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[ökomohr] Cleanyourtrails – „Säufer mit Husten“ auf dem Fürstenweg

Ausgedehnte Wanderungen durch den heimischen Forst gehören bekanntermaßen nicht unbedingt zur kulturellen Leibspeise des Herzmannes, aber im Rahmen des Cleanyourtrail-Aktionstages bekommt das sonst so „sinnlose Herumgelatsche“ zumindest Substanz, und so erklärt er sich großherzig bereit, mich beim sonntäglichen Müllsammeln zu begleiten.
„Aber wenn wir ’nen alten Ölkessel oder sowas finden, dann kannst du den alleine aus dem Wald schleppen.“
„Geht klar!“
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Für unser heutiges Unterfangen haben wir uns den Fürstenweg ausgeguckt, der mit seinen knapp 11 km prima in einen Sonntagvormittag passt und die Motivation des nicht ganz so wanderlustigen Hausherrn auch nicht bis zum Anschlag ausreizt. 11 km gehen immer.
„Du guckst rechts, ich links!“
„Ja-haaaa!“
„Da liegt’n Bonbonpapier, pack‘ das ein!“
„Nee, das ist mir zu doof. Bonbonpapier ist albern!“
„Das ist kein Müllwunschkonzert hier. Diese plastikbeschichteten Papiere brauchen oft Jahrzehnte, bis sie verrotten. Und Tiere können daran ersticken, wenn sie versuchen, die zu fressen. Also hopp – ab in die Tüte damit.“
Ich gucke so streng ich kann, der Herr guckt amüsiert und packt das Papierchen brav in in seine Tüte. Läuft.

10273942_948569321894984_1961432886954076401_nNach läppischen 2 km sind unsere beiden Mülltüten schon zum Platzen gefüllt, und so entsorgen wir unsere Beute in den Mülleimern einer Grillhütte. Ich bin ein wenig betröppelt und bekomme eine leise Ahnung davon, wie sich Herr Sisyphos beim Steinerollen gefühlt haben muss. Letztlich ist es zwar fein, dass zumindest diese beiden Tütenladungen jetzt nicht mehr im Wald, sondern in einem dafür vorgesehenen Behältnis ruhen, aber viel leichter wäre es doch, den Mist einfach erst gar nicht…ach, was soll’s. Nützt ja nix. Weiter geht’s.

Der Herzmann hat Müllsammelblut geleckt und rafft alles, was nicht niet- und nagelfest ist – einzig bei einem unschuldig schlummernden, scheinbar weißen Taschentüchlein springt er nach Anheben desselben unter „Igitt-igitt“-Geschrei ca. 1 Meter in die Luft. „Also, DAS pack‘ ich nicht noch mal an!“
„Taschentücher verrotten oft erst nach…“
„Du kannst mich mal, das ist ekelhaft!“
„Ist ja gut…“

12705728_948569551894961_5767452339019405357_nBereits wenige Kilometer weiter beulen sich unsere Sammeltüten schon wieder vor lauter mehr oder minder ekelhaften Funden nach außen. Wir sind überrascht über die hohe Anzahl von Bierflaschen und Hustenbonbonpapierchen. „Hier scheinen echt ganz schön viele Säufer mit Bronchitis her zu wandern“ staunen wir uns unisono. „Und weil die so voll sind und schon schwach vom Husten, ist denen auch scheißegal, wenn ihre Pänz die Kakaopackungen auf den Boden schmeißen“ murmelt der Herzmann und packt grummelnd einen leeren Tetrapack in seine Tüte. Zum Glück nähern wir uns dem nächsten Mülleimer und können unsere Taschen erneut leeren. Unglaublich, was sich so alles ansammelt. Aber das kommt halt von der Biersauferei. Und dem Husten.

Ungefähr 5-6 leere Flaschen später drängt sich das Wiedtal unter unsere Wandersfüße.
In der Originalwegführung würde der Pfad sich nun noch einmal steil in die Höhe schrauben, aber der Herzmann drängt auf eine lungenflügelschonende Abkürzung, die topfeben und beschaulich an der plätschernden Wied entlang direkt zum Auto führen würde. „Aber…das ist ja dann nicht richtig!“ bemerke ich murrend, aber dem Einwand „Aber wenn wir uns jetzt nochmal so dolle anstrengen, haben wir hinterher viel mehr Hunger und müssen mehr essen – da wäre die Abkürzung schon ganz schön ressourcenschonend und so. Dann verbrauchen wir ja später viel weniger Lebensmittel und machen weniger Müll.“ habe ich nix entgegenzusetzen. Mit voller Blase und einer erneut prallvollen Tragetüte, die den Arm so langsam Richtung Boden zieht, ist man solchen Argumenten gegenüber ohnehin sehr aufgeschlossen. Und Ressourcenschonung ist wichtig.
Sach‘ ich ja immer. 12711155_948417995243450_3039440671817878693_o
Fazit: 23 Bier- und 7 Weinflaschen, sowie unzählige Dosen, Plastikverpackungen, Tetrapacks und Bonbonpapierchen, die fast 6x unsere Sammeltüten gefüllt haben, sind schon eine ziemlich traurige Beute für gerade mal 11 Kilometerchen.
Die örtlichen Bierköppe sollten wirklich mal an ihrem Husten arbeiten. Und – an ihrem Müllentsorgungsverhalten.
Bitte, danke.

Das nächste Cleanyourtrails-Aktionstag ist übrigens am 05.-06.03.16
Da kann man auch ruhig mal mitmachen – leider ist genug Müll für alle da.


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