“Wandern ist die beste Medizin” – Lieserpfad, die Erste!

“Wanderlust” beschreibt die Lust am Wandern, den steten inneren Antrieb, sich zu Fuß die Natur und die Welt fern der Heimat zu erschließen.


Nachdem (die zweibeinige) Fritzi und ich uns im letzten Jahr auf einem 4-tägigen Wandertrip über den unfuckingfassbar schönen Wildnistrail im Nationalpark Eifel als ziemlich perfektes Wandersfrauen-Team in jeder Hinsicht bewiesen haben, lockt uns nun heute der Lieserpfad. Den Tip zu dieser Route hat uns ein ziemlich schräger älterer Herr gegeben, der uns auf ebenjenem Wildnistrail täglich mit Armeerucksack auf dem Buckel in einem forschen Stechschritt überholt hat. Wanderpapst Andrack beschreibt den Lieserpfad in seinem Buch “Du musst wandern” als “schönste Streckenwanderung der Welt” – und das kann ja erstmal jeder behaupten.
Unbesehen bzw. unbewandert glauben wir so eine gewagte Behauptung nämlich nicht, Wanderpapst hin oder her.

Als Homebase für unseren Trip haben wir das beschauliche Eifeldörfchen Manderscheid auserkoren, und werden dort in unserer Unterkunft statt in dem erwarteten breitem Eifler Slang sehr zu unserem Entzücken in allerputzigstem “Denglisch” begrüßt. Debbie und Andy Edwards sind 2013 aus York in die Eifel gekommen und betreiben hier nun das “Haus Schwaben” – ein in jeder Hinsicht empfehlenswerter Geheimtip, aber dazu später mehr.

Die erste Etappe von Daun nach Manderscheid wird mit ihren knapp 14, 5 km ohne nennenswerte Anstiege als “moderat” beschrieben, und uns kommt das gerade recht. Mir hat eine fiese Erkältung gefolgt von 3-tätiger Kotzeritis ganz schön die Kräfteflügel gestutzt und auch Fritzi hat noch die “Fräck inne Knochen”. Wir hoffen hier auf die heilsame Kraft von Frischluft und Bewegung – “aktive Rekonvaleszenz”, sozusagen. Dann soll die schönste Steckenwanderung der Welt ruhig mal zeigen, was sie so drauf hat. Die frühmorgendliche Anfahrt zum Startpunkt in Daun via Omnibus erfolgt problemlos und wir stellen uns beim Ausstieg zur Erheitung der Eifler Busreisenden auch nur ein klitzkleines bißchen dumm an – läuft!

Der Einstieg zum Lieserpfad schmeisst sich uns in Form eines unübersehbar Startdrapierten Hinweisschildes quasi vor die Wandersfrauenfüße und wir stapfen los – zwar leicht schwächlich mit einer diffusen Rest-Kränke in Magen und Muskeln, aber maximalvorfreudig und vor allem sowatt von wanderlustig.
Nach ein paar Meterchen über Asphalt saugt uns der frischgrüne Frühlingswald mit einem duftigen Schmatzer auf und zaubert ein idyllisches Bild nach dem anderen auf unsere Netzhäute.

WandersfrauWo Fritzi sich widerstandslos der vollkommenen Verzückung hingibt und das Gesehene quasi minütlich mit einem gejauchzten “Ach, wie schööööön!” kommentiert, bleibt mein Holzkopfauge wachsam.  Gerade in den letzten Monaten ist in mir das Pflänzchen des Lokalpatriotismus gekeimt und zu einem kräftigen Bäumchen herangewachsen – und ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass es kaum irgendwo so zauberhafte, abwechslungsreiche und seelenschmeichelnde Wanderlandschaften gibt bei wie uns daheim mit seeRheinsteig, Westerwald & Konsorten. Und irgendwie fühlt sich das Gefasel von “schönster Streckenwanderung” fast wie ein persönlicher Angriff auf den Liebreiz meiner Heimtrails an. Pöh.
“Was für ein schöner See, guck doch mal!” entzückt sich Fritzi und ich brumme “Aber unser Schwanenteich ist schöner!” Weil – isso!
Da bin ich bockig. Ist doch wahr.

Bei aller (durchaus angebrachten, wie ich erneut anmerken möchte) “Daheim-isses-aber-schöner”-Murkeligkeit wäre es allerdings auch albern, den Lieserpfad irgendwie anders als “absolut idyllisch, allerliebst und zauberhaft” zu bezeichnen – denn genau das isser. Schon schön.

Anfänglich ist der Weg noch ein leicht bedörfert und mit leisen Straßengeräuschen untermalt, aber alsbald wandert man in eine stille Einsamkeit, die nur vom konstanten Plätschern des Flüßchens “Lieser” als Namensgeberin begleitet wird. Wir durchschlendern sattgrüne, blühenden Wiesen, Viehweiden und allerliebste Waldpassagen. Das Streckenprofil ist eher “freundlich” und genau das Richtige für unsere derzeit noch leicht schläpplichen Wanderkorpusse.


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Lieser
Ginster schafe weglieser  


Die Dichte an Holzbänkchen entlang des Pfades ist außergewöhnlich hoch (wir sind sogar kurz geneigt, von einer “Bank-Plage” zu sprechen) und wir fänden es äußerst unhöflich, das reichhaltige Angebot nicht zu nutzen. Und so “rasten” wir uns gemütlich durch den Tag und bemühen uns nach Kräften, dabei das reichhaltige Lunchpaket von Herbergsmutter Debbie mit Stumpf und Stiel aufzufuttern.

WanderlustNach reichlicher Sonnenstrahlmassage und Sauerstoffdurchflutung scheinen tatsächlich so langsam Kraft und Lebensgeister in unsere Knochen zurückzukehren. Als der Lieserpfad auf den letzten beiden Kilometern Richtung Manderscheid auch noch das Single-Trail-Ass aus seinem grünen Ärmel zieht, ist die Verzückung komplett und wir freuen uns mehrere Löcher in unsere angeschlagenen Bäuche ob des wunderhübsch-gelungenen Wandertages.

Alles in allem kann man diese Etappe wohl als “sehr gefällig, hübsch und wenig anstrengend” bezeichnen. So ähnlich wie Kaffee und Kuchen auf einer lauschigen Sonnenterrasse.

“Aber bei uns daheim isses WIRKLICH schöner!” – “Ja, ja….”

Wir fühlen uns jedenfalls maximalgestärkt an Körper und Geist und bereit zur nächsten Etappe, die uns als deutlich länger und vor allem anstrengender angepriesen wurde. Aber – unbewandert glauben wir bekanntlich nix.


 

-Teil 2 gibt’s hier – “When Engels reisen”

6 thoughts on ““Wandern ist die beste Medizin” – Lieserpfad, die Erste!

  1. Marlene

    Aber auch hier ist alles viel viel schöner, und flacher und windiger und was nicht alles 😛
    Aber dennoch mag ich auch gerne auch mal andere Regionen bestaunen 😉

    Wandern gehen könnte ich auch mal wieder. Leider siegt da immer die Faulheit *flöt*

    LG
    Marlene

  2. Pingback: Frischen Fußes durch den Forst – oder “Gehwol! Yeah!”mohrblog | mohrblog

  3. Pingback: “When Engels reisen…” – Lieserpfad, die Zweite!mohrblog | mohrblog

  4. Blumenmond

    Ach das erfreut auch mein Wanderherz, die Bilder, die hübschen Wandergenossinnen (Deine Freundin Fritzi macht aber mal so was von einen wandertauglichen Eindruck) – prima. Freue mich auf die Fortsetzung.

  5. Elke

    Hallo Daniela,
    das liest sich wirklich nach schöner Wanderung. Mir gehts ähnlich: Oft denke ich, daheim bzw. in der Nähe ist es doch eigentlich auch nett, man muss nicht erst Cherosin oder Sprit für 1000e km verballern. Bin auf die Fortsetzung gespannt, und auf das Haus Schwaben…
    Liebe Grüße
    Elke

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