Archiv für den Monat: Juni 2015

Hallowach-Energieriegel

hallowachEiner der u-huuuunzähligen positiven Aspekte des Ausdauersports ist die Tatsache, dass man beim Erwähnen von Nüssen, Erdnussbutter und Schokolade nicht in “Hilfe-Hüftgold!”-Panikgeschrei einstimmen muss, sondern lautstark “Immer her damit!” plärren kann. Glück für mich, denn zum einen mag ich diese leckeren Energieriegel viel zu gerne um Angst vor ihnen haben zu müssen, und zum anderen sind da auch noch Vitamine und Mineralien drinne. Und die sind ja erst recht kein Grund zum Fürchten, sondern toller Brennstoff für unseren Athletenkorpus.

Die Riegelchen schmecken vor und nach dem Sport und können im Winter auch zum Wandern mitgenommen werden. Wärme vertragen sie allerdings nicht so gut, weil Kokosöl und Schokolade dann weich werden. Die Erdnussbutter kann die Sache dann auch nicht mehr retten. Am besten stellt man ihnen für den Zeitraum ihrer (erfahrungsgemäß nicht allzu langen) Lebensdauer einen dauerhaften Wohnraum im Kühlschrank zur Verfügung.

Zutaten:
100 gr Kokosöl
100 gr Erdnussbutter
100 gr Zartbitterschokolade
50 gr Agavendicksaft *) – Ahornsirup wäre auch eine Option
2-3 Teel. löslicher Kaffee (je nachdem wie gerne man den braunen Wachmacher mag)

200 gr. Nüsse (Sorten nach Gusto und Vorrätigkeit)
30 gr. Amaranthpops
50 gr. Getreideflocken (je nachdem was man gerade so im Vorratsschrank findet – Hafer-/Dinkel-/Mehrkornflocken…geht und schmeckt alles)

Zubereitung im Terrormix:
Die Nüsse in den Mixtopf hüpfen lassen, 5 Sekunden auf Stufe 5 kleinhäckseln und umfüllen.
Die Schokolade in Stücke brechen, 6 Sekunden auf Stufe 6 zerkleinern, dann Kokosöl, Erdnussbutter, Agavendicksaft*) und Kaffeepulver zugeben und 5 Minuten bei 50 Grad / Stufe 1 schmelzen.
Nüsse, Amarathonpops und Flocken zugeben, 1 Minute auf Stufe 2 (mit Linkslauf) verrühren, danach alles nochmal gründlich mit einem Löffel, Spatel oder Womit-auch-immer durchmischen.

Zubereitung in Topf und Rührschüssel:
Als ersten Streich Kokosöl, Erdnussbutter, Schokolade, Agavendicksaft (oder auch nicht) und den Kaffee in eine Schüssel geben (die Schokolade vorher in Stücke brechen) und im Wasserbad erwärmen, bis alles flüssig ist. Gut durchrühren.

Der zweite Streich folgt sogleich –  Nüsse hacken, zusammen mit den Amaranthpops und den Flocken in die flüssige Kokos-Erdnuss-Schokoladenmasse geben und gründlich vermischen.

Und weiter geht’s:
Die fertige Masse kommt nun in eine Form, wo sie kaltwerden und trocknen darf (Ich nehme dazu eine rechteckige Butterbrot-Box mit dem Innenmaß 20 x 13,5 cm, dann werden die fertigen Riegel ca. 2,5 cm dick/hoch.)

Gleichmässig in der Form verteilen, gut andrücken und im Kühlschrank parken, bis die Masse kalt und schnittfest ist…dann aus der Form stürzen, mit einem scharfen Messer Riegel, Quadrate, Rauten oder Herzchen schnitzen und bis zur endgültigen Vernichtung wieder in den Kühlschrank stellen.

*) – Beim letzten Mal habe ich das süße Zeugs doch glatt komplett vergessen und mir schmecken die Riegel überraschenderweise ohne Agavendicksaft noch besser – aber das Bittere ist vielleicht nicht jedermanns Sache, also wäre meine Empfehlung: Bei ersten Mal brav nach Rezept arbeiten und das Ergebnis erstmal kosten – falls man ein herber Typ kann, kann man den Agavendicksaft ja beim nächsten Mal probeweise weglassen. Ich mach das jetzt auf jeden Fall immer so.
Check this out, nämlich.

 HIER gibt’s noch viele andere Rezepte aus dem Mohrtopf. Da ist für jeden Hunger was dabei.


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[baby belly party]

nataliesbabypartyWenn im Freundes- und Bekanntenkreis Nachwuchs einzieht, bin ich jetzt nicht unbedingt der Allererste,  der selig grinsend mit einem riesigen Stofftier unter’m Arm vor der Haustür steht, um den neuen Erdenbürger zu besuchen und “Dutzi-Dutzi” zu machen.

Es sei denn, der Nachwuchs trägt Pelz und hat 4 Pfötchen.

“Vom Esel zum Affen gemacht” – Eselwandern in der Eifel, Teil 2

Was bisher geschah – “Vom Esel zum Affen gemacht” – Eselwandern in der Eifel, Teil 1


Als das hungrige Langohr die Wiese großflächig abgetragen und samt Disteln, Kamillen und Butterblumen in seinem Magen versenkt hat, ist es dann auch großherzig gewillt, wieder ein kleines Stückchen zu marschieren. Zumindest bis zur nächsten Kurve, um die ein ebenfalls wanderndes Pärchen mit zwei weiteren Eseln im Schlepptau biegt – und Ali scheint sich ein Loch in den vollgefressenen Bauch zu freuen, seine Kumpels wiederzutreffen. Es handelt sich um die Eseldame Trude und ihren kleinen Sohn Theo – und die Begeisterung scheint ganz dreierseits, denn die Esel schubbern sich fröhlich aneinander und haben vor lauter Wiedersehensfreude so überhaupt keinen Bock mehr, mit den ihnen zugeteilten stinklangweiligen Zweibeinern weiterzugehen.
Die Zweibeiner hingegen sind mit der Gesamtsituation kurzfristig überfordert – und so stolpern wir uns alle erstmal kichernd und tolpatschig gegenseitig in den Füßen herum und versuchen, der renitenten Eselschaft Herr zu werden. Es gelingt uns zwar irgendwie durch Möhrchenbestechung, die jeweiligen Hufpaare in die jeweils entgegengesetzte Richtung zu lenken, aber nachdem er ungefähr 3,452 Meter mit uns mitgezockelt ist, fällt Ali wohl wieder ein, dass er jetzt eigentlich doch viel lieber bei der schönen Trude wäre. Vielleicht fällt ihm auch nun im direkten Vergleich zur Eselgesellschaft auf, dass wir eigentlich ziemlich doof sind, weil wir seine Interessen “Grasfressen, Ohrenwackeln, Eseldamen-Gucken” so gar nicht teilen. Also bleibt der Esel einfach wie festgeschraubt stehen und bewegt sich keinen Zentimeter mehr.

Wir versuchen es durch entschlossenes Anmarschieren und leichtem Zug an der Leine.
Ali bewegt sich keinen Milimeter.

Ich versuche es mit liebreizendem Zureden und hartnäckigem Schieben am dicken Eselpopo, unter Aufbietung aller mir zur Verfügung stehenden Körperkräfte.
Ali bewegt sich keinen Milimeter.

Der Herzmann strafft die Leine, versucht es mit Möhrchen, Kraulen, Zureden, Bitten und Betteln.
Ali bewegt sich keinen Milimeter, wackelt aber immerhin einmal kurz mit dem rechten Ohr.

Alle Lockrufe, Schmeicheleien und sonstige Versuche enden erfolglos, selbst mit dem allerköstlichstem Supergras vom Wegesrand lässt sich Ali nicht bestechen und uns läuft so langsam der Schweiß in Strömen vom Ziehen und Schieben am scheinbar festbetonierten Eselkorpus.

(Anm. d. Red. – Das wäre nun natürlich der perfekte Zeitpunkt um die Wasserflasche einzusetzen, die fröhlich in meinem Rucksack hin- und hergluckert, aber irgendwie kommt uns das  ein bißchen fies vor – denn schließlich kann Ali auch nix dafür, dass wir so eine öde Gesellschaft sind und er zurück zu seinen Eselfreunden will. Finden wir zumindest.)

IMG-20150614-WA0019-1Nachdem wir uns als offenkundig äußerst begriffsstutzig erwiesen haben, bekundet Ali durch mehrere markerschütternde “I-aaaaaah!”s und ziemlich abruptes Herumschwenken des Eselpopos, dass er doch nun bitteschön herzlich gerne in die entgegengesetzte Richtung gehen würde. Dummerweise stellt er sich beim Wendevorgang kurz und kräftig auf meinen rechten großen Zeh und ich sehe vor meinem inneren Auge bereits den Zehennagel dahinschwinden. So ein Eselkorpus hat ganz schön Gewicht und so’n Huf ist gar nicht mal so richtig weich und kuschelig. Aber unter Ultraläufern werden intakte Fußnägel ohnehin nicht allzu hoch bewertet.
Ali iiii-aaaht erneut. Wir schauen uns seufzend an und beugen uns den Tatsachen. Der Esel hat uns im Griff. Da machste nix, machste da.

Mit ähnlich hilflosem Gesichtsausdruck kommt uns nun auch das Wanderpaar mit Trude und Theo entgegen und wir müssen lachen – “Auch keine Chance bei euch?” “Nix zu machen!” bestätigt der junge Herr, der die Eseldame an der Leine führt. Es ist nicht so, dass wir an dieser Stelle in irgendeiner Form aktiv beschließen, als 7-köpfige Herde weiterzuwandern – wir haben einfach keine Wahl. Die Esel haben entschieden.

eselherdeUnd nachdem wir uns der Erkenntnis gestellt haben, dass wir nix zu melden haben und die Eselschaft das Kommando übernommen hat, verläuft der Rest der Wanderung auch ziemlich harmonisch. Aus den 3 Eseln sind halt nun 7 geworden. Die Vierbeiner bestimmen die Richtung und das Tempo, und die Zweibeiner zockeln folgsam hinterher. Wir bleiben stehen, wenn die Esel grasen wollen und marschieren weiter, wenn der Eselschaft der Sinn danach steht. Hin und wieder versenkt Ali den Kopf auch mal nicht im Gras, sondern zwischen den Hinterbeinen von Eseldame Trude und was er da so erschnuppert, scheint ihm ganz ausgezeichnet zu gefallen.
Läuft.

Zum Glück ist das Paar aus dem Aachener Raum nett und witzig und wir müssen uns auch gar nicht voreinander genieren, da wir uns alle gleich dusselig anstellen mit unseren jeweiligen Eseln. “Könnte schlimmer sein” bemerkt die junge Dame schmunzelnd, während wir zum wiederholten Male in sengender Sonne braten und vom Bremsen angeknabbert werden, weil unsere langohrigen Wanderkumpels nun aber gerade just hier und nicht etwa im Schatten vom saftigen Gras fressen wollen. “Wir könnten zum Beispiel in der Wüste unterwegs sein. Ohne Wasser.” “Genau!” entgegne ich und deute auf ihren gewölbten Babybauch “oder bei dir könnte die Geburt losgehen und wir hätten nirgendwo ‘ne Hütte.” “Wie bei Maria und Josef.”
Wir kichern im Kollektiv und lassen uns von Ali, Trude und Theo weiter durch die Botanik lotsen.
Die skurile Situation hat durchaus ihren eigenen Charme und den lustigen Eseln kann man ohnehin nicht böse sein – die sind halt Anarchos und lassen sich nix vorschreiben, was ja im Grunde ein äußerst symphatischer Wesenszug ist.
Kurz vor Erreichen des Forsthauses zeigen die Vierbeiner uns noch, was “Stalltrieb” bedeutet. Im Affen-, pardon Eselszahn werden die letzten 100 Meter zurückgelegt, das bislang so heißbegehrte Gras am Rand bleibt komplett unbeachtet – und wir stolpern erneut ziemlich döspaddelig hinterher. Die kurze Wartezeit am Holztor nutzt unser Eselwomanizer Ali, um noch fix eine schnelle Nummer mit der schönen Trude zu schieben und wir lachen uns endgültig kaputt.
Was für ein krönender Abschluß eines chaotischen Tages.

klasseeUnd obwohl wir in der Praxis so jämmerlich versagt haben, erhalten wir am Ende doch noch den begehrten “Führerschein Klasse E”. Wir reden uns auf der Heimfahrt erfolgreich ein, dass wir das unserem unschlagbar fundierten Theorie-Wissen zu verdanken haben, realistisch betrachtet gab’s den Lappen aber wohl eher aus purem Mitleid.
Doch am Ende zählt ja das Ergebnis.
Mit dreifach donnerndem I-aaaaah!


gruppenfotoEpilog:
Wenn man Tiere mag, einen lustigen Tag verbringen möchte und damit klarkommt, von einem Esel zum Affen gemacht zu werden, dann ist ein Besuch auf dem Eselhof in der Eifel ein absolutes Muss!

Wenn man beim Wandern allerdings hauptsächlich Tempo und Strecke machen will, selbst ‘nen ordentlichen Sturkopp hat und es nicht so richtig super findet, wenn nicht alles genau nach Plan läuft….dann doch lieber nicht.