All you need is love

Man liest ja immer wieder, dass Tiere ganz besonders sensible Antennen für die Gefühle ihrer Menschen haben und sich oft zum Trösten ankuscheln, wenn sie spüren, dass der Vierbeiner ihres Herzens traurig ist. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, scheinen diese Antennen bei meinem plüschigen Dickerchen wohl nicht mitgeliefert worden zu sein.

Als ich am heutigen Abend nach einem fürwahr dramatischen Tag mit rotgeweinten Augen und schwerem Herzen durch die Haustüre schlurfe, springt mir mein liebes Miezekätzchen nämlich mitnichten fürsorglich an der Pforte entgegen, um mir die Augen mit einem Spitzentaschentuch trocken zu tupfen und mir einen heissen Kakao mit Sahne zu kredenzen. Vielmehr plärrt mir ein empörtes “Miau!” entgegen und ohne meine kummervolle Miene zu beachten, stapft Frau Schmitz umgehend in die Küche und setzt sich mit vorwurfsvollem Blick vor die leeren Näpfe.

“Wo warst du denn so lange, verflixt nochmal? Ich hab’ Hunger, aber dalli jetzt!”

Maximalseufzend schaufele ich glibberige Fleischbrocken in die Futterschüssel und während sich der Schmitzster laut schmatzend über die dargebotene Köstlichkeit hermacht, drücke ich heimlich meine nassen Augen ins weiche Plüschfell der mampfenden Mieze. Sobald der letzte Happen im Kugelbäuchlein verschwunden, kuschelt mein Gesicht allerdings ins Leere, denn die ach-so-fürsorgliche Miezekatze pfeift auf mein trübsinniges Gemüt, marschiert umgehend zur Tür, scharrt mit den Pfötchen und verlangt nach Outdoor-Auslauf. Na, schönen Dank aber auch.

schmitziUm zumindest den Schein einer noch nicht ganz perfekt abgerichteten Katzen-Angestellten zu wahren, lasse ich Madame der Form halber ein wenig an der Türe zappeln und schmunzele über ihren Versuch, die Haustüre durch einen Röntgenblick einfach aufzustarren. Als dieses Unterfangen scheitert, dreht sie das Köpfchen und setzt ihre Starrerei in meine Richtung fort. “Jetzt guck’ nicht so und mach’ endlich die Haustür auf, was biste denn heute so begriffstutzig, Mensch?” Ich muss lachen und beuge mich dem vierbeinigen Druck. Der Schmitzster verschwindet unter leisem “Miau” mit aufgestelltem Antennen-Schwänzchen in der Dunkelheit. “Und Tschüss. Schöne Trostkatze bist du!”

Ich putze mir seufzend die Nase und beginne mit der Fütterung meines eigenen Raubtiermagens. Nach einer kleinen Weile höre ich im Flur das typische “Ich bin wieder daaaa!”-Maunzen meiner Mieze und schon saust die Plüschkugel ins Wohnzimmer, um sich nach kurzem pflichtschuldigen Um-die-Beine-Schwarwenzeln wichtigeren Aufgaben wie der Kontaktlinsen-Dosen-Treibjagd zu widmen.

Ich kichere, schniefe ein letztes Mal und stecke das Taschentuch weg.
Ach, mein lustiges süßes Katzenmädchen.
Du musst mich überhaupt nicht in den Arm nehmen und Taschentücher anreichen, um mich zu trösten. Ich bin erwachsen, das kann ich alles selbst. Es reicht, wenn du einfach da bist und ich dir beim Spielen oder Schlafen zugucken kann. Wenn Du hochkonzentriert dem gefährlichen Plüschbällchen auflauerst, springteufelmässig durch die Wohnung rennst, mich zwischendurch mit der Pfote anstupst weil du am Köpfchen gekrault werden willst. Wenn du heimlich auf der Küchenanrichte herumschleichst, nasse Pfötchenpfützen hinterlässt weil du durchs Spülwasser getapst bist und deine Neugiernase in alle Töpfe und Schüsseln steckst. Wenn du dich wie eine plüschige platte Flunder auf der Couch auf den Rücken kugelst und kurze Zeit später lauter schnarchst als mein Opa und der Hausherr zusammen. Wenn ich heimlich deine rosa Marzinpfötchen streicheln kann. Mehr musst du gar nicht tun.

Du musst einfach nur Katze sein.
Und schon ist die Welt ein klitzekleines bißchen weniger doof.

(03.12.13)

1 thought on “All you need is love

  1. Kerstin

    Liebe Daniela,

    du triffst mal wieder mein Herz : So schön geschrieben und soooooooo wahr 🙂

    Was die Plüschpöker einem an Trost und Ruhe bieten können, macht ihnen kein Mensch so schnell nach : Wenn ich von der Arbeit heimkomme und immer noch auf 180 bin wegen eines doofen Kunden, Tür auf und auf jeder Treppenstufe sitzt eine Katze und wartet schon auf mich und sie schauen mich mit ihren Kullerkugelaugen so lieb an – dann löst sich jeder Groll und Ärger einfach in Luft auf !

    Hach … was können wir doch froh sein, sie zu haben – Menschen ohne Tiere sind ja so arm !

    Liebe Grüße

    Kerstin

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