Madame Misantropia und die Kreislaufprinzessin

Das mir beim Verschicken der Einladungen zum morgendlichen Feiertagsläufchen ein Malheur unterlaufen sein muss, wird mir schnell klar, als ich an diesem Morgen durch den Türspion linse – eigentlich hatte ich Sir Laufalot und Mr. Runnershigh zum vergnüglichen Langlauf-Stelldichein gebeten, stattdessen grinsen mir aber Madame Misantrophia und die Kreislaufprinzessin entgegen. Aaah….E-Mail-Adressen vertauscht. Schöner Mist. Na, das kann ja heiter werden.
Auf dem Weg in den Wald jault Madame Misantrophia gequält auf, als sich ein großer Banner mit der Aufschrift “Maiwanderung” in unser Sichtfeld drängt. Auch dem Rest von mir wird ganz blümerant zumute als sich vor meinem inneren Auge Bilder fideler Wandergruppen formen, die in stabilen Fünferketten die Waldwege lückenlos ausfüllen. Iiih! Menschen! In Scharen! Iss’ ja ekelhaft. “Trauter Hain, Glück allein”, ick seh’ Dir schwinden.
Und prompt sondert auch gleich die erste weißhaarige Knickerbocker-Gang mit Bollerwagen ihr obligatorisches “Hopp, hopp, hopp!” in meine Richtung, begleitet vom üblichen beifallheischenden “Bin-ich-nicht-irre-witzig?”-Blick. Meine innere Menschenhasserin verspürt leisen Würgereiz.  “Lieber Gott, warum lässt Du mich dies Elend sehen?” fragt Peter Heppner passenderweise just in diesem Moment raunend aus meinen Kopfhörer und ich kann mich dieser Frage nur bedingungslos anschliessen.
Auf den nächsten Kilometern versucht die Kreislaufprinzessin ziemlich beharrlich, mir den Anblick eines lustig funkelnden Sternenhimmels vor Augen schmackhaft zu machen – aber den habe ich nicht bestellt und will ihn auch nicht haben, genausowenig wie Freifahrten auf dem Schwindelkarrussell.
Mitten in meine weinerlichen Überlegungen, wann und wie es dazu kommen konnte, dass ich plötzlich zu einer Wetterumschwungs-Schwächel-Sissi mutiert bin, tönt ein fröhliches “Guten Morgen!” von hinten. Übertönt von der Kopfhörerbeschallung hat sich klammheimlich eins der grauhaarigen athletischen Deko-Objekte meiner Laufstrecke (*) an mich herangejoggt und ist in maimorgendlicher Plauderlaune. Madame Misantrophia knurrt unwillig und ich versuche, den laufenden Smalltalker durch eine Tempoverschärfung abzukuppeln. Dass dieser Plan nicht sonderlich ausgegoren ist, wird geneigten Leser vermutlich sofort klar sein – jemand, der von hinten aufläuft, ist im Allgemeinen fitter und schneller unterwegs als der Aufgelaufene und kann somit auch nicht durch Wegrennen zermürbt werden. “Scheissplan!” findet auch die Kreislaufprinzessin. Gerade als ich durch meinen Fluchtversuch in ein Tempo geschoben werden, dass wohl mein Wettkampftempo wäre sofern ich eins hätte, verabschiedet sich der freundliche Herr in eine Abzweigung und die Menschenhasserin ist erlöst. Puh.
Mit einem astreinen  double-handed Chokeslam gelingt es mir, die Kreislaufprinzessin in die Brennesseln zu befördern (für irgendwas müssen die Wrestling-Filme ja taugen) und Madame Misantrophia brummt nur noch gelegentlich mürrisch angesichts einiger bierseligen Wandertrupps vor sich hin. Doch auch wenn gegen Ende des läuferischen Feiertagsausflugs tatsächlich noch etwas wie “Spass” aufkommt, nehme ich mir fest vor, zukünftig die Mailadressen meiner Einladungsschreiben vor dem Absenden immer gründlich zu überprüfen. Oder diese beiden lästigen Weiber gleich ganz aus den Kontaktdaten zu löschen. Sicher ist sicher.
(* Das war sexistisch.Teufel noch eins.)

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