Von Heckenscheren und “Leistungen” als solchen

Nur vom Nutzen wird die Welt regiert.
(Friedrich Schiller)

“Na, warste laufen?” begrüsst mich der Mann von nebenan heckenscherenwedelnd, als ich mit regendurchtränkten Klamotten und matschgarnierten unteren Extremitäten von meinem vergnüglichen Sonntagsläufchen zurückkehre. Eine etwaige freche Antwort wie “Nee, auf der Weltmeisterschaft im Synchronhäkeln, daher auch die Blasen am Zeigefinger und die Wollreste auf der Schulter” verkneife ich mir freundlich, blecke höflich die obere Zahnreihe in Andeutung eines Lächelns und nicke höflich bejahend in Richtung des fuchtelnden Gartengerätes.

“Und, wie weit biste gerannt?” begehrt der Nachbar zu wissen. Nun ja…also “gerannt” bin ich ja per Definition ja nun eigentlich überhaupt nicht, aber diesbezügliche Erläuterungen würden das Gespräch nur unnötig in die Länge ziehen und es drängt mich nun doch sehr Richtung Dusche und Pizza, also brumme ich “31 km” und setze zum Verschwindibus-Tanz an. Aus Richtung Hecke kommt ein “Aha!”

Genau.
Aha.

“Und wie lange haste dafür gebraucht?”
Manno. Nu’ iss’ aber mal gut hier mit der Fragerei, the queen is not amused, the queen ist klatschnass und dreckig und hat Hunger.

“Knapp dreieinhalb Stunden” nuschele ich und mache einen weiteren grossen Schritt Richtung Hausecke, um mich hinter selbiger vor dem nachbarschaftlichen Verhör in Sicherheit zu bringen.

“Und? Ist das GUT?”

Alter Falter!

“Ja, ich frag’ ja nur. Ich kenn’ mich doch da nicht aus, ich weiss doch nicht ob das gut ist oder nicht!”

Jetzt iss’ aber Zappen hier, immer diese dämliche Leistungs-Bewertungskacke. The queen ist langsam echt angepisst. Mit einem lauten Kawumms! knalle ich die Haustür hinter mir zu.Während mir unter der Brause der reinigende Wasserstrahl auf die Schädeldecke prasselt, denke ich über die Frage nach: Also, mal überlegen –  ich bin ein paar Stunden über Stock und Stein gehüpft, habe mich vom Sommerregnen gründlich nassmachen lassen, habe zwei Eichhörnchen, einen kleinen Fuchs, eine Blindschleiche (lebendig!) und zwei Rehe gesehen, im menschenleeren Forst lautstark Lieder von Edith Piaf geplärrrt (und als mir dann plötzlich hinter einer Kurve ein breitgrinsender Läufer gegenüberstand festgestellt, dass dieses einsame Waldstückchen doch nicht so menschenleer war wie ich angenommen hatte, ähem…), bin ich 5 Pfützen gesprungen, habe mich (ein bißchen) wie die Königin der Welt gefühlt und hatte grandios viel Spass.

Ja.
Das war dann wohl gut.
Aber sowatt von.

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