Ein Toast auf den Toast!

Obwohl mir grundsätzlich immer sehr daran gelegen ist, mein Leben so leicht und unkompliziert wie möglich zu gestalten, gelingt es doch hin und wieder ein paar absurden Ritualen und Gewohnheiten, sich an der “Abteilung für logische Abläufe” in meiner Hirnstube vorbeizuschleichen und in meinem Alltag einzunisten.
Und auf diese Weise bin ich im Laufe der letzten Monate auch zu einem bei Licht betrachtet ziemlich albernen Präsonntagslauffrühstücksritual gekommen, das sich aus frischgepresstem Saft mit Chia und Ingwer, Quinoa-Kickstarter, Kaffee und Bananendattelshake und ziemlich präzise festgelegten Zeitabständen zwischen den einzelnen Komponenten zusammensetzt. Durch diese Zeremonie ist zwar gewährleistet, dass ich weder durstig noch hungrig noch vollgefressen noch müde noch sonstwas auf die Laufstrecke starte, aber die fatale Kombination mit “noch ein bißchen sinnlos im Internet rumtrödeln” sorgt dafür, das alle verfügbaren Würmer schon von den wirklichen frühen Vögeln abgegrast wurden, bis Madame mal aus dem Quark und in die Puschen kommt.

Als mir dann ein Freund in irgendeinem Zusammenhang (happichvergessen-issaberauchnichwichtig) erzählt, das er vor seinem Training einfach bloss Marmeladentoast und Kaffee verspachtelt und keine Stunde später schon die Laufstrecke rockt, fällt’s mir innerlich wie Schuppen von den Augen und die “Abteilung für logische Abläufe” springt jubelnd von ihren Bürostühlen. Toast. Natürlich. Oh Maaaann. Das hab’ ich doch früher auch gemacht – warum und wann in Dreiteufelsnamen hab’ ich überhaupt mit diesem ganzen Saft-Pause-Müsli-Pause-Bananenscheiss angefangen? Jetzt hömma, hab’ ich noch alle Zacken auf der Krone, hier?

Nachdem ich mich nun also gründlich mit Früchten vom Baum der Erkenntnis (und einem schnöden Erdnussbutterbananentoast) vollgestopft habe, schwinge ich meine Hufe heute morgen doch tatsächlich schon zu einer morgendlichen Zeit in die Botanik. Die frühen Vögel starren mich irritiert an und kratzen sich am Federkleid, bis einer von ihnen tuschelt “Die kenn ich doch, von früher. Komm’, schmeiss der mal’n Wurm runter”.

Gerade als die wunderbare Cat Power versucht, mir über meine Kopfhörer eine schwermütig-melancholische Seufzerstimmung aufzunötigen und ich überlege, ob ich jener evtl. mit ein wenig Gesang oder einem Tänzchen im Schnee entgegenwirken könnte, kommt mir über den verschneiten Trail eine kleine Läuferin entgegen, die ich lautstark quietschend als “Doroooo!” identifziere, einer jenen unerschrockenen Reckinnen, die ich vor ein paar Wochen beim Revierguide am Laacher See kennengelernt habe. Ich freu’ mir ein Loch in meinen Toastbauch und dränge ihr sogleich vor lauter Wiedersehensfreude meine Gesellschaft auf. Nach zwei Minuten hat sich jegliche Form von Schwermut ins Nirwana verpisst, und wir quatschen schnaufend *) über dies und das. Und auch über jenes. Versinken im Schnee, rutschen rum, machen ein paar Fotos und haben Spass anne Backen. Und da wir so jung wie heute nicht mehr zusammenkommen, zeigen wir uns gegenseitig bei dieser Gelegenheit auch gleich ein paar neue Wegstücke und ich bin mal wieder in höchstem Maße euphorisiert, welche wunderhübschen Trailjuwelen sich hier hinter den gemütlichen Comfortzone-Wirtschaftswegen versteckt halten.

Beim Erklimmen (für mich unbekannten, aber schön-knackigen) Anstiegs wird Doro von einem hinterhältig unter der unschuldig-dreinschauenden Schneedecke lauernden Baumstumpf mit Schmackes zu Boden geschmissen und opfert dabei die Hälfte eines Fingernagels. Blut tropft in den weißen Schnee, aber sowas kann wohl eine gestandene Trailrunnerin nicht erschüttern…einmal kräftig geflucht, Handgelenk ausgeschüttelt und weiter geht’s im Läufertext. Nach ein paar weiteren Kilometerchen trennen sich unsere Weg aus fuhrparklogistischen Gründen, und ich freue mich feixend in mich rein. Hätte ich heute morgen nicht mal unkompliziert gefrühstückt, hätte ich weder Doro noch diese ganzen hübschen neuen Streckentörtchen getroffen. Und das wäre nun echt mal jammerschade gewesen.

Ein Toast auf den Toast!

*) Der Wahrheit halber schnaufe nur ich, aber das liess sich nicht grammatikalisch korrekt im Satzbau unterbringen. Echt jetzt.

(27.01.13)

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