What a difference a day makes

Jeder, der schon mal in einem Boot auf stürmischer See unterwegs war oder länger in bewegtem Meer gepaddelt ist, kennt wohl das Gefühl, dass der Wellengang auch abends in Ruhelage nicht nachlässt . Selbst in der kuscheligen Horizontale hat der Einschlafwillige noch öfter das Gefühl, von einer Welle hin- und hergezogen zu werden oder auf Deck herumzuschlingern.

Ähnlich ergeht es mir Sonntagabend beim Einschlafen nach dem wunderbar-wahnsinnigen Revierguide – obwohl seit dem Abschluss-High-Five am Laacher See schon Stunden vergangen sind, ich mir längst den Matsch vom Leib gewaschen habe sowie abgefüttert und ausgecoucht bin, rutscht mein Fuss im Halbschlaf immer noch unkontrolliert auf der Matratze beim imaginären Abdriften auf einer Schlammscholle oder zuckt unter dem Laken beim Ausweichen einer Wurzel. Und während ich so langsam zuckend, zappelnd und vor allem lauthals grinsend in Morpheus Arme gleite, dämmert es mir, dass ab jetzt nix mehr sein wird wie es mal war.

Ich habe Matsch geleckt.

Als ich am 2. Morgen  nach Christi nach dem Revierguide meine Gräten aus der Horizontale hieve, signalisiert ein winziges bis nicht nennenswertes Restmiauen der Muskelmiezen in meinen Oberbeinen grünes Licht für eine kleine Runde auf meiner Lieblingslaufstrecke im heimischen Forst. Wobei – “Laufen auf der Lieblingsstrecke” war vorgestern, heute werd’ ich mal “gepflegt den Hometrail rocken”. Yes, motherfucker, hier. Und dreimal schwarzer Kater obendrauf.

Während ich nun also frohgemut über die schlüpfrige Laubdecke schlurfe und meine Lungenflügel auf Betriebstemperatur hochjapse, erwische ich meine Augäpfel ständig dabei, rechts und links die Hänge hoch- und runterzuschielen und meine Hirnstube bei der Überlegung, dass man da ja eigentlich auch einfach mal so offroadmässig herumrasen könnte. Vor meinem inneren Äuglein spulen sich sogleich Filmsequenzen ab, in denen Dutzende Läufer in buntesten Funktionsgewändern wie eine Horde Ameisen auf Speed unter röhrenden Schlachtrufen über das morbide Blattwerk am Hang Richtung Gipfel krabbeln. Ich hab’ ja Sonntag gesehen, dass sowas möglich ist, also könnte ich ja auch mal…also hier jetzt so runter….hmmm…oder da hinten hoch – oder doch nicht? Im Falle eines außerplanmässigen Genickbruchs könnte ich im ungünstigsten Fall bis zur nächsten Treibjagd hier vergammeln bis mich die Hundemeute aufstöbert, das wäre alles in allem schon ziemlich uncool und würde letztlich auch gegen meine Pflanzenfresser-Ehre verstossen. Und überhaupt hab’ ich ein bisschen Angst, das ist nämlich ganz schön steil hier. Und für heute sind meine unteren Extremitäten auch ganz sicher mit ein wenig smartem Singletrailing zufrieden, da hängt schliesslich noch ein wenig Restschwere in den Muskelfasern.

Also – heute wird dann also erstmal nicht todesmutig den Hang runtergehagelt, allein schon wegen der Muskelmiezen und weil ich ja noch Buntwäsche machen wollte und einkaufen und so. Aber bald. Bestimmt.

Die Zeit ist reif.
Yippiehhey yo, Schweinebacke.

(08.01.13)

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