[mohrviecher] Frau Mohr, Herr Google und Frau Schmitz

(Auch dieser Text ist nicht taufrisch, sondern aus der Retorte.
Ich hoffe, man sieht’s/liest’s mir nach.)

Als vor gut 3,5 Jahren meine allererste Katze Frau Schmitz bei uns Einzug gehalten hat, wusste ich über Katzen ungefähr soviel wie Lukas Podolski über Atomphysik. Im Nachhinein betrachtet finde ich es sogar ziemlich mutig (mit leichter Tendenz zu „leichtsinnig“) von der Neuwieder Katzenhilfe, mir die Verantwortung für dieses wundervolle Lebewesen überlassen zu haben, obwohl ich noch am Tag des Auszugs mit dem schmitzgefüllten Transportkorb in der Hand vollkommen stümperhafte Fragen wie „Was frisst’n so ’ne Katzen überhaupt? Und wieviel? Und watt‘ iss‘ mit Impfen?“ gestellt habe, was nun nicht gerade auf fundiertes Katzenwissen und einschlägige Erfahrung hingedeutet hat. Aber wie auch immer, eine gute Stunde später trippelte eine laut schnurrende Miezekatze durch unser Haus, begleitet von zweistimmigem „Jafeeeeiiinekatze!“-Gesäusel – und Mr. Google wurde mein bester Freund. Begleitet wurde diese neue Freundschaft von der Erkenntnis, dass das mit der Katzenhaltung noch nicht mal ansatzweise so leicht ist, wie ich naiverweise angenommen hatte, denn alleine die Frage „Was frisst’n so ’ne Katze?“ stößt den verwirrten Katzenneuling sogleich in wahre Glaubenskriege. „Auf jeden Fall ausschließlich hochwertiges Nassfutter, sonst ist ein umgehendes Organversagen und ein grausamer Blitztod vorprogammiert!“ Jawohl, mach‘ ich. Organversagen und Blitztod möchte ich ja schon gerne alleine deshalb vermeiden, weil ich gerade erst stramme 90 Taler an Schutzgebühr gelöhnt habe. Da soll die Katz‘ doch erstmal ein Weilchen halten.

Während ich nun also krummbuckelig zwecks Recherche im Arbeitszimmer vor meinem Monitor hockte, hörte ich draußen im Flur ein geschäftiges Scharren…aha! Aufgemerkt! Der erste Toilettenbesuch ist erfolgt! Wie aufregend. Sogleich eilte ich pflichtbewußt mit dem niegelnagelneuen Schäufelchen herbei, um Miezenklofrau zu spielen. Motiviert tauchte ich die Schüppe tief ins Streu und..nix! Kein einziges kümmerliches Klümpchen, von einem großen Geschäft ganz zu schweigend. Unschuldig rieselte das Katzenstreu klumpfrei durch das Gitter der Schaufel und ließ mich in Ratlosigkeit zurück.

Zum Glück stand ja Herr Google treu an meiner Seite und wurde umgehend zur Thematik „Katze macht kein Pipi“ befragt – und die Ergebnisse waren niederschmetternd. „Harnwegsverschluß“ wurde mir um die Ohren geschleudert, gefolgt von „Nierenversagen.“ NIERENVERSAGEN! Leckofatz! Gerade bei älteren Katzen sollen Nierenprobleme wohl gar nicht so selten sein, und eine umgehende Google-Recherche ergab: Mit ihren strammen 10 Lenzen ist meine neue Mitbewohnerin eindeutig dem „älteren Semester“ zuzuordnen. Meine Schweißdrüsen öffneten die Schleusen und verteilten Sturzbäche von Panikschweiß über Gesicht und Rücken (während die todkranke Miezekatze fröhlich maunzend mit aufgerecktem Schwänzchen auf der Treppe herumkletterte. Die Arme. Wenn die wüßte, dass hinter dem Treppenabsatz schon der Katzen-Sensemann lauerte….)

„Oooooolaf!“ kreischte ich hysterisch nach dem Herzmann „wir müssen SO!-FORT! in die Tierklinik, die Katze stirbt!“ Frau Schmitz untermalte diese Forderung durch lauthals, ja nahezu panisches, schnurrendes Um-die-Beine-Streichen. „Wieso das denn, die ist doch ganz fröhlich?“ entgegnete der Herzmann, den dramatischen Umständen zum Trotz in einem tiefentspannten Ton. Arschherzmann! „Schnell, das muss schnell gehen, die NIEREN!“ Hektisch riss ich Tür der Transportbox auf, aus der die Schmitzekatze gerade erst vor 2 Stunden so hoffnungsvoll geklettert war. „Was ist denn mit den Nieren?“ „Die macht kein Pipi! Die hat Nierenversagen!“ Der Herzmann glotzt ratlos von mir zur schnurrenden Katze und zurück.

„NIERENVERSAGEN!“ krakele ich, um die Dramatik der Situation zu unterstreichen. Ja, HIimmelherrgott, warum bewegt der Kerl sich denn nicht?
NIERENVERSAGEN!
„Woher weißte’n das? Haste in die Katze reingeguckt oder was?“ Mann. Männer! „Die war auf Klo und hat rumgescharrt und da war kein Pipi-Klümpchen drin!“ Meine Stimme beginnt zu kippen, wir verlieren doch hier wertvolle Zeit.

NIERENVERSAGEN!

„Moment mal…“ murmelt der Herzmann und stapft mit unfassbar stoischer Gelassenheit in den Keller. Die Mietzekatze trippelt neugierig hinterher. Ich trippele von einem Bein aufs andere. Gefühlte Stunden später kommt der Herzmann breitgrinsend (Was gibt’s denn da zu grinsen? DIE KATZE STIRBT!) mit der Katzenstreu-Tüte zurück, deutet mit dem Finger auf die Aufschrift „Silikat-Streu“ und feixt „Da haste dein Nierenversagen!“ Was? Ist etwa das Streu schuld am moribunden Zustand der Mieze? Mein Gehirn qualmt im Versuch, den Grund für dieses leicht schadenfrohe Amüsement zu eruieren. „Hä?“ „Na, das ist Silikat-Streu. Das klumpt nicht!“ Es dauert einen Moment, bis die Information sich durch meine Hirnwindungen gegraben und zu brauchbaren Erkenntnissen umgewandelt wurde. Ach herrje. Wenn sich also keine Pipiklumpen in der Katzenkeramik befinden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass meine neue Miezekatze dem Tod geweiht ist, sondern nur….dass ich halt eben in meiner Unkenntnis der Materie kein Klumpstreu gekauft habe. Ich Dämel. Auf die naheliegendsten Sachen kommt dieser vermaledeite Google-Trottel scheinbar nicht.

Das schlagartig vollkommen gesundete Katzentier folgt dem (immer noch breit grinsenden) Hausherrn in die oberen Gemächer, ich wechsele die schweißnasse Oberbekleidung und erteile mir selbst ein striktes Google-Verbot.
Da steckt kein Segen drin.


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