Das erste Gebot

“Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.”

Frau Schmitz, meine getigerte Mitbewohnerin, ist im allgemeinen von eher selbstständigem Naturell und keine dieser dauerschnurrenden Bilderbuch-Miezekatzen, die einem permanent am Wickel kleben und nach Streicheleinheiten verlangen. Sie lässt sich zwar mit maximalgroßem Vergnügen unter ihrem weichen Kinn kraulen und leckt mir als Dankeschön dafür mit Inbrunst die Hände ab, aber ansonsten treibt sie lieber Kontaktlinsen-Dosen in halsbrecherischer Hetzjagd durchs Haus, steckt ihre plüschige Neugiernase in Kochvorbereitungen und überwacht meine Schreibarbeiten am PC im Arbeitszimmer statt sich anschmiegsam und kuschelwillig unter irgendwelche Extremitäten zu quetschen.

Als ich jedoch von meinem Fototermin von der Katzenhilfe Neuwied zurückkehre, bei dem ich geschlagene zwei Stunden unzählige Samtpfoten gestreichelt, gekrault und abgelichtet habe, schiesst mir Frau Schmitz umgehend wie ein Katapult auf den Schoss, kugelt sich auf dem Rücken auf meinen Beinen hin und her, reibt ihr Köpfchen an jedem erreichbaren Zipfel meiner Bekleidung und verschluckt sich beinahe am eigenen Schnurren.

Zwar würde sich mein liebendes Herz nur allzu gerne der Vorstellung hingeben, diese akute Schmitzschmuseritis sei ein Ausdruck von unendlicher Zuneigung und überschäumender Wiedersehensfreude, aber realistisch betrachtet bedeutet es wohl eher sowas wie “Unerhört! Mein blondes Dosenaufmachdings riecht nach anderen Katzen! Sofort abrubbeln. Und mit ‘nem ordentlichem Schuss “Eau de Schmitz” überpinseln. Das blonde Dings ist mir, mir, mir!”

daserstegebotSobald ich bis in die hintersten Kniekehlen und Bauchfalten wieder als “Meins!” gekennzeichnet bin, springt Frau Schmitz mit einem befriedigten Gurren von meinem Schoss und stolziert in die Küche, um dort umgehend mit Nachdruck nach Abendbrot zu verlangen.

Aber ja doch, sofort.
Ich eile.

(06.10.13)

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