Eine Frage der Zeit

“Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen” klugscheissert der Volksmund gerne, und auch wenn es vielen meiner Mitmenschen scheinbar mühelos gelingt, anspruchsvolle Jobs, Familie und ambitioniertes Laufen mit einem Lächeln unter einen Hut zu bringen, bin ich wohl an dieser Aufgabe gerade mit Pauken und Trompeten gescheitert. Ich war ja leider noch nie besonders begabt darin, meine zahlreichen Interessen adäquat zu organisieren, und so ist es mir tatsächlich nicht gelungen, neben dem Job noch gleichzeitig ein Lauf- und ein Vegankochbuch zu schreiben und als erfolgreiche Künstlerin zu brillieren. Teufel aber auch. Für ein paar Artikelchen in verschiedenen Magazinen, ein bißchen Bloggerei und ein paar halbherzige Fotokunstprojekte schien die Zeit gerade so eben zu reichen, um nebenher zumindest so viel zu trainieren, dass ein Ultralauf ohne größere gesundheitliche Folgen laufbar ist.

Doch seit ich mein Herz an die Katzen und in einem Rutsch auch gleich an den örtlichen Katzenhilfe-Verein verloren habe, scheint der Tag von 24 auf 12 Stunden geschrumpft zu sein. Irgendwie scheint immer irgendwas zu tun zu sein, sei es nun Suchmeldungen für vermisste Miezekatzen zu schreiben und zu verteilen, vierbeinige Patienten vom Doktor abzuholen, Passfotos für unsere Webseite zu knipsen oder einfach nur plüschigen kranken Sorgenkindern das Pfötchen zu halten oder unsere Schützlinge durch Spielen und Kuscheln aufzuheitern. Und all das ist absolut großartig und wundervoll und ich bin 100% glücklich darüber, zumindest einen klitzekleinen Teil zum Tierschutz beitragen zu können. Wenn ich schon nicht die Welt retten kann, kann ich wenigstens helfen, für ein paar Katzen ihre persönliche Welt zu retten und das macht irrsinnig viel Spass.

Wenn…ja, wenn nur nicht meine Laufpläne dabei komplett auf der Strecke bleiben würden. Leider fehlt mir bislang das entsprechende Organisationstalent und Zeitmanagement, um neben Job und dem Einsatz für die Miezekatzen auch noch die Laufschuhe in die Botanik zu schwingen. In der Folge fühle ich mittlerweile wie eine klapprige Hundertjährige mit wenig Puste, schwabbeligem Bindegewebe und schlappen, schwachen Ärmchen. Der Bewegungslosigkeit geschuldete Rücken- und Nackenschmerzen tragen auch nicht gerade zum persönlichen Wohlbefinden bei und meinem Hirn und der Psychohygiene bekommt der Sauerstoffmangel auf Dauer auch nicht.

Aber noch ist Polen nicht verloren – als Erstes wird der Rotstift gezückt und sämtliche Buch- und Kunstprojekte bis auf weiteres gestrichen. Macht nur Stress, braucht kein Mensch.

Und mit dem Rest der Zeit wird das alles schon irgendwie gehen. Wenn ich auch momentan noch keine Ahnung habe, wie…aber kommt Zeit, kommt Rat, kommt Lauf.

Ganz bestimmt.

(15.12.13)

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