Carpe diem (verdammt nochmal, jetzt!)

Wenn man (so wie ich) ständig seinem prallgefüllten Terminkalender hinterhechelt und sich dabei abmüht, den gefühlt meterhohen Stapel “To-Do”-Listen abzuarbeiten und das Handydisplay wie eine 80iger-Jahre-Discobeleuchtung vor sich hinblinkt und ohne Pause “Ruf mich zurück, wichtig, wichtig!” schreit, neigt man ja leider häufig dazu, die kleinen Gastgeschenke des Lebens als selbstverständlich hinzunehmen oder gar zu übersehen.

Bis Anfang Mai hatte die Lauferei bei mir eher einen “Ach, verdammt, das AUCH noch!”-Pflichterfüllungs-Charakter, weil ich meinen maroden Knochenhaufen zum Miezenmeilen-Spendenlauf in möglichst leistungsfähigen (und somit gewinnbringenden) Zustand trainieren wollte. Der hirnputzende Entspannungseffekt blieb dabei leider öfter mal auf der Strecke. Danach habe ich mir beim Westerwaldlauf aus reinem Übermut mein linkes Kniekehlensehnendingsda geschreddert und konnte plötzlich nicht mehr wie ich wollte, und – wen wundert’s! – plötzlich wollte ich. Und wie. Ist ja logisch, du dummes Hirnstübchen..immer das, was gerade nicht verfügbar ist, gell?

Jaja. Mir brauchste da nix vormachen.

Es folgte einige Wochen mit ultrakurzen Ministrecken, um der zickigen Kniekehle gönnerhaft Zeit zum vollständigen Ausheilen zu lassen – nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. “Wenn ich doch…also zumindest mal wieder 10 läppische Kilometerchen am Stück, ohne Zipperleingehpausen…nie-hiiie wieder würde ich mich beklagen.”

Jaja. Schon klar.

Nun hält die reizbare Sehne schon seit einigen Läufchen in Folge ihre ziepende Klappe, und als ich an diesem Samstagmorgen frohgemut und sorgenfrei über die heimischen sonnendurchflutenden Bilderbuchtrails hüpfe, klatscht mir mein Hirn plötzlich wie einen nassen Lappen die Erkenntnis ins schwitzige Anlitz, das genau das hier gerade nicht selbstverständlich ist, sondern ein wunderbarer Luxus:
Frei von Schmerzen und sonstigen Zipperlein (körperlicher wie mentaler Natur) und ganz ohne Zeitdruck durch eine der (meiner unbescheidenen Meinung nach) schönsten Wälder Deutschlands..ach, was sage ich, der ganzen Welt, des gesamten Universums! laufen zu können, und dabei von nichts und niemandem behelligt oder gehetzt zu werden ist einfach nur unfuckingfassbar geil-o-mat. Dieser Luxus in Verbindung mit den vielen großartigen Menschen in meinem Leben (und natürlich den 3 tollsten Miezekatzen der Welt) ergibt eine großartige Summe. Dagegen verblasst doch jeder lästige Terminkalender, jede affige To-Do-Liste und die ganzen großen und kleinen Dramen des Alltags auf der Habenseite in vollkommender Bedeutungslosigkeit.

Also ordne ich mir selbst jetzt mal ein wenig Dankbarkeit an. Dankbarkeit ist befohlen!

Auch wenn das Frollein Übermut in meiner Hirnstube schon wieder leise “10 km sind ja ganz nett, aber so’n Ultra wäre ja auch mal wieder schön” wispert…aber alles ist gut. So wie es ist. Punkt.

Amen! Und dreimal schwarzer Kater.

(02.08.14)

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