“Ich trail durch!” – Trailmagazin-Communityrun

Guten Tag, meine  Name ist Daniela und ich bin ein Trailrunner.
Zumindest theoretisch, aber auch nur, weil “Trailrunner” um 100% verwegener klingt als “Landschaftsjogger”.
Landschaftsjogger ist ja echt mal so überhaupt nicht Punkrock, nämlich.
Zu meiner Ehrenrettung muss ich anmerken, dass ich moderaten Matsch, heimtückisch lauernde Wurzeln und charmante Singletrails durchaus zu schätzen weiss, aber mir trotz unerschrockenem Üben am Hügel immer noch die Lunge auf Grundeis geht wenn sich unerwartet ein Berg vor mir auftut und ich mich bei rutschigen Abstiegen auch gerne mal auf die Semmel knalle. Von wegen “trittsicher” und so.

Nun, wie dem auch sei – heute bittet das Trailmagazin zum Tanz beziehungsweise zum “Communityrun” um den Laacher See, was eine gute Gelegenheit für einen persönlichen Realitäts-Check bietet. Freundlicherweise bietet die Veranstaltung die Möglichkeit, neben der grossen 19 km-Runde mit 345.856 Höhenmetern auch nur ca. 10 km zu laufen und genau das hab ich vor. Ich bin ja schliesslich Rookie. Trailrunner in Ausbildung. Nur nix überstürzen, ich bin ja schliesslich noch jung mittelalt.

Der 10 km-Zahn wird mir von meiner  hessischen Mitläuferin in spe allerdings am Vortag fix via Telefon gezogen “Ich fahr doch nitt bis hinner Koblenz für 10 km. Mir mache de Lange, ei sicher!” Mir mache de Lange. Na grossartig. Vermutlich werde ich also sterben, in den Laacher See stürzen und ertrinken, mich blamieren und mir alle Knochen brechen, und zwar in genau dieser Reihenfolge. Naja, nützt ja nix. Wie mein Papa immer sagt: “Wer mit den grossen Hunden pinkeln gehen will, muss auch sein Bein hochkriegen!”. Also, hoch das Bein.

Die grossen Hunde haben sich schon grossflächig auf dem Treffpunkt verteilt, als wir eintrudeln und mir wird bänglich, weil ausnahmslos alle Anwesenden unfassbar sportiv und voll endurancemässig aussehen. Ich schlucke hörbar. Inga hingegen ist entspannt – “Wenn die uns doof komme, dann lasse mer die laufe. Mer sinn doch nitt blöd!” Letzteres kann ich für mich persönlich zwar nicht uneingeschränkt bestätigen und überhaupt hat Inga als Ultraläuferin gut reden, aber Bangemachen gilt jetzt eh nicht mehr. Mitgefangen, mitgepinkelt, quasi. Und bestimmt kochen auch unfassbar sportive Endurancetypen am Ende nur mit Wasser.

Nachdem Trailmaster Denis zum Volk gesprochen und ein paar Gruppenfotos geknipst wurden, setzt sich die Meute in Bewegung. Die ersten 5,34 Meter sind recht gemütlich und meinen forstwegjoggingerprobten Extremitäten äußerst genehm, aber dann geht’s rund im Matschkarton. Ich bin im Nachhinein nicht sicher, welche Merkmale so ein Stück Botanik aufweisen musste, um von den Revierguides als “Trail” eingestuft zu werden, aber an manchen Stellen scheint  das Kriterium “AUSSERHALB des Sees” vollkommen ausgereicht zu haben. Ansprüche wie “zumindest halbwegs befestigt, bitteschön” oder “keine 345% Steigung” kann man da wohl schon mal vernachlässigen. Meine Lungenbläschen blubbern Schuberts Forellenquintett nach und ich lege unter Zuhilfenahme meines Schweisses einen Original-Nachbau der berühmten Niagarafälle auf dem Waldboden an. Soviel Zeit muss sein. Obwohl ich mehrfach beinahe ins Koma falle und meine Oberschenkel- und Wadenmuskeln bitterlich um Gnade winseln, finde ich’s total grandios (auf ‘ne Art, zumindest).Was für ein Spass. Horrido und fette Beute! Und auch wenn ich mucki- und ausdauertechnisch nur bedingt (bis “gar nicht”) mit den grossen Hunden mithalten kann, schaffe ich es immerhin, halbwegs lebendig, mittelmässig ansehnlich und weitestgehend unzerbröselt wieder am Zielpunkt einzulaufenkriechen.

Oder kurz gesagt. Boah, scheiss die Wand an, watt’n geiler Lauf!

Dafür den allergrösstmöglichen Dank an die ganzen tollen Leute, die diesen Abenteuersonntag organisiert und möglich gemacht haben. Und an Inga.

Persönliches Fazit:
1.) Die spinnen, die Trailrunner. Aber auf ‘ne charmante Art.
2.) Trails entstehen anscheinend manchmal einfach dadurch, dass man sie läuft (bzw. klettert oder rutscht). Und danach integrieren sie sich optisch wieder vollkommen in den Waldboden und haben nie existiert.
3.) Ich bin nun ganz sicher: Ich bin ein Landschaftsjogger und kein Trailrunner. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich bin ja noch jung mittelalt.
(06.01.13)

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