Eine haarige Angelegenheit

Auch wenn mich meine getigerte Mitbewohnerin jeden Tags aufs Neue mit ihrer schrulligen Fröhlichkeit zum Lachen bringt und keinen Zweifel daran aufkommen lässt, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, sie bei uns einziehen zu lassen, so gibt es doch wie in jeder Beziehung ein paar Aspekte unseres Zusammenlebens, auf die ich durchaus verzichten könnte.

catascatcanSo ist zum Beispiel ein Katzenklo in Sachen Geruch und Handling nicht gerade ein steter Quell grenzenloser Freude, und auch die tägliche Raubtierfütterung mit totem Tier in Gelee ist für mich als Pflanzenfresser nur bedingt erquicklich. Was mich aber wirklich beinahe in den Wahnsinn treibt, ist diese unerschöpfliche Flut an Katzenhaaren, die seit dem Einzug von Frau Schmitz unseren Haushalt garniert. Das die hartnäckigen Flusen konsequent an unserer Kleidung als auch an der unserer Besucher kleben, ist ja dank Kleberolle noch recht leicht zu ertragen und von Schränken und Tischplatten lassen sich die Schmitzfussel noch relativ leicht entfernen – aber mittlerweile macht sich der Katzenhaarteppich unaufhaltsam auf Büropausenstullen, dem Inneren meines Autos und sogar auf dem Boden frischgespülter (!) Kaffeetassen breit. Ganz egal wo man hingreift oder -guckt, man wird schon von Schmitzhaaren begrüsst. “Hämisch begrüsst”, wie ich finde.

Aber nun ja. Ich bin Ultraläuferin. Ich mag Herausforderungen. Und heute habe ich der Katzenhaar-Invasion den Kampf angesagt. Ich werde den Feudel nicht eher beiseite legen, bis nicht auch der allerletzte schmitz’sche Zottel aus seinem Versteck gelockt und in Putzwasser ertränkt ist. Dafür stehe ich mit meinem Namen. Und so.

Qapla! *)

In den kommenden Stunden wische, wedele ich und schrubbe ich jeden Winkel unseres Heims, krieche bäuchlings in jede kleinste Ecke und lasse Mr. Dyson beinahe durchglühen. Ich jage Wollmäuse im Greisenalter aus ihren Bauten und wienere gnadenlos alles in Schutt und Asche, was nicht niet- und nagelfest ist. No rest for the wicked ones.

Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich schweissgebadet, putzwasserverschrumpelt und abgrundtief erschöpft – aber das Haus ist katzenhaarfrei. Heureka. Zutiefst befriedigt stehe ich am Fuße der Treppe und bewundere mich und mein Putzwerk, als sich Frau Schmitz mit leisem Tapsen nähert, guckt, gähnt und mit zartem Maunzen behende die Stufen hochsaust. Nachdem sie auf dem Treppenabsatz verschwunden, sehe ich im Gegenlicht ein zartes Büschelchen feinster Premiumkatzenunterwolle, das meinem entsetzten Auge unschuldig im Kippfenster-Windhauch entgegenschwebt.

Nein.
Ich.
Werde.
Wahnsinnig.

So langsam beginne ich zu glauben, dass sich in jeder geschlossenen Psychatrie ein separater Raum befindet, in dem jene bedauernswerten Menschen landen, die “heute aber mal ganz bestimmt alle Katzenhaare aus dem Haus entfernen” wollten.

Und ich könnte schwören, mein getigertes Haarmonster sitzt auf dem Treppenansatz und lacht sich ins Pfötchen.

*) Erläuterung für Nicht-Trekkies: “Qapla” ist ein klingonischer Kampfgruß und bedeutet soviel wie “Erfolg!”…oder “Lass’ krachen, Alter!”

(11.10.13)

2 Gedanken zu „Eine haarige Angelegenheit

  1. Sabine Dannehl

    Wir sind glückliche Mitbewohner von zwei Windhunden, den Katzen unter den Hunden (was durchaus als Kompliment gemeint ist), und einer der Windhunde hat noch einen Husky in den Genen. Husky-Haare sind ähnlich den Katzenhaaren. Immer wieder schön, wenn man zum Beispiel beim Arzt sitzt, an sich herunter schaut und mal wieder merkt, dass es einem unmöglich ist, “unbehaart” durch das Leben zu gehen 🙂 Und dann vermisse ich meine zwei Nasen. In diesem Sinne: “live long and prosperous”.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*