Pfoten weg von meinem Rudel!

“Jeder Mensch hat das Recht, sich zum Narren zu machen.”
(Maude Chardin)

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Katzen ihre Rangordnung ungestört untereinander ausfechten müssen, ganz ohne die hysterische Einmischung übernervöser  Katzenhalter. Hin und wieder kann es zwar mal etwas lauter werden und gelegentlich fliegt auch mal ein Fellbüschel – aber da muss man als Zweibeiner einfach mal locker und souverän bleiben können.

Und natürlich hab’ ich persönlich – als total erfahrener Miezen-Experte – diese tiefentspannte Coolness voll drauf. Ohne Ausnahme. Ich bin ja schließlich keine neurotische Katzentussi, die ständig höchstnervös um ihre Miezenschaft herumhampelt.

Seit einiger Zeit sorgt ein vierbeiniger Neuzugang in unserem Viertel für Unruhe – ein massiver schwarzer Kater mit imposantem Schädel und einem ausgefransten Schlitzohr, das auf die erfolgreiche Teilnahme an diversen Straßenkämpfen hindeutet. Dieser Haudegen hat es sogar geschafft, unserer stets unerschrockenen Frau Schmitz soviel Angst einzujagen, dass sie sich bibbernd unter dem Auto des Herzmanns verschanzte und für eine ziemlich lange Weile ihr Versteck nicht aufgegeben wollte. Trotz aller Empörung über dieses unangemessene Verhalten gegenüber der Revierkönigin konnte ich mir eine leise Ehrfurcht nicht verkneifen – denn bislang galt im Viertel der Leitsatz “Don’t mess with Schmitzi”. Wer sich mit unserem getigerten Brummelpummel anlegt, muss schon aus ganz schön harten Holz geschnitzt sein.

An diesem Morgen bin ich meiner Aufgabe als Katzenfrühstücksmagd schon erfolgreich nachgekommen. Gerade versuche ich, meine vom Nachtschlaf verklebten Sehschlitze mithilfe von Koffein auf Funktionsgröße zu weiten, als von draußen plötzlich ein markerschütterndes Kreischen über die bis dato friedlich ruhende Straße tönt.

Da gibts wohl gerade Katzenkeile.
Aber da misch’ ich nicht ein.
Das machen die Miezen unter sich aus. Nützt ja nix.
Da bin ich ganz locker und souverän.

Das Kreischen hält an. Frau Schmitz hebt empört den Kopf von ihrem Kuschelkissen, Herr Tiger hält irritiert im Spielmaus-Malträtieren inne und Frollein Fritzi ist….ähem, Frollein Fritzi? Wo ist meine Fritzi?!
Augenblicklich schiesst mir das Adrenalin in die Haarspitzen, ich sause im Sturzflug zur Haustür hinaus auf den Hof. Schon fliegt unter lautem Geschrei ein weißgetigerter Blitz an mir vorbei, gefolgt von einer schwarzen Wolke. Dieser blöde Mist-Kater jagt mein kleines Mädchen! In Sekundenschnelle wachse ich auf 3 Meter Körpergröße heran und rase wie ein wildgewordener Dschungelaffe unter Maximalgebrüll hinter dem kreischenden weiß-schwarzen Fellbündel in den Nachbarsgarten. “Haaaau ab!” plärre ich den Angreifer an – für eine der Uhrzeit angemessene Lautstärke (das Chronometer zeigt gerade erst 6) ist keine Zeit.
Da muss die schlummernde Nachbarschaft jetzt durch.

Der Kater zeigt sich unbeeindruckt und mein Fritzimädchen schreit in höchster Not. Mit einem doppelten Rittberger und dreifachem Flicflac (meine Erinnerung könnte mich da auch täuschen, es könnte auch nur ein unbeholfener Bocksprung gewesen sein, unter Umständen…) werfe ich mich zwischen den räudigen Haudegen und mein verschrecktes Kätzchen….und er weicht zurück. Drohend baue ich auf, springe auf den Miezerich zu und brülle “Verpiss Dich!” untermalt von einem grollenden “Du ARSCHLOCH!”

Fritzi saust zwischen meinen Beinen hindurch und rettet sich durch die Haustüre ins Innere. Der schwarze Eindringling starrt mich wütend an und sein Schwanz ist zu einer imposanten Flaschenbürste aufgebauscht. Mein Herz pocht hinter den Augenhöhlen. “Das machst du NIE wieder, du blöder  Arsch!” belle ich dem zum Glück endlich flüchtenden Kater hinterher und strecke zur Bekräftigung meine Faust in die Morgenluft. Beinahe hätte ich in meiner Raserei das zaghafte “Guten Morgen” in meinem Rücken überhört – und dort erblicke ich nun einen alten Bekannten, den freundlichen Spaziergänger mit Hund nämlich, dem ich dereinst schon bei meiner frühmorgendlichen Tigerchensuche über den Gassiweg gelaufen bin.

Schlagartig verwandele ich mich mit einem verschämten “Poff!” vom unheimlichen Rächer zurück in die hysterische Katzentussi mit Schlafanzugshose und Ringelstrümpfen und wirrer Kissenfrisur und erwidere den Gruß dezent peinlich berührt. Die Nachbarn sind ja jetzt sicher auch alle wach, also kann ich ja wieder zurück ins Haus gehen.
Auf Socken.
Unauffällig.
Hüstel.

Fritzi10In Gedanken füge ich dem Grundsatz, dass man sich als Katzenhalter niemals nicht und auf gar keinen Fall in Revierstreitigkeiten der Miezenschaft einmischen sollte, eine kleine Einschränkung hinzu:
Es sei denn, ein blöder Straßenkater legt sich mit MEINEM Rudel an.”

Dann gibt’s Fratzengeballer, nämlich.


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22 thoughts on “Pfoten weg von meinem Rudel!

  1. Joshly

    Ich bin jetzt erst mal 2 Stunden beschaeftigt und les mich durch all deine Katzenposts. Du schreibst echt genial und triffst so schön den wahren Katzenhalter und natuerlich auch die Katzen! Wir sind eben alle etwas Gaga.:D Ich hole meinen Kater regelmaessig im Schlafanzug aus dem Keller, weil er immer so schnell durch die Tür schlüpft:D

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  2. Frau Fröhlich

    *gröööööhl* sorry, ich hab gerade Bilder im Hirn … ich wäre zu gerne dabei gewesen !

    Ja, ich kenn das. Einmischen ist im eigenen Rudel nicht gut. Da halte ich mich auch dezent zurück. Aber außerhalb … nööööö, das könnte ich wahrscheinlich auch nicht. 😉

    LG Frauke

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  3. Pünktchen

    Hallo Daniela,
    einmalig geschrieben. Ich kann es mir richtig vorstellen.
    Ich kann auch nicht dabei stehen und Katzenkämpfe einfach zulassen. Ich misch mich ein::: auch wenn es dann für das “Ehrenwerte Haus” zu heftig wird, da müssen die durch.
    Liebe Ostergrüße
    Pünktchen

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  4. Lizzy

    Raushalten aus Streitereien? Nö – ich mische mich sowohl inhäusig als auch draußen immer wieder mal ein. Nicht grundsätzlich aber ab und zu finde ich das notwendig, habe ein Auge auf die eine oder andere Situation bzw. Katze und nehme Einfluss durch. Seit wir die beiden Mobbing-Queens im Haus haben, erst recht. Die würden sogar noch uns Menschen aus dem Haus graulen oder einsperren und nur zum Fleisch schnippeln, kraulen und Dosen öffnen kurz die Handschellen lockern. Der kleine Wischmob hält mich zwar für die allerletzte und dämlichste Spielverderberin weil ich sie gelegentlich daran hindere, die Katzenklappe so zu bewachen, dass niemand rein- und auch niemand rauskann. Dann mache ich schon klar, dass ICH die Chefin im Haus bin.
    Und draußen … jo … da laufe ich auch hier und da mal in Schlafklamotten rum. Alles ganz normal, schätze ich 😉

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  5. Marlene

    *lach*

    Ich sitze hier mit breiten Grinsen im Büro und der Kollege, welche gearde beim Lesen in mein Büro kam staunte nicht schlecht über mein ach so gut gelauntes Gesicht … anscheinend ist er von mir nur anderes gewohnt…. kann gar nicht sein. Er hat es auch gelesen und meinte breit grinsend das die Ringelsocken den Kater bestimmt abgeschreckt hätten … hat eh keien Ahnung 😀

    Bestimmt hat die Fritzi hinter der versteckten Haustür ein Blick gewagt und ebenfalls breit grinsend die Zunge zu dem Unhold herausgesteckt *äääätsch* Habe herrliche Kopfkinoszenen *ggg*

    LG
    Marlene

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Von wegen – Undank ist der Katzenwelten Lohn…Fritzi ist erstmal vor mir weggelaufen 😉 Die kam ja als Wildlng zu uns und ist oft noch sehr scheu.
      Ich musste mich erstmal mit Leckerchen wieder einschleimen, da hat sie mir dann huldvoll verziehen, dass ich sie vor dem schwarzen Katzenmann gerettet habe 😉

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  6. Kerstin

    *lachtränenwegwisch* wirklich ganz toll geschrieben !

    Das könnte glatt ich gewesen sein, aber zum Glück muss das keiner erleben – da ist es bei uns eher umgekehrt, das meine “Jungs” die Pöbel sind, ganz einfach weil sie draußen in der Überzahl sind 😉

    Aber bei 7 Freigängern ist es relativ, das ich da selber mal eingreifen muss – die helfen sich gegenseitig aus dem Dilemma, wenn es mal soweit kommen sollte !

    Frohes Osterfest und liebe Grüße aus dem Daal 🙂

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Ich glaube bei SIEBEN wäre ich schon ein Fall für die örtliche Nervenheilanstalt. Ich neige ja leicht zur Hysterie. Hüstel.

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  7. When the cat is away

    Guten Morgen!

    Danke, dass du bei mir kommentiert hast – deinen Blog kannte ich nämlich noch nicht; da habe ich was verpasst. Habe in grade zu meinem RSS-Leser hinzugefügt.

    Auch das Thema dieses Beitrages ist sehr aktuell für mich. Ich habe grade zwei Katzen adoptiert, die aber noch im Tierheim leben müssen. Aber auch ohne dass sie bei mir eingezogen sind, machen sie mich schon verrückt, u.a. wegen ihrer Rangordnung. http://whenthecatisaway.com/introduce-my-cats/ Ich bin ja im Gegensatz zu dir total unerfahren, aber instinktiv hatte ich den selben Gedanken – ich muss die Rangordnung akzeptieren. Fällt mir allerdings ein wenig schwer, weil ich Angst habe, dass meine eine Katze zu kurz kommt. Großes Gekloppe erwarte ich allerdings nicht (… irren ist menschlich).

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Wie schön, dass du Tierheim-Miezen eine Chance gibst – garantiert wirst du es keine Sekunde lange bereuen 😉

      Das mit der “Riesenerfahrung” war bei mir eher ein wenig ironisch gemeint – ich bin nämlich selbst auch erst vor knapp 1,5 Jahren auf die Katz’ gekommen und habe mich vor allem anfangs oft ganz schön blöd angestellt. Aber da ich seitdem auch bei uns in der örtlichen Katzenhilfe aktiv bin, bilde ich mir des öfteren ein, dass ich schon Profi bin…werde aber immer wieder von der Realität eingeholt 😉

      Viel Glück für den Einzug deiner Miezenschaft wünsche ich – und bei Fragen und Problemen darfste dich gerne an mich wenden. Bin ja..voll der Profi. Ähem.

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  8. Blumenmond

    Danielaliebelein, ich hab so ein vages Bild vor Augen… ich lach mich schlapp.

    Aber so gehts ja gar nicht – man soll sich wirklich aus diesen Revierkämpfen raushalten aber doch nicht bei Deinen Miezen. Die arme Kleine…

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Genau, du hast es erfasst. Bei ALLEN Revierkämpfen muss man sich raushalten, ausnahmslos…nur bei meinen kleinen Schnuffipuffimiezipumpizies nicht. So isses nämlich.

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  9. Gabi

    Ähm ja *lach das hast du sehr bildhaft beschrieben. Soviel zu Theorie und Praxis *gg.
    Ich kann mich noch gut erinnern als ich eine Zweitkatze holte. Da flogen natürlich auch die Fetzen. Ich habe mich da weitgehend rausgehalten auch wenn es manchmal schwer fiel.

    LG Gabi

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Naja, “inhäusig” kriege ich das hier auch ganz gut hin, wobei die Revierkämpfe hier auch eher harmlos mit ein bißchen Gefauche und der ein oder anderen halbherzigen Hetzjagd ablaufen. Und normalerweise jagt meine Bande ja immer alle Eindringlinge in die Flucht, da stehe ich höchstens am Fenster und gucke stolz 😉

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  10. Elke

    Liebe Daniela,
    ein gewisses Grinsen konnte ich mir beim bildhaften Vorstellen der Szenerie nicht verkneifen…
    Kommt mir alles bekannt vor. Musste gerade auch erst am Sonntag den ein paar Häuser weiter wohnenden Main Coon Kater bändigen, der unserem ziemlich hasenfüßigen Kater ans Fell wollte. Ich finde, bei solchen Scharmützeln im eigenen Garten darf man schon ein wenig Schützenhilfe geben, nur wenn die eigenen Katzen untereinander ihre Rangeleien haben, muss man sich raushalten, so schwer es auch fällt.
    Weiter viel Erfolg als Katzenschlichterin!
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Bestimmt bin ich meiner Bande total peinlich…”Ah, da kommt wieder die Mami gerast und schimpft mit den bösen Angreifern, wie UNCOOL!” 😉

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