Wo die wilden Kreaturen wohnen….

Mittlerweile ist es ja vermutlich selbst bis in die hinterletzten Reihen meines Publikums durchgedrungen, dass mein Herz nicht nur für Kekse und Trampelpfade, sondern auch im Vierpfötchentakt schlägt und ich auch in diesem Jahr wieder zusammen mit meiner Freundin Verena einen Spendenlauf für Fellnasen in Not organisiere.

Um meinen Haus- und Herzverein, die Katzenhilfe Neuwied e.V., kommt ja eigentlich niemand drumrum, der meinen Blog liest und/oder im Neuwieder Umland lebt. In diesem Jahr sollen aber auch die bellenden und maunzenden Schützlinge des Vereins „Wilde Kreaturen e.V.“ von unserer Kilometerspulerei profitieren. Dieser kleine Verein ist noch „jung“ und nicht so bekannt wie die Katzenhilfe – Grund genug, mich heute mal auf die Reise ins beschauliche Roßbach zu machen und mich bei Tee und Keksen bei den wilden Kreaturen umzugucken. Denn ganz bestimmt möchtet ihr ja sehen, wo eure hoffentlich zahlreichen Spenden hinfliessen und was damit passiert.

Der Verein wurde 2012 von Kathrin Faust, ihrem Mann Christoph und ein paar Freunden gegründet. Man munkelt, dass sich Kathrin bereits im Mutterleib für Tier- und Menschenrechte eingesetzt hat und Christoph hat sich nur allzu schnell von seiner engagierten Frau entfachen lassen. Den Beiden blutete bei ihrer Tierschutzarbeit immer das Herz angesichts der Tatsache, dass in vielen Tierheimen chronisch kranke oder alte Fund- und Abgabetiere aus wirtschaftlichen Gründen zumeist eingeschläfert werden – Fundtiere dann auch leider oft anonym. Beide vertraten die Ansicht, dass jedes Lebewesen, sei es nun noch so schwer krank und hoffnungslos, ein Anrecht auf Würde, Respekt und einen eigenen Namen hat und dass es in den letzten Stunden nicht alleine sein und Angst haben muss. Und das jemand um seinen Tod weint. Das bei diesem schönen Gedanken ungefähr zwölfzig „Dafür!“-Plakate in meinem Herzen aufpoppen, versteht sich ja von selbst.

Sie bauten ihr Haus zu einer Auffang-Station für ausgesetzte, kranke und alte Vierbeiner um und engagierten sich dort eigenverantwortlich mit einer kleinen Handvoll treuer Freunde in einer Mischung aus Tiervermittlung und Gnadenhof. Da es nun leider immer mehr Notfälle und arme Seelen als Kapazitäten gibt, ganz egal wie man sich auch abrackert, waren die finanziellen und persönlichen Grenzen der kleinen Gemeinschaft recht bald erreicht und so beschlossen sie, sich mit Tierfreunden in der Umgebung zum Verein „Wilde Kreaturen“ zusammenzutun, um mit vereinten Kräften noch mehr zu erreichen.

Der "wilde" VorstandLeider wurden die Wilden Kreaturen im letzten Jahr von einem furchtbaren Schicksalsschlag getroffen – Christoph starb ganz plötzlich und unerwartet an einem Aneurysma am Herzen und hinterliess eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann. Nicht nur dass Kathrin ihren Partner und tapfersten Mitstreiter verloren hat, dem Verein fehlt nun auch eine der wichtigsten Geldquellen, da Christoph den größten Teil seiner Einnahmen als Goldschmiedemeister in den Verein gesteckt hat. Trotz düsterer Prognosen und aller Traurigkeit entschieden die Wilden Kreaturen dennoch – „Wir machen weiter!“ Für Christoph wäre Aufgeben auch nie eine Option gewesen und es gibt einfach zuviele Fellnasen, die Hilfe brauchen.

Ich kann mir gar nicht soviele Hüte auf den Kopf setzen, wie ich sie ziehen möchte, um meinen Respekt vor diesen großartigen, engagierten Menschen auszudrücken und würde mich riesig freuen, wenn wir es alle zusammen mit unserem Spendenlauf schaffen, den Wilden Kreaturen weiter unter die Arme, die Pfoten und die Hufe greifen könnten.

LouSo – und nun genug gequatscht und auf nach Roßbach! Zuerst scheint mein Besuch schon daran zu scheitern, dass ich es einfach nicht hinkriege, den Haken vom Holztor aufzufummeln – aber flugs saust Kathrin zur Hilfe und eine Sekunde später werde ich schon von 5 wilden zuckersüßen Kreaturen bellend umzingelt. Angesichts der 5 Knopfaugen-Paare wird mein Herz sofort zu Butter und fliesst auf den Boden. Der knopfäugige Terrier Lou macht sich sofort auf meinem Schoss breit, und auch Nola und Gandhi drängeln sich um meine Hände und rufen „Hier! Ich, ich! Streicheln!“ Gandhi, der aussieht wie ein plüschiges Schäfchen, die sanfte Hündin Virginia und auch Lenny, der Angstkläffer, haben hier bei Kathrin ihren endgültigen Wohnsitz gefunden und werden hier auf Lebenszeit verwöhnt und geliebt – Lou und Nola suchen noch nach einem Zuhause, scheinen sich aber auch hier bereit pudel…ähm…terrierwohl zu fühlen.

Und ich erst.
Am liebsten würde ich mir ein Fellkostüm besorgen und umgehend einziehen – zeitlebens mit diesen tollen Hunden auf der Couch kuscheln und im großen Garten toben scheint mir jetzt nicht die schlechteste Zukunftsprognose zu sein 😉

Ich bekomme auch schon ein paar Katzen zu Gesicht – und der umwerfend schöne und charmante „Jimmy Kater“ maunzt und schnurrt sich sofort in mein Herz.

Selbstverständlich ist da aber auch noch Platz für den Tigerkater Tommy, der mit seinen 13 Jahren auch hier seinen Altersruhesitz gefunden hat. Mrrks. Sind die süß.

 

Aber dann geht es erstmal wieder aus in den Graupelschauer und wir fahren noch tiefer in den Westerwald, wo Rosi und Baron wohnen – zwei ganz schön große Pferde, (wer ein wenig Respekt in diesen Worten herausliest, liegt nicht falsch…vor Pferden bin ich ein bißchen bänglich) die sich aber wie Kinder freuen als sie „Mama“ Kathrin sehen und sie mit ihren ganz schön großen Köpfen (ja, ja..) anstupsen und umzingeln. Ich finde mich selbst irrsinnig mutig, weil ich mich traue, zaghaft und mit maximallangen Fingern die Stute Rosi  an der Nase anzufassen und auch Baron kurz über den Nasenrücken zu streicheln. „Wenn das Wetter mal besser ist, können wir hier nochmal hinfahren – und dann putzen wir die Beiden mal zusammen, was meinste?“ schmunzelt Kathrin. Naja, ich lebe ja gerne nach dem „Face your fears“-Prinzip…warum also nicht? Kann ja bestimmt nicht mehr passieren, als dass ich von diesen riesigen Hufen zu Tode getrampelt werde. Wenn’s also mehr nicht ist – ich bin dabei.

NolaZurück in Roßbach gibt’s erstmal Tee zum Aufwärmen und Kuchen zur Stärkung – und Lou auf meinem Schoß, der genau aufpasst, ob wir das mit dem Kuchen-Essen auch richtig machen. Ich schmelze zum gefühlt 100. Mal dahin und würde Lou und Nola am liebsten sofort einpacken und mit nach Hause nehmen. Ich nehme mir vor, umgehend verstärkt an meiner Karriere als hochdortierte und weltberühmte Schriftstellerin und Fotografin zu arbeiten, damit ich meinen Job kündigen, von zuhause aus arbeiten und diese beiden zauberhaften Geschöpfe aufnehmen kann. Sollte doch machbar sein. Aber natürlich drücke ich den beiden Goldschätzen die Daumen, dass sich erst nicht auf meinen Weltruhm warten müssen, sondern schon vorher einen lieben Menschen für sich gewinnen und ein tolles Zuhause finden.

Nachdem wir Zweibeiner uns gestärkt haben, steht die Fütterung der Miezenschaft an, die im oberen Stockwerk ihr großes eigenes Reich mit vielen Kuschel- und Versteckmöglichkeiten haben- und sogar ein paar kleine „Freisitze, wo sie sich bei gutem Wetter die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen können. Zuerst werden wir natürlich wieder von Jimmy Kater begrüsst und müssen Kuschel-Wegzoll zahlen, bevor er uns vorbeilässt.

Ich erblicke die rote Katzendame Bella, von derer traurigen Schicksal ich schon vor einer Weile auf der Webseite der wilden Kreaturen gelesen hatte. Wie man diesem bildschönen Wesen mit ihrem rosa Marzipan-Näschen und den goldenen Knopfaugen etwas Böses antun kann, entzieht sich meiner Vorstellungskraft – aber jetzt ist die sanfte Mieze ja zum Glück in Sicherheit und wird bestimmt auch noch ein tolles eigenes Zuhause finden. Zu gerne würde ich ihr mal die flauschige Wange kraulen, aber immer wenn ich meine Hand nach ihr ausstrecke, drängt sich schon der Kopf von Jimmy Kater oder „Rentner“ Tommy in meiner Handfläche. Ein dritter Arm wäre jetzt super 😉

Der schwarz-weiße Jakob spielt „bewegungsloses Kissen“ unter einer Decke, lässt sich aber nach gutem Zureden von Kathrin zumindest kurz blicken und beweist, dass er eigentlich ein bildschöner Katzenmann ist.

Hin und wieder zischt aus verschiedenen Ecken ein Tigerfell an uns vorbei und wird vonKathrin kommentiert mit – „Das ist Storm, die ist noch ziemlich wild“ oder „Das war Luna, eine der Kinder von Storm“. Unter einem Schrank brummelt ein drohendes Knurren wie eine Horde Hummeln, als wir uns nähern…“Das ist Flash, der mag keine Menschen. Ist aber ein supersozialer Katzenkumpel für alle“ – ich glaube das einfach mal unbesehen, das Brummeln unter dem Möbel macht nämlich ziemlich deutlich, dass nähere Bekanntschaft mit mir nicht erwünscht ist.

SmartVon hinten pirscht sich Kater Smart heran, ebenfalls ein supersoziales Tierchen, dass uns Zweibeinern aber deutlich mehr zugetan ist. Schnurrend und schmusend drängt er sich um unsere Hände und wäre mein Herz nicht eh schon irgendwo in den Ritzen des Fußbodens versickert, würde es angesichts dieses unschuldigen Babygesichts und der rosa Nase gleich nochmal dahinschmelzen.

NHollyachdem ich mich noch eine Weile mit einem fast bewegungslosen, getigerten Umriß unter dem Bett unterhalten habe, von dem mir Kathrin glaubhaft versichert hat, dass es sich hierbei um das Sorgenkätzchen Holly handelt, für das ich eine Patenschaft übernommen habe, gelingt es mir endlich, mich von den ganzen tollen Fellnasen loszureissen und ich fahre glückselig grinsend nach Hause. Eigentlich wollte ich ja ganz viele Fotos machen – aber das ist nun wirklich unmöglich, wenn sich ständig mehrere feuchte Hundenasen um meine Hände drängeln oder ich selbige in kuscheliges Tigerfell versenken muss.

Und jetzt Ruhe – ich muss reich und berühmt werden.
Schnell!

(Fotos ©  Wilde Kreaturen e.V. / bzw. Rolf Zemolka http://www.natural-picture.de)

3 thoughts on “Wo die wilden Kreaturen wohnen….

  1. ALexandra Meffert

    hey daniela, schreibe bitte einen mindestens 1000 seitigen roman. das hat den vorteil, das ich etwas zu lesen habe wenn ich reich bin und das du 1000% von deinem geschreibsel reich und berühmt wirst. ich liebe deine schreibe. einfach super toll.
    ich war auch schon bei den wilden kreaturen zu gast, weil ich jimmy kater kennenlernen wollte, leider stellte sich heraus das jimmy kater just an diesem tag, ganz andere dinge zu tun hatte und mich nicht kennenlernen wollte. statt dessen ist dann einige wochen später Leo von der Katzenhilfe Neuwied bei mir eingezogen. Aber ich ziehe auch meine Hut vor den zweibeinigen wilden kreaturen und verneige mich aus respekt und achtung. ich stimme der auffassung vollkommen zu – das jedes lebewesen das gleiche recht auf leben hat und auch die gleiche achtung und respekt verdient. weiss aber auch, das ich nicht diese kraft habe mit soviel leid konfrontiert zu werden ohne die hoffnung zu verlieren. so jetzt habe ich genug geschrieben, husch husch an den schreibtisch du musst ja noch einen roman schreiben heute nacht. xox alexandra

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