude und haareraufenden Planungen und Überlegungen für immer bei mir einziehen wird.Ich meine..hey – mein erster Hund, ein HUND, ein richtiger Hund mit 4 Beinen und Schwanz und Schnauze und allem Zipp und Zapp! Und das MIR, dem Hundetrottel, der ein Beschwichtigungs-Hundegrinsen nicht von einem drohenden Zähnefletschen unterscheiden kann und keine Ahnung hat, was ein Hund so frisst, braucht, macht und tut.

Ich.
habe.
einen.
HUND!

„This moment is so much bigger than me“. Da kannste aber sicher sein, kannste da!

Aber wie so oft in vielen Belangen macht mir die Realität einen Strich durch die glamouröse Rechnung, denn kein Paukenschlag oder Engelsgesang durchtönt die Luft, als ich die zarte Hundedame über die Schwelle trage untermalt von motivierenden „Ja, das ist jetzt dein Zuhause, ja feeeeein!“-Gesängen zur Haustür hereinschleife. Nun sitzt Heidi auf ihrer Decke, schaut mich mit großen Karamellaugen an und ich denke „Herrje!“ (und, fürs Protokoll, „Herrje“ ist so ziemlich das Gegenteil von ergriffenem „This moment is so much bigger than me“-Gewimmer.)

Herrje. Ob ich das hinkriege und ob ich das alles richtig mache? Ob sie sich in meiner Bude und meinem Leben wohlfühlen wird? Ich weiß doch nix, NIX weiß ich, ich bin doch ein Hunde-Dämel. Herrje. Während ich noch ratlos herrje-end auf die Hundedecke glotze, rollt Heidi sich auf selbiger zusammen, seufzt einmal tief und pennt ein. Na gut, für den ersten Moment scheint’s also nicht so schlimm zu sein hier im Casa Mohr.

Den ersten Tag verbringe ich mit „gucken wie der Hund guckt, gucken ob der Hund noch atmet, Haareraufen, Herrje!-Denken, Hunderatgeber wälzen, Hundeforen studieren und aufgrund dessen erneut Haareraufen und Herrje!-Denken“ – und gegen Abend erschöpft auf der Couch zusammenbrechen. Heidi hingegen wirkt nach einem Tag voller Spaziergänge und gefüllten Futternäpfen trotz permanentem Angeglotzt-Werden ziemlich zufrieden, kuschelt sich auf ihre Decke und streckt alle 4 Pfoten in die Luft.

Nun steht uns die erste Nacht ins Haus, die hoffentlich die ersehnte Antwort auf die Frage aller Fragen bringt – „Klappt das mit der Stubenreinheit?“ Als waschechtes Straßenmädchen ist Heidi die korrekte Benutzung der Freiluft-Hundetoilette vermutlich nicht vertraut, und es ist nun an mir, ihr diese näherzubringen. Ratgebern zufolge soll man ganz besonders am Anfang öfter mit dem Hund rausgehen, damit dieser „sich lösen“ kann – und ihn wie wild loben, wenn er dieses auch getan hat. Ich schnalle Heidi also gegen 21.00 Uhr in ihr Geschirr, stapfe mit ihr hochmotiviert durch die Nachbarschaft und quietsche ekstatisch „Ja, feeeeeeeein, Heidi, FEINES Pipi!“, als Heidi sich zum Pinkeln in den Nachbargarten kauert (vermutlich würde mein Nachbar das weniger „feeeeeeein“ finden, wenn er uns sehen würde, aber hier ist sich heute jeder selbst der Nächste. Wir haben schließlich eine Mission.) Wie empfohlen belohne ich meinen Hund für diese großartige Pissetat mit einem Leckerchen und freue mich nochmals lautstark in aller Deutlichkeit. „Feeeeeein, Heidi – GANZ fein!“

Zum Glück ist es eisekalt, die Straßen sind menschenleer und die Nachbarn haben die Fenster fest geschlossen.

Zurück im trauten Heim befreie ich die leergepinkelte Heidi Herrlich aus ihrem Korsett und beginne, unser Nachtlager einzurichten. Zumindest für die erste Nacht sieht mein streng durchorganisierter Frauchen-Ablaufplan vor, gemeinsam mit dem Hundetier im ebenerdigen Wohnzimmer zu schlafen, damit ich sie im Auge behalten und bei einem sich ankündigenden Pipi-Gate so!-fort! in den Garten bringen kann. Allen Ratgebern nach soll man nämlich akribisch auf „Anzeichen“ achten, die darauf hindeuten, dass der Hund „sich lösen muss“ und ratzfatz reagieren, quasi noch bevor der Hund überhaupt weiß, dass die Blase drängt. Umso schneller läuft dann nämlich die Sache mit der Stubenreinheit, weil das Tier weiß, wo das Geschäfte-Machen erwünscht ist und wo nicht.

Blöderweise habe ich keine Ahnung, wie es aussieht, wenn ein Hund seinen Drang zur Keramik signalisiert. Vermutlich wird Heidi sich keine Zeitung und Klopapierrolle unter die Pfote klemmen und forsch Richtung Badezimmer marschieren, oder lautstark „Ich muss mal!“ brüllen und beinezusammenkneifend hin- und hertrippeln. Während im TV eine schwarz-weiße Miss-Marple-Folge flimmert, beäuge ich das Hundetier. Das Hundetier äugt zurück. „Heidi, musst du Pipi?“ Heidi kringelt sich auf ihr Nachtlager und drückt die Äuglein zu. Na gut. Wohl eher nicht. Zumindest nicht so dringend. Kurze Zeit später tönt leises Schnarchen aus dem unteren Fußbodenbereich in Sofa-Nähe nach oben.

Wer schläft, pinkelt nicht. Soviel ist zumindest sicher.

Ein kurzes Weilchen später zuckt mein Hund im Schlaf und die Pfötchen strampeln aufgeregt in der Decke. Wenn es stimmt, dass das, was man in der ersten Nacht in einem neuen Zuhause träumt, auch wahr wird, dann werden wir wohl in Zukunft ziemlich viel laufen. Oder Kaninchen jagen.

Gegen halb 12 verspüre ich eine leichte Hals-Versteifung aufgrund andauerndem Heid-Anstarrens. Ob wir wohl nochmal rausgehen sollten? Meine Freundin Andrea erzählte kürzlich, dass ihre Neu-Hündin anfänglich immer um 1 und um 4 Uhr in den Garten wollte. Und besagte Neu-Hündin ist vie-hiiiiiel jünger als meine betagte Heidi. Im Alter hat man doch sicher eher mit Blasenschwäche zu kämpfen. „Ach komm, sicher ist sicher!“ Ich springe auf, Heidi schreckt hoch und ich trompete „Wir gehen jetzt Pipi-Maaaaachen!“ Wäre mein Hundetier ein Mensch, würde sie mich wohl fragen, ob ich noch alle Latten auf dem Zaun habe, schließlich waren wir doch vor gerade mal 2 Stunden draußen und so ein Hund ist doch verdammtnochmal keine Pinkelfabrik. Aber da Heidi nicht nur mein erster Hund ist, sondern ICH im Gegenzug vermutlich auch ihr erstes Frauchen bin, hält sie ein derartiges Verhalten unter Umständen für frauchennormal, lässt sich leicht widerwillig erneut ins Geschirr schnallen und zockelt mit mäßiger Begeisterung mit mir mit. Zwei Blocks weiter bin ich zwar komplett durchgefroren, aber Team Herrlich-Mohr hat immer noch keinen Vollzug an der Pipi-Front zu vermelden.

Nix.
Herrje.

Ich entscheide mich für einen Rückzug, was Heidi offensichtlich sehr entgegenkommt. Sie gibt Knie-Gas und flitzt mit Schubrakete zurück zum Haus. Die nächtliche Gassi-Motivation hält sich wohl in Grenzen. Mir soll’s recht sein. Dann schlafen wir halt erstmal ein Ründchen.

Miss Marple ermittelt unterdessen in einem neuen Fall, Heidi fällt umgehend in Tiefschlaf und auch ich döse ein Weilchen latent vor mich hin. Plötzlich vernehme ich ein Rascheln aus der Hunderichtung und sehe, wie Heidi ihr Köpfchen in meine Richtung reckt. Sofort bin ich glockenwach, mein Herz klopft. „Musst du PIPI?!“ Fast automatisch tastet meine linke Hand zur Joggingbuxe, die rechte zum Geschirr. Pipi-Gate. Schnell. Ab in den Garten! Heidi senkt den Kopf wieder auf die Decke, rollt sich ein, seufzt und nimmt ihren leisen Schnarchgesang wieder auf. Puh. Fehlalarm. Meine Lider werden schwer und sinken über die Augäpfel. Da! Wieder ein Rascheln! PIPI! Ich schrecke hoch und sehe mich wieder Aug‘ in Aug‘ mit meinem Hundetier.

Mein Blick fällt zur Uhr – halb 3.

Herrje.

Aber noch bevor ich in die Hose springen kann, schläft die vierbeinige Adelheid schon wieder tief und fest, und mein inneres Blaulicht erlischt. Dieses Szenario widerholt sich gefühlt zwölfzig Mal in dieser Nacht, und während meine Augenringe langsam in allen erdenklichen Blautönen zu schimmern beginnen vor lauter Müdigkeit, drängt sich mir der Eindruck auf, dass so ein Hund an sich vermutlich eher doch nicht stündlich literweise Urin in die Botanik kippen muss. Vermutlich möchte Heidi einfach nur ab und an mal nachschauen, ob ich noch da bin. Oder was das hier überhaupt soll mit diesem „Zuhause“ und dem ganzen Zipp und Zapp.

Vielleicht ist sie auch bloss verwirrt, weil ich sie heute nicht wie üblich vor 17 Uhr zumEinschluß zurück ins Tierheim gebracht habe.

Sicherheitshalber zerre ich das müde Hündchen trotzdem um 5.30 Uhr erneut auf die Straße, und wohl eher aus Pflichtbewußtsein plätschert sie fast resigniert ein minikleines Strählchen auf die Wiese vor dem örtlichen Altenheim, woraufhin ich mir wieder den akkustischen Partyhut aufsetze und mehrere schwersteuphorische „Feeeeeeeeins!“ in die Morgenluft jage.

Der Blick aus den Hundeaugen scheint mir zu sagen „Vorher gibste ja doch keine Ruhe, du komisches Frauchendings!“ Aber ich habe verstanden. An unserem zweiten Abend drehen wir um halb 10 eine letzte Runde durch die Nachbarschaft, ich kuschele mich in mein großes Menschenbett, Heidi in ihr kleines Hundebettchen davor, und so schlafen wir tief und fest bis zum nächsten Morgen. Ganz ohne Pipialarm. Und weil es so wunderbar unkompliziert ist, behalten wir dieses Prozedere dann einfach so bei für die nächsten Wochen. Ist ja auch irgendwie angenehmer als halbstündlich in die Kälte stapfen zu müssen.

Und Heidi denkt sich wohl dennoch mitunter, dass so ein „Frauchen“ schon eine ganz schön merkwürdige Erfindung ist.


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[mohrbacken] Ein okayer Erdbeerkuchen. Mit Mohn.

Die (mäßig spannende) Geschichte eines total okayen Erdbeerkuchens.

Ohne Schnickschnack.
Aber mit Mohn.

Als einsames Überbleibsel der Adventsbäckerei dümpelte noch ein trauriges Tütchen „Mohnfix“ in meinem Kühlschrank – und da dieses Zeugs inzwischen schon ein wenig übers Mindesthaltbarkeitsdatum hinweggedümpelt ist, wurde es nun höchste Zeit für die finale Verbackung. Den Erdbeerkuchen, der aus dieser Mohnfix-Verbackung entstand, wollte ich zuerst der Öffentlichkeit vorenthalten – zu gewöhnlich, zu „geht so“, die Erdbeeren waren nicht so richtig hübsch angerichtet und der Rand war auch’n büschen dunkel geworden. Und total unakkurat. Und überhaupt.
„Weiß gar nicht, was du hast“ murmelte der Herzmann mit vollen Backen „ist doch’n voll okayer Kuchen. Der Teig ist prima, Und mit Mohn! Ist echt okay. Kann man gut essen.“

Und dann fiel mir wieder der Artikel der großartigen Heidi Schmitt ein, in dem es zwar nicht um Erdbeerkuchen, aber um die langweilige Uniformierheit der Blogosphäre geht – alles sieht gleich aus, alles hat den gleichen Filter, die gleichen „Looks“, die gleichen fluffigzarten Pastelltöne, alles ist perfekt (oder eben absichtlich unperfekt) angerichtet, es geht nur noch um SEO-Content – und nirgendwo hat ein Erdbeerkuchen einen zu dunklen Rand.
(Lesetipp: Heidi Schmitt „10 Tipps, die du..ähm..ja…“ – KLICK! )

Und deswegen gibt es ihn noch doch hier im Mohrblog – den okayen Erdbeerkuchen. Ohne Shabby-Style, ohne Pastelltöne und auffällig-zufällige Arrangements drumherum, ohne Mirror Glaze und ohne Fondantdecke und -figürchen. Dafür mit Mohn.

Und wo ist nun das Rezept?

Ach ja, das Rezept. Darum ging’s ja eigentlich. Hier, bitte schön:

Zutaten für den Teigboden:

  • 75 g Rohrohrzucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Päckchen Bourbonvanillezucker
  • 100 g Margarine
  • 180 g Mehl (hier wurde Weizenmehl Typ 550 verbacken)
  • 1 TL geschmacksneutrales Pflanzenöl (Ich so – Rapsöl mit Buttergeschmack. Ihr so – was immer ihr mögt und im Schrank habt)

Zutaten für die Mohnfüllung:

  • 260 ml Pflanzenmilch nach Wahl (bei mir war es Sojamilch. Die musste weg.)
  • 25 g Rohrohrzucker
  • 250 g Mohnfix (meines entstammt dem Hause EDEKA und ist – zumindest laut Zutatenliste – vegan)

Zutaten für obendruff:

  • ca. 400 g Erdbeeren
  • 1 Päckchen Tortenguß, rot

Und los geht’s…mit dem Teigboden:

Anleitung für die Terrormixer:
Zucker, Mehl und Öl in den Mixtopf schubsen, die kalte Margarine in Stücken zugeben und 25 Sekunden auf Stufe 4 zusammenrödeln.

Anleitung für die Handarbeiter:
Zucker, Mehl und Öl in eine Schüssel geben, Margarine in Flöckchen drüberstreuseln und entweder mit kalten Händen oder dem Knethaken des Handmixers zügig zu einem Teig verarbeiten.

Der Teig ist (zumindest wenn der aus dem Terrormix kommt) ein wenig krümelig, aber das macht nix – so kann man ihn ganz prima gleich in eine gefettete oder gebackpapierte 26 cm-Springform krümeln, verteilen und festdrücken. Und natürlich „Rand hochziehen“ nicht vergessen! Die Springform mit dem Teigboden darf nun gerne noch ein wenig im Kühlschrank auf die Mohnfüllung warten.

Und genau die kommt jetzt an die Reihe. An dieser Stelle kann man schon mal damit beginnen, den Backofen auf 200°C vorzuheizen (Oder- und Unterhitze).

Anleitung für die Terrormixer:
Milch, Zucker und Puddingpulver in den Mixtopf geben und bei 90 Grad auf Stufe 3 kurz aufkochen lassen.

(Diese Anleitung ist allerdings nur „theoretisch“ und nicht mohr-erprobt. Da mir beim ersten Testlauf die Gefahr des Anbrennens zu groß war, habe ich sicherheitshalber einen schnöden Kochpott bemüht.)

Anleitung für die Handarbeiter:
Milch, Zucker und Puddingpulver mit einem Schneebesen gründlich verrühren und auf kleiner Flamme aufkochen lassen, Immer fleißig rühren, damit nix anbrennt – so lange, bis die Masse andickt.

In beiden Fällen wird anschließend das Mohnfix in die Puddingmasse eingerührt und die Füllung in spe auf dem Teigboden verteilt. Danach wandert die Form für ca. 45 Minuten und darf danach in Ruhe auskühlen, bevor sie mit dem Erdbeer-Hut versehen wird.

Die Erdbeeren waschen, vom Grünzeugs befreien und in Stücke schneiden. In den meisten Foodblogs werden nun erstmal aufwändige Intarsienarbeiten getätigt und akkurate Frucht-Mosaike verlegt – in meinem Fall wurden die Erdbeeren einfach nur druffgelegt und ein wenig verteilt. Ohne System und dekorativen Anspruch.

Nach erfolgreicher Erdbeerenverlegung den Tortenguß nach entsprechender Anleitung kochen (meistens mit ca. 250 ml kaltem Wasser anrühren und langsam aufkochen lassen, bis er klar wird), auf den Erdbeeren verteilen und das Gesamt-Nichtkunst-Werk bis zur Vernichtung im Kühlschrank parken.


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