How to be good

So grundsätzlich bin ich ja kein Fan von diesem ganzen “Ab jetzt wird alles anders”-Gute-Vorsätze-Quatsch zu Silvester, denn letztlich ist der 01. Januar nix weiter als der Tag, der auf den 31. Dezember folgt – und kein riesengroßer Aufbruch, Umbruch, Neustart oder sonstwas.

Das meine persönliche “Ab jetzt wird alles anders!”-Challenge nun ausgerechnet ebenfalls voll mainstreamig am 01. Januar startet, liegt größtenteils daran, dass ich in der Zeit vor und rund um Weihnachten vor Lauter-Lauter nicht so richtig dazu gekommen bin, diese nervige Unwohlseins-Wolke, die mich seit längerem umwabert, mal so richtig beim Wolkenschopf zu packen und zu analysieren. Das “irgendwas” mit mir nicht stimmt (und das meine ich ganz abgesehen von meinem üblichen wirren Geisteszustand) machte sich schon seit Monaten bemerkbar, und als ich mir dann endlich mal die Zeit genommen habe, mich selbst bei Tageslicht gründlich zu beobachten, habe ich eine unschöne Entdeckung gemacht:

Ich bin ein unzufriedener, wütender, dauergenervter Motzkopp geworden!

Die meisten meiner Tage beginnen mit einem geknurrten “Fuck!”, sobald der Wecker anfängt, mich anzuplärren…und mit langem Gesicht und wütendem Gegrummel geht’s weiter….Scheissdunkelheit draußen, kotzt mich an, nur Vollidioten auf der Straße, nervige Kunden, blöder Chef, verficktes Kackhandy blinkt schon wieder, die blöden Hackfressen in der Supermarktschlange könnt ich alle vor die Backen klatschen, und überhaupt, warum muss ICH mich eigentlich immer um alles kümmern, lebensunfähige Volldeppen, bin echt nur von Arschkrampen umgeben – und überhaupt WATT GEHT MIR DIE SCHEISSWELT DA DRAUSSEN DOCH AUF DEN SACK!

Und das, wo ich doch eigentlich nix mehr verabscheue als dauerschlechtgelaunte Miesmacher, die bei jedem Mückenschiss aus der Haut fahren –  und das, wo ich mich doch eigentlich immer als fröhlichen Optimisten gesehen habe. Teufel noch eins!

Wie bei einer Festplatte, die vor lauter Datenmüll nicht mehr rundläuft, habe ich mich selbst wohl immer mehr mit irgendwelchem negativen Scheiss zugemüllt – und laufe nicht mehr rund….und wenn ich in den Spiegel gucke, stelle ich fest, dass sich die dauerangepisste Hackfresse so langsam in meine Gesichtszüge einzugraben beginnt.

Zufälligerweise schwirrt aus irgendwelchen Gründen ein Gespräch mit Blogger- und Tierschutzkollegin Silke (ja, ja..hinter dem unterstrichenen Namen verbirgt sich ein Link, da biste platt, watt?) just am Abend des 30. Dezembers zu diesem Thema und da auch sie sich mit ähnlich gelagerten Dämonen herumplagt, beschliessen wir – datt muss alles anders werden. Aus dem einfachen wie plausiblen Grund, dass es SO ja wohl nicht bleiben kann 😉
Ich will einfach wieder mehr lachen, motivierter an Dinge rangehen (statt mir selbst mit motzigem “Datt gibt doch eh nix, lass’ doch den Scheiss sein!” Knüppel in die Beine zu schmeissen), fröhlicher durch den Tag schlittern und vielleicht auch ein klitzekleines bißchen gutherziger werden.
Ich war ja nicht immer so ein muffeliges “LasstmichdochalleinRuh”-Stinktier.

Momentan sehe ich meinen Geist ein bißchen wie verseuchte Erde, die ich durch irgendwelchen negativen übellaunigen Mist über die letzten Monate Tröpfchen für Tröpfchen vergiftet habe…und auch wenn ich hin und wieder mal ein nicht-ganz-so-mieses Samenkörnchen draufschmeisse, keimt und wächst auf vergiftetem Boden auf lange Sicht nix Brauchbares heran.

KuschelkursCollage2Da bekanntermassen “lange Wege mit dem ersten Schritt” beginnen (hört, hört), beschliessen Silke und ich mit Start zum 01. Januar eine “30 Tage-Kuschelkurs-Challenge”…getreu dem Motto “Du bist was du denkst” wollen wir uns 30 Tage lang von negativen Gedanken befreien, nicht mehr rumfluchen wie die Kesselflicker und nicht mehr tobsuchtsmässig in die Luft gehen wie die Springteufel.

Alles in allem einfach…bessere Menschen sein..und uns damit selbst Gutes tun.

Das ich am 01.01. schon um 00.15 Uhr angewidert “Boah, wenn ich diese ätzenden Drecksschweine sehe, die ihren Böllerdreck einfach so auf die Straße knallen und es nicht mal auf die Reihe kriegen, ihre Müllberge wieder einzusammeln, könnte ich KOTZEN!” plärre, verbuche ich mal als “Fehlzündung”. Ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.

(Silkes Sicht der Dinge gibt’s hier – KLICK!)

7 thoughts on “How to be good

  1. Tefelonistin

    Hi,

    das klingt nach einer Depression. Da hilft auch “du bist, was du denkst” nicht viel. Das kommt dann eher einem Verdrängen nahe. Ich war da auch schon. Dann fühlst du dich zwar super – oder zumindest glaubst oder “denkst” du es, wirfst aber allen anderen vor, dass sie scheiße seien und sich doch gefälligst auch positiver einzustellen haben. Ist dir das vielleicht nicht ohnehin schon passiert? Vielleicht ist den Menschen in deinem Umfeld schon aufgefallen, dass du etwas predigender geworden bist? Vielleicht stimmt das ja alles gar nicht und du kommst super zurecht. Aber was ist nach den 30 Tagen? Und was bringt’s dir, wenn du nen Monat lang “lieb” bist, nur um danach mit doppeltem Eifer loszufluchen.

    Wie ich deinem Blog enthehne, bist du vegan. Vielleicht Zeit, mal an jener Schraube zu drehen, denn dein Gehirn braucht Omega3. Es ist eine essentielle Fettsäure. Das heißt: dein Körper kann sie, im Gegensatz zu anderen Fettsäuren, nicht synthetisieren. Als Veganer wird dir vermutlich Leinöl einfallen. Gut. Probier das. Es gibt allerdings nur wenige Menschen, bei denen das tatsächlich im Gehirn ankommt und da muss es hin. Deine Neurotransmitter brauchen das. Wenn dein Gehirn zu wenig Omega3 hat, kann es kein Serotonin produzieren. Das führt dann u.a. dazu, dass du alles und jeden scheiße findest und schon morgen den Tag verfluchen willst. Das sind keine Spekulationen. I’ve been there.
    Ich war vegan, depressiv, dick – am Ende dann geplagt von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und – auf einmal untergewichtig mit Symptomen von Diabetes/Insulinresistenz.
    Mir haben Fischölkapseln dann am Ende geholfen. Das und tierische, gesättigte Fette (die ganz bösen!).

    Liebe Grüße,
    Alles Gute,
    viel Erfolg! (echt! <3)

    1. mohrblog Beitragsautor

      Hallo und vielen Dank für deinen konstruktiven Beitrag 😉 Aber es ist sicher verständlich, dass ich zu derart “intimen” Dingen nicht öffentlich ins Detail gehe und schon gar nicht, wenn ich noch nicht mal weiß, mit wem ich gerade spreche.
      Depressionen schliesse ich für mich allerdings aus – aus guten Gründen. Nährstoffmangel ebenfalls – auch aus guten Gründen. Ich tippe eher auf dauerhafte Überlastung – aus Gründen 😉
      Mein Umfeld findet mich übrigens deutlich gutgelaunter und positiver als ich mich selbst – und das die Challenge nach 30 Tagen vorbei ist und ich doppelt losfluchen möchte, hab’ ich nirgendwo geschrieben, glaube ich 😉
      Aber trotzdem 1.000 Dank für deinen interessanten Kommentar, der jetzt bloss leider auf mich und meine Situation nicht so ganz passt.

  2. Lizzy

    Der Mensch gleicht einem Gästehaus.
    Jeden Tag neue Gesichter.
    Augenblicke der Freude, der Niedergeschlagenheit,
    der Niedertracht, alles
    unerwartete Besucher.

    Heiße sie willkommen,
    selbst den puren Ärger,
    der die Einrichtung deines Hauses
    kurz und klein schlägt.

    Vielleicht räumt er dich leer für
    eine neue Freude.
    Behandle jeden Gast respektvoll.

    Den finsteren Gedanken, die Scham,
    die Bosheit, begrüße sie mit einem Lachen
    an der Tür und bitte sie herein.

    Danke jedem für sein Kommen,
    denn sie alle haben dir etwas
    Wichtiges mitzuteilen.

    (Rumi – persischer Dichter)

  3. Pingback: 30-Tage-Kuschelkurs-Challenge – “Drum führe mich nicht in Versuchung”mohrblog | mohrblog

  4. Elena

    Du hast ja SO Recht! Die schlechte Laune wird still und schmerzlos zum Dauerzustand und noch die kleinste Anforderung erscheint als bodenlose Zumutung. Schluss damit! Ich nehme mir ein Bespiel an Dir und gelobe nach dem Motto “Count your blessings” mein Langzeitengagment in der Rolle der beleidigten Leberwurst zu beenden, nicht mehr jeden Impuls endlos zu hinterfragen und mich stattdessen mit Köpper in mein privilegiertes Leben zu stürzen.

  5. Blumenmond

    Da muss ich doch glatt dem Gerd widersprechen. Ich bin sicher, dass Frau Mohrblog genau so toll schreiben kann (und wahrscheinlich sogar öfter), wenn der Kopf mit netteren Gedanken gefüllt ist. Kritisch und missmutig ist ja nu ein Unterschied.

    Ich bin gespannt auf das Ergebnis. Sollte Wandern auf dem Rheinsteig helfen, ich steh (fast) bereit, wobei hier der verf… Terminkalender im Januar schon so voll ist. Ich darf schimpfen.. aber ansonsten mein ich das echt ernst.

  6. Gerd

    Ich find’s ja prima das Du so eine Challenge angehst, aber ich hoffe schweren Herzens dass Du so bleibst wie Du bist.
    Solch grandiose Blogbeiträge liest man sehr selten in der Szene. Kuschelkurs kann jeder, mohrbloggen kannst nur Du. Und da gehört nunmal ein bisserl ” Schnauze” dazu! So lange dein Blutdruck mitmacht!

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