Archiv des Autors: mohrblog

[mohrwandern] S.O.S! Guter Vorsatz in Not!

Als ich mich an diesem jungen Januarmorgen von meiner Schlafstätte erhebe, stoße ich beim Aufstehen mit dem rechten Fuß gegen etwas Weiches auf dem Boden. Ein leises, kraftloses Röcheln dringt an mein Ohr, und auch der linke Fuß fühlt nun ein schlaffes gummiartiges Etwas an der großen Zehe. „Was in Dreiteufelsnamen…?“ Als ich das Licht anknipse, bietet sich meinen müden Netzhäuten ein wahres Schlachtfeld auf dem Holzboden: Da liegen sie, alle meinen guten Vorsätze fürs neue Jahr, saft- und kraftlos und schon fast vergessen. „4-Liter-am-Tag-Trinken“ lugt vertrocknet wie eine alte Dörrpflaume unter dem Papierstapel für die Steuererklärung hervor, und „Ganz-viel-Sport“ windet sich in Krämpfen zwischen den alten Socken. „Mehr-Gemüse-und-Obst“ fächelt sich mit hochrotem Kopf erschöpft Luft zu und auch „Weniger-Internet-mehr-Bücher“ liegt in den letzten Atemzügen. „Viele-schöne-Dinge-erleben“ winkt mir noch einmal schlapp zu und bricht entkräftet zwischen meinen verstaubten Laufschuhen zusammen.

Als ich das Ausmaß der Tragödie erfasse, schwanke ich zwischen Entsetzen und Scham. Wir schreiben gerade mal den 9. Januar und alle meinen ach!-so-guten Vorsätze liegen bereits im Sterben. Wie jämmerlich.

Aber noch ist Polen nicht verloren, denn in den schlappen Vorsatz-Soldaten zu meinen Füßen glimmt offensichtlich zumindest noch ein kleiner Funke Leben – und so beschließe ich umgehende Reanimations-Maßnahmen. Mein Teilzeitjob hat mir heute einen freien Tag beschert, der Herzmann hat ebenfalls frei und es regnet ausnahmsweise mal keine Bindfäden – perfekte Voraussetzungen für eine schöne Wanderung im Umland also. Mit etwas Glück könnte ich damit „Ganz-viel-Sport“ und auch „Viele-schöne-Dinge-erleben“ an den Tropf hängen und neue Kraft einhauchen.

Gesagt, getan – sicherheitshalber kippe ich mir gleich noch ein großes Glas Wasser in den Kopf und stopfe ein Äpfelchen hinterher, damit zumindest „4-Liter-am-Tag-Trinken“ und „Mehr-Gemüse-und-Obst“ bis zu meiner Heimkehr durchhalten. „Weniger-Internet-mehr-Bücher“ hat noch recht rosige Wangen, weil ich mir just gestern noch ausnahmsweise die Nacht mit einem spannenden Thriller um die Ohren gekloppt habe. Dieser Vorsatz überlebt sicher noch ’ne Weile ohne neues Futter.

Wir entscheiden uns für unseren Familienausflug nach kurzer Überlegung unter Berücksichtigung des hochwassergefluteten Umlands für das Traumpfädchen „Sayner Aussichten“ und stapfen los. Das Hundetier springt fröhlich mit untermüdlichem Wedelschweif vorweg und nach den ersten Anstiegen bemerken wir anerkennend, dass die herzkranke und grauschnäuzige Heidi-Dame über deutlich mehr Ausdauer und Energie verfügt als wir beiden Zweibeiner. Selbstredend spricht das NUR für den unerschöpflichen Lebenswillen und die Quirligkeit des Tieres (und für die guten Herzmedikamente) –  und nicht etwa für unseren desolaten Fitnesszustand. Selbst!-redend!

Zauberhafte Aussichten und albernes Gekicher reiht sich in strammem Schritt dicht an dicht mit „Och, jetzt GUCK‘ doch mal wie SÜSS die Heidi ist!“-Ausrufen, und meine moribunden Vorsätze bekommen nach und nach wieder glitzernde Äuglein. Im Anschluß an die Wanderung verspachteln wir einen großen Pott Linsenbolognese, der immerhin Möhren und Sellerie enthält und somit Mr. „Mehr-Gemüse-und-Obst“ ein paar neue Stützrädchen verpasst.

Später am Nachmittag reißt plötzlich die Wolkendecke auf, die Neuwiedropolis seit Wochen in trübes Grau versenkt hat, und entlässt ein Heer von Sonnenstrahlen in die Botanik. „Ganz-viel-Sport“ räkelt sich gestärkt auf seinem Chaiselongue und winkt mir fröhlich zu. Naja – morgen steht ja wieder Arbeit auf dem Programm und nach so ’nem langen, turbulenten Tierheim-Tag bin ich meistens zu müde und brummschädelig für ein Feierabend-Läufchen *). Da könnte ich doch durchaus heute schon ein wenig Futter in die Vorsatz-Vorratskammer schaffen und die Laufschuhe schnüren.

Gesagt, getan. Nach einer flotten halben Stunde durch den abendlichen Forst widerstehe ich jedoch dem Impuls, mir umgehend 4 Liter Gemüsesaft in den Magen zu kippen und die Stunden bis zum morgendlichen Weckerklingeln mit einem Lesemarathon zu verbringen. Man muss ja auch noch was für den Rest des Jahres übriglassen.

*) An dieser Stelle gleich einen charmanten Gruß an diejenigen, die es kaum erwarten können, bei einer solchen Aussage ihr übliches „Also, ICH arbeite ja mindestens 14 Stunden am Tag, versorge danach noch meine 10 Kinder und den Haushalt, baue noch flott 2-3 Häuser, rette die Welt und schaffe es TROTZDEM, jeden Tag noch 25 km zu laufen. Wo ein Wille, ist es auch ein Weg. Man muss es NUR wollen!“ abzudrücken…geschenkt! Ich freu‘ ich mich für jeden, der derart strukturiert, organisiert und energiegeladen ist und alles unter einen Hut bekommt. Wirklich. Nur – ICH schaff’s halt oft nicht. Und da ändert auch so’n selbstbeweihräucherndes Geblubber leider nix dran.


Du willst mehr „Mohr“? Das gibt’s in meinem kostenlosen Newsletter – HIER registrieren!

[mohrkochen] Kalter Weihnachts-Hund

Als olles Alliterationen-Fangirl heißt dieses Dessert bei mir zwar „Kalter Köter“, aber da würde vermutlich der ein oder andere Leser missbiligend die Mundwinkel verziehen, und überhaupt ist „Hund“ im Essen ja auch nicht vegan. Also präsentiere ich heute mit schokoladenverschmierten Fingern und Spekulatiuskrümeln auf dem Revers mein

„Weihnachtliches Keks-Schokoladendessert“
(nach Art des kalten Köters)

Dieses Dessert lässt sich im Nullkommanüschte aus einer Handvoll Gewürzspekulatius und der Schokohaube der „Schokoloko-Schnitten“ zusammenzaubern.

Man benötigt also:
1 Handvoll Gewürzspekulatius
1 Schokohaube

Fertig.

Ha. Frau Mohr ist ja heute wieder extrem witzisch. Also nochmal von vorne:

Zutaten:
ca. 16 Spekulatius
90 gr. Margarine
100 gr. pflanzl. Sahne (bisher getestet: Soja- und Hafersahne)
350 gr. Zartbitterkuvertüre (Obacht! Hier wird ganz gerne Milchpulver untergejubelt, also Zutatenliste lesen!)

So geht’s im Handbetrieb:
Margarine und Sahne im Kochtopf erhitzen, bis die Margarine sich aufgelöst hat. Kuvertüre hacken und einrühren, bis sich eine homogene Masse gebildet hat.

So geht’s im Terrormix:
Sahne und die Margarine in den Mixtopf geben und 3 Minuten bei 70 Grad auf Stufe 0,5 schmelzen, dann die Schokolade in Stücken zugeben und 4 Minuten auf 70 Grad und Stufe 1 rühren, bis alles eine homogene Creme ergibt.

Eine möglichst rechteckige oder quadratische kleine Form mit einer Lage Keksen auslegen, die Creme dünn darauf verteilen, wieder mit Keksen belegen und weiter so verfahren, bis Kekse und Creme aufgebracht und das Förmchen voll ist. Mindestens 3 Stunden im Kühlschrank parken, aus der Form lösen und in Scheiben schneiden.

Ich würde die Menge für ca. 4 Portionen ansetzen – wenn man dünnere Scheibchen schneidet, werden wohl auch mehr Esser satt. Vermutlich würde die Portion auch für eine ganze Kompanie reichen, wenn man nur von der Kaloriendichte ausgeht.

Um dem Ganzen ein wenig die „Schwere“  (bei uns im Rheinland nennt man sowas „mastisch“) zu nehmen, könnte ich mir pro Portion noch einen Löffel Apfel-Ingwerkompott vorstellen, diese Fusion hat aber bisher nur in meinem Kopf stattgefunden und ist noch gaumen-ungetestet.


Du willst mehr „Mohr“? Das gibt’s in meinem kostenlosen Newsletter – HIER registrieren!

[mohrbacken] Spekulatiuscreme

Die Vorweihnachtszeit ist ja bekanntermaßen eine Zeit des Hungerns und Darbens. Wie gut, dass der Weihnachtsmohr euch dürren Rippengestellen da draußen heute ein Rezept für einen unfassbar leckeren weihnachtlichen Brotaufstrich bringt, mit dem ihr in kürzestester Zeit ein wenig Winterspeck auf die Magerhüftchen schaffen könnt. Demnach sollte diese quietschsüße Köstlichkeit der Richtigkeit halber eigentlich „SPECKulatiuscreme“ heißen, aber das verwirrt ja nur unnötig.

Das cremige Hüftgold ist ratzfatz gemacht, würde sich im Kühlschrank theoretisch locker 2-3 Wochen halten und könnte theoretisch auch ein süßes Mitbringsel für nette Menschen in der Adventszeit sein. Praktisch ist es aber so lecker, dass es zumindest bei mir immer ratzfatz komplett aufgefressen ist und die „netten Menschen“ leider leer ausgehen müssen. Nächstenliebe? Geist der Weihnacht? Drauf gepfiffen!

Zutaten:
200 g Gewürz-Spekulatius
120 g Kokosmilch
60 g Rohrohrzucker
1 Tütchen Bourbonvanillezucker
50 g Margarine
1 TL Zimt

So geht’s im Terrormix:
Die Spekulatius und den Zucker in den Mixtopf geben, erst 5-6 Sekunden auf Stufe 8 zermahlen und dann 4 Sekunden auf Stufe 10 pulverisieren.
Kokosmilch, Margarine und Zimt zugeben und das Ganze 1 Minute / 37 Grad / Stufe 2 cremig rühren, dann ggf. mit Spatel zusammenschieben und nochmal 1 Minute / 37 Grad / Stufe 2 zu einer cremigen Paste verrühren. Die Creme nochmal kurz für 2-3 Sekunden auf Stufe 4 vermixen und abfüllen.

So geht’s im Handbetrieb:
Zuerst müsst ihr die Kekse irgendwie so fein wie möglich pulverisieren, entweder in einem High-Tech-Foodprozessor nach Wahl, einer elektrischen Kaffeemühle oder einer Küchenmaschine mit Hackmesser. Kokosmilch, Zucker und Margarine in einen Topf geben und auf kleiner Flamme rührenderweise erhitzen, bis der Zucker aufgelöst, die Margarine geschmolzen und alles zu einer glatten, möglichst homogenen Masse wird. Das „Spekulatiusmehl“ und den Zimt zugeben, nochmal allerkräftigst verrühren.

So geht’s weiter:
Die Creme in Schraubgläser füllen und im Kühlschrank parken. Auf den Frühstückstoast, das Mittagsbrötchen, die Nachmittagswaffel oder den Abendpfannkuchen streichen, auffuttern, dick und glücklich werden.
Alternativ: Hübsch dekorieren und an nette Menschen verschenken, damit DIE dann dick und glücklich werden.

Das Rezept für das abgebildete weihnachtliche Dessert nach Art des „kalten Hundes“ gibt’s in den nächsten Tagen. Ein bisschen Spannung und Vorfreude gehört ja zur Adventszeit dazu.


Du willst mehr „Mohr“? Das gibt’s in meinem kostenlosen Newsletter – HIER registrieren!