Heut’ mach’ ich mir ‘nen Lenz!

Ich hab’ zwar nicht den Hauch einer Ahnung was genau der Frühling in diesem Jahr mit seinem sagenumwobenen “blauen Band” gemacht hat (vermutlich irgendwo zwischen der Weihnachtsdeko verschlampt) – eins ist sicher, durch die Lüfte flattern tut es jedenfalls nicht. Stattdessen flattern Schneeflocken und Minusgrade.

Aber auch wenn mir das allmorgendliche fröstelnde Parfait-Abschaben von meiner Windschutzscheibe mittlerweile mächtigst auf den Zeiger geht und ich mich an das Gefühl von warmen, beweglichen Füßen nur noch vage erinnern kann, nervt mich doch das tägliche Wettergewinsel meiner Mitmenschen mindestens 100x mehr. Jaaa-haaaa…es ist ECHT wirklich wirklich kalt und jaaa-haaaa…letztens Jahr um die Zeit hatten wir schon 20 Grad und konnten allesamt halbnackig durch die Botanik springen und jaaaaa-haaaaa, es reicht jetzt nun aber WIRKLICH mit dem Winter, aber meine Güte, das Wetter ist halt kein Wunschkonzert und hier wird eben gegessen was auf den Meteorologentisch kommt. Kriegt euch ein, ihr Jammerlappen.

Allen Eiszeit-Unkenruf zum Trotz halte ich bockig daran fest, dem Winter vollkommen ignorant eine lange Nase zu zeigen, selbst wenn mir selbige dabei abfriert. Anders ausgedrückt: “Leck’ mich, Arschlochwinter!”

Da ich seit 2 Tagen demdealerseidank ein paar funkelnagelneue Hokas Stinson Evo zu meinem Fuhrpark zählen darf und ein artgerechter Ausritt dieser fliegenden Zebras nur im Wald und nicht auf Asphalt möglich ist, presche ich heute nach der Arbeit mit Bleifuss unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln und roter Ampeln in meinen Lieblingsforst, um vor dem Dunkelwerden zumindest noch ein kleines Ründchen flattern zu können. Wenn schon kein blaues Band flattert, muss ich halt mal wieder selber ran.

Obwohl die Sonne sich schier kaputtlacht, ist die Luft gewohnt schneidend und frostig und ich verfluche mich innerlich mal wieder dafür, meine Handschuhe auf dem Küchentisch liegengelassen zu haben. Ignoranz hin oder her, abgestorbene Gliedmaßen sind irgendwie kein Spass. Leck mich doch. Arschlochwinter.

Beim Ausritt auf dem Rücken der Zebras kann ich – Wettergenöle hin oder her – in der Tat nicht den kleinsten Hauch von Lenz  im Forst entdecken. Keine Knospen an den Bäumen, kein spriessendes Grün, noch nicht mal ein einziger abgefuckter Scheisskrokus. Sämtliche blühenden Exemplare, die sich bereits aus der Erde hervorgewagt hatten, scheinen von der erneuten Schneedecke erdrückt worden zu sein. Tristes Braun, wohin das Auge blicket. Aber wie gesagt, kein Wunschkonzert, und überhaupt, wenigstens scheint die Sonne. Trotzdem wäre ja so ein Hauch von Grün schmeichelnd für Auge und Gemüt…aber…nun.

Beim laufabschliessenden Tussi-Kontrollblick in den Rückspiegel entdecke ich auf meiner rotgefrorenen Nase doch glatt ein paar tapfere Sommersprossen, die sich scheinbar gerade druckfrisch an die Oberfläche gekämpft haben. Na, bitte – da haben wir sie doch, die Frühlingsboten. Geht doch.

(27.03.13)

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