Running up that hill

…oder “Kaum macht man’s richtig, schon geht’s”….

Zwischen, über oder unter den Zeilen meines Geschwurbels vermag der mehr oder minder geneigte Leser häufig eine brennende Affinität für alles, was rauh und trailig ist, herauszulesen. Ganz besonders mag ich es steil, wurzelig und holperig, dabei auch ganz gerne matschig und rutschig. Und auch buckelig und wellig kann mich jederzeit entzücken.
Haken an der Alpinsache – die meisten Trailmassive vermag ich bloss gehenderweise erklimmen. Im Laufschritt schlingt sich oft nach kürzester Zeit eine fiese röchelnde Würgeschlange um meine Lungenflügel und boykottiert jeden Versuch der Atmung. Unterstützung erhält ebenjene Boa Oxygenstructor auch gerne durch diverse hinterhältige Gedankenteufelchen, die sich beim Einsetzen eines gewissen Brennens in den Oberschenkeln und Ansteigen der Schädeltemperatur gemütlich auf meinen Schultern niederlassen und perfide Dinge wie “Guck mal wie lang der Anstieg noch ist. Das schaffst Du NIE, so wie Du JETZT schon keuchst!” zischeln.

Eine nordwahnähnliche Erhebung im Koblenzer Umland mit dem ehrfurchtsgebietenden Namen “Hasenberg” blieb bislang (unter anderem) deshalb von mir unbezwungen, weil ein Herr Petersen aus Potsdam bei einem gemeinsamen Läufchen in einem entscheidenen Moment kurz vor dem Gipfelkreuz mit dem schlichten Wort “Gesellschaftsspiele” bei mir einen hysterischen Lachanfall auslöste, der mein Zwerchfell zusammenfaltete und die Moral gleich mit. Seitdem bin ich wütend auf dieses Miststück (den Berg, nicht den Herrn) und habe mich nie wieder an eine Besteigung desselben gewagt.

Und so reihten sich im Laufe der Laufjahre aus verschiedensten Gründen zusätzlich zum Hasenberg diverse weitere läuferisch unbezwungene Erhebungen in meine persönliche Waterloo-Liste ein und zeigen mir gelegentlich eine lange Nase. Zwar merkte mein Laufpartner erst kürzlich beim gemeinsamen Laufmithügeldrinne an, dass ich eventuell gegebenenfalls die Steigung ein wenig zu schnell angehen würde und es doch einfach mal langsamer versuchen solle – aber unautorisiert eingesendete Ratschläge werden bei mir ja schon mal per se ignoriert. Wäre ja noch schöner, hier – bei sowatt bin ich stur.

Auf der Suche nach neuen Laufstrecken in der Region (im Sinne von “thinking global, running local”) landete ich kürzlich mit einer Muckibudenbekanntschaft in den örtlichen Weinbergen. Der Herr ist bekennender Extrem-Langsamläufer und so ertrabten wir die sonnendurchfluteten Hügel in einem Tempo, in dem man nicht nur die Schuhe neu besohlen, sondern mit etwas handwerklichem Geschick auch gleich ein paar neue Schuhe hätte schustern können. Und siehe da – keine Würgeschlange am Brustkorb, keine Brennstäbe in den Oberschenkeln, kein Luftröhrenengpass…wir erreichen den Gipfel ohne Müh’ und Not..(und in seinen Armen das Kind war…ach, nee. Anderer Film.) Ich bin maximalbegeistert und gestehe mir still und leise ein, dass mein Laufpartner vielleicht doch Recht gehabt haben könnte mit seinem zaghaften Vorschlag der Temporeduzierung am Hang. Zumindest theoretisch. Praktisch gilt hier natürlich nach wie vor der “L’etat c’est moi”-Grundsatz.

Zwei Tage später teste ich diese Strategie gleich an einem der Anstiege, bei denen ich kürzlich noch unter Absingen von Zeter und Mordio elendig gescheitert bin – und trabe schneckengleich und würgeschlangefrei bis zur Spitze des Heissbergs. Heureka! Leckofatz! So bringet mir die Greenhornrunning-Flagge, auf dass ich sie in den Gipfel rammen möge, wo sie fortan triumphierend im alpinen Winde flattern werde. Bäm, Junge!

Der Ehrlichkeithalber – die von mir zum Anstieganlaufen genutzte Pace ist im Grunde nicht der Rede wert und maximal als “putziglahmes Pacilein” zu bezeichnen…aber die Sache hat auch Vorteile – zukünftig kann ich das Hügeltraining gleichermassen nutzen, um Bücher zu lesen, mir die Haare zu färben, Fingernägel zu lackieren….oder….meine Schuhe neu zu besohlen.

Und allerliebster Herr Petersen aus Potsdam – sollten sie nochmal in unserer schönen Gegend weilen, dürfen sie beim Laufen herzlich gerne 100x hintereinander “Gesellschaftsspiele” sagen. Ich werde den Hasenberg trotzdem in die Knie zwingen. Sie werden schon sehen.

(23.08.12)

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