[mohrgedanken] Von Plänen, Chaos, Fieber und Hoffnung

Wie töricht ist es, Pläne für das ganze Leben zu machen,
da wir doch nicht einmal Herren des morgigen Tages sind.

                                                                                       (Lucius Annaeus Seneca)


Wie der (hoffentlich trotz allem noch immer) treue Leser des Mohrblogs weiß, habe ich gerade nicht unbedingt die allerbeste Zeit meines Lebens. Vorsichtig ausgedrückt. Seit April hat mich meine Psychokirmes inklusive aller dazugehörigen Sorgen und Nöte fest im Klammergriff und mit jedem Schrittchen nach vorne geht’s leider auch oft wieder 2 Schritte zurück. Nützt nix. Ist so. Muss man nehmen, wie es ist.

Inzwischen habe ich meinen (bombensicheren, gutbezahlten) Vollzeitjob gekündigt, um im September einen Teilzeitjob „hier ums Eck“ anzutreten, der zwar auch gut bezahlt ist, aber eben natürlich in Summe aufgrund der Hälfte der Arbeitsstunden eben auch nur die Hälfte der so dringend benötigten Kohle einbringt. Den freien August wollte ich nutzen, um mit Vollgas an Körper und Geist zu gesunden und einige freiberufliche Projekte anzuleiern und anzutreiben, die die Kluft zwischen Lohn und „Kohle, die nötig ist“ zu schließen. Spitzenplan. Hätte auch großartig klappen können….wenn nicht…ja, wenn nicht am 04.08. mein Hundetierchen Heidi Herrlich plötzlich ein wenig schlapp daherkam, nicht richtig fressen wollte und 2 Tage später so müd, matt und wackelig war, dass ich mit ihr in die nahegelegene Tierklinik brauste.

Dort stellte man Fieber und leichte Dehydration fest, legte sie erstmal an den Tropf und verabreichte ihr Fiebersenker. Bis dato noch kein Grund für große Aufregung, man vermutete einen leichten Infekt und nachdem Heidi nach der Infusion wieder fröhlich dahertrippelte, machte ich mir auch keine allzu großen Sorgen. Am nächsten Tag fieberte das Hundetier allerdings erneut schwer und blickte mit trübem Blick in den Futternapf, statt ihn wie gewohnt enthusiatisch auszuschlabbern. Also – Tierklinik. Fiebersenker. Großes Blutbild. Organprofil. Leichte Ratlosigkeit. Von diesem Tag an verging keiner ohne schwere Fieberschübe, ohne Besuche in der Klinik, ohne dass mein Hundetier nicht mit jedem Tag ein wenig schlapper wurde. Das einzige, was fehlte, war eine brauchbare Diagnose – großes Tappen im Dunklen war angesagt und brauchte mich vor Angst und Sorge um Schlaf und Verstand. Zusätzlich dazu rasselten mir die Talerchen und die freien Tage wie Sand durch die Finger, und nach und nach bröckelte alles über mir zusammen. Erholung an Körper und Geist? Freiberufliche Projektplanung? Am Arsch. Mit vor Angst schmerzendem Herzen kreiste ich um mein Hundetier und versuchte verzweifelt, irgendwie Hilfe zu finden. Inzwischen hatte Heidi den größten Krisenstab, den je ein Hund gehabt haben mag, sämtliche Freunde, Bekannte und auch Ärzte und Experten wirbelten unäblässig im Hintergrund, um eine Lösung zu finden. Auch wenn ich nachts oft vor Verzweiflung und Hilflosigkeit zitternd neben meinem fiebernden Hundetier saß und mich unfassbar alleine gefühlt habe mit der schweren Aufgabe, ihr irgendwie das Leben zu retten, waren immer Freunde im Hintergrund und haben uns getragen.

Schlußendlich konnten die Experten in der Tierklinik Hofheim nun endlich, endlich eine Endokarditis entdecken – ob diese Entzündung am Herzen schon von Anfang an der Grund für die schlimmen Fieberschübe war oder ob sich eine wie-auch-immer-geartetete Infektion im Laufe der letzten Wochen am Ende aufs Herz gelegt hat, kann man vermutlich nicht sagen, aber endlich, endlich scheint eine Behandlung gefunden zu sein, die auch endlich, endlich anschlägt und Erfolge zeigt. Seit letzten Montag ist Heidi nun stationär in Hofheim aufgenommen und wird dort behandelt, seitdem ist sie fieberfrei und die täglichen kurzen telefonischen „Lageberichte“ der behandelnden Ärztin lassen ganz viel Platz für Hoffnung. „Sie macht sich weiter sehr gut, frisst und trinkt inzwischen sehr gut und ist insgesamt munter, aber auch unglaublich brav.“

Und jetzt habe ich auch wieder Zeit, die Trümmer meiner Pläne, meiner Gesundheit und meines Girokontos zusammenzufegen und zu schauen, was zu retten ist. Die letzten Wochen haben mal wieder deutlich gezeigt, dass oft alles anders kommt als gedacht, und dass man die Dinge nehmen muss, wie sie sind. Nützt ja nix. Ist so.

Aber natürlich habe ich auch was gelernt:
– Es geht immer irgendwie weiter.
– Man kann fast alles schaffen, wenn man gute Freunde an der Seite hat. Und es zeigt sich in solchen Situationen oft überraschend, wer einem zur Seite steht (und sei es „nur“ durch Daumendrücken oder ein kurzes Hilfsangebot) – und wer sich einfach tot stellt.
– Mein kleines Hundetier ist unfassbar stark und tapfer ist und hängt mit jeder Faser seines Herzens am Leben.
– Das Leben ist manchmal ein verrücktes kleines Arschloch.

Also – weiter geht’s! Und bald wird auch wieder gelacht. Versprochen.


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4 Gedanken zu „[mohrgedanken] Von Plänen, Chaos, Fieber und Hoffnung

  1. Krisi von Excusemebut...

    Ich wünsche dir viel Kraft, bzhw ,viele erholsame Stunden/Tage um wieder Kraft zu sammeln.. ICh kann mir sehr gut vorstellen, wie auslaugend diese letzten Tage für dich waren. Zum Glück geht es deinem Hund nun wieder besser!
    Liebe Grüsse,
    Krisi

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  2. mandy

    Liebe Daniela, ich komme mal mit flottem Spruch, aber wirklich wirklich von Herzen:
    Nur wo eine Tür zugeht, geht eine neue auf, am sichersten, wenn man sie selbst geschlossen hat.
    Ich weiß es wirklich ganz sicher aus eigener Erfahrung: es muss ein Jahr drüber gehen, dann siehst du, wozu es gut ist oder war.
    Darüber hinaus: Miss You! Ich drück die Daumen weiter für das Hundetirchen und denk an sowieso an euch.

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