Fürstenweg, die Zweite – Was geht, kann auch laufen!

Nachdem ich letzte Woche bereits satte 8 km am Stück mit Hügel, aber ohne Knieschmerzen laufen konnte, will ich heute mal den kürzlich bewanderten Fürstenweg unter die Laufschuhe nehmen. Der ist zwar insgesamt ein bißchen über 11 km lang, aber durch die immer noch geltende strenge “Am Berg wird gegangen!”-Regel sollten die Laufkilometer heute wohl in Summe die 8 nicht überschreiten.

Statt im kernigen Wandersmänninen-Outfit greife ich den Fürstenweg also heute im coolen  Trailrunnerstyle an und fühle mich unglaublich lässig, als ich sportiv-dynamisch dem großen weißen “R” auf rotem Grund entgegenlaufe. Mindestens genauso lässig laufe ich dann auch wieder zurück, als ich feststelle, dass ich in die falsche Richtung getrabt bin. Immerhin liegen zwischen der letzten Fürstenweg-Begehung und dem heutigen Lauf mehre Tage, da kann man sich ja auch mal vertun. Finde ich.

fuerstenwegAuch laufenderweise ist der Weg ein Riesenspaß, selbst wenn meine anfänglich ein wenig holprige Augen-Fuß-Koordination zwischen Schildergucken und Auf’n-Weg-Achten mir den ein oder anderen Stolperer einhandelt. Aber insgesamt läuft’s gut und mein Korpus Trailrunnericti zeigt sich kooperativ – keinerlei Zwicken und Zwacken in Hüfte, Knie und Knöchel.
The fuckin’ princess of endurance is back on track, meine Damen und Herren.

Trotz Feiertag und Bombenwetter ist der Weg erfreulich spärlich mit Mitmenschen besiedelt und so bin ich ein wenig überrascht, hinter einer Kurve einen Herrn mit nacktem Oberkörper auf einer Bank vorzufinden, dessen Hautfarbe deutlich signalisiert, dass hier der Siedepunkt schon länger überschritten ist. Ebenfalls in prallem Rot auf’m Buckel präsentiert sich sein Kumpel, der neben einem Auto mit polnischen Kennzeichen auf dem Weg hockt und hektisch an irgendwas herumrubbelt. Auf den ersten Blick denke ich, dass die beiden Halbnackedeis versuchen, auf Pfadfinderart mit einem Hölzchen ein Feuer zu entzünden – beim Näherkommen sehe ich allerdings, dass der Herr am Boden dabei ist, eine riesige Sense zu schärfen. Wie schaurig.

Von einem jähen Schrecken begleitet durchfährt mich die Frage, ob ich hier vielleicht auf die Feiertagsvertretung der berüchtigten Wiedtalripperinnen getroffen bin, die mich sogleich packen und mit der Sense von den Füßen mähen werden. Allerdings bin ich Zeit meines Lebens noch nie von halbnackten Polen mit einer Sense zerstückelt worden – da wird man sich im Zweifelsfall bestimmt aufs Gewohnheitsrecht berufen können. Könnte allerdings auch sein, dass die Beiden bloss die hüfthohe Wiese mähen wollen, warum auch immer. Sicherheitshalber beschleunige ich meinen Laufschritt und bringe mich fix aus der Gefahrenzone.

Nach gut 4 km kommt hinter der Laubachsmühle der erste Anstieg, bei dem ich getreu meinem eigenen Regelwerk in den Marschiermodus wechsele. Bergan lasse ich meine Blicke in die ferne Landschaft schweifen und wende gedanklich an, was ich letzte Woche von Cuddy gelernt habe:
Wenn es grün ist, ist es ‘ne Wiese.
Und wenn irgendwo mehr als ein Häuschen steht, dann ist es Melsbach.
Immer.
Und wenn nicht, dann doch.

fuerstenweg1Es wird trampelpfadig und ich hüpfe fröhlich über Wurzeln und Äste. Herrlich ist das hier, herrlich. Vor allem, weil das Knie im Gegensatz zu den euphorisch jubilierendes Körperzellen die Klappe hält. Und vor allem auch, weil ich nicht von einer polnischen Sense zerstückelt wurde.
Es sind halt die kleinen Dinge.
Das mich ein entgegenkommender Moutainbiker seinem Kumpel hinter ihm lautstark mit “Achtung Fußgänger!” ankündigt, lasse ich lässig an mir abprallen. Das kann eine Ausdauergottheit nicht erschüttern.

Ein wenig später dann verlaufe ich mich nochmal kurz, freue mich über Glockenblumen, Pferde und Schmetterlinge und stapfe dann fast trotzig das Wegstück hoch, dass mir letzte Woche kategorisch mit “Da gehen wir nicht her, da isses doof!” verwehrt wurde. Den Anstieg zur “öden Skischanze, wo eh keiner mehr runterspringt” (O-Ton Herr Schlenderer) finde ich aber doch ganz hübsch und den letzten Knackberg nehme ich auch noch schnaufend mit – und dann sehe ich auch schon mein Auto auf dem Start-/Zielparkplatz in der Sonne braten und auf mich warten (um im Anschluß dann MICH zu braten.)

Fazit: Den Fürstenweg kann man ganz wunderbar wandern, aber auch hervorragend laufen. Und wenn man nicht von Ripperinnen oder Sensemännern zerlegt wird, spricht auch nichts gegen einen weiteren Besuch.

4 thoughts on “Fürstenweg, die Zweite – Was geht, kann auch laufen!

  1. nido00

    Laufen oder Wandern – ist ja eigentlich egal, solange es das Draussenherz erfreut. Und solange die Polen nackt waren und keine dunklen Kapuzenmäntel trugen ist doch alles im Grünen Bereicht!

  2. Volker

    Ach kucke an, da ist ja der Rheinsteig ausgeschildert. Den bin ich mal von Rüdesheim bis zur Loreley in Etappen gewandert. Da war die Beschilderung allerdings blau/weiß.

    Ich muß zugeben, dass es mich über alle Maßen freut, dass Dich die halbnackten Polen im Ganzen gelassen haben. Es würde mir schon etwas fehlen, wenn es auf diesem Blog plötzlich ruhig werden würde 😉

    Liebe Grüße
    Volker

  3. Blumenmond

    Liebe Daniela,

    dann bin ich ja doch froh, dass Dich die polnischen Sensemänner nicht zerstückelt haben, dann wird das ja was mit unserer Wanderung. 🙂 Sonst müsst ich ja umplanen und ich bin doch so statisch in meinen Dingen.

    Klingt ziemlich schön da auf Deinem Weg und das R für Rheinsteig lässt mein Herz ja eh immer höher schlagen.

    Gruß
    Anja

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