Es ist vorbei!

Man kann es drehen und wenden wie man will – in den letzten Jahren ist mir Herr Winter mit seinem hässlichen dunklen Mantel und dem kalten Gemüt zunehmend unsymphatischer geworden. Sicher kann man sich auch die kalte Jahreszeit mehr oder minder erfolgreich mit den handelsüblichen Floskeln á la “Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung” oder “Der Winter ist die Zeit der Einkehr und Gemütlichkeit” schönreden – aber während meine laufenden Facebook-Freunde fröhlich Stirnlampen- u. Mützen-Mumien-Selfies mit nachtschwarzem Hintergrund gepostet haben, habe ich stattdessen gefroren wie ein Schneider, war 24 Stunden täglich hundemüde und hatte ‘ne Scheißlaune.
Winterwonderland, my ass!

Das die Singvögel derzeit schon wieder morgens um 5 Uhr ihre aufgeregten Zwitscherkonzerte vor meinem Fenster herunterträllern und ich es in den letzten Tagen mehrfach geschafft habe, nicht nur zum Sonnenuntergang, sondern sogar unter annähernd hellem Firmament nach getaner Arbeit auf dem heimischen Hof vorzufahren, lässt allererste Hoffnungspflänzchen in meinem frierenden Herzen aufkeimen – es scheint so, als hätte Herr Lenz sich zumindest schon mal langsam auf die Reise gemacht, um den gestrengen Herrn Winter abzulösen.

Angesichts des immer noch arg trüben Himmels und dem mit seinem braunen Blätterboden unverändert freudlos anmutenden Forst mag aber noch keine rechte Frühlingsstimmung in mir aufkommen. Aber ich will ja nicht allzu stiesepimpelig sein – ich habe heute frei und kann laufen, das ist ja immerhin schon mal besser als…ähem…nicht frei zu haben, zum Beispiel. Dankbarkeit, mein Frollein! Aber, aber….hach….

Akribisch scanne in den Hain nach grünen Knospen oder anderen Anzeichen dafür, dass auch die Natur so langsam gedenkt, ihren faulen Hintern vom Winterschlaf-Lager zu erheben, aber ich werde nicht fündig. Stattdessen braune Wiesen und eine moderige, vermooste Waldlichtung. Als ich nach meinem mässig erfreulichen Nicht-wirklich-Frühlingsläufchen zum Auto zurückkehre und halbherzig ein wenig an meinen unteren Extremitäten herumdehne, höre ich plötzlich über mir ein Geräusch, dass mein Herz gleich einen kleinen Hüpfer machen lässt…das sind doch….aber, das sind doch wohl nicht….ja, SIND DAS TATSÄCHLICH…..?

Sofort richte ich den Blick nach oben und suche den Himmel nach den Verursachern des lieblichen Geräusches ab, aber außer zwei fetten Tauben im Baumwipfel sichte ich nur wolkenloses Grau. Hat mir mein Unterbewußtsein einen Streich gespielt?

Da! Schon wieder! Und endlich bildet sich vor meiner Netzhaut die allerschönste Formation, die Mutter Natur hervorbringen könnte und deren Anblick mir jedes Jahr aufs Neue ein Freudentränchen aus den Augenwinkeln kurbelt.

Laut schnatternd ziehen sie über mich hinweg und mein Herz springt vor Freude in den Handstand.

Die Wildgänse sind zurück!

Und Herr Winter muss endlich seine Koffer packen.

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