30-Tage-Kuschelkurs-Challenge – “Same shit, different day”

Als ich gestern einem ziemlich unverschämten Parkplatzdieb, der zudem noch scheinbar das dringende Bedürfnis hatte, mit seinem Kotflügel meine Seitentür zu küssen, ein beherztes “Fick dich, du Bastard!” entgegenschmettere, fiel es mir plötzlich siedendheiß wieder ein….Challenge, da war doch was! Verflixt.

Irgendwie war ich wohl in letzter Zeit viel zu beschäftigt, um mich mit Nicht-Fluchen und Nicht-Aufregen zu befassen – aber da ich fast ausschließlich mit spannenden Projekten und tollen Menschen hantiert habe, gab’s auch wenig Anlass für Wut-Ausbrüche oder Groll. Ich war die Ruhe selbst und sowatt von zen-like, da wäre sogar Buddha himself vor Neid grün angelaufen.

Aber vor zwei Tagen kippte das Gerüst – die Realität trifft mich in aller Hässlichkeit in Form eines…nun, nennen wir es..”Eklats”, der Unmengen von Mails, Telefonaten und Kopfzerbrechen mit im Gepäck hatte und für schlaflose Nächte sorgt. Nach einer Weile ist meine Grundstimmung ins Bodenlose zermürbt und der Hausherr lässt sich bei Sichtkontakt mit mir sicherheitshalber sofort flach auf den Boden fallen und spielt toter Mann, um nur ja keinen Vulkanausbruch durch seine bloße Anwesenheit zu provozieren.

Diese gereizte Grundstimmung ist ein perfekter Nährboden für Aggro-Keime und so fliegt mir – wie der 80iger-Jahre-Sponti sagen würde – bei jeder Kleinigkeit das Blech weg.

Da aber im Januar nicht nur meine “Ich-werde-ein-guter-Mensch”-Challenge, sondern auch der Trainingsplan für den 24-Stundenlauf im April gestartet ist, der meine einsame Laufstundenanzahl im heimischen Forst deutlich erhöht hat, ist dennoch Zeit genug für Ursachenforschung und ein paar Gedanken zur Challenge während des entspannenden Trimm-Trab im matschigen Wald.

Im Gegensatz zu meiner “Kuschelkollegin” Silke, bei der das Nicht-Fluchen und Freundlichsein zu permanenten Spannungen und Aufladung führt und die es kaum erwarten kann, bis der Februar kommt, um sich endlich wieder mal richtig Luft zu machen, liegt bei mir das Problem eher woanders, scheint mir…ich müsste eher versuchen, den Grundgroll gar nicht erst aufkommen zu lassen, statt mir einen mentalen Reissverschluß vor die wütenden Lippen zu kleben.

Blöderweise ist dem Leben als solches so eine Challenge natürlich scheißegal und niemand kann nervigen Situationen oder aufreibenden Problemen aus dem Weg gehen…aber so’n bißchen was geht bestimmt.

Ein ziemlich unbedeutendes Beispiel (also jetzt mal nix für ungut, aber die “echten” Probleme lasse ich dann lieber unter Offline-Verschluss, man muss sich ja selbst als Blogger nicht komplett nackig machen): Mittagspausenzeit ist bei mir immer eher spärlich gesäht, und trotzdem versuche ich meistens, hundertzwölfzig Sachen in dieser knappen halben Stunde zu erledigen….schnell noch tanken, dann isses erledigt, schnell noch zur Post, schnell noch was einkaufen, schnell noch was essen, schnell noch was entspannen, jetzt aber dalli! Somit stehe ich zumeist vor Ungeduld zappelnd an der Schlange vor der Tankstellenkasse, verspüre das dringende Bedürfnis, den lahmarschigen Opa vor mir nach Strich und Faden zu verhauen, fluche über rote Ampeln, blicke ständig panisch auf den Zeitmesser und verschlucke mich fast an meiner hektisch reingestopften Stulle. Später würde ich dann am liebsten im Büro auf dem Schreibtisch zusammenbrechen, weil ich so abgehetzt bin…und bin am Ende vor allem eins: STINK!SAUER!

Das lässt sich perfekt umgehen, indem ich mein Mittagessen mitnehme und mir nix mehr kaufen muss….und einfach nur im Park auf einer Bank ohne Handy meine Stulle kaue, vor mich hinatme und entspanne. Und das Ticket nach Ausflippistan bleibt erstmal in der Schublade. Grundstimmung: Wölkchen

Und auch bei solchen Dramen wie in den letzten Tagen sollte ich einfach irgendwann den Ausknopf drücken – klar muss man Probleme angehen , aber irgendwann muss auch mal gut sein…und irgendwann dreht man sich eh nur im Kreis, kaut ständig die gleichen Phrasen wieder oder wird – wie ich – STINK!SAUER!

Da wäre es vermutlich schlauer gewesen, einfach mal Handy und PC auszuschalten, irgendwas komplett anderes zu machen und zwar BEVOR die Laune komplett in Sturm und Gewitter umschlägt – und den Scheiss einfach mal ein paar Stunden ruhen zu lassen. Ein Buch zu lesen. Spazieren zu gehen. Patschouli-Räucherstäbchen entzünden. Oder sonstigen abgeschmackten Wellness-Firlefanz zu veranstalten.

Und generell – “was Anderes machen” scheint bei mir auch ein wichtiges Stichwort zu sein….ich merke immer wieder, dass es mich unglaublich anstrengt, abfuckt und nervt, tagelang das Gleiche zu machen, mich mit den gleichen Menschen zu umgeben und immer wieder auf den gleichen Themen und Problemen zu kauen. Sowas macht mich auch ziemlich schnell STINK!WÜTEND!
Blöderweise merke ich meist erst dann, dass ich meine Fähigkeit, ewig auf denselben Dingen herumzureiten vollkommen überstrapaziert habe, wenn das Aggro-Meter bereits dramatisch ausschlägt und ich in einer dampfenden “ICH-KANN-DEN-VERDAMMTEN-SCHEISS-NICHT-MEHR-HÖREN!”-Rauchwolke explodiere. Iss’ auch nich’ immer schön, vor allem für die, die sich dann am Rauch die Nasenhaare verbrennen, weil sie zu ihrem Pech gerade in der Nähe sind.

Wie genau ich daran schrauben möchte, muss ich mir noch en detail überlegen und das ist dann ein Thema für die Februar-Challenge…aber jetzt werde ich erstmal meine Fotokamera entstauben. Fotografiert habe ich nämlich schon ewig nicht mehr. Und dann werde ich ganz viele Fotos machen, um mich von meinem eigenen Lauf-/Challenge-/Dramen-Geschwätz abzulenken.

Ich kann den Scheiß nämlich nicht mehr hören. Echt jetzt.

Ein Gedanke zu „30-Tage-Kuschelkurs-Challenge – “Same shit, different day”

  1. Elke

    Puh, jetzt erstmal Luft holen, das habe ich beim Lesen nämlich glatt vergessen.

    Und jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa
    der Ausknopf ist bei dir schon eingerostet, ist mein Eindruck.
    Die Frage, die sich mir stellt ist, ob eine zusätzliche Idee ein Foto täglich zu machen, evtl. eine Fortsetzung deines voran gegangenen Tuns ist.

    Mich würde interessieren was mit dir passiert, wenn du dich auf eine Wiese setzt, so vollkommen tatenlos, nicht viel zu sehen und nur Stille!

    Es grüßt dich die inzwischen zur Ruhe gekommene Elke, früher HB-Männchen genannt

    Antworten

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