Augen auf, die Realität wartet!

Wenn meinem Kater irgendwas nicht passt, begegnet er diesem Umstand durch eine goldige, aber im Grunde vollkommen wirkungslose Maßnahme: Er dreht den Kopf weg und pitscht die Augen so fest zusammen, wie er nur kann…”Ich seh’s nicht, also isses auch nicht da!”

Diese Verhaltensweise habe ich selbst in den letzten Wochen ebenfalls meisterlich gepflegt und die überdeutliche Tatsache, dass mein maroder Läuferkörper nun aber wirklich alles andere als in Ultra-Verfassung ist, unter Einsatz aller zur Verfügung stehenden Verdrängungsmechanismen nach Kräften ignoriert. Dummerweise haben sich weder Knie- noch Hüftmalässen durch stoisches Weg-Glotzen einfach in Wohlgefallen aufgelöst (was vermutlich niemanden so richtig überrascht) – und nachdem ich am Karfreitag nach gerade mal 7 gemütlichen Kilometerchen ein unüberhörbares “Jetzt lass’ den SCHEISS sein! Ich! Tue! Weh!” aus der rechten Kniegegend vernommen habe, muss ich dann wohl doch mal die trotzigen Augen aufmachen und den Fakten ins gestrenge Anlitz schauen.

P1000479Nachdem mir das berüchtigte Läuferknie in den letzten Wochen nun schon mehrfach mit Anlauf in den Allerwertesten getreten hat und selbst unter Zuhilfenahme einer überdimensionalen Menge Naivität und Optimismus keine nennenswerte Chance besteht, dass sich der Gesamtzustand meiner körperlichen Großbaustelle in den nächsten 3 Wochen von “stark sanierungsbedürftig” zu “Ultra-Topform24” wandelt, habe ich beim Morgenkaffeelatte ein- bis zweimal tief durchgeatmet, schwerst geseufzt und nach kurzem Haare-Raufen entschieden, von den Sprinterstiefeln auf Schusters Rappen umzusatteln und die 24 Stunden am Seilersee von Anfang an komplett zu wandern.

Denn – zum Glück…”Gehen” geht bislang nahezu beschwerdefrei – und wenn ich meinen Korpus bis zum 25.04. von kopflosen Hauruck-Aktionen verschone, wird das wohl hoffentlich auch so bleiben und es werden auch im Marschier-Modus noch reichlich Taler für unsere Schützlinge in Not zusammenkommen. Und trotz allem – Quitting is not an option.

Trotz aller Vernunft fühlt sich der Entschluß aber doch so’n bißchen scheiße an und macht mich eher mäßig glücklich – aber ett iss halt bekanntermassen wie ett iss, und vor allem ist es eins: Nicht zu ändern.

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17 Comments

  1. Der Wille war und ist immer noch da. Aber wenn der Körper nicht mitmacht, dann ändert man das leider nicht. Und ob du jetzt laufend oder gehend da mitmachst, das sollte für einen Spender keinen Unterschied machen.

    Bin gespannt, ob du tatsächlich nur wandern wirst oder nicht doch noch zwischendurch, am Anfang oder am Ende läufst. 😉

    LG Frauke

  2. Hallo Daniela,
    keine guten Nachrichten. Aber Du hast die beste Entscheidung getroffen, Vorsicht walten lassen. Da sehe ich es wie Elena, schließlich wären ja weitere Projekte schon was Feines… 😉
    Daher : Jeder km zählt, egal, ob gelaufen oder gegangen. Ich weiß, Du wirst alles geben!
    Liebe Grüße
    Elke

  3. Hallo Daniela,
    ich kann dir nur gratulieren zu so einer Entscheidung. Ich denke den Kätzchen ist es egal ob du gehst oder läufst. Sie freuen sich auf jeden Fall wenn du solche Aktionen noch oft machen kannst und dafür lohnt es sich auch mal ein bisschen zurück zunehmen 🙂
    Also nicht traurig sein. Es geht dann auch irgendwann wieder laufend.
    Liebe Grüße
    Helge

  4. Also ich finde 24 Stunden laufen im Sinne von Gehen nahezu ebenso ambitioniert wie laufen im Sinne von Laufen. Trotzdem kann ich, wie wohl jeder der schon mal in Laufschuhen unterwegs war, Deinen gelinden Missmut durchaus verstehen.

    Aber Humor hilft und davon hast Du offensichtlich reichlich. Bewahre ihn Dir.

    Liebe Grüße
    Volker

    • Und vor allem versaue ich mir die Knochen nicht dauerhaft – aller Alters-Unkenrufe zum Trotz fühle ich mich irgendwie noch zu jung für chronische Beschwerden…wir werden sehen 😉

  5. Liebe Daniela,
    als stolze Sponsorin verstehe ich zwar, dass Du Dich jetzt ärgerst. Aber ich finde Deinen Entschluss trotzdem goldrichtig und zukunftsweisend! Denn ich möchte Deine 24-Stunden-Wahsinns-Benefit-Aktionen auch im Jahr 2035 noch unterstützen und dafür brauchen wir (gut, hauptsächlich Du) Deine Knie in guter Verfassung. Also wandere wie der Wind und lass Dir den Spaß und die Motivation nicht rauben!

    Viel Spaß beim “immer-einen-Fuß-auf-dem-Boden”-Training und schöne Ostern!

    Elena

    • Also, für zumindest für nächstes Jahr habe ich mir ganz fest vorgenommen, so ‘nen Scheiss nicht mehr zu machen 😉 Aber gut zu wissen, das ich zumindest für 2035 eine treue Sponsorin haben werde. Dann mische ich die Senioren auf, da 😉

  6. Liebste Daniela,

    auch wenn das nicht Dein Begehr ist (glaub ich zumindest), knuddel ich Dich mal virtuell kräftig durch. Aber “nicht zu ändern” ist ein ziemlich starkes Argument. Ich geb zu, dass ich Dein Vorhaben, 24 Stunden zu wandern jetzt mal echt noch heldinnenhafter finde als 24 Stunden zu laufen. Zwar ist Letzteres körperlich sicherlich anstrengender aber Ersteres mental für mich gerade nicht als möglich in Erwägung zu ziehen.

    Du bist und bleibst meine Heldin.

    Gruß
    Anja

    • Naja, ich finde ja gerade in Läuferkreisen wird der Begriff “Held” ganz schön inflationär benutzt – ich kann man meinem Treiben so rein gar nix Heldenhaftes finden. Und ganz ehrlich leidet mein Ego ganz schön bei dem Gedanken, wenn beim Startschuss alle lossausen und ich bloss marschiere – aber auch das geht vorbei.
      Knuddeln nehme ich natürlich gerne an 😉

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