Archiv für den Monat: Mai 2015

Rhabarberpfannkuchen

rhabarberNachdem mir  nun schon länger das drohende Ende der Rhabarber-Saison im Nacken gesessen hat, bin ich vor ein paar Tagen fast panisch in die Küche gerast und habe Pfannkuchen gebacken, um vor Ablauf der Frist zumindest einmal in den Genuß dieser sauren Stangen zu kommen. Und weil die Dinger so lecker und vor allem so fix gemacht sind, landen sie ganz bestimmt noch öfter in meiner Pfanne, bevor wieder bis zum nächsten Jahr Schluß mit Sauermachtlustig ist.

Rezept” steht laut Wikipedia für eine “programmatische Anweisung zur Zubereitung eines Nahrungsmittels”…demnach ist der folgende Beitrag de fakto ein solches, auch wenn bloss ein paar wenige Zutaten zusammengeschmissen und verbrutzelt werden.

Zutaten:
125 gr. Dinkelvollkornmehl
200 gr. Pflanzenmilch (wenn man das Zeugs eh in einer Rührschüssel zusammenkippt, braucht man nicht mehr extra ‘nen Messbecher verschmuddeln, deswegen die Angabe in Gramm und nicht in Litern)
2 gestrichene Teel. Weinsteinbackpulver (die Hälfte eines 18 gr.-Tütchens also)
2 Eßl. Agavendicksaft (ca. 40 gr.)
2 kleine Stangen Rhabarber
Öl zum Braten

Die Menge ergibt 3 große oder..eben 6 kleine Pfannkuchen.

Zubereitung:
Mehl in eine Schüssel geben, dann Milch und Agavendicksaft zugeben und mit einem Schneebesen durchrühren. Den Teig kurz quellen lassen und zum Schluß das Backpulver unterrühren. Rhabarber schälen (entfasern…die Fisseldinger abzupfen..wie auch immer man das nennen mag), in kleine Stücke schneiden und dem Teig unterrühren.

Ein wenig Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen, eine Schöpfkelle Pfannkuchenteig in die Pfanne geben (Deckel drauf – wichtig, dann gart der Pfannkuchen besser) und bei moderater Hitze so lange backen, bis der Teig auch oben nicht mehr flüssig ist. Dann vorsichtig wenden, von der anderen Seite kurz anbrutzeln lassen und schon ist das Mahl zubereitet. Wer es nicht ganz so sauer mag, kann die Pfannkuchen noch großflächig mit Puderzucker bestäuben und/oder mit Vanillesoße toppen.

Aus o.g. Zutaten lassen sich 3 mittelgroße Pfannkuchen zaubern, was in meinem Fall die absolut perfekte Menge für eine hungrige Sportlerin nach einem langen Lauf darstellt und von mir dann auch ohne mit der Wimper zu zucken absolut ratzeputz im Alleingang verschlungen wird.

PfannkuchenAußerhalb der Rhabarber-Saison lassen sich die Teile natürlich auch ganz lecker mit anderem Obst jedweder Art wie z.B. Äpfeln, Bananen, Kirschen, Johannisbeeren oder Birnen brutzeln. Hier reichen dann 20 gr. Agavendicksaft zum Süßen. Zu Apfel- oder Birnenpfannkuchen passt auch die höchstgesunde Plauprikosensoße zum Bestreichen ganz und gar hervorragend.

Ich esse diese Teile, wie schon oben erwähnt, oft und gerne nach einem langen Lauf oder einer Wanderung. Pfannkuchen sind zwar nicht unbedingt der hochgesunde Nährstoffbomber schlechthin, aber eben lecker und schnell gemacht – und kommen in diesem Fall zumindest ohne den bösen, bösen Industriezucker und seinen garstigen Kumpel Weißmehl aus.

Da lacht das Vollwertherz und zudem passt der Brutzel-Ablauf ganz prima ins Prä-Sport-Programm: Während der Teig quillt, wird geduscht – und zwischen den einzelnen Pfannkuchen-Bratvorgängen lassen sich super ein paar Dehnübungen absolvieren. Und dann wird gefuttert – und jede Zelle ist glücklich.

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[coolness galore]

TigboyHerr Tiger ist nicht nur der schönste Katzenmann der Welt (Subjektivität, my ass!), sondern auch das fröhlichste und unbekümmerteste Lebewesen unter der Sonne. Wenn er nicht gerade seinen Flauschbauch selig schnarchend in die Luft streckt oder sich vor Wonne auf dem Boden herumrollt, rennt er mit kugelrunden Babyknopfaugen durch die Gegend, scheint ständig die wunderschöne bunte Welt um sich rum zu bestaunen und mit unsichtbaren Feen, Elfen und Einhörnern zu spielen.
Und zwar exakt so lange, bis eine Kamera-Linse auf ihn gerichtet wird. Dann verwandelt er sich in Sekundenschnelle in einen oberlässigen, coolen Django mit grimmigem Blick.

Ist wohl so’n Image-Ding.
Könnte ja sein, dass der dicke rote Nachbars-Kater die Fotos sieht.

“When Engels reisen…” – Lieserpfad, die Zweite!

– Was bisher geschah: “Wandern ist die beste Medizin” – Lieserpfad, die Erste!


Nachdem es am Vorabend gleich nach unserer Ankunft im “Haus Schwaben” zu dröppeln begann und die Wetterfrösche nun erneut Gewitter und Regen für den Tag herbeigequakt haben, treibt es Frollein Fritzi und mich nicht gerade überdringlich zum Aufbruch auf die 2. Etappe des Lieserpfads. Stattdessen trödeln wir im Frühstücksraum herum und fressen uns ausgiebig durch die liebevoll angerichteten Vorräte.

hausschwabenAber letztlich muss eine Wandersmännin tun, was eine Wandersmännin eben tun muss und wir sind ja nun auch nicht zum Nutella-Schnitten-Futtern in die Eifel angereist – also Rucksack geschultert und hopp! auf Schusters Rappen.

Mit einem charmanten “How do you guys say? When Engels reisen…?” entlässt uns Herbergsvater Andy in das frühmorgendliche Grau-in-Grau. Dann wird der Tag wohl zeigen, ob wir “Engels” oder “Teufels” sind. Man darf gespannt sein.

Derzeit dümpeln die beiden Türme von Nieder- und Oberburg (man beachte die einfallsreiche Namensgebung) leider noch emotionslos in einem trüben Eintopf aus regenschwangeren Wolken statt wie erhofft in “romantischem Morgennebel” Schild. Das wegweisende blaue “L” ist flott gefunden und der Lieserpfad macht da weiter, wo er gestern aufgehört hat – mit herzallerliebsten Schlängel-Trampelpfaden in bezaubernder Landschaft. Leider trübt nicht nur der triste unheilverkündende Himmel, sondern auch eine hohe Mitwandersmanndichte meine Wanderlust ein wenig. An diesem Samstag sind deutlich mehr Marschierwillige mit Kind, Kegel und Hund unterwegs als am gestrigen einsamen Freitag, und die ersten Kilometer auf schmalem Pfad sind geprägt von lästigem Stop-and-JETZTGEHDOCHENDLICH!

Den unverschämten Versuch, einer (zugegeben sehr netten) älteren Dame, sich unserem Zweigestirn plaudernderweise anschließen zu wollen, vereiteln wir durch eine abrupte hektische Tempo-Verschärfung. Nach einer kurzen Schlitterpartie über eine Umleitung entzerrt sich die Bevölkerungsdichte auf dem Pfad zum Glück und wir finden uns alsbald  im Wandersfrauenwunderland wieder – die Wolkendecke wird immer durchlässiger und spickt den Forst mit goldenen Sonnenstelzen, und der Lieserpfad feiert ein Vorschußlorbeeren-Erntedankfest. Das dieser Weg als “schönste Streckenwanderung der Welt” beschrieben wurde, scheint uns nun mehr als nur angebracht. Fast noch ein wenig untertrieben, könnte man sagen.

Mindestens 183,5% der Strecke *) führt über schmale, anspruchsvolle Pfade, knorrige Wurzeln und malerische Holzbrücken und deckt sich somit zu 145% *) mit unseren Vorlieben. Der allergrößte Teil des Weges wird vom Anblick oder zumindest dem Plätschersound der idyllischen Lieser begleitet. Ett iss’n Gedicht, iss datt.
“Hach, ist das schööööön!” quietscht Fritzi noch häufiger als gestern, und im Gegensatz zum Vortag bekräftige ich ihre Jauchzer mehrfach mit einem energischen “Und viel schöner als bei uns!” Der Kopf ist schließlich rund, damit das Denken die Richtung ändern kann – und was wahr ist, muss dann auch mal wahr bleiben, hier.

Das andauernde Sonnewattewölkchenwetter bestätigt, dass wir scheinbar nicht nur “Engels”, sondern auch ganz schöne “Glückskinders” sind und wir ergötzen uns (weitestgehend stillschweigend) an unserer Seligkeit.


Lieser3 Lieser2 Lieser6 Bruecke
Hang Lieser1 Lieser3a Lieser5.


Nachdem das Marschier-O-Meter die 6-Stunden-Marke überschritten hat, macht sich trotz aller Verzückung eine deutliche schwere in unseren Engelsgräten breit – das große blaue L markiert nicht nur einen schönen, sondern auch einen anspruchsvollen Pfad und wir müssen uns zaghaft eingestehen – wir schwächeln ein wenig.
Also…so’n bißchen.
Nicht nenneswert eigentlich, weil wir ja im Grunde unfassbar sportive Speedhikerinnen sind – aber dennoch.

Frecherweise hört auch der Lieserpfad nach einer Weile einfach unautorisiert damit auf, wunderhübsch und trampelpfadig zu sein und schläfert uns stattdessen mit öder Wirtschaftsweglangweiligkeit und einem konstanten, zermürbenden Anstieg ein.

Träge sinken die äußeren Einflüsse zu meiner Hirnrinde durch und verbinden sich dort zu einem Gesamtbild: Der vergleichsweise dröge und hässliche Waldweg, das hektische Piepsen der Forerunnerin inkl. “Kursabweichung!”-Geschrei an meinem schlaffen Handgelenk, die gänzlich unmarkierten Baumstämme am Wegesrand….”Wann hast’n du zuletzt’n blaues L gesehen?” fragte ich meine Wandergenossin und ernte einen trüben Blick – “Keine Ahnung. Schon länger her”.
Müde starren wir eine Weile ins Gehölz in der irrigen Hoffnung, einfach eine Wegmarkierung herbeiglotzen zu können. “Guckenma bissur nächsten Kurve!” murmele ich maulfaul und schlurfe noch ein Stückchen weiter nach vorne – aber die Bäume bleiben nackisch und unbe-L-t.
Mistkram. Nützt ja nix. Wir müssen bis zur nächsten Markierung zurückschlurfen und die liegt laut unserer Erinnerung “voll weit” zurück, wenn nicht noch weiter.

Schweigend, leicht weinerlich und mit glasigem Blick schleppen wir unsere einst ach!-so-dynamischen Figuren den tumben Weg entlang, bis sich nach gefühlten zwölfzig Kilometern eine Abzweigung auftut. “Da iss’ kein Schild!” empören wir uns schlapp, blicken ratlos in die Botanik und erinnern geneigte Beobachter sicher an die Schauspielertruppe aus “Einer flog über das Kuckucksnest”. Ein freundliches Läuferpaar erbarmt sich unserer und schiebt uns auf den rechten Weg zurück – tatsächlich war der Pfahl, an dem das blaue L hätte prangen sollen, zur Hälfte abgebrochen und die Markierung gleich mit. Für eine angemessene Echauffage fühlen wir uns viel zu welk und zockeln stattdessen folgsam in die angewiesene Richtung.
“Schbinplatt!” seufze ich matt – “Schauch!” schwächelt es zurück.

rastAber mit der Rückkehr auf den rechten Weg kehrt nicht nur die landschaftliche Schönheit zurück, sondern auch die Spannkraft in Körper und Geist. Nach einem Kilometer vorbei an der schönen blauen Lieser im frühlingsgrünen Blätter-Rahmen steigt die Stimmung und – zumindest gefühlt – die Kraft in den Beinen gleich mit und wir fühlen uns remoralisiert. Nach einer kleinen Rast (oder – wie der Schwabe sagt – “Veschperpause”) auf einer gemütlichen Holzsitzgruppe im Forstwohnzimmer nehmen wir die letzten “5 oder 6 oder so” Kilometer unter die Füße und finden wieder alles um uns herum “schöööön”.

“Sogar schöner als bei uns!” – “Jawoll!”

Auf dem letzten Stück vor Wittlich schleicht sich der wurzelige Trampelpfadanteil leise aus und wandelt sich in löwenzahn- und apfelblütengesäumte Feldwegseligkeit. In unseren Gemütern macht sich eine zarte Wehmütigkeit breit. Leider schon vorbei.

Aber naja – daheim isses ja auch schön.

*) Die gymnasiale Laufbahn der Autorin wurde Ende der 80iger Jahre ziemlich abrupt durch eine glatte Sechs in Mathe beendet – Anm. d. Red. zur Erläuterung