Archiv der Kategorie: mohrwandern

Das Mohrgazin! – ab Januar exklusiv in euren Postfächern!

Update 28.03.17 – Die Januar/Februar/März-Edition ist „gelaufen“
Das neue Mohrgazin über weitere 3 Monate kommt voraussichtlich im Juni oder Juli, ist aber derzeit noch nicht bestellbar.
Wer über den Start informiert werden möchte, schickt mir einfach eine Mail an ahoi[ät]mohrblog.de

Alles neu macht der….Januar! Ab dem 01.01. werden Mohrblog und Mohrbrief ein wenig exklusiver und verwandeln sich in das…hört, hört – MOHRGAZIN! Wer den Newsletter kennt und den Mohrblog mag, der wird auch am Mohrgazin seine wahre Freude haben.

Jeden Montag flattert dann ein exlusiver Schmöker in euer Postfach, in der Ausführung wie der beliebte „Mohrbrief“, nur besser. Und ausführlicher. Und mit mehr drin.
Freitags gibt’s zusätzlich noch ein kleines „Minimöhrchen“ als Gruß zum Wochenende.

Warum? Siehe ganz unten.

Und was steht drin?

Jeden Monat gibt es den „Mampf des Monats“, der sich einer Gemüsesorte oder einem Lebensmittel ganz besonders widmet, das Ganze natürlich so saisonal wie irgend möglich.  Zu diesem „Mampf des Monats“ gibt es jede Woche mindestens ein gelingsicheres, einfaches, aber köstliches Rezept – selbstverständlich alles total veganös und ohne irgendwelche Fertigfutterkomponenten. Wie aus dem Mohrblog gewohnt und durchaus auch von nicht wenigen Lesern geliebt.

Weiterhin gibt es mehr oder minder lustige Erfahrungsberichte aus meinen diversen Versuchen, ein besserer, sportlicherer, gesünderer, wasauchimmer Mensch zu sein, exklusive Anekdoten und Bilder von meiner felligen Rasselbande und Liveberichte von den Trails und Wanderstrecken. Alles natürlich garniert mit einer Portion Selbstironie und „HuMOHR“. Da kann man sich ruhig mal gepflegt überraschen lassen 😉

Bisher fest in den digitalen Stein gemeißelt sind folgende Themen:

Januar

Mampf des Monats – Rote Bete
Vermutlich verzieht der ein oder Andere jetzt gerade angewidert die Mundwinkel aufgrund garstiger Rote-Bete-Kindheitserinnerungen, aber die tolle Knolle kann so viel mehr als eingekocht und säuerlich in Gläsern herumdümpeln.
Rote-Bete-Curry, Kuchen, Eintopf…lasst es euch gesagt sein, ihr werdet euer rotes Wunder erleben.

Frau Mohr wird Minimalist!
„Alles, was du hast, hat irgendwann dich!“
Minimalismus ist ein nicht uncooler Trend, und so sehr ich den Gedanken an ein wunderbar überschaubares und aufgeräumtes Wohnungsumfeld auch mag, so wenig gelingt es mir, das Ganze umzusetzen. Dabei ist der Grundgedanke eigentlich super – je weniger man hat, umso weniger muss man „pflegen“, versorgen, sauber- und in Ordnung halten. Und wer insgesamt auch weniger braucht, muss weniger kaufen und benötigt demzufolge weniger Geld und ist insgesamt freier. Nun ja. Soweit die Theorie. In der Praxis ist ja wieder alles Sodom und GoMOHRa.


Februar

Mampf des Monats – Kürbis
So langsam neigt sich die Kürbissaison bedauerlicherweise dem Ende zu – aber wir starten nochmal durch und schöpfen aus den Vollen, damit der Bauch voll und die Wartezeit bis zur nächsten Ernte nicht so lang wird. Herzhafte und süße Kuchen, Suppe und Eintöpfe und ein grandioses „Graupotto“ warten auf euch. Kürbis ahoi!

Frau Mohr wird Rudelführer!
Wenn alles klappt wie geplant (und davon gehe ich als Vollzeit-Optimistin einfach mal aus), gibt es bereits in der Februar-Edition erste Anekdoten und Geschichten aus dem neuen Leben mit Mohr, Katze und Hund. Und wenn es so läuft, wie es bei „mohr“ immer läuft, ist vermutlich der ein oder andere Schmunzler (garniert mit einem Hauch Schadenfreude) bei der Leserschaft garantiert.


März

Mampf des Monats – Kohl in allen Varianten
Wer Kohl bisher nur als Rouladen oder Eintopf kennt, dem werd‘ ich Mohres lehren. „Herr Wirsing im Leckerland“ ist ein kleiner (und kostenloser) Wink, dass Kohl nicht immer langweilig sein muss. Bevor die ersten Frühlingsgemüse und -salate an die Schüssel und Töpfe anklopfen, bekommt der gute Kohl nochmal seinen großen Auftritt auf der Mohrbühne.

Frau Mohr wird…sich noch was einfallen lassen!
Grundsätzlich stehen ein paar ziemlich spannende Mohr-Expeditionen (wie z.B. seinerzeit „Mein Tag als Blumenfee“) auf der To-Mohr-Liste, aber welcher Bericht es dann letztlich in die März-Edition schafft, steht derzeit noch in den Sternchen. Mohr to come. Da könnt ihr sicher sein.


Ich will das MOHRgazin!
Zuallererst – das Mohrgazin ist kein Dauer-Abo. Für den Reinschnupperer gibt es das „Testmöhrchen“ – also die Januarausgabe – für € 5 Taler. Mit der Zusendung des letzten Briefchens Ende Januar endet das Mohrgazin, man muss weder kündigen noch sonst irgendwas tun…man bekommt einfach keine Mails mehr und fertig ist die Laube. Ohne Arbeit, ohne Verpflichtung.

Wer „mohr“ will, kann das „Dreiermöhrchen“ ershoppen. Das kostet € 13,00 Taler und beglückt den Abonauten mit wöchentlich Briefen von Januar bis März. Danach – siehe oben. Ende, aus, Micky-Maus! Die einzige Post, die dann noch kommt, ist eine Info-Mail, ob und wie es weitergeht und wann es neue Mohrgazin-Editionen gibt.

Wer nun also auf das Mohrgazin-Schiff aufspringen will, hat wie immer zwei Möglichkeiten:

Bezahlung/Bestellung via PayPal:
Die Talerchen bequem an chefin[ät)herbivoria.de senden – in den Betreff bitte „Testmöhrchen“ oder „Dreiermöhrchen“ tippen, auch wenn das eigentlich aus dem Zahlbetrag ersichtlich sein müsste. Sicher ist sicher.

Bezahlung/Bestellung via E-Mail/Überweisung:
Eine Mail an ahoi@mohrblog.de schicken mit dem Betreff „Mohrgazin“ – dann schicke ich meine Kontodaten und das Unheil Möhrchen nimmt seinen Lauf.

Und bei allen möglichen Fragen…bitte gerne fragen 😉

Mohrgazin verschenken!
Wer einen lieben Menschen mit einem Mohrgazin beglücken möchte, verfährt wie oben beschrieben, gibt aber bitte noch unbedingt die E-Mail-Adresse des Beschenkten an und bekommt dann von mir eine kleine „Grußkarte“ zum Versenden/Verschenken.

Und warum das Ganze?
Es gibt da eine kleine rumänische Hunde-Omi, die sich bei meiner Tätigkeit als ehrenamtliche Gassigängerin leise, aber nachhaltig in mein Herz geschlichen hat.

Und diese zauberhafte Lady soll nun ab Januar bei mir ein „Für-Immer-Zuhause“ bekommen.
Und da ich ein wenig panisch bin, ob ich mir das alles auch dauerhaft leisten kann – und weil ich eben sonst nix kann außer Schreiben und Leute-Belustigen – soll das Mohrgazin nun ein wenig Taschengeld in die Mohrkasse spülen, um Kost, Logis, Tierarzt und auch die tolle Hunde-Nanni für meine kleine Fellnasen-Freundin zu finanzieren.

Wer ein Mohrgazin kauft, tut also nicht nur sich selbst was Gutes, sondern unterstützt auch eine ganz und ganz liebenswerte Hunde-Oma. Win/Win, würde ich sagen.
Also, hopp, an die Tasten – und Mohrgazin ergattern!

 

[mohrwandern] Anleitung zum Aufstöbern einer Eisenerzgrube – oder „Feierabendwandern auf’m Katzenschleif“

Wenn man sich so durch die zahlreichen Berichte der Wanderbloggerkollegenschaft über die „Erlebnisschleife Katzenschleif“ schmökert, fällt vor allem eins ins Auge: Die Namensgeberin für diesen hübschen Rundkurs durchs Wiedtal, nämlich die Eisenerzgrube „Katzenschleif“, scheint zumindest auf der offiziellen Route bisher niemand gefunden zu haben. Und da es mir bei meiner Erstbegehung ganz genauso erging, habe ich mir zu für den nächsten Versuch die Unterstützung von zwei waschechten „Locals“ gesichert, genauer gesagt: Von Mutter und Vater Mohr. Meine Mama ist in der Gegend aufgewachsen und auch mein Papa kennt das Wiedtal durch unzählige Wandertouren wie seine Westentasche. Auf meine Frage, ob er weiß, wo diese ominöse Grube zu finden sein könnte, erntete ich ein knackiges „De Katzeschlääf? Jajo!“ Und so sattelten die Mohrs an Fronleichnam Schusters Rappen, um die Erlebnischleife Katzenschleif unter die Hufe zu nehmen. Da meine Eltern im Gegensatz zu mir eher foto- und öffentlichkeitsscheu sind, habe ich als folgsames Töchterlein brav darauf verzichtet, unseren gemeinsamen Wandertag fotografisch und schriftlich zu protokollieren und mich stattdessen ein paar Tage später mit meinem Freund Christian erneut auf den Weg gemacht. „Feierabendwandern“ habe ich zwar noch nie gemacht, aber so eine vergleichsweise Runde lässt sich ja auch prima nach Dienstschluß abwandern, ohne dass man Angst vor der einbrechenden Dunkelheit haben muss.13344600_1064348586966527_5409707358454641464_n

Nachdem ich Christian zum obligatorischen Wanderselfie genötigt habe, marschieren wir hochmotiviert los, und zwar nicht wie angegeben Richtung Mühlenberg, sondern mit dem von Papa Mohr eruierten Umweg über ein Waldstück mit dem adretten Namen „Fratzehölzje“. Warum das Eckchen so heißt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich finde das Wort so lustig, dass ich auf ca. 500 Metern ungefähr zwölfzig Mal „Gleich kommt ett Fratzehölzje!“ krakeele. (Und jetzt alle: „Fratzehölzje, Fratzehölzje, Fratzehölzje!“)
Im Fratzehölzje (und ich sach‘ noch!) merken wir auch gleich, dass es vielleicht nicht die allerbeste Idee war, gleich nach einem schweren Unwetter in den Wald zu stapfen, denn hier liegen die Bäume kreuz und quer wie nach einem Riesen-Mikado und zwingen uns zu einigen Klettereinlagen. Aber so jung wie heute kommen wir nie wieder zusammen ins Fratzehölzje (jaja, ist ja schon gut!), also hoch das Bein und weiter im Text.

StollenDie eigenmächtige Kursabweichung durchs Fratzehölzje (!) führt den Wandersmann nicht nur durch ein ganz besonders hübsches Fleckchen Erde mit zauberhaften Trails wie aus dem Bilderbuch, sondern leitet nach nach kurzer Wanderzeit rechts an einem leicht zugewucherten Eingang zu einem Stollen vorbei. Ob dieser Stollen nun zur bis dato unsichtbaren Grube Katzenschleif gehört, lässt sich aber leider nicht herausfinden – aber Stollen iss‘ Stollen und somit wird der Weg durch den Fratzehölzje-Schenker eindeutig „grubiger“. Piffpaff.

Nach dem Fratzehölzje (yeah, yeah!) folgt der Anstieg über den Mühlenberg, der zwar harmlos und idyllisch klingt, es aber faustdick in den Höhenmeter-Ohren hat. Aber für schweißtreibende Anstiege wird man ja immer zweifach belohnt – zum einen macht „steil“ ’nen strammen Knackpopo (zwar nicht direkt, aber langfristig gesehen), und zum Anderen gibt’s auf heimtückischen Bergen am Ende meistens Aussicht.

AussichtSo schmiegt sich auch hier kurz vor dem Dörfchen Over das malerische Waldbreitbach ganz wunderbar augenschmeichelnd vor unsere Netzhäute, und wir nutzten den hübschen Fleck Erde als Kulisse für unser wohlverdientes Abendbrot. Mit lecker‘ Stulle und süßem Backwerk in den Backentaschen bestätigen wir uns kauend, dass „Feierabendwandern echt ’ne grandiose Sache“ ist.

Und das „wir das auf jeden Fall mal wieder“ machen.

Bestens gestärkt ziehen wir weiter an Schloß Walburg vorbei und ich versorge meinen Mitwanderer mit spannenden Anekdoten aus meiner Kindheit. „Hier auf der Wiese standen früher Ponys. Eins davon hat mich mal in die Seite gebissen.“ Falls das Adrenalin angehörs dieser nervenaufregenden Geshichte Herrn Gaida beinahe aus den Wanderschuhen reißt, so kann er das zumindest gut verbergen. Banause.

Was für alle Wanderungen durchs Wiedtal gilt, trifft natürlich auch hier zu: Der Weg ist wirklich exorbitant schön und die Landschaft zum Niederknien. Da trübt es auch die Laune nicht, dass kurz vor Gasbitze die Wolken aufreißen und uns mit einem Regenguss bedenken, bei dem kein Auge (und keine Socke und auch sonst irgendwie nix) trocken bleibt. „Daheim würde man ja eh nur auf der Couch sitzen.“ Genau. Und was nass wird, wird auch wieder trocken.

GedenksteinHinter Gasbitze weichen wir erneut renitent vom Originalkurs ab und wandern am Campingplatz vorbei zum Schützenhaus. Hier wird’s nämlich extrem katzenschleifig – hier war seinerzeit der Eingang zur Grube und ein Gedenkstein und ein Förderband-Denkmal erinnert an selbige.

Ein paar Meter weiter steht auch noch eine Lore mit dem Aufdruck „Grube Katzenschleif.“ Piff, paff.

Regennass tropfend sinieren wir noch eine Weile schwerstphilosophisch vor uns hin.
„Lore..sagt man ja heute irgendwie auch nicht mehr.“
„Nee – nur wenn jemand „Lore“ heißt…Hannelore zum Beispiel.“
„Hm ja, dann schon. Aber sonst irgendwie nicht. Ist ein aussterbendes Wort.“
„Man benutzt ja nun auch keine Loren mehr. Wann soll man das Wort denn verwenden – „Harry, fahr‘ schon mal die Lore vor?“ oder „Ich spring‘ nur schnell in die Lore und hol‘ an der Tankstelle ein paar Dosen Bier!“
„Stimmt. Daran liegt’s wohl.“
„Klingt aber auch voll komisch, das Wort – Lore. Dann sag‘ ich lieber zehnmal Fratzehölzje.“

LoreNachdem wir diesen wichtigen Punkt geklärt haben, schlendern wir an der Wied entlang zurück zum Auto, verspachteln zufrieden die Proviantreste in unseren Rucksäcken und tuckern in verschiedene Richtungen heimwärts.

Noch was? Ach ja – den Track zu unserer Wanderung findest du HIER!


Mehr Mohr“ gibt’s übrigens in meinem Newsletter – dem MOHRBRIEF!
Kost‘ nix und kann jederzeit mit einem Mausklick abbestellt werden.

[mohrwandern] Oh, du schöner Westerwald! Yeah, yeah, yeah!

Normalerweise ist ein frühes Weckerklingeln selten ein Grund zur Freude, aber heute springe ich schon nach dem ersten quengeligen „Möööp!“ des Weck-Sklaven euphorisch aus der Schlafstätte. Heute ist Westerwaldmarsch. Oh happy day. Aber SOWATT von.

Diese grandiose Lauf- und Wanderveranstaltung in Rengsdorf (also quasi auf den Schultern Neuwieds und somit beinahe direkt in meinem Wohnzimmer) fiel letztes Jahr leider wegen organisatorischer Probleme und akuten Helfermangel aus, aber dieses Jahr hat es der TV Rengsdorf zum Glück wieder geschafft, dieses schmerzlich vermisste Klassentreffen laufverrückter Ultrafuzzis und naturverliebter Wandervögel wieder auf die – Achtung, mieses Wortspiel – Beine zu stellen.

Im allerersten Anlauf hatten meine Wunderkumpeline Fritzi und ich zwar geplant , die kompletten 50 km zu marschieren, aber im Laufe der Wochen haben diverse Zipperlein an Leib und Seele die Streckelänge erst auf 32 und dann final auf 20 km runterreguliert. Und obwohl Westerwaldmarsch für mich eigentlich in den letzten Jahren immer von Herzen gerne „Langdistanz“ bedeutet hat, bin ich total grün und im Reinen mit dieser Bambinistrecke. Hauptsache, man ist an der frischen Luft. Hauptsache Westerwaldmarsch. The best things in life are free. (Oder in diesem Fall für den appel-und-eiigen Betrag von „Dreifuffzisch“ erhältlich.)

Um noch eine kleine Prise Ultraluft zu schnuppern und meine ganzen verrückten, liebenswerten Läuferkumpel „von damals“ nochmal an die Brust drücken zu können, wollen wir auch um 08.00 Uhr loswandern, gemeinsam mit den Läufern. Ansonsten gibt es ja hier keine besonderen Regularien, gerade auf Schusters Rappen als Wandersmännin darf man weitestgehend loslatschen, wann man möchte, sofern man spätestens 19.00 Uhr wieder zurück ist.

Auf der kurzen Fahrt zum Start muss ich mich ständig zusammenreißen, um nicht wie ein hysterischer Flummi auf meinem Autositz hin und herzuspringen und die Vorfreude tropft mir beinahe aus den Haarspitzen. Westerwaldmaaaarsch. Yeah, yeah, yeah. Lalalalalaaaa!

ww1Schnell ist ein Parkplatz gefunden und fix sause ich Richtung Schwimmbad, um mir meine Startkarte zu ergattern und eine Prise Ultraluft zu schnuppern. Angesichts der kopflosen Freude am frühen Morgen finde ich es total beachtlich, dass ich es trotzdem geschafft habe, mich komplett und dem Anlass angemessen anzukleiden – das ich nun über die langen, offenen Schnürsenkel meiner Wandergaloschen stolpere, ist vernachlässigbar. Man kann sich ja nicht um alles kümmern. Westerwaldmarsch. Yeah, yeah, yeah!

Zwischen den parkenden Autos springt sofort Sascha auf mich zu, der Keeper von „Trailsrunnersdog“. Ich freue mir sogleich ein kinderkopfgroßes Loch in den Wanst. Viel zu lange nicht gesehen, den Typen. Die letzten beiden Male sind wir die 50 km zusammen gelaufen, aber heute..hachjanun…ach, jetzt noch wehmütig werden wäre ja auch blöd. Es ist wie es ist. Und auch wenn der Blick in den Spiegel oft Gegenteiliges vermuten lässt: Ich bin ja noch jung und vielleicht kann ich irgendwann auch wieder so wunderbar lange Strecken laufen. Und wenn nicht, dann nicht. Piffpaff.

Wanderkumpeline Fritzi trudelt ein, und nachdem wir uns gegenseitig mehrfach mit breitgebleckten Zahnreihen bestätigt haben, wir sehr wir uns auf diesen Tag freuen, schlendern wir Richtung Start. Hier wabert schon eine buntgekleidete Läufersuppe und wartet auf das „Go!“, bzw. „Run!“. Wie immer begrüßt die Organisatorin die Teilnehmer und erzählt ein bisschen was zur Strecke – und wie immer bekomme ich kein einziges Wort davon mit, weil ich angestrengt nach links und rechts plaudere und mehrfach verkünden muss, wie SEHR ich mich doch freue und wie TOLL das hier doch alles ist. Könnte ja sein, dass irgendjemand das noch nicht wusste. Das wäre ja schade drum. Finde ich.
Nach dem obligatorischen „Hui Wäller!“ „Allemol“ wird die Läufermeute dann endlich von der Kette gelassen und saust in die Botanik. Wir schlendern gemütlich hinterher. Wir haben ja Zeit.

wwAuch Petrus scheint sich zu freuen, dass hier endlich wieder bunte „Internationaler Westerwaldmarsch“-Banner im zarten Wind flattern und kübelt eimerweise feinstes Frühlingswetter aus. Mit strahlendblauem Himmel, zartgoldenen Sonnenstrahlen auf taubedeckten Wiesen und allem Zipp und Zapp. Selbst wenn ich mich ernsthaft anstrengen würde, würde mir partout nix einfallen, was hier und heute besser sein könnte. Yeah, yeah, yeah.

Die zu wandernden oder laufenden Strecken werden jedes Jahr von den fleissigen Helferchen aus dem reichhaltigen Pfade-Sortiment der Region neu zusammengestrickt und so sieht man jedes Mal ganz neue Ecken. Selbst ich, die ich nun schon seit Jahren hier regelmässig durch den Forst stromere, bin wieder aufs Neue von den Socken, welch‘ malerische Waldespracht sich vor dem Auge ergießt, wann man – so wie heute – an der „Bank hinter dem Bach“ einfach mal rechts statt wie gewohnt links abbiegt. Fritzi und ich staunen Bauklötze. Und freuen uns. Und seufzen im Minutentakt „Hachwieschöööööön!“

ww3Die Kilometer flattern nur so an uns vorbei und nach ca. 12 km verbindet sich „unsere“ Strecke wieder mit großen Runden, und wir stoßen auf die ersten 32 km-Läufer. Als wir einen knackigen Anstieg hochschnaufen, werden wir von 2 gertenschlanken Herren mit stählernden Waden überholt, die sich munter plaudernd im Laufschritt an Berg hochschrauben. Wir staunen. „Die schnaufen ja noch nicht mal.“ schnauft Fritzi erstaunt. „Und wie FLOTT die sind“ japse ich hinterher. Sachen gibt’s. Ich find’s ja immer wieder beachtlich, WIE fit man sein kann und was so alles möglich ist. Da ist bei mir noch Luft nach oben.

Wobei „Luft“ hier auf dem Weg nach oben gerade ein wenig Mangelware in meinen Lungenflügeln zu sein scheint, dafür werden wir oben mit einem weiteren Eimer voll warmer Sonne und einem allerliebsten „Prima!“-Schriftzug belohnt, den die Helfer beim Markieren der Strecke mit Kreide an einen kleinen Hang gestreut haben. „Prima!“ krakelen wir unisono und beschließen, genau hier unsere „Noch-nicht-ganz-Mittag-aber-Hunger!“-Vesper einzunehmen und „noch’n paar Läufer anzuglotzen.“
Kurze Zeit später tänzelt Christoph laufend ums Eck, der von 50 auf 32 km umgemeldet hat und unverschämterweise noch so frisch aussieht, als wäre er gerade mal losgelaufen. „Prima!“ kreischen wir kauend, wir plaudern ein paar Worte und der Herr rennt von dannen. Frisch und flockig und junges-Reh-alike. Ich ess‘ lieber noch ’ne Stulle. Und irgendwo sollten wir vielleicht doch mal weitergehen, auch wenn es gerade so idyllisch ist.prima

Beim 43 km-Schild werde ich dann doch kurzfristig noch ein wenig wehmütig – da haben wir uns „damals“ immer ganz besonders drüber gefreut, weil „ab jetzt ist Ultra!“. Wohl um mich von meiner Melancholie abzulenken, fliegt mir nach dem obligatorischen Erinnerungs-Selfie mein Smartphone in hohem Bogen aus der Hand und landet mit einem unschönen „Puluppp!“ exakt in einer tiefen, matschigen Pfütze. Eine Blase steigt auf und Fritzi und ich starren erstmal fassungslos auf die Wasseroberfläche, bis ich auf den Gedanken komme, das gute Stück vielleicht mal doch lieber aus seinem nassen Grab zu bergen. Iris, die gerade japsend (na, immerhin! Das ist ja wohl das Mindeste, was man bei so einem Anstieg erwarten kann) mit ihrem Mitläufer (Unjapsend. Unverschämt.) um die Kurve geflitzt kommt, bietet gleich ihre Hilfe beim Festhalten, Trockenlegen und Retten an, aber zum Glück ist das Teil ein Outdoor-Handy, von dem ich nur dummerweise mal die Abdeckung der Ladeöffnung abgerissen habe. Allzuviel Wasser scheint bislang nicht eingedrungen zu sein. Funktioniert noch. Puh. Ich klemme das Gerät mit der Öffnung nach unten in die Seitentasche meines Rucksackes in der Hoffnung, dass die warme Sonne da jetzt irgendwie wieder alles richtet, trocknet und heile macht. Sonne hilft ja bekanntlich immer, also bestimmt auch bei ertrunkener Elektronik. Nützt ja jetzt auch nix. Und Sich-Ärgern wäre jetzt doof.

Bereits auf dieser vergleichweise kurze Strecke zeigt sich die grandiose Vielseitigkeit unserer schönen Gegend – auf „nur“ 20 km ist wirklich alles dabei, was das Outdoorfan-Herzchen begehren könnte…schmale, wurzelige Pfade durch schattige Laubwälder, breite sonnige Waldautobahnen, lauschige Bächlein, sattgrüne Blumenwiesen und jetzt zum Schluß eben noch asphaltierte Wirtschaftwege mit blühenden Kirschbäumen und einer umwerfenden Fernsicht über Rapsfelder. Ich hab’s ja sonst nicht so mit dem Lokalstolz, aber hier schwillt mir wie immer die Brust – wir haben es echt mal verdammt unfassbar gigantisch schön. Leckofatz. Yeah, yeah, yeah.

Wie jedes Jahr erwartet mich auch dieses Mal wieder der Herzmann im Ziel, dem es in Wirklichkeit wohl weniger um den Empfang seiner Liebsten, sondern um die im Ziel angebotene Erbsensuppe mit Woscht geht – aber am Ende zählt das Ergebnis. Und das lautet: Danke, oh du wunderschöner Westerwald. Und Danke, TV Rengsdorf. Ihr seid alle großartig. Das war ein Hammertag.

(Eins noch? Na gut – „Yeah, yeah, yeah!“)westerwald

Mit einem klitzekleinen Hauch von Wehmut habe ich danach nochmal meinen Bericht vom Westerwaldlauf 2013 geschmökert und (nur ganz, ganz leise) seufzend die Bilder angeguckt. Aber alles im Leben hat eben seine Zeit. Und wer weiß, was noch alles kommt. Genug Wege und Wald sind auf jeden Fall vorhanden.


Mehr Mohr“ gibt’s übrigens in meinem Newsletter – dem MOHRBRIEF!
Kost‘ nix und kann jederzeit mit einem Mausklick abbestellt werden.