Archiv für den Monat: Januar 2015

Limettenmousse mit Beeren – oder “Hirsepudding”

Diese frisch-fruchtige Creme ist quasi ein Multifunktionsgericht – wenn ich sie für mich alleine als Frühstück zubereite und in schnöden Tupperboxen im Kühlschrank parke, läuft sie unter unter dem alltagstauglichen Arbeitstitel „Hirsepudding“. Wenn ich sie allerdings als Dessert für Gäste in schicken Gläsern anrichte und ein bißchen Tamtam drum mache, begeistert sie immer wieder als „Limettenmousse mit Beeren“. Meisten sind die Esser dann maximalüberrascht, dass „aber wirklich jetzt“ keine Sahne oder Industriezucker enthalten sind, sondern ausschließlich vollwertige, nährstoffreiche Zutaten.

Da die Cashewkerne einige Stunden eingeweicht werden sollten, braucht die Creme ein wenig Vorlaufzeit, ist aber ansonsten recht einfach gemacht und bleibt im Kühlschrank auch locker (und lecker) 2-3 Tage frisch. Es braucht allerdings ziemlich zwingend einen leistungsstarken Foodprozessor á la Vitamix & Co. wenn man keine Lust auf Rauchzeichen-Kommunikation mit seinen Küchengeräten hat.

Zutaten:Hirsepudding
100 gr. Hirse
130 gr. Cashewkerne
140 gr. Ahornsirup
160 gr. Limettensaft
1 Prise Salz
550 ml. Wasser
ca. 250 gr. TK-Himbeeren (oder natürlich frisches Obst wie Blau- oder Erdbeeren, Mangos, Kiwi)

wer mag: eine Handvoll Kokosflocken, gerne auch geröstet

Zubereitung:
Die Cashews zusammen mit dem Ahornsirup und dem Limettensaft im günstigsten Fall mehrere Stunden einweichen lassen – am besten gleich in dem Mixbecher des Foodprozessors, das spart Spülarbeit.

Die Hirse in einen Topf geben, mit kochendem Wasser übergiessen und auch gerne bis zu 30 Minuten stehen lassen. Dann gut durchspülen und das Wasser (durch ein feines Sieb) abgiessen – das entfernt die Bitterstoffe auf der Schale und zumindest meinem Empfinden nach wird die Hirse dann schneller gar und weich. Ca. 550 ml. frisches Wasser zugeben und die goldenen Körnchen auf kleiner Flamme weich köcheln – ich vergesse zu meiner Schande jedes Mal auf die Uhr zu gucken, also kann ich nur ca. Angaben mitgeben…also…”so ungefähr 20-30 Minuten rum.

Die weiche Hirse zu den Cashews in den Mixbecher geben, die Prise Salz zugeben und alles gründlich durchrödeln, bis eine homogene Creme entsteht.

Das TK-Obst (oder eben…naja…das OBST eben) auf Gläser oder Schüsseln verteilen, mit der Creme übergießen und ggf. mit Kokosflocken bestreuen. Die Flockenhaube sieht hübsch aus, schmeckt und verhindert, dass sich eine Haut auf der Creme bildet, Die kann man aber auch umgehend, wenn man die Gläser oder Schüsseln gleich mit ‘nem Deckel versieht und dann erkalten lässt.

Die Hirse-Cashew-Reste, die noch im Mixbecher kleben, verrödele ich meistens zusammen mit Banane, Mango und Spinat zu einem grünen Smoothie – bloss nix verkommen lassen 😉

Der Pudding ist super zum Frühstück und taugt sogar als Energiespender vor langen Läufen – ist aber eben entsprechend aufgehübscht und ver-chi-chi-t ein erfrischendes Dessert wenn Gäste kommen.
Im Frühstücksfall verteile ich die Menge auf 3 Portionen – wenn der Hirsepudding Dessert spielen soll, kann man auch locker 4 Gäste damit abfüttern.

 

Wo die wilden Kreaturen wohnen….

Mittlerweile ist es ja vermutlich selbst bis in die hinterletzten Reihen meines Publikums durchgedrungen, dass mein Herz nicht nur für Kekse und Trampelpfade, sondern auch im Vierpfötchentakt schlägt und ich auch in diesem Jahr wieder zusammen mit meiner Freundin Verena einen Spendenlauf für Fellnasen in Not organisiere.

Um meinen Haus- und Herzverein, die Katzenhilfe Neuwied e.V., kommt ja eigentlich niemand drumrum, der meinen Blog liest und/oder im Neuwieder Umland lebt. In diesem Jahr sollen aber auch die bellenden und maunzenden Schützlinge des Vereins „Wilde Kreaturen e.V.“ von unserer Kilometerspulerei profitieren. Dieser kleine Verein ist noch „jung“ und nicht so bekannt wie die Katzenhilfe – Grund genug, mich heute mal auf die Reise ins beschauliche Roßbach zu machen und mich bei Tee und Keksen bei den wilden Kreaturen umzugucken. Denn ganz bestimmt möchtet ihr ja sehen, wo eure hoffentlich zahlreichen Spenden hinfliessen und was damit passiert.

Der Verein wurde 2012 von Kathrin Faust, ihrem Mann Christoph und ein paar Freunden gegründet. Man munkelt, dass sich Kathrin bereits im Mutterleib für Tier- und Menschenrechte eingesetzt hat und Christoph hat sich nur allzu schnell von seiner engagierten Frau entfachen lassen. Den Beiden blutete bei ihrer Tierschutzarbeit immer das Herz angesichts der Tatsache, dass in vielen Tierheimen chronisch kranke oder alte Fund- und Abgabetiere aus wirtschaftlichen Gründen zumeist eingeschläfert werden – Fundtiere dann auch leider oft anonym. Beide vertraten die Ansicht, dass jedes Lebewesen, sei es nun noch so schwer krank und hoffnungslos, ein Anrecht auf Würde, Respekt und einen eigenen Namen hat und dass es in den letzten Stunden nicht alleine sein und Angst haben muss. Und das jemand um seinen Tod weint. Das bei diesem schönen Gedanken ungefähr zwölfzig „Dafür!“-Plakate in meinem Herzen aufpoppen, versteht sich ja von selbst.

Sie bauten ihr Haus zu einer Auffang-Station für ausgesetzte, kranke und alte Vierbeiner um und engagierten sich dort eigenverantwortlich mit einer kleinen Handvoll treuer Freunde in einer Mischung aus Tiervermittlung und Gnadenhof. Da es nun leider immer mehr Notfälle und arme Seelen als Kapazitäten gibt, ganz egal wie man sich auch abrackert, waren die finanziellen und persönlichen Grenzen der kleinen Gemeinschaft recht bald erreicht und so beschlossen sie, sich mit Tierfreunden in der Umgebung zum Verein „Wilde Kreaturen“ zusammenzutun, um mit vereinten Kräften noch mehr zu erreichen.

Der "wilde" VorstandLeider wurden die Wilden Kreaturen im letzten Jahr von einem furchtbaren Schicksalsschlag getroffen – Christoph starb ganz plötzlich und unerwartet an einem Aneurysma am Herzen und hinterliess eine Lücke, die nicht mehr geschlossen werden kann. Nicht nur dass Kathrin ihren Partner und tapfersten Mitstreiter verloren hat, dem Verein fehlt nun auch eine der wichtigsten Geldquellen, da Christoph den größten Teil seiner Einnahmen als Goldschmiedemeister in den Verein gesteckt hat. Trotz düsterer Prognosen und aller Traurigkeit entschieden die Wilden Kreaturen dennoch – „Wir machen weiter!“ Für Christoph wäre Aufgeben auch nie eine Option gewesen und es gibt einfach zuviele Fellnasen, die Hilfe brauchen.

Ich kann mir gar nicht soviele Hüte auf den Kopf setzen, wie ich sie ziehen möchte, um meinen Respekt vor diesen großartigen, engagierten Menschen auszudrücken und würde mich riesig freuen, wenn wir es alle zusammen mit unserem Spendenlauf schaffen, den Wilden Kreaturen weiter unter die Arme, die Pfoten und die Hufe greifen könnten.

LouSo – und nun genug gequatscht und auf nach Roßbach! Zuerst scheint mein Besuch schon daran zu scheitern, dass ich es einfach nicht hinkriege, den Haken vom Holztor aufzufummeln – aber flugs saust Kathrin zur Hilfe und eine Sekunde später werde ich schon von 5 wilden zuckersüßen Kreaturen bellend umzingelt. Angesichts der 5 Knopfaugen-Paare wird mein Herz sofort zu Butter und fliesst auf den Boden. Der knopfäugige Terrier Lou macht sich sofort auf meinem Schoss breit, und auch Nola und Gandhi drängeln sich um meine Hände und rufen „Hier! Ich, ich! Streicheln!“ Gandhi, der aussieht wie ein plüschiges Schäfchen, die sanfte Hündin Virginia und auch Lenny, der Angstkläffer, haben hier bei Kathrin ihren endgültigen Wohnsitz gefunden und werden hier auf Lebenszeit verwöhnt und geliebt – Lou und Nola suchen noch nach einem Zuhause, scheinen sich aber auch hier bereit pudel…ähm…terrierwohl zu fühlen.

Und ich erst.
Am liebsten würde ich mir ein Fellkostüm besorgen und umgehend einziehen – zeitlebens mit diesen tollen Hunden auf der Couch kuscheln und im großen Garten toben scheint mir jetzt nicht die schlechteste Zukunftsprognose zu sein 😉

Ich bekomme auch schon ein paar Katzen zu Gesicht – und der umwerfend schöne und charmante „Jimmy Kater“ maunzt und schnurrt sich sofort in mein Herz.

Selbstverständlich ist da aber auch noch Platz für den Tigerkater Tommy, der mit seinen 13 Jahren auch hier seinen Altersruhesitz gefunden hat. Mrrks. Sind die süß.

 

Aber dann geht es erstmal wieder aus in den Graupelschauer und wir fahren noch tiefer in den Westerwald, wo Rosi und Baron wohnen – zwei ganz schön große Pferde, (wer ein wenig Respekt in diesen Worten herausliest, liegt nicht falsch…vor Pferden bin ich ein bißchen bänglich) die sich aber wie Kinder freuen als sie „Mama“ Kathrin sehen und sie mit ihren ganz schön großen Köpfen (ja, ja..) anstupsen und umzingeln. Ich finde mich selbst irrsinnig mutig, weil ich mich traue, zaghaft und mit maximallangen Fingern die Stute Rosi  an der Nase anzufassen und auch Baron kurz über den Nasenrücken zu streicheln. „Wenn das Wetter mal besser ist, können wir hier nochmal hinfahren – und dann putzen wir die Beiden mal zusammen, was meinste?“ schmunzelt Kathrin. Naja, ich lebe ja gerne nach dem „Face your fears“-Prinzip…warum also nicht? Kann ja bestimmt nicht mehr passieren, als dass ich von diesen riesigen Hufen zu Tode getrampelt werde. Wenn’s also mehr nicht ist – ich bin dabei.

NolaZurück in Roßbach gibt’s erstmal Tee zum Aufwärmen und Kuchen zur Stärkung – und Lou auf meinem Schoß, der genau aufpasst, ob wir das mit dem Kuchen-Essen auch richtig machen. Ich schmelze zum gefühlt 100. Mal dahin und würde Lou und Nola am liebsten sofort einpacken und mit nach Hause nehmen. Ich nehme mir vor, umgehend verstärkt an meiner Karriere als hochdortierte und weltberühmte Schriftstellerin und Fotografin zu arbeiten, damit ich meinen Job kündigen, von zuhause aus arbeiten und diese beiden zauberhaften Geschöpfe aufnehmen kann. Sollte doch machbar sein. Aber natürlich drücke ich den beiden Goldschätzen die Daumen, dass sich erst nicht auf meinen Weltruhm warten müssen, sondern schon vorher einen lieben Menschen für sich gewinnen und ein tolles Zuhause finden.

Nachdem wir Zweibeiner uns gestärkt haben, steht die Fütterung der Miezenschaft an, die im oberen Stockwerk ihr großes eigenes Reich mit vielen Kuschel- und Versteckmöglichkeiten haben- und sogar ein paar kleine „Freisitze, wo sie sich bei gutem Wetter die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen können. Zuerst werden wir natürlich wieder von Jimmy Kater begrüsst und müssen Kuschel-Wegzoll zahlen, bevor er uns vorbeilässt.

Ich erblicke die rote Katzendame Bella, von derer traurigen Schicksal ich schon vor einer Weile auf der Webseite der wilden Kreaturen gelesen hatte. Wie man diesem bildschönen Wesen mit ihrem rosa Marzipan-Näschen und den goldenen Knopfaugen etwas Böses antun kann, entzieht sich meiner Vorstellungskraft – aber jetzt ist die sanfte Mieze ja zum Glück in Sicherheit und wird bestimmt auch noch ein tolles eigenes Zuhause finden. Zu gerne würde ich ihr mal die flauschige Wange kraulen, aber immer wenn ich meine Hand nach ihr ausstrecke, drängt sich schon der Kopf von Jimmy Kater oder „Rentner“ Tommy in meiner Handfläche. Ein dritter Arm wäre jetzt super 😉

Der schwarz-weiße Jakob spielt „bewegungsloses Kissen“ unter einer Decke, lässt sich aber nach gutem Zureden von Kathrin zumindest kurz blicken und beweist, dass er eigentlich ein bildschöner Katzenmann ist.

Hin und wieder zischt aus verschiedenen Ecken ein Tigerfell an uns vorbei und wird vonKathrin kommentiert mit – „Das ist Storm, die ist noch ziemlich wild“ oder „Das war Luna, eine der Kinder von Storm“. Unter einem Schrank brummelt ein drohendes Knurren wie eine Horde Hummeln, als wir uns nähern…“Das ist Flash, der mag keine Menschen. Ist aber ein supersozialer Katzenkumpel für alle“ – ich glaube das einfach mal unbesehen, das Brummeln unter dem Möbel macht nämlich ziemlich deutlich, dass nähere Bekanntschaft mit mir nicht erwünscht ist.

SmartVon hinten pirscht sich Kater Smart heran, ebenfalls ein supersoziales Tierchen, dass uns Zweibeinern aber deutlich mehr zugetan ist. Schnurrend und schmusend drängt er sich um unsere Hände und wäre mein Herz nicht eh schon irgendwo in den Ritzen des Fußbodens versickert, würde es angesichts dieses unschuldigen Babygesichts und der rosa Nase gleich nochmal dahinschmelzen.

NHollyachdem ich mich noch eine Weile mit einem fast bewegungslosen, getigerten Umriß unter dem Bett unterhalten habe, von dem mir Kathrin glaubhaft versichert hat, dass es sich hierbei um das Sorgenkätzchen Holly handelt, für das ich eine Patenschaft übernommen habe, gelingt es mir endlich, mich von den ganzen tollen Fellnasen loszureissen und ich fahre glückselig grinsend nach Hause. Eigentlich wollte ich ja ganz viele Fotos machen – aber das ist nun wirklich unmöglich, wenn sich ständig mehrere feuchte Hundenasen um meine Hände drängeln oder ich selbige in kuscheliges Tigerfell versenken muss.

Und jetzt Ruhe – ich muss reich und berühmt werden.
Schnell!

(Fotos ©  Wilde Kreaturen e.V. / bzw. Rolf Zemolka http://www.natural-picture.de)

30-Tage-Kuschelkurs-Challenge – “Drum führe mich nicht in Versuchung”

Nun dümpele ich schon knapp 5 Tage mehr oder weniger erfolgreich durch meine Challenge und bemerke immer wieder ziemlich deutliche Parallelen zu meinem Nikotin-Entzug vor 10 Jahren. Nicht genug damit, dass sich mein eigener Kopf ständig gegen meine Groll-und Fluchgewohnheiten stemmen und quasi dauerhaft auf der Hut sein muss um nicht der Versuchung zu erliegen, nur “mal schnell eine zu schimpfen” oder “nur mal einen Zug zu motzen” – ich bekomme auch zusätzlich noch ständig von meinen Mitmenschen Mecker- und Schimpftiraden angeboten und fühle mich fast schon unhöflich und -gemütlich, weil ich nichts vom Aufreger-Büffet essen möchte.

Ich erinnere mich an meine ersten Partybesuche als “Noch-nicht-so-ganz-Nichtraucher” – die Raucher kuschelten sich gemütlich auf Balkons und in Vorgärten zusammen, um ihrem Laster zu frönen und ich konnte mich dann wahlweise schmachtend ins Rund gesellen und sabbernd den Rauchschwaden hinterherstarren oder alleine auf der Couch hockenbleiben und mit den Fingern Kreise in den Chips-Staub auf dem Glastisch ziehen. Ähnlich fühlte ich mich beim gemeinsamen Abendessen mit Freunden, als zu späterer Stunde “kollektives Geläster” garniert mit “frischgepflückten Bosheiten” auf den Tisch kommt. Grundsätzlich versuche ich ohnehin so gut wie irgend möglich, mich aus sinnlosem Gequatsche über andere Leute herauszuhalten, aber letztlich bin ich unleugbar Sternzeichen Lästerziege und lasse mich oft nur allzu gerne vom Spott-Strom mitreissen, bzw. übernehme auch gerne mal die Führung in Sachen “Klatsch und Tratsch”.

“Na klar, erst groß rumtönen was sie alles kann und am Ende müssen andere wieder ihre Scheisse ausbaden” echauffiert man sich über eine gemeinsame Bekannte und ich schlucke beschämt. “Große Fresse, nix dahinter, kennt man doch von ihr!” wird ihm von allen Seiten beigepflichtet. Ich schaue in die zusammengekniffenen Augen um mich herum wie in einen Spiegel – das da könnte ich sein. Schlimmer noch – genau das war ich in den letzten Monaten…zusammengekniffene Augen, gedämpfte zischelnde Stimme und darauf brennend, auch meinen Teil des geheimen Insiderwissens über diese delikate Geschichte auf den Tisch zu schmeissen und mich kollektiv aufzuregen bis die Halsschlagader tanzt.

Oh Mann.
Was für ‘ne sinnlose Zeitverschwendung.

Ich versuche, maximalunbeteiligt aus der Wäsche zu gucken und meine oberste Zahnreihe zu einem freundlichen Lächeln zu blecken, merke aber nach einer Weile, dass mich “krampfhaftes Nicht-Aufregen” fast noch mehr aufregt als beim Lästerspiel mitzumachen. Am liebsten würde ich allen Anwesenden ein Glas Wasser über die Omme kippen. Nach ein paar halbherzigen Versuchen, das Thema zu wechseln, gähne ich demonstrativ und entschwinde Richtung heimatlicher Bettenburg. Für die Zukunft habe ich mich allerdings vorgenommen, statt still zu leiden einfach klar zu sagen, dass ich gerade echt keinen Bock auf dieses Gelästere habe oder – die höflichere Variante – “doch da zur Zeit diese Challenge mache und momentan nicht so richtig schlimme Sachen sagen darf”. Da können sich meine Mitmenschen dann wenigstens drüber lustig machen und fühlen sich nicht gleich vor den Kopf gestossen.

Aber die Feststellung, dass meine Freunde, obwohl sie allesamt wirklich herzliche und liebe Menschen sind, ebenfalls irrsinnig viel Zeit mit Boshaftigkeiten und Schimpftiraden verbringen, gruselt mich ein wenig an. Ich dachte doch, ich wäre der einzige miesepetrige Meckerkopp in unseren Reihen.

Ähnlich ergeht es mir beim ersten Waldläufchen mit meinem Kumpel für dieses Jahr. Während ich so meditativ vor mich hin hechele und schnaufe, ärgert sich der Herr neben mir lautstark über seine Chefin. “Und du glaubst es nicht – da tut die doch wirklich so, als wäre das ihre Idee gewesen, und dabei hab ICH doch wochenlang”…die Stimme wird schärfer und der Tonfall rauher. “Ey, ich könnte so kotzen! Und am Ende bin ich wieder der Blöde, wenn’s nicht klappt!”
Zur Anstrengung des Bergauflaufens gesellt sich die Anstrengung des “Nicht-Mitreissen-Lassens”…was, wie ich gerade feststelle, genauso viel Mühe kostet wie schlichtes Ignorieren. Im Normalfall vor Beginn der Challenge hätte ich ihm natürlich längst kräftig beigepflichtet und sicher auch noch eine ähnliche Anekdote von meinem eigenen Brötchengeber dazugelegt und am Ende hätten wir gemeinsam gift-und-galle-spuckend unter Absingen von übelsten Flüchen unsere ach!-so-hundsgemeinen Vorgesetzten verteufelt. Und bei der Gelegenheit in einem Abwasch noch das gesamte menschliche Kroppzeug gleich mit, das so um uns herum kreucht und fleucht.
Aber heute ja nicht.
Weil, heute iss’ ja Challenge, verstehste.

Während ich in meinen Gehörgängen hilflos nach der Durchzugs-Funktion suche, beleuchte ich das, was hier gerade passiert. Man sollte ja eigentlich annehmen, dass es der Psychohygiene eher zuträglich ist, wenn man anderen davon erzählt, was einen geärgert oder genervt hat und das man sich damit Luft macht und Dampf ablässt und hassenichtgesehen (vor allem letzteres. Echt ey.)
Aber bei Licht betrachtet kocht man durch diese Aprés-Aufreger und Was-ich-heute-doof-fand-Erzählstunden nur längst vergangenen Mist wieder auf und ist am Ende meist wieder genauso angepisst wie vorher.

Und eigentlich habe ich gerade so überhaupt keinen Bock mehr, mir dieses Gemosere anzuhören. “So! Schluss damit!” bricht es aus mir heraus – mein Kumpel hält irritiert inne, schaut mich an…”Hast ja recht. Bringt ja alles nix!” und wir laufen fröhlich weiter durch den Wald und erfreuen uns des plätschernden Bächleins, der tschilpenden Vöglein und unserer gegenseitigen angenehmen Gesellschaft.
So geht’s also auch.

Licht und Liebe, ihr Säcke!