Being Uschi Uphill

Wie schon im vorigen Beitrag mit vorgespielter Gelassenheit bemängelt, verweigert mein rechtes Kniegelenk derzeit die Kooperation mit dem Rest des maroden Knochenhaufens unterhalb meines Kopfes. Durch intensive Beobachtungen in freier Wildbahn und entsprechenden Feldversuchen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Bergauflaufen keinerlei Probleme verursacht, Bergablaufen hingegen nach kürzester Zeit zu einem schmerzhaften Ziehen im äußeren Kniekehlenbereich führt.

Fazit: Ab jetzt wird nur noch bergauf gelaufen. Aber sowatt von.

Irritierenderweise stellt sich in der Praxis recht schnell heraus, dass sämtliche Hometrails nahezu ausschließlich aus Abstiegen zu bestehen scheinen. Diese Beobachtung steht in deutlichem Gegensatz zu meiner bisherigen Annahme, dass es hier fast nur Berge gibt und sind wohl anschauliches Beispiel für die berühmte “selektive Wahrnehmung”. (Oder irgendeine Arschkrampe baut hier ständig die örtlichen Höhenprofile nach Gutdünken um, um mir eine reinzuwürgen. Glaub’ ich aber eher nicht. Da muss man ja auch mal realistisch sein.)

Für die heutige samstägliche Körperertüchtigung wähle ich also einen kleinen Rundkurs mit “richtig viel Bärsch” gleich zu Beginn. Während ich die Anhöhe emporschnaufe, fällt mir im wahrsten Wortsinn siedenheiß (aka “Ächz!”) auf, dass ich meine noch nie nennenswert vorhandenen Bergauflauffähigkeiten in den letzten Monaten aus Gründen der persönlichen Wellness doch ziemlich sträflich vernachlässigt habe. Und “von nix” bekanntermassen auch  “nix kommt”, bin ich nach nur 2 Kilometerchen mit meinem Lungenlatein am Ende. Leckofatz. Das ist nun aber schon so’n bißchen anstrengend, das hier.

Aber da nach einem Hoch erfahrungsgemäß auch immer ein Tief folgt und bei einem Rundkurs die positiven und negativen Höhenmeter gar keine andere Wahl haben, als sich die Waage zu halten, ermuntere ich mich selbst keuchend zum tapferen Durchhalten. Und just bevor meine Lungenflügel auch noch die allerletzten Federn lassen, ist der Berg dann auch geschafft und ein flaches Pfädchen winkt charmant zu meiner Linken.

Flaches Pfädchen, du bist mein Freund.
Dich mag ich.

Nach einer kleinen Weile setzt das Pfädchen allerdings zum Sinkflug an, was mein Knie zeitnah mit einem kurzen, aber empörten Aufschrei quittiert. Folgsam wechsele ich in den Wandermodus und sofort lehnt sich das reizbare Gelenk zufrieden zurück. Mein Hirnkasten, der seit meinen ersten Schritten als Trailrunner mit dem Befehl “Am Berg wird GEGANGEN!”programmiert wurde, findet meine Handlungsweise ein wenig befremdlich und reagiert mit dem Entsenden einer leichten Unbehaglichkeit, die ich aber weitestgehend ignoriere. Nützt ja nix.

Plötzlich erfasst mein Auge einen bisher noch nie wahrgenommenen Singletrail, der sich anmutig und mit deutlicher Tendenz nach ob durch das Gehölz windet. “Na, mein schwitziges Frollein, wie wär’s mit uns beiden?” lockt der Trampelpfad und zwinkert mit den Tannenzäpflein. Ich überschlage kurz in den Gedanken die Wahrscheinlichkeit, mit der der verführerische kleine Weg in einen mir bekannte Waldautobahn mündet und scharre zögerlich mit den Füßen im Boden. Ganz schön steil, der Kerl.

Aber nützt ja nix. Man muss die Bergfeste feiern, wie sie fallen.

Also reiße ich die Lungenflügel zusammen und schleppe mich japsend den zugegeben ganz reizenden kleinen Pfad hoch, der sich durch Felsen und Fingerhüte schlängelt. Leckofatz. Wie gesagt.

Planmässig lande ich auf dem erwarteten Forstweg, marschiere eine kurze Nicht-so-richtig-aber-sicher-ist-sicher-Downhill-Passage herunter und laufe die letzten beiden Flachlandkilometer fröhlich und frei von Knieweh zurück zu meiner geparkten Blechkutsche. Das Display der Forerunnerin zeigt 7 km, ein kurzes Drehen und Wenden der rechten unteren Extremität zeigt keine Probleme und mich dünkt, dass mein Plan zum Garaus-Machen der Kniepein durchaus aufzugehen scheint.

Und als sich auch Dehnen und Dusche kein Nachweh am Gebein zeigt, schöpfe ich zaghaft die leise Hoffnung, dass eine Verschmelzung von Uschi Uphill und Dörte Downhill in eine einzige Person (nämlich mich) durchaus in greifbare Nähe gerückt sein könnte.

(28.06.14)

2 thoughts on “Being Uschi Uphill

  1. Hans-Joachim Schneider

    Nett, wirklich. Macht Spaß, Deine Posts zu lesen. Also immer. oder fast immer.

    Geist und Witz – und der richtige Schuss Selbstironie. Naja, letztere manchmal ein bisschen zu dick aufgetragen. Aber immer zum Lachen.

    Echt, dafür bewundere ich Dich! Aber sowatt von (Letzteres ist geklaut)!

    LG Joachim

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Danke, das freut mich.
      Mit der dick aufgetragenen Selbstironie..naja..”dezent” kann ich halt leider nicht 😉

      Antworten

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