Off-day! – oder “Ein Donnerstag im Freitagskleid”

“Das liegt am Alter!” lautet der zumeist leicht hämische Einwurf, wenn ich wieder mal zaghaft anmerke, dass die Zeit in den letzten Monaten mit Siebenmeilenstiefeln an mir vorbeizurasen scheint. Aber Alter hin oder her – die Beobachtung, dass in diesem Jahr nur wenige Sekunden nach der Schneeschmelze bereits verwelkte Kirschblütenblätter zu Boden geflattert sind, und just in diesen Tagen schon die goldenen Strohballen über die abgeernteten Felder kugeln, wo doch gerade vor wenigen Augenblicken noch das erste Korn grün aus dem Boden gesprossen ist, versetzt mich doch hin und wieder in leise Beunruhigung.

Tatsächlich ist wohl wirklich “das Alter” bzw. die gewisse Routine, die damit meist einhergeht, schuld daran, dass die Zeit den Turbo-Schalter umzulegen scheint – dazu gibt es einen charmanten Artikel in der Welt und mit diesem Wissen im Hinterstübchen versucht ich auch hin und wieder, im Rahmen meiner Möglichkeiten, diesem doofen Effekt die Stirn zu bieten.
Aber wie so oft im vollgestopften Alltags-Leben – um die Zeit auch wirklich tippi-toppi nutzen zu können, fehlt mir paradoxerweise oft die Zeit.
Blödkram.

Der überraschende Anblick des fast noch nachtblauen Firmaments am frühen Montagmorgen versetzte mich derart in Sommerschluß-Panik, dass meine Hände später im Büro beinahe automatisch zum Fach mit der Aufschrift “Urlaubsantrag” wanderten. Ein längerer Urlaub ist  zwar erst zum Herbst geplant, aber so ein minikleiner Eintagsurlaub sollte trotzdem spontan machbar sein – bevor die warme Jahreszeit sich am Ende noch unautorisiert die Sprint-Schuhe anzieht und das Flugticket gen Süden einlöst .

So habe ich nun also am heutigen Donnerstag einen Freitag, wie er freier nicht sein könnte. Da mich mein soziales Umfeld schwerstschwitzend im Büro wähnt, kann mich auch niemand mit “Sag’ mal, du hast doch heute frei, könntest du vielleicht mal eben…?” oder “Ich komm’ mal flott auf’n Kaffee, du bist ja daheim!” beaufschlagen – und die üblichen offenen Rechnungen mit der niederen Hausarbeit oder der inneren To-Do-Liste lassen mich auch kalt. Denn normalerweise würde ich ja jetzt arbeiten, da könnte ich ohnehin keine Buntwäsche machen. Oder das Gefrierfach abtauen, die Versicherung anrufen oder Katzenstreu kaufen. Ich bin heute also Prinzessin Vogelfrei, wie sie im Buche steht.
In meine Arme, Herr Donnerstag, du coole Sau!

offday

 


Song zum Tag – “Easy day” von den Bananafishbones.
Play it loud, nämlich!

 

12 thoughts on “Off-day! – oder “Ein Donnerstag im Freitagskleid”

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  2. Frau Fröhlich

    Danke für den Link zu dem Zeitungsartikel. Jetzt bin ich schlauer, warum auch mir die Zeit, je älter ich werde, mehr davon zu laufen scheint.

    Also, versuchen wir doch ab sofort, so viel wie möglich zu erleben oder ? Ob das so klappt ?

    So einen Tag Urlaub zwischendurch müsste ich mir eigentlich auch mal gönnen. Aber die letzten 3 Wochen bis zum eigentlichen Sommerurlaub halte ich jetzt auch noch durch. 🙂

    Hab einen schönen Sonntag.

    LG Frauke

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  4. Bianca

    Hach, so ein spontaner freier Tag ist toll, wenn man ihn genauso spontan nutzt. Und dann noch Zeit für einen Beitrag im Blog – toll!

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  5. Elke

    Liebe Daniela,
    muss auch mal sein, so ganz spontane Aktionen. Nicht dass die Zeit nachher an Dir vorberast un Du hast nichts davon gehabt! Schönes Song!
    Liebe Grüße
    Elke

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  6. Fräulein Bummelei

    Ah, wie herrlich das klingt! Also, nicht der durchs Alter hervorgerufene Zeitraffer – sondern ein “Ihr könnt mich alle mal, ich mach heut blau und lass mir gut gehen”-Tag. Sowas braucht man einfach einmal. Das erinnert mich an ein, zwei Tage, an denen ich, damals noch bekannte Hosenschisserin (hat sich wohl kaum geändert in den letzten zehn Jahren…), der Schule einfach fern geblieben bin, weil ich einfach nicht wollte. Und ich muss sagen, dass das wirklich an einer Hand abzählbar war! Aber genau diese Vormittage waren Gold wert: Keine Eltern daheim, kein Bruder daheim, es wollte keiner irgendwas, denn ich war ja entschuldigt. Herrlich war das, einfach NES zu zocken, und alle Viere von mir strecken 🙂

    Ahh, sorry – das Alter hat mich eingeholt, und nostalgisieren lassen. In der zeit, in der ich das jetzt geschrieben hab, ist das Jahr gerade von Frühling auf Herbst umgesprungen 😉

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  7. wortgestoeber

    Hallo Daniela,
    ein toller Post. ich habe auch schon gedacht, es geht dieses Jahr immer schneller…Aber auch etwas anderes zu deiner Information, Ich habe Dich normal im Reader , aber WordPress hat irgend etwas angestellt… man kann faktisch keinen Kommentar und kein Like bei Dir abgeben ich habe Dich jetzt extern in den Rechner geholt. Liebe Grüße Wortgestoeber

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    1. mohrblog Beitragsautor

      Ah, danke für den Hinweis – leider hab’ ich gar keine Ahnung von dem, was ich hier tue (hüstel, hüstel), aber ich frage mal jemanden, der sich mit sowas auskennt…vielleicht lässt sich das wieder hinbiegen 😉

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  8. Elke

    FREI – Ein Wort das köstlich riecht 😀

    Aber jetzt verrate doch mal, was du unsinniges gemacht hast, an diesem Donnerstag im Freitagskleid 😉

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