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montagsmohr – Von den Coué’schen Wunderformeln

„Aber auf die Gefahr hin, verrückt zu erscheinen, behaupte ich: zahlreiche Menschen sind nur deshalb seelisch oder körperlich krank, weil sie sich vorstellen, körperlich oder seelisch krank zu sein.“
(Émile Coué)


Letzte Woche habe ich ja schon ausgiebig über meine Selbst-Experimente mit Affirmationen geschrieben, und auch heute bleibe ich noch beim Thema „Kraft der Gedanken“ oder „Du bist, was du denkst.“

In irgendeinem Buch habe ich im Rahmen der Affirmations-Recherche über Èmile Coué gelesen, einem französischen Apotheker und dem „godfather of affirmation“, sozusagen. Er stellte fest, dass seine Kunden viel schneller gesund wurden, wenn er ihnen die Arznei mit einem motivierenden Sätzchen überreichte, etwa „Damit wird es ihnen schnell besser gehen“ oder „Dieses Medikament wird sie sicher schnell gesund machen“. Coué erkannte dadurch ziemlich flott, dass es wichtig war, in den Patienten die Zuversicht auf ihre Heilung zu festigen. Damit hatte er das Grundprinzip der Autosuggestion erkannt – und das bedeutet im Grunde nichts Anderes, als dass es möglich ist, sich selbst mental „zu programmieren“, um die Dinge zu erreichen, die man sich wünscht.

(Wer Lust und Zeit hat, ein bisschen tiefer in die Materie einzutauchen, kann sich mal durch diese Seite schmökern – „Grundlagen der Autosuggestion„)

Als Affirmations-Allrounder nach dem Motto „Geht immer, passt immer“ empfahl Monsieur Coué, sich den einfachen Satz „Es geht mir mit jedem Tag in jeder Hinsicht immer besser und besser!“ lebenslang täglich morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Einschlummern verbal einzubläuen – und da ich finde, dass gegen Wohlbefinden nun aber wirklich nix einzuwenden ist, habe ich mir dieses tägliche Gemurmel tatsächlich angewöhnt. Ich muss gestehen, ich bin dabei mal mehr, mal weniger konsequent, manchmal vergesse ich besagte Coué’sche Gemurmel sogar über Wochen komplett. Mein Kopf ist ja eh immer schon so voll mit allem möglichen Blödsinn, da fällt so ein Sätzchen schon mal gerne hinten runter, wenn vorne neues Input reinflattert.
Aber was mir immer wieder aufs Neue auffällt, wenn ich mir das Sätzchen wieder ins Gedächtnis rufe und beginne, es abends runterzuspulen: Sämtliche Sorgen, Nöte und blöde Gedanken haben ja die lästige Angewohnheit, sich vor allem abends vor dem Einschlafen gnadenlos über einen herzumachen. Wenn die ganzen äußeren Einflüsse wie Radio, Internet, Handy oder auch Ablenkungen durch Sport, Lesen, Gespräche etc. sich ihren Schlafanzug angezogen und zur Ruhe gelegt haben, ist der Kopf quasi ungeschützt. Und das heißt dann oft „Feuer frei!“ für quälende Gedanken. Wenn man sich aber aufs Herunterleiern ebenjenes Sätzchens konzentriert, erschwert man damit den Sorgenteufelchen, ihr perfides Spiel mit der Hirnstube zu treiben weil gerade die Coué’sche Wunderformel darin herumschwirrt und den Platz wegnimmt. Und man trimmt sich im gleichen Atemzug auch noch auf eine positive Grundstimmung. Somit wirkt die Coué’sche Formel sozusagen doppelt und ist – wie ich finde – auf jeden Fall ’nen Versuch wert. Und nicht gleich entmutigen lassen, wenn es nicht auf Anhieb klappt, weil der Kopf gerade zu voll und schwer ist – Affirmationen sind tatsächlich Übungssache. Laufen hat ja bei den meisten auch nicht gleich beim ersten Versuch geklappt.

Und wer das jetzt schon schräg findet, der sollte am besten schnell wegklicken, denn jetzt wird es noch ein wenig…ähm..“interessanter“.  Ich zitiere mal ganz frech aus Wikipedia:

„Bei akuten Schmerzen oder Beschwerden, gleich ob körperlicher oder seelischer Natur, gab Coué den Rat, die Hand auf die betroffene Stelle oder die Stirne zu legen und möglichst schnell zu wiederholen: „Es geht vorbei. Es geht vorbei. Es geht vorbei …“, bis die Symptome abklängen. Die Selbstbehandlung sei bei Bedarf zu wiederholen, bei regelmäßiger Anwendung werde sich der Erfolg immer schneller einstellen und die Symptome immer seltener erscheinen, bis sie schließlich ganz verschwunden seien.“

Das klingt jetzt schon ein bisschen nach Eso-Hokuspokus, oder? Fand‘ ich beim ersten Lesen auch, aber andererseits kann sowas ja nun mal auch nicht schaden. Das einzige, was passieren kann, ist dass einen die Mitmenschen für bekloppt halten, wenn sie einen beim Verletzungen-Bequatschen erwischen. Da muss man dann halt einfach aufpassen, dass man ungestört ist.

Ich habe mich zu der Zeit, als ich zum ersten Mal über Autosugggestion, Affirmationen, Couè etc. pp. gelesen habe, mit einem ziemlich lästigen Ausschlag am linken Auge rumgeschlagen. Mit Cortisonsalbe konnte ich den juckenden Flecken zwar immer flott den Garaus machen, aber ohne Salbe kam der Ausschlag immer postwendend zurück. Eine allergische Reaktion auf Seifen, Cremes oder ähnliches konnte ich ausschließen, da ich in dieser Hinsicht nichts verändert hatte, bevor der Ausschlag kam.
Und dann stand da eben in meinem Buch was von „Es geht vorbei!“-Gemurmel. Schräges Zeugs. Schlimmer konnte es aber ja nun nicht werden, also legte ich fortan regelmässig die Finger aufs Auge und brummelte „Es ist vorbei, es ist vorbei!“ vor mich hin. Die Gegenwartsform schien mir als ungeduldiger Quengelgeist ratsamer zu sein. Und ob es nun an meinen heilsamen Fingerspitzen lag oder Zufall war oder was auch immer – nach ein paar Tagen war der Ausschlag weg und ist nie wieder gekommen.
In die Flucht gequatscht, sozusagen.

IMG_0661Und nachdem ich mich nun schon seit Frühjahr diesen Jahres mit einer lästigen Knie-Malaise herumschlage, die einfach nicht verschwinden wollte, fiel mir irgendwann vor einigenTagen der gute alte Coué wieder ein mit seiner Gesundungsformel. Und als ich schließlich mein morsches Knie eine Weile fleißig betatscht und bemurmelt und ihm eindringlich eingebläut habe, dass „es“ nun vorbei ist, bin ich am vergangenen Wochenende zum ersten Mal seit langem 8 km schmerzfrei gelaufen. Darauf ein dreifach donnerndes „Hipp, hipp, Couéee!“
Natürlich bin ich mir total im Klaren, dass so ein Abklingen von Beschwerden mindestens zwölfzig verschiedene Gründe haben kann – und bei mir spielt wohl auch der Umstand, dass ich seit einer Weile so konsequent wie eben möglich wieder mit Krafttraining, Dehnungsgedöns und Black-Roll-Gekugele angefangen habe, eine nicht ganz unerhebliche Rolle.
Aber ich bin sicher – der gute Herr Coué hat zumindest einen kleinen Teil dazu beigetragen.

Und wenn nicht, dann hat er zumindest nicht geschadet.


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montagsmohr – Wie man Selbstzweifel in Grund und Boden quasselt

selbstzeifelObwohl ich im Grunde meines Verstandes absolut felsenfest davon überzeugt bin, einer der tollsten, schönsten, schlauesten und charakterfestesten Menschen dieses Universums zu sein, nisten im staubigen Keller meines Geistes nun schon seit über 40 Jahren ziemlich fiese kleine Dämonen mit dem uncoolen Namen „Selbstzweifel“. Egal, welches Projekt oder welche Aufgabe ich mir auch im Laufe des Lebens auf die Fahne geschrieben habe – sobald sich mir die erste Hürde zwischen die Füße wirft, fallen mich diese perfiden Biester aus dem Hinterhalt an, um mich mit hämischem Hohngelächter, langer Nase und „Du kannst das doch eh nicht!“, „War doch klar, dass das nix gibt!“ und „Du bist ’ne Pfeife, nänänääää!“-Geschrei zu drangsalieren. Gerade in jüngeren Jahren haben mich diese Mistviecher dermaßen schnell und effizient entmutigt, dass ich nicht selten bereits beim ersten Stolperstein alles hingeschmissen und mich heulend darin bestätigt gesehen habe, dass ich halt schlicht und ergreifend ’ne Niete bin. Eine Niete, die nix kann und nix wird und nix drauf hat. Und dreimal schwarzer Kater.

Blöderweise habe ich ja unpassend dazu ständig neue Ideen und Pläne, und da sind diese ständigen Quälgeister im Kopf wirklich eine Plage – und so habe ich mir im Laufe der Zeit eine Art Koexistenz mit den vermaledeiten Selbstzweifeln angewöhnt. Die Mistviecher kommen zwar regelmäßig aus ihren dunklen Löchern und sägen penetrant am Ego-Thron, aber wenn ich einfach nicht hinhöre und mich bemühe, die Schmähgesänge zu ignorieren, kann ich mich schon einigermaßen passabel durchs Dasein manövrieren. Das Ganze hat so ein bisschen Ähnlichkeit mit einer grottenhässlichen Tapete im Lieblingszimmer – irgendwann gewöhnt man sich dran, einfach nicht so genau hinzugucken. Trotzdem ist die Tapete immer da.

Affirmationen? Was ist das denn für’n Eso-Quatsch?!

Dennoch ist ja auch konsequentes Ignorieren eine Form von Aktivität und somit eben halt anstrengend. Als ich mich 2012 für den Rennsteiglauf angemeldet habe, schien mir mal eine Änderung der Taktik vonnöten und so bin ich auf der Suche nach Methoden zur Stärkung, Umprogrammierung und/oder fulminanten Neugestaltung meines Egos in den Weiten des Internets ziemlich fix über das Schlagwort „Affirmationen“ gestolpert. Affirmationen, so lernte ich, sind sowas wie Lebensformeln, die positive Dinge anziehen sollen und „Wirklichkeit schaffen“ können. Das klassische „Alles wird gut“-Gefasel also. Huah. Meine innere Esotherik-Warnklingel begann zwar gleich, extrem hektisch zu schellen und rot zu leuchten, hielt mich aber nicht davon ab, mich näher damit zu befassen. Man sollte ja grundsätzlich immer aufgeschlossen sein, Eso-Bimbam hin oder her. Und wenn ich eh schon dabei war, konnte ich neben den Selbstzweifeldämonen dann auch das peinlich berührte „Also, ich WEISS ja nicht, das klingt schon arg hippie-yoga-mässig“-Gefühl ignorieren. Geht ja in einem Abwasch.

Ich las und lernte, dass Gedanken im Allgemeinen und positive Affirmationen im Speziellen das Unterbewusst derart bestärken und beeinflussen können, dass durch eine Änderung der inneren Einstellung fortan nur noch gute Dinge im Leben angezogen werden. Wenn ich mir also in Bezug auf den Rennsteig konsequent und mit Nachdruck einrede, dass ich 72 km lockerflockig auf einer Arschbacke laufen kann, wird mein Unterbewusstsein durch diesen Affirmationsdauerbeschuss irgendwann so bestärkt dass auch mein Verstand diese irrsinnige Aussage glauben und für bare Münze halten wird. Positive Gedanken ziehen also positive Ereignisse an, negative Gedanken eben nicht. Klingt ja im Grunde einleuchtend, wenn auch irgendwie’n bisschen einfach. Aber positiv Denken schadet zumindest schon mal nicht, für den Anfang.

Strickanleitung für das passende Affirmationsgerüst

Nachdem ich meiner inneren Eso-Warnklingel ein paar Urlaubstage auf den Kanaren spendiert hatte, machte ich mich zugegebenermaßen etwas zögerlich daran, die für meine Situation passenden Affirmationen zu stricken. Mangels Erfahrung im Unterbewusstseinsumprogrammierungsbereich hielt ich mich dabei ganz folgsam an die im Buch beschriebenen Regeln. Demnach sollten Affirmationen nämlich immer in der Gegenwartsform benutzt werden. Mit Sätzen wie „Ich werde das Ziel in Schmiedefeld erreichen“ oder „Ich möchte die 72 km schaffen“ kann das Unterbewusstsein scheinbar genauso wenig anfangen wie mit Verneinungen á la „Ich werde nicht aufgeben“ oder „Ich will keine ängstliche, winselnde Bangbüx mehr sein“. Die Anweisungen sollten dabei so präzise und unmissverständlich wie möglich formuliert werden. Kam mir im Grunde ja auch sehr entgegen, warum sich mit irreführendem Geschwafel aufhalten?

In der Selbstheilungsszene steht wohl scheinbar Dankbarkeit und Selbstliebe ziemlich hoch im Kurs, zumindest bin ich ständig darüber gestolpert. Aber watteweichharmonische Sätze wie „Ich bin dankbar für meinen starken schönen Körper und vertraue liebevoll auf meine göttliche Ultralauffähigkeit“ würde ich selbst untergrößter mentaler Kraftaufwendung und einer halben Flasche Rum nicht über die Hirnrinde bringen. Also entschied ich mich nach kurzem Grübeln für die schlichten Formeln „Ich bin eine starke und ausdauernde Ultraläuferin“ (höre ich Gekicher auf den billigen Plätzen?) und „Ich kann 75 km mühelos und fröhlich laufen“. (Da ich nicht wusste, wie präzise so eine Affirmation wirkt, habe ich mir sicherheitshalber noch 3 km als Puffer obendrauf gelegt, sicher ist sicher.) Mein Verstand kicherte zwar höchst amüsiert in sich rein und feixt „Das glaubste doch wohl selber nicht, Frollein!“ als ich mein neues Motivations-Mantra in Schönschrift auf Papier pinselte, aber laut Lehrbuch hat der Verstand bei dieser Sache hier sowieso erstmal nix zu melden. Die Affirmationen sind fürs Unterbewusstsein bestimmt, und das hat wohl die Neigung, alles was man ihm mit Nachdruck eintrichtert kritiklos und folgsam anzunehmen.
Und wehe, wenn nicht.

Nun denn, mit dieser Sammlung garantiert hochwirksamer Glaubenssätze waren jetzt also
sozusagen meine Trainingsgeräte fertig, jetzt ging’s ans mentale Sporteln. Es reicht ja nicht, sich diese Sätze fein säuberlich aufzuschreiben und dann in der Schublade neben den Harry-Potter-Hörbüchern verstauben zu lassen – ich musste sie meinem oftmals recht begriffsstutzigen Geist auch vehement und mit Nachdruck einbläuen.

Heute ist ein guter Tag zum…äh…Affirmieren!

Die beste Zeit dafür ist – laut Lehrbuch – morgens nach dem Aufwachen oder abends kurz vor dem Einschlafen, weil da der bewusste Verstand noch oder schon auf Sparflamme läuft und man somit die Affirmationen am besten an der „Abteilung für Logik“ vorbeischmuggeln und direkt ins Unterbewusstsein einschleusen kann. Wie man dabei vorgeht, bleibt wohl den eigenen Vorlieben überlassen. Im Buch wurde vorgeschlagen, sich die Sätze innerlich aufzusagen, laut auszusprechen oder gar zu singen. Ferner kann man sie täglich morgens neu aufschreiben oder laut von bereits bestehenden Zetteln ablesen, als Bildschirmschoner einrichten, sich selbst per E-Mail schicken, an die Zimmerwände oder die Innenseite der Autowindschutzscheibe malen oder sich großflächig in Farbe auf den Bauch tätowieren lassen.

Da ich dieser Methode der Selbstbewusstseinsbestärkung allerdings nach wie vor ein wenig
verhalten gegenüberstand,  mussten die Praktiken „Auswändiglernen und bei jeder Gelegenheit unauffällig vor sich hinbrabbeln“ und „Morgens und abends lautstark gedanklich rumplärren“ für erste genügen. Da solche Wort wohl teilweise erst nach 100x Aufsagen/Plärren/Singen/Lesen irgendeine Form von Wirkung zeigen (hängt davon ab, wie stark die Widerspenstigkeit des eigenen Unterbewusstseins ausgeprägt ist), kann man auf jeden Fall nicht früh genug damit anfangen und seine Leitsätze auch gar nicht oft genug runterspulen.

„Ich bin eine starke und ausdauernde Ultraläuferin“

Im Schutze der Dunkelheit meiner abendlichen Bettstatt begann mein Gehirn zaghaft mit „Ich bin eine starke und ausdauernde Ultraläuferin“. Die Worte kamen mir nur schwer über die Hirnzellen und innerlichst peinlichst berührt zog ich mir genierlich die Bettdecke über mein errötetes Haupt. „Starke Ultraläuferin, my ass. Was glaubste eigentlich, wer Du bist, Frollein?“ Mein Verstand wurde von Lachkrämpfen geschüttelt, warf Konfetti und amüsierte sich köstlich.

Glücklicherweise wird in der Affirmations-Gebrauchsanweisung mehrfach darauf hingewiesen, dass es gerade am Anfang vollkommen schnurz ist, ob man selbst daran glaubt, was man da so vor sich hinfaselt und herunterbetet. Man sollte einfach so gut wie es eben geht versuchen, den Vernunftsgegenspielern so wenig Beachtung wie möglich zu schenken und die Glaubensätze einfach immer wieder mit Nachdruck wiederholen. Irgendwann kommen die schon im Unterbewusstsein an, beißen sich fest und machen die Vernunft mundtot. Und mit nerviger Penetranz habe ich ja glücklicherweise im allgemeinen wenig Probleme, also weiter im Text – „Ich kann 75 km mühelos und fröhlich laufen“
Das Ganze leierte ich fortan täglich morgens und abends und auf dem Weg zur Arbeit im Auto vor mich hin – und ganz egal, was man von diesen Methoden hält oder nicht…am Ende bin ich nach 72 km in Schmiedefeld ins Ziel gelaufen.
Ohne Dämonen im Schlepptau.
Die hab‘ ich nämlich mundtot affirmiert.

ziel
Und ihr so? Heute schon affirmiert?


Nachtrag: Natürlich lassen sich tiefsitzende Selbstzweifel nicht einfach so innerhalb kürzester Zeit totquatschen und natürlich lassen mich die Viecher auch heute noch nicht komplett in Ruhe, wie man an der Gegenwartsform der obigen Einleitung erkennen kann. Aber mittlerweile halte ich konsequent dagegen. Weil ich nämlich eine total starke und ausdauernde Ultraläuferin bin.
Unter anderem.

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Vom Umgang mit Boshaftigkeiten

Auch wenn wir uns es oft anders wünschen würden, sind leider nicht alle Menschen um uns herum fair, ehrlich und gutherzig. Fast jeder von uns trifft mehr oder weniger häufig auf Mitmenschen, deren Denken und Handeln von perfider Boshaftigkeit geprägt ist. Sei es nun der Kollege, der einem freundlich ins Gesicht grinst und einem hinter’m Rücken kaltlächelnd seine Fehler in die Schuhe schiebt, neue Ideen dreist und ohne mit der Wimper zu zucken als die eigenen ausgibt und beim Chef mit Inbrunst stichelt und intrigiert. Oder die vermeintliche Freundin, die zwar höchstgerne und zu jeder Gelegenheit unsere Hilfe, Zeit und Zuspruch in Anspruch nimmt, aber ansonsten gerne ihre Zeit damit verbringt, aufs Fieseste über uns herzuziehen, abzulästern und hinterhältige Lügen zu verbreiten.

Wenn nun dieses charakterlose Treiben ans Tageslicht kommt, ist unser erster Gedanke zumeist: „Warum tut er/sie mir das an, was zur Hölle habe ich falsch gemacht und womit in Dreiteufelsnamen hab‘ ich das verdient?!“

Gottseidank ist mir Derartiges in den letzten Jahren immer seltener passiert, weil ich mir meinen Freundeskreis und mein Umfeld immer sorgfältiger aussuche, „faule Äpfel“ regelmässig aussortiere oder mich gar nicht erst näher mit ihnen einlasse – das Leben ist einfach zu kurz, um negative und boshafte Menschen mitmischen zu lassen und sich von deren Gift verschmuddeln zu lassen. Aber gerade kürzlich gab es wieder so einen Fall, in dem ich ganz plötzlich und überraschend erfahren habe, wie vollkommen hinterhältig, schädlich und bösartig eine vermeintliche „Mitstreiterin“ hinter meinem Rücken agiert hat. Nachdem ich erstmal vollkommen fassungslos mit Schmackes aus allen Wolken geplumpst bin, begann sogleich der Denkapparat zu rattern und zauberte eine riesengroße „What-the-FUCK?!“-Blase über meinem Schädel. Zutiefst verletzt grübelte ich darüber nach, wie es dazu kommen konnte, dass diese Person so boshaft gegen mich operiert und an welcher Stelle unseres gemeinsamen Weges ich irgendeinen Anlass dazu geboten haben könnte, derart viel Groll und Feinschaft zu verursachen. Nachdem der erste Schreck verdaut  ist, komme ich – wie bei 99,9% solcher Fälle – recht fix zur Erkenntnis:
„Es hat nix mit mir zu tun!“

Es gibt bedauerlicherweise Menschen, denen Neid, negatives Denken, Missgunst und Bösartigkeit schlicht und einfach im Blut liegt. Manche sind zu feige und rückgratlos, um für ihren selbstfabrizierten Mist geradezustehen und schieben ihre Fehler hinterrücks anderen Leuten in die Schuhe, andere Exemplare wiederum können es nicht ertragen, wenn irgendeiner ihrer Mitmenschen erfolgreicher oder beliebter ist, oder schöner, jünger, reicher, fröhlicher, oder auch einfach nur schlichtweg mal Glück hat – oder intrigieren aus reiner Arglist und Lust an der Boshaftigkeit, weil ihnen die Nase ihres Gegenübers nicht passt.

Das alles bedeutet aber nicht, dass ich in irgendeiner Weise mitschuld bin und irgendeine Veranlassung dazu geboten habe, eimerweise Gift über mir auszukübeln – sondern es bedeutet nur, dass diese Sorte Mensch ’nen Scheißcharakter hat, der mich halt dummerweise gerade mit voller Breitseite getroffen hat. Ich stand‘ halt einfach nur gerade im Weg. Dumm gelaufen.

Diese Erkenntnis ist dann auch quasi die erste Soforthilfe-Massnahme – da es nichts mit mir zu tun hat, gibt es für mich auch keinen Grund, mich schuldig oder schlecht zu fühlen.
Allerdings lässt sich leider meist eine anfängliche Wut und Empörung bei meinem strubbeligen Naturell nicht vermeiden, wenn ich absichtlich verletzt wurde. Ungerechtigkeit empört mich, und grundlose Attacken erst recht, da bin ich ganz Sternzeichen „Springindieluft“. Aber ich versuche, diese negativen Gefühle möglichst schnell abzuhandeln und wieder loszuwerden,  und mich vor allem gar nicht erst innerlich auf  Rachegedanken einzulassen. Denn wenn ich erstmal anfange, mir detailliert auszumalen, wie ich es dieser Person jetzt nun adäquat heimzahlen könnte, und wie weh ihr das tun könnte und wie sehr ich ihr schaden könnte, dann begebe ich mich in den gleichen Sumpf aus Groll und Verbitterung – und da will ich nicht sein. Da ist es ganz sicher ziemlich düster und trostlos, da darf derjenige herzlich gerne ganz alleine drin rumdümpeln und in Ruhe vor sich hinhassen.

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich keiner dieser kuchenguten Mustercharaktere bin, die freundlich lächelnd auch noch duldsam die rechte Seite hinhalten, wenn ihnen gerade jemand mit Schmackes eins auf die linke Wange gekloppt hat. Im Gegensatz – wenn mich jemand absichtlich verletzt, ist mein erster Reflex umgehend feste zurückzuschlagen, zu beißen und demjenigen aber mal mindestens genauso weh zu tun. Wenn nicht noch MINDESTENS 3x mehr. Arschmakrele, blöde.
Aber gerade in der letzten Zeit habe ich gelernt, dass es sich mehr als lohnt, diesem Impuls nicht nachzugeben und sich aktiv dagegen zu wehren. Hass und Wut sind kein guter Begleiter und bringen niemanden glücklich durch den Tag.

Es gibt ja den netten Spruch „Gut zu leben ist die beste Rache“ – meiner Meinung nach ist die beste Rache, erst gar keine Rachegefühle zu haben. Menschen, die hinterhältig und bösartig mit Anderen umgehen, begegnet man doch eigentlich am besten, indem man ihnen weder im Herzen noch in Gedanken oder Gespräche irgendeine Bühne bietet. Nicht hinhören. Nicht drüber reden. Nicht drüber nachdenken. Raus damit aus meinem Kopf.
Letztlich müssen diese Kackbratzen sich den ganzen Tag selbst ertragen und sich ihre negativen, feindseligen Gedanken anhören, jeden Morgen in ihr eigenes brummeliges Motzgesicht gucken – damit will ich nix zu tun haben. Die dürfen ihren schlechten Charakter herzlich gerne einfach für sich behalten.

Ganz gerne mag ich da einen Auszug aus einem buddisthischen Text zum Thema „Wut“:
„Ganz einfach, mein Freund. Du kommst zu mir und machst mir ein Geschenk: Deine Wut.
Ich möchte sie aber nicht, ich weise sie zurück. Sie gehört immer noch dir.“

Wenn einem also jemand seinen Hass, seinen Groll und seine Feindseligkeit schenken will, man dieses düstere Präsent aber zurückweist – bleibt er selbst drauf sitzen.

Gerne mit Schleife drum.

Oli

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