Regen, Regen, Tröpfchen, fall’ doch auf mein Köpfchen!

“Wenn der Regen in den Pfützen Blasen schlägt, dann hört’s bald auf.” Mit diesem Zitat aus Sven Regeners “Herr Lehmann” im Ohr stehe ich am Fenster und starre leicht missmutig in den dichten Vorhang aus Regen-Bindfäden vor meiner Netzhaut. Ich weiß nicht, wie die Omma von Thekenphilosph Kristall-Rainer im Buch an diese Wetter-Weisheit gekommen ist, aber das spritzende Geblubber in den zahlreichen Pfützen dauert nun schon eine ganze Weile und der Horizont zeigt sich dennoch unverändert finster. Scheinbar haben die Wettergötter zeitgleich zum Ende meines Urlaubs gleich in einem Rutsch das Ende der Sommers beschlossen.

Meine sonntagmorgendliche Waldlauflust scharrt unwillig mit den Füßen. Grundsätzlich finde ich Regenläufe ja durchaus erfrischend und mag es, wenn der Matsch beim sportlichen Pfützen-Hopping auf Waldboden bis zur Unterlippe spritzt, aber bereits auf dem ersten Metern nach Laufstart mit  Wasserkübeln himmlischerseits übergossen zu werden ist nicht ganz nach meinem Gusto. Aber andererseits…gleich am ersten Herbsttag vor den Elementen zu kneifen, käme mir wie ein Kapitulation vor – und da ich meinen inneren Leitsatz “Nicht über Dinge jammern, die nicht zu ändern sind” meistens erfolglos extremst erfolgreich beherzige, ziehe ich mir mit willigem Geist regentaugliche Funktionskleidung übers schwache Fleisch und starte meine Blechkutsche mit schwerstarbeitenden Scheibenwischern Richtung Wald, um mich nach Kräften nassregnen zu lassen.

Horrido.
Watt bin ich doch für ‘ne coole Sau.

Den MP3-Player durch formschöne Plastikhülle vorm Tod durch Ertrinken gesichert trabe ich los – und bin erwartungsgemäss in Windeseile pudelnass eingeregnet und zuverlässig begleitet vom “Patsch! Patsch! Patsch!” meiner Schuhe auf dem triefenden Waldboden. Immerhin beschert mir die ungastliche Witterung einen komplett menschenleeren Forst und der neblige Dunst wirkt wie ein Aktivator der Duftrichtung “Pilz, Moos und TannennRegenadeln”.

Zumindest auf eine Sache ist Verlass – wenn man erstmal komplett bis zur letzten Funktionssockenfaser nassgeregnet ist, kann man immerhin nicht mehr nasser werden. Mit dieser geradezu zen-artigen Erkenntnis schleicht sich doch heimlich und hinterrücks ein bißchen Laufvergnügen ein und dass  der Regen in den Pfützen immer noch kindskopfgrosse Blasen wirft, als ich patsch!-patsch!-patsch!end zum Auto zurücktriefe, ringt mir nur noch ein tropfendes Grinsen ab. Man soll halt doch nicht immer alles glauben, was in Büchern steht.

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