Futtermöff und Pullerkiste – oder “Der Duft der Neurosen”

Zu der Zeit, als es mir noch gelang, Kuchen ohne die zwangsläufige Zugabe von Katzenhaaren zu backen und meine Stimmlage noch nicht zu hochtönigem “Weristdennmeinwullewullekäterchenjaweeeerdenn?!” fähig war, sprich – zu der Zeit, als wir noch nicht unter der Regenschaft unserer dreiköpfigen Miezenschaft standen, war ich immer ein wenig angeschaudert, wenn ich die Schwelle zu einem fremden Mehrkatzenhaushalt überschritten habe. Meine verwöhnte DINA (=Double-income-no-animals)-Nase reagierte regelmässig verstört bis leicht angewidert auf das in solchen guten Stuben handelsübliche Geruchspotpourri aus eingetrockneten Dosenfutteresten und Katzenpullerkiste. Und so entwickelte ich nach dem doch recht spontanen Einzug von Miezendame Frau Schmitz in unser bis dato wohlriechendes Heim ziemlich schnell eine mittelschwere Paranoia hinsichtlich dieser unangenehmen Aromen. Um jeden Preis wollte ich vermeiden, dass Besucher beim Durchschreiten unserer Haustür von ebenjenem fiesen Nassfutter-Katzenpupsgeruch empfangen werden, der uns zweibeinigen Bewohner sofort in die “freakige Katzenleute”-Schublade steckt.

Mit Argusaugen überwachte ich in nervöser Hab-Acht-Stellung aus dem Hinterhalt die Miezenmahlzeiten – und noch in der gleichen Sekunde, wo das letzte Bröckchen in Glibber hinter Schmitzens Fangzähnen verschunden war, wurde ihr der Napf umgehend von mir unter der Kauleiste weggerissen und ausgespült. Eingetrockneter Futtermöff? Nicht mit mir, meine Herren.

Sobald sich Frau Schmitz anschickte, die Stufen zum Obergeschoss zu erklimmen und die Katzenkeramik aufzusuchen, raste ich mit Kackschaufel bewaffnet hinterher, um sämtliche eventuellen Hinterlassenschaften umgehend aus dem Streu zu fischen und des Hauses zu verweisen, bevor auch nur ein einziges Geruchsmolekül den Hauch einer Chance hätte, in die Wohnstuben-Atmosphäre aufzusteigen. Das meine Katze dieses sanitäre Stalkingverhalten erduldet hat (ohne aus Protest mit chronischer Verstopfung zu kontern) ist wohl nur ihrem tiefenentspannten Naturell zu verdanken.

Besucher wurden anfangs von mir nicht mehr mit einem fröhlichen Nice-to-see-you, sondern einem panischen “Riecht es hier nach Katze? Sei EHRLICH!” begrüßt und nachträglich betrachtet wäre ich seinerzeit wohl in der “Freakige-Katzenleute”-Schublade sozialverträglicher aufgehoben als in der “Neurotische-Geruchsparanoiker”-Ecke.
Aber hinterher ist hat man’s ja immer vorher gewußt, bekanntermaßen.


Zum Glück gewann ich im Laufe der Wochen ein wenig Vertrauen in die geruchsbindende Wirkung von handelsüblichem Ultraklumpstreu, und als ein paar Monate später noch 2 weitere Pelzträger Einzug hielten, war meine Müffparanoia schon wieder beinahe auf Normalmaß (im Rahmen meiner Möglichkeiten) heruntergeregelt. Auch wenn ich trotzdem mehrfach täglich Katzenklofrau spiele. Man kann ja auch nicht so gänzlich aus seiner Neurosenhaut und sicher ist sicher.

Die Miezenschaft bekommt ihre Mahlzeiten zwar in ziemlich exakt abgewogenen Rationen serviert, um sicherzustellen, dass keine glibbrigen Reste in den Schalen zurückbleiben – aber diese abgefressenen Näpfe kann ich mittlerweile auch schon mal ein oder zwei Stunden auf dem Küchenboden stehen lassen, ohne hysterische Schweißausbrüche zu bekommen und augenblicklich sämtliche Fenster im Haus zum Tornado-Durchlüften aufzureißen. Ich bin also für meine Verhältnisse mittlerweile eine ab!-so!-lut! tiefenentspannte (aber dennoch reinliche!) Tierhalterin.

Wenn bei uns nun ausnahmsweise mal Duftschwaden durchs Haus wabern, dann riechen diese allerhöchstens nach schwitzigen Funktionsfasern und angebrannten Pfannkuchen, und die Verursacher sind eindeutig zweibeiniger Gestalt.

Als ich kürzlich beim Durchpflügen des örtlichen Drogeriemarktes der zartrosa Aufschrift “Mit Babypuderduft” auf der Tüte eines neu-eingelisteten Klumpstreus angesichtig wurde, musste ich nach kurzem Stutzen lauthals schmunzeln. Da hat sich wohl ein findiger Marketing-Experte einen teuflischen Plan ausgeheckt,  um überspannte Katzentussis genau da zu treffen, wo es weh tut. “Verströmt nach Benutzung einen leichten Babypuderduft” las ich auf der Rückseite der Tüte.
NACH Benutzung, wohlgemerkt. Also dann wenn’s drauf ankommt.
Ausgesprochen cleverer Werbe-Schachzug, aber nicht mit mir – eine Katzenkeramik, die “leichten Babypuderduft verströmt” braucht kein Mensch und erst recht keine Miez. Am Ende vielleicht sogar noch elegante Duftzerstäuber an der Toilettenwand, mit der die Miezenschaft nach erfolgreicher Klonutzung per Pfötchendruck einen Hauch von Orchidee oder ein feines Vanilleduftwölkchen in der Plastikschale versprühen kann. Watt’n Schwachsinn. Echt jetzt mal.
Wild entschlossen packte ich die Tüte mit dem herkömmlichen, nicht-duftigen Katzenstreu in den Wagen und lobte mich selbst gründlich dafür, nicht mit Anlauf in diese to!-tal! durchschaubare klebrige Werbefalle getrampelt zu sein.


Eine Woche später klingelte es an der Tür und mein Laufkumpel steht funktionsgewandet vor der Tür, um mich zum gemeinsamen Trimm-Trab abzuholen.

“Hier riecht’s aber irgendwie komisch” murmelt er beim Überschreiten der Türschwelle. Sofort bricht die alte Panik wieder hoch.
“Wonach? KATZENFUTTER?”
“Nee, irgendwie so..blumig. Nach Weichspüler. Oder Creme.”
Puh. Mir plumpst ein Ultraklumpstreubrocken vom Herzen.
“Ach so, das. Das ist das neue Katzenstreu. Das ist mit Babypuder-Duft.” erkläre ich freudenstrahlend und maximalbegeistert. Der irritierte Blick, der mir daraufhin um die Ohren schlägt, signaliert ziemlich unzweifelhaft – “Freakige Katzentussi!”

Tja. Man kann halt doch nicht so gänzlich aus seiner Neurosenhaut.IMG_0008

15 thoughts on “Futtermöff und Pullerkiste – oder “Der Duft der Neurosen”

  1. Frau Fröhlich

    *looool* ein Streu mit Duft, das hält was es verspricht ? *wow*
    Hoffentlich klumpt es auch gut, denn oft leidet die Quali des Streus, wenn es mit Duft versetzt wurde. Ich persönlich mag diesen Babypudergeruch auch. Aber das Streu, das wir nutzen, gibt es nicht mit. Aber bei einem guten Streu sollte man auch ohne Zusatzstoff nix riechen.

    LG Frauke

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  2. Selmas Klofrau

    Hhmmmm, normalerweise mag ich deine Miezenblogs sehr. Heute bin ich nicht so d’accord. Streu mit Babypuder ist nun mal einfach widernatürlich und so manche Katze leidet still unter dem für sie sehr unangenehmen Geruch auf dem stillen Örtchen. Und das nur weil wir Menschen eine Geruchsparanoia haben? Ehrlich… So richtig gestunken hat’s bei uns noch nie. Das liegt mM an einem wirklich guten (leider teurem ) Katzenstreu und hochwertigem Futter (der Output stinkt dadurch einfach nicht). Und unser Katzenfutter bzw. BARF stinkt auch nicht. In diesem Sinne bleibe ich deine gewogene Abonnentin aber heute hast du meinen Nerv nicht getroffen 🙂

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Andere Meinungen müssen auch mal sein, danke für den Kommentar 😉
      Natürlich ist es widernatürlich und ob die Miezen unbedingt ihren Popo in parfümiertes Streu stecken müssen, sei auch dahingestellt. Wir haben 3 Klos und haben das Streu erstmal nur in einem davon ausprobiert – und das wurde von den Katzen dann sogar häufiger aufgesucht als die anderen beiden Klohäuschen, von daher geht’s für mich klar.

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      1. Selmas Klofrau

        Hey super, das klingt nach einer gut durchdachten Taktik. Und wenn die Fellpopos noch andere Möglichkeiten hätten aber das Babypuder vorziehen… dann hat die Werbeindustrie sie tatsächlich auch schon eiskalt erwischt 😉 Ich freue mich schon auf deinen nächsten Miezenblog. Musste neulich herzlich lachen weil ich auch schon mit Wasserpistole bewaffnet dem fetten roten Nachbarskater aufgelauert hab der mein Rudel hier terrorisiert 😀

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  3. Elke

    Hallo Daniela,
    lach, durch das Stadium bin ich dann auch durch. Aber sind denn Deine Tiger nicht Freigänger? Bei uns steht nur noch ein Klo für Notfälle bereit, zB Silvester, wenn unsere beiden nicht rausmögen.
    Was Katzen von duftiger Streu halten, sieht man im Tierheim, nicht jede mag das. Wir haben eine Sorte, die riecht nicht, bindet aber so schnell, dass sich da nicht so viel entwickelte.
    Aber ich finde, die Zeit ist reif, dass endlich mal einer Katzenklopapier erfindet…
    Liebe Grüße
    Elke

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  4. Heidi schmitt

    In Ermangelung eines eigenen Futterschranks lagern bei mir olfaktorische Juwelen weitgehend offen auf einem als Abstellraum genutzten Hochbett: Getrockneter grüner Schafspansen, Rinderschlund, Hühnerhals und Rinderohr. Nur Lüften bis zur Schockfrostung konnte im Winter den dumpfen Tierhandlungsgeruch aus der Wohnung vertreiben. Was will man machen? Es gibt übrigens auch Hundekotbeutel mit Babypudergeruch. Der Nutzen hat sich mir aber noch nicht ganz erschlossen …. Ob ich mal den Pansen darin eintüte?

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Hmm…soweit ich weiß, werden Hundekotbeutel (uah, was’n WORT!) nach der Befüllung nicht in der Schreibtischschublade aufbewahrt – von daher weiß ich nun auch nicht, was der Babypuderduft soll 😉 Vielleicht damit die Mülltonnen besser duften? Oder die dämlichen Tierhalter freiwillig das Doppelte für die Beutelchen ausgeben?

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  5. Kerstin

    Verflixt, jetzt musste ich mir vor dem Kommentar schreiben doch erst mal die Brillengläser trocken wischen … feuchter Lachanfall – das sind so meine üblichen Reaktionen auf deine Katzenbeiträge 😉

    Jooo, DAS kenn’ ich ja alles tatsächlich, gut zu wissen, das ich nicht allein bin mit meinen Neurosen : Ich bin inzwischen schon viiiiiiel entspannter geworden, nachdem ich einsehen musste, das Frau den Kampf einfach nicht gewinnen kann, gegen Futtermief, 14237854 Katzenhaare, Klodüftchen und und und …

    Und ganz ehrlich ? Mein Leben wäre um vieles ärmer ohne meine Fellflusen ♡♡♡ 🙂

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  6. wortgestoeber

    Hallo Daniela.
    Dein Artikel ich musste so lachen, passt genau freakige Katzentusse, so werden wir wohl von anderen angesehen….nutzt es denn was? Das mit Babypuder, meine ich? Also unsere Samtpfote maut so lange , bis wir wie Du es nennst Klofrau spielen und das mit dem Katzenfutter in Dosen habe ich auch schon festgestellt, das stinkt, Gut zu wissen, das ich nicht die einzige bin, die das richt. Unsere frisst wohl aus dem Grund keine Dose…
    Von Tusse zu Tusse;-)
    Liebe Grüße
    Wortgetsoeber

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Naja, das Zeug nützt insofern was, dass es eben nach Babypuder riecht…und das tut es tatsächlich 😉 NACH Benutzung!

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  7. Terragina

    Also hast du letztenendes doch das Streu mit Babypuderduft gekauft? Oder habe ich da was missverstanden?

    Ach Dani, ich lese einfach zu gerne Deine Blogartikel, weil du so einen wunderbaren Schreibstil hast. Auch heute konnte ich mir das breite Grinsen nicht verkneifen. Und by the way: Ich stehe auch definitv auf Babypuderduft beim Katzenstreu – auch wenn`s irre klingt. Nur in den seltensten Fällen riecht es bei uns mal nach Katzentoilette. 😉

    Liebe Grüße zu dir,
    Kerstin

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Jawohl, das Babypuderstreu ist mittlerweile hier im Einsatz – aber ich hab’s erst am nächsten Tag gekauft.
      Da hab’ ich’s den Werbefuzzis aber gezeigt, he? 😉

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