[mohrlaufen] Herr Boykott und Frollein Redlich

Was genau es mit diesem Medizingefasel auf sich hat, lässt sich HIER nachlesen – „Und sie bewegt sich doch!“ – [KLICK!]


Foto: Felix Russell-Saw

Bei einer Temperatur von „Überdreissisch“ fällt es mir heute ziemlich schwer, die Tube von meiner selbstverordneten Laufmedizin aufzuschrauben. Und Herr Boykott (der nervige Typ, der das Appartement Nr. 2 in meiner Hirnstube bewohnt) bringt einige durchaus anhörenswerte Argumente., die gegen das heutige Sporteln sprechen:
„Hömma, Frau Mohr – es ist aber wirklich knatscheheiß. Extensiver Ausdauersport unter freiem Himmel ist da echt nicht gesund. Das weiß man doch.“

Herr Boykott ist nämlich Gesundheitsexperte.
Der kennt sich aus.

Und zum anderen war der Tag an sich ja auch bislang gar nicht mal so richtig scheiße, mit einem gemütlichen Morgenspaziergang mit Hund, einer absolut köstlichen Riesenpizza, die der Herzmann und ich vollkommen weltmännisch im eigenen Planschbecken Pool eingenommen haben, und jeder Menge Sonne satt. Da ist die Grundstimmung ausnahmsweise mal Wölkchen – und da es mir gerade in dieser Sekunde ja überhaupt nicht mies geht, brauch‘ ich auch keine Medizin.
So faul, so gut.
Da lass‘ ich mich doch gerne drauf ein.

„Aber, aber…“ erhebt Frollein Redlich aus Appartement Nr. 3 mahnend den Zeigefinger „es ist ja nun nicht jeden Tag Sonntag, und deine Medizin ist ja eher so langfristig gedacht. Nicht nur zum direkten Draufschmieren, wenn es gerade ganz besonders weh tut, sondern eher so zum Heilemachen von Grund auf. Damit es irgendwann ÜBERHAUPT nicht mehr wehtut. Also – Laufschuhe an und raus.“

Mit diesem streitbaren Hausdrachen lege ich mich lieber nicht an. Also brettere ich folgsam mit meiner Blechkutsche ins Feld. Der Osram brutzelt erbarmungslos vom Himmel („Hättste mal nicht bis zum Spätnachmittag gewartet, du faules Stück Fleisch!“ – „Ja, ja, iss ja schon gut…“) und ächzend bringe ich meinen unwilligen Korpus in Gang.

30 Minuten habe ich mir verordnet, also sozusagen 30 Tropfen aus der Medizinflasche. 30 Minuten gehen immer, notfalls halt mit Gehpausen – es sagt ja schließlich niemand, dass man seine Lebensfreude-Tropfen nicht auch langsam und mit Päusken schlürfen darf. „Und überhaupt hat mir sowieso niemand was zu sagen, pöh“ schmollt der kleine Trotzkopf aus Appartement 4. Die Gelegenheit wird von Frollein Redlich gleich dazu genutzt, ihn dran zu erinnern, dass er diese Woche mit Treppenhaus-Putzen dran ist. Ordnung muss sein, selbst in meiner Hirnstube.

Während ich stoisch durch die hitzeschwere Luft stapfe, fällt mir wieder ein, dass ich just gestern mit einer Freundin über das Thema „Affirmationen“ gesprochen habe (war auch schon mal Thema im Mohrblog – [KLICK!] ) und finde, dass so ein knackiger Glaubensatz diesem Läufchen bestimmt noch ein wenig Nährstoffdichte bringen könnte. Nun denn…positiv formulieren, in der Gegenwartsform….“Mein Lauf ist Heilung und bringt neue Energie.“ Na, da lacht doch das Affirmantenherz! Ran an die Gewehre und losgemurmelt.
Ich leiere mein Mantra ambitioniert im Takt meiner Laufschritte herunter…“Mein – tapp – Lauf – tapp – ist – tapp…“ – das Gute an der Sache ist (zusätzlich zu der unfassbar positiven Motivation und Bestärkung, juchhe!), dass in der Hirnstube nur wenig Platz für die übliche Sorgenschwurbelei übrig bleibt, wenn man alle verfügbaren Hirnzellen („Naja, soo viele sind das bei dir ja jetzt nun nicht!“ – „Seien’se mal nicht so unhöflich, Herr Boykott!“) zum Mantra-Murmeln engagiert. Somit schlage ich gleich 2 Fliegen mir einer Klappe – ich impfe mein Unterbewußtsein mit Tip-Top-Glaubensätzen und habe zumindest für die Dauer der Affirmiererei mal kurz Pause von der Kopfkirmes. Win/win, quasi.

Nach 30 Tropfen schraube ich die Medizintube zu, schüttele die schwitzenden Glieder und murmele ein letztes „…Heilung und bringt neue Energie“ ins Maisfeld. Frollein Redlich streckt kurz den lockenwicklergespickten Kopf aus der Tür, zwinkert mir zu und zeigt ’nen Daumen-hoch.
Genau.
Da darf man auch ruhig mal mit sich zufrieden sein.
Find ich.


Projekt „Laufen gegen Psychoscheißdreck“, Lektion 2
Strecke: 4 km
Tempo: ähm…?
Stimmung: zuversichtlich. Weil – nützt ja nix.


Du willst mehr „Mohr“? Das gibt’s in meinem kostenlosen Newsletter – HIER registrieren!
Du willst NOCH mehr Mohr? Kein Problem, Frau Mohr ist käuflich. Rent-A-Mohr. Mehr Infos? HIER

4 Gedanken zu „[mohrlaufen] Herr Boykott und Frollein Redlich

  1. Juja

    Profitipp: Es ist fast Mittsommer, man kann seine 30 Minütchen auch noch abends um neun abspulen. Da gibt’s immer noch Tageslicht, und die Temperaturen sind dann zumindest so bisschen erträglicher. Ansonsten auch von mir Daumen hoch, läuft! 😀

    Antworten
    1. mohrblog Beitragsautor

      Ja, das passt halt alles nicht immer so richtig in den Zeitplan – denn auch der HUND mag es gerne abends später wenn es kühler ist 😉 Laufen wiederum mag er nicht so.

      Aber man schwitzt sich halt so durch 😉

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*