Liebe ist…

Wer sich dazu entschließt, sein Haus mit einer oder mehreren Samtpfoten zu teilen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die den vierbeinigen Mitbewohnern entgegengebrachte Liebe unter Umständen nur temporär bis “überhaupt nicht” erwidert wird. Allerdings sind die Miezen je nach Charakter durchaus in der Lage, die erwünschte Gegenliebe überaus überzeugend vorzuspielen, wenn es ihnen gerade in den Katzenkram passt.

Seit mein Wildlingsmädchen Frollein Fritzi zur begeisterten Freigängerin geworden ist, hat sie sich angewöhnt morgens – untermalt von zärtlichstem Maunzen – auf meine Schlafstatt zu springen und mir mit überschäumendem Köpfchenreiben und Powerschnurren kundzutun, dass sie mich die ganze Nacht über ganz entsetzlich vermisst hat und mir (ihrer allerbesten Freundin) nun herzallerlieblichst einen wunderschönen guten Morgen wünschen möchte.

Trotz der nicht so richtig erfreulichen Tatsache, dass meine Fritzimieze diese Freundschaftsbekundungen durchaus auch gerne mal vor 5 Uhr loswerden möchte, floss mein Herz anfangs vor lauter Rührung über diese neue Zutraulichkeit schier über. Zumindest so lange, bis ich erkannte, dass dieses ganze überschwängliche Miezenschauspiel nichts weiter bedeutet als “Jetzt beweg’ endlich deinen faulen Hintern aus dem Bett, ich will RAUS!” Denn just ab dem Moment, in dem die Katz’ mich soweit wachgeschnurrt hat, dass ich halbwegs in der Lage bin, barfüßig und schlaftrunken die Treppe runterzutaumeln und das begehrte Fenster zur Gartenfreiheit zu öffnen, guckt mich die kleine Dame mit’m Popo nicht mehr an und hopst ohne einen Blick zurück jauchzend in ihr heissgeliebtes Jagdparadies.

Das sie mich ja doch eigentlich aus tiefstem Katzenherzchen liebt, fällt ihr aber prompt wieder ein, wenn ich später anfange, in der Küche näpfeklappernd das Frühstück für die Miezenschaft anzurichten. Wie ein weißgetigerter Blitz schwebt das flauschige Frollein durchs Fenster im Sturzflug direkt in der Küche ein, um mir umgehend inbrünstig um die Beine zu streichen und mir mit weitaufgerissenen Kulleraugen zart miauend ihre maximalgroße Zuneigung zu bekunden. Wie ein kleiner Rehbock rammt sie mir dabei ihr Köpfchen zwischen die Waden und reibt sich bis kurz vor dem totalen Fellverlust an meinen Füßen. “Du bist meine allerallerbeste Freundin! Ich hab’ dich ja so, so, so lieb!” säuselt die kleine Madame und meint im Grunde doch bloss “Futter her, aber zackig! Hab’ ja nicht den ganzen Tag Zeit, verdammt nochmal!”

Den sobald der gefüllte Napf den Fußboden berührt hat und der kleine Katzenkopf sich im Futter versenkt hat, mutiere ich erneut umgehend zur Persona non grata – und wenn sie anatomisch dazu in der Lage wäre, würde sie mir vermutlich den Mittelfinger zeigen.

fritziTrotz oder gerade wegen ihres eigenwilligen, egoistischen Charakters ist Frollein Fritzi eine absolut bezaubernde Bereicherung unseres Miezhauses und ich würde das kleine Miststück nie wieder hergeben…und wenn sie mir dann hin und wieder abends einen Augenblick lang huldvoll gestattet, ihre weichen Öhrchen zu kraulen, obwohl sie satt und ausgetobt ist….dann denke ich an das Zitat, dass mir eine (Katzen-)Freundin mal mit auf den Weg gegeben hat:

“Wenn man begriffen hat, daß Lieben wichtiger ist als Geliebtwerden,
ergibt sich das Geliebtwerden ganz von selbst.”

Nun, ich hätte nix dagegen.

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