Foodfight!

Tempus fugit bekanntermassen ja wie Hölle, und unsere samtpfötigen neuen Mitbewohner teilen nun schon fast 4 Wochen Tisch und Bett (mit mir) und Napf und sanitäre Einrichtung (mit Frau Schmitz)

Das scheue Wildlingsmädchen hat nun auch endlich Namen bekommen und taut als “Frollein Fritzi” täglich mehr auf. Immer seltener ist sie der Ansicht, dass ich ihr als furchteinflössendes, katzenmädchenmordendes Ungetüm ans Leder will und hin und wieder lässt sie sich zumindest sanft berühren, ohne gleich panikartig in ein sicheres Versteck zu entfleuchen.

Nachdem Frau Schmitz festgestellt hat, dass ihr die beiden Halbstarken weder Futter und Streicheleinheiten noch den Lieblingsschlafplatz wegnehmen, toleriert sie die tobende Anwesenheit ihrer neuen Mitbewohner als “grande dame de miezhaus” höchst gelassen und weist die zwei Teenies höchstens dann kurz zurecht, wenn sie ihr allzu übermütig an Schwanz oder Futternapf herumtollen.

TiglingHerr Tiger hat sich innerhalb kürzester Zeit vom zurückhaltenden ruhigen Katzenmann zu einem quirligen Strauchdieb entwickelt, der ständig unerwartet aus irgendeiner Ecke schiesst, uns Zweibeiner oft beinahe über den Haufen rennt und ständig auf der Suche nach Abenteuern oder Schmusehänden in bester Laune durchs Haus tobt (und dabei überzeugend die Geräuschkulisse einer mittleren Elefantenherde nachahmt).

Heute steht mir der Sinn nach Fastfood und vorfreudig lasse ich mich mit einem großen Teller frischgebratener Veggiewoscht, einer Schöpfkelle Ketchup und reichlich Currypulver an meinem Schreibtisch nieder, um ebenjene Köstlichkeit umgehend zu verschlingen und dabei ein wenig Bürokram am PC abzuarbeiten. Laut polternd nähert sich die Elefantenherde (aka “das Tigerkerlchen”) über die Holzdielen im Flur und mit einem zarten Windhauch landet ein wunderschöner Katzenmann neben meinem Teller. Sofort senkt sich das schnüffelnde Katzenköpfchen Richtung Currywurst – und ich versuche, das neugierige Leckermäulchen mit meinem Kopf wegzuschieben. Herr Tiger hält konsequent dagegen und so drücken wir uns eine Weile gegenseitig die Köpfe aneinander und keiner von uns Beiden ist gewillt, das (ernährungsphysiologisch zweifelhafte) Festmahl aufzugeben.

Herr Tiger, im Umgang mit sturen älteren Damen scheinbar nicht ungeübt, wechselt die Taktik, streicht mir sanft mit seinem weichen Köpfchen über die Wange und maunzt zärtlich. Den Moment, in dem ich vor Rührung dahinschmelze, erfasst er blitzschnell als Lücke in der Deckung und stösst entschlossen mit der Pfote schnurstracks zum Teller vor. Katerlump, hinterhältiger!

Ertappt legt sich der Kater lasziv auf der Tischplatte unweit meines Tellers ab, reckt und streckt sich genussvoll und lässt dabei betont unauffällig das Pfötchen Richtung Currywurst schweifen, was von mir aber nicht unbemerkt bleibt und mit einem zarten Klaps aufs gierige Grabscherchen beantwortet wird. Nun kommt der Miezenplan B zum Tragen – schnurrendes Auf-den-Rücken-Kugeln und Bäuchlein-Zeigen, vermutlich in der nicht unberechtigen Hoffnung, dass ich dem flauschigen Schmuse-Angebot nicht widerstehen kann und meine Mahlzeit unbeaufsichtigt lasse. Angesichts eines derartigen kätzischen Taktierens muss ich kichern, mampfe jedoch beharrlich weiter.

Derart missachtet, entwickelt Herr Tiger schlagartig ein überzeugend dargebrachtes Interesse an dem Papierstapel auf meinem Schreibtisch und wendet sich ab, um konzentriert in unbezahlten Rechnungen zu schnüffeln und die Stiftebox einer gründlichen Inspektion zu unterziehen. Plötzlich zielt der Kopf wieder ruckartig zu meinem Teller und ein erneuter Durchbruchsversuch zur Brutzelwurst wird gestartet. Mit vollem Mund lache ich laut auf – was für ein süßer kleiner Taktierer! Am liebsten würde ich das Tigerkaterchen gleich mit auf meinen Teller legen und mit Haut und Haaren auffressen.

Trotz überbordendem, verliebtem Herzchen bleibe ich tapfer und verteidige mein Abendessen bis zum letzten Haps, halte ich doch Currypulver und Katzenmagen für keine der Miezengesundheit zuträgliche Kombination. Aber ein Leckerchen hat mein schlauer Kater für dieses überzeugende Schauspiel dann doch verdient und einen ketchupverschmierten dicken Schmatzer zwischen die Ohren gleich noch dazu. Bravo, bravo, bravooo!

(11.03.14)

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