30-Tage-Kuschelkurs-Challenge – “Ich fluche, also bin ich!”

Abgesehen von den üblichen Spöttern (Licht und Liebe für euch, ihr Säcke!) war die Resonanz auf meinen ersten Beitrag zum Thema “How to be good” überraschend positiv und lässt die leise Hoffnung aufkeimen, dass meine Welt zum Ende des Jahres ausschließlich von lachenden Menschen bevölkert ist. Aber in der Hauptsache geht’s mir natürlich darum, dass ICH wieder ein fröhlicherer Mensch werde und das Leben wieder bunte Wattewölkchen regnen lässt – der Rest ist quasi Kollateralnutzen.

Das mit dem inneren Großreinemachen ist ja ein bißchen so wie mit dem Staubwischen im heimischen Wohnzimmer – erst räumt man nur zufällig ein einzelnes Glas auf dem Regal beiseite und rümpft missbilligend über den formschönen Staub-Abdruck die Nase, dann holt man sich eher widerwillig ‘nen Lappen und beginnt, ALLE Gläser abzuräumen und zu wischen…dann fällt einem durch das blitzblanke Strahlen des frischgewischten Möbels der trübe Zustand des Umfelds erst so richtig auf, also muss man da ja irgendwie jetzt auch noch ran – und je mehr man räumt und wischt, umso mehr Spinnweben, Staubmauskolonien und sonstiges Gammelzeugs fällt einem ins entsetzte Auge. Ähnliche Prozesse finden gerade in meiner psychointernen Vier-Raum-Wohnung statt – anfänglich war ich bloss genervt und frustriert über meine ständige Scheisslaune, den tiefen Groll und die Wut, die mich ständig umschwebt wie eine blauschillernde Fliege einen duftigen Kackhaufen. Je mehr ich nun grabe und wühle und feudele und wische, umso mehr uralter Grind und Schmodder findet sich in meiner Hirnstube. Kurzfristig habe ich sogar überlegt, ob ich nun statt Großputz zu machen schlicht und einfach verzweifeln und meinen Schädel metertief in den Sand stecken soll – aber gechallenget ist nun mal gechallenget und wiederholen ist gestohlen.

Natürlich ist mir bewusst, dass mir nicht umgehend die Sonne aus den Händen scheinen wird, nur weil ich statt “Verfickte Scheisse!” zukünftig versuche, mildelächelnd “Oh, das ist aber schade!” zu säuseln – aber irgendwo muss eine Reise ja nun mal beginnen und so beginnt meine eben damit, dass ich versuche, 30 Tage nicht zu fluchen, zu grollen, zu schimpfen und meine Mitmenschen mit innerlichen oder akkustischen Hass-Tiraden zu übergiessen. Zumindest Ersteres gestaltet sich in der Praxis deutlich schwerer als erwartet und ich bemerke minütlich, dass vulgäre Schimpfwörter und Flüche wohl schon länger zu meinem üblichen Sprachgebrauch zählen.

In den ersten 2 Tagen meiner Challenge habe ich vermutlich schon häufiger und kräftiger geflucht als ein irischer Hafenarbeiter in einem ganzen Monat und könnte das wohl nur vermeiden, wenn ich mir selbst bei jedem einzelnen Satz genaustens zuhöre, den ich spreche oder denke. Puh….das wird anstrengend. Und zeigt wohl, wie dringend nötig der ganze Challenge-Scheiss..ähm…also das Ganze hier ist 😉

Ich habe übrigens den Tip bekommen, zukünftig statt “Verfickte Kackscheisse” einfach “Plüschiges Eichhörnchen!” zu brüllen, weil die Klanfarbe ähnlich ist und man mit diesen Worten vermutlich genauso gut Dampf ablassen könne – aber äääk! Fehler! ich möchte es ja viel lieber irgendwann in ferner Zukunft gar nicht mehr minütlich dazu kommen lassen, dass ich so wütend werde, dass ich mich unbedingt entladen muss. Wenn sich erst gar kein Dampf bildet, muss auch keiner abgelassen werden. Einfache Gleichung.

Und so ein klitzekleines bißchen stellt sich auch tief in mir die bängliche Frage, ob ich überhaupt noch “ich” bin, wenn ich mich gewählter und gelassener ausdrücke. Und hin und wieder mal ein klitzekleines bißchen freundlich lächele statt eine motzige Hackfresse zur Schau zu stellen. Und einfach mal NIX denke, statt “Muss dieser stinkende Vollidiot jetzt auch noch unbedingt 2 Flaschen Korn und ‘ne Stange Kippen kaufen, der sieht ja jetzt schon aus wie ‘ne Müllhalde. Und stinkt auch so!”

Aber irgendwie denke ich, dass ich erst dann anfangen kann, meine inneren Schubladen auszumisten, wenn der Wut-Staub und die Grollmäuse von den Regalen weggefegt sind.
Verfickter Scheiss aber auch.

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