Monrealer Ritterschlag – oder “Unter Werwölfen, Gemsen und Bremsen”

“Guten Tag! Wandern. Traumpfad Monrealer Ritterschlag. Wann hättest du Zeit?”
“Öhm. Also…ich glaube, am 17.07. hab’ ich noch nix vor…”
“Reservieren! Sofort!”

Wenn man mich so charmant bittet, kann ich natürlich nicht ablehnen – und so rase ich an diesem Freitagmorgen schwersthysterisch und schwitzig durchs Haus und suche hektisch Geldbeutel und Schuhe zusammen, weil Herr Schlenderer und Cuddy empörenderweise satte 5 Minuten vor der vereinbarten Zeit an der Haustür klingeln und fröhlich winkend zur baldigen Abfahrt drängen.
Teufel noch eins.
Zum Glück werde ich in Sachen Wanderschuhe noch frühzeitig fündig, vergesse aber vor lauter frühmorgendlicher Aufbruchspanik meine liebevoll geschmierten Klappstullen auf der Küchenanrichte. “Wir kommen an ‘nem Bäcker vorbei. Der hat trockene Brötchen” beruhigt mich Herr Schlenderer und ich bin fast versöhnt. Was sind schon knusprige Vollkornstullen mit würzigem Mango-Chili-Dip, Räuchertofu, Gürkchen und Ruccola gegen schnöde “trockene Brötchen.” Der Trend lautet ja ohnehin “back to basics” und weg vom überladenen Superfood-Firlefanz. Da kann ich ja heute gleich mal mit anfangen. Und überhaupt, was sind Klappstullen gegen die überaus bereichernde und inspirierende Gesellschaft dieser beiden netten Herren? Richtig. Ein Scheiß.

monrealHerr Schlenderer hatte mir zwar einen Link zu einer ausführlichen Beschreibung der heute zu erwandernden Strecke geschickt, den hatte ich aber vor lauter Hachjanun-ichweißauchnicht überhaupt nicht erst angeguckt – demzufolge weiß ich auch nicht, was genau mich heute erwartet und bin zu jeder Schandtat bereit.
Der Traumpfad “Monrealer Ritterschlag” (warum genau der so heißt, konnte mir übrigens niemand der bewanderten Herren sagen – soweit zum Thema “Experten”! Ha!) startet – zumindest für uns – am Bahnhof des ziemlich malerischen Eifeldörfchens Monreal und führt erstmal durch den fast schon ekelhaft idyllischen Ortskern. Zauberhafte Fachwerkhäuschen mit farbenfrohen Blumenarrangements, reizende kleine Brückchen, plätschernde Bächlein – und das Ganze untermalt vom ständigen “Klick-klick!” aus der Schlenderer-Kamera, der die ganzen Eindrücke für sein neues Wanderbuch sammeln will/muss/kann/darf.
Ich sammele nur für mein hirneigenes Poesie-Album, da klickt nix.

wandertrioSo langsam weicht der bewölkte Himmel einem strahlendblauen, und analog dazu klettern die Temperaturen merklich in die Höhe. Ich bin ja leider eine ziemliche Hitze-Pussy – aber da meine beiden DEUT!-LICH! älteren Mitwanderer trotz gefühlten 54 Grad Celsius keinerlei Anzeichen von Schläpplichkeit zeigen, reiße ich mich auch (vorerst) am Riemen und stapfe – möglichst unauffällig vor mich hin schwitzend – den orangen Traumpfadmarkierungen hinterher. “Gleich kommt Schatten” wird der geflügelte Satz des Tages, der fast nie stimmt. Eigentlich ist nämlich immer Hitze, gefühlt zumindest. Aber zwischendurch gibt’s immerhin  kinderkopfgroße und zuckersüße Erdbeeren, das ist fast so gut wie Schatten.

Aber davon abgesehen gefällt mir der Ritterschlag ganz vorzüglich – schöne knackige Pfade, lauschige Wäldchen, Höhenmeter, Aussichtsgedöns und Obstfelder lassen keine Wandersmänninenwünsche offen. Irritierenderweise scheint es dem Schlenderer heute – ob aus Konzentration aufs Buchprojekt oder aus reiner Altersmilde – ein wenig an der gewohnt zynischen Bissigkeit zu fehlen und er kommt beinahe schon freundlich daher. Ich bin ja ein Gewohnheitstier und plötzliche Änderungen im Ablauf verunsichern mich – und die unerhoffte Fröhlichkeit des Herrn Müller war in meiner Hirnstube für heute nicht geplant und verursacht mehrfach eine Fehlermeldung. Dafür ist der Herr konditionell kaum totzukriegen und hüpft wie eine Gemse sämtliche Anstiege hoch, Hitze hin oder her. wartenaufgodot
Cuddy nutzt die Gelegenheit, um sich mehrfach laut brüllend in einen Werwolf zu verwandeln und ich schleppe mich schwitzend hinterher und brummele innerlich vor mich hin – das kann doch wohl nicht wahr sein, die Jungs sind mindestens zwölf Mal so alt wie ich und außerdem bin ich Ultramarathonläuferin und die Ausdauerathletin in persona – und hier schlurfe ich wie eine schlappe Dörrpflaume durchs Unterholz und habe Mühe, Schritt zu halten. Teufelskram, das. Vielleicht sollte ich mir von Cuddy diese Werwolf-Sache beibringen lassen – das scheint fit zu halten.

heissesfeld“Ich mache jetzt auch ein Foto!” verkünde ich wichtig. Dazu muss man nämlich kein Wanderbuchautor sein, das geht auch so.
Pah.
Fast rutscht mir die Kompaktknipse aus den schwitzigen Fingern und überhaupt ist mir Fotografieren heute zu anstrengend, das verschiebe ich lieber auf kühlere Tage.

Nach dem 54. Schlussanstieg erreichen wir die Löwenburg, klettern durch dunkles Treppengemäuer bis auf die Zinne, “aaah!”en und “ooooh!”en nach links und rechts (“Klick-klick!” “Klick-klick!”) und stapfen wieder ortseinwärts. In einem ganz und gar entzückenden kleinen Café lädt uns Herr Werwolf noch großzügig auf erfrischende Kaltgetränke ein und befindet den Traumpfad für “Schön, aber überbewertet” Da ich ja bis dato noch überhaupt nie irgendeine Bewertung der Strecke gehört oder gelesen habe, kann ich auch nix überbewerten und diesen schönen Rundkurs mit einem fetten (weil von der Hitze angeschwollenen) Daumen-Hoch! empfehlen, auch wenn in meinem Fall ganz sicher die Gesellschaft einen hohen Beitrag zum grandiosen Wandertag geleistet hat. Aber auch ohne hastende Werwölfe und wieselflinke Buchautoren wird man hier seinen Spass haben – die hübsche Landschaft macht’s wieder wett. So’n bißchen zumindest.


Wer mehr über den Monrealer Ritterschlag wissen möchte, mit genauer Wegbeschreibung, Karte, Einkehrtipps und allem Zipp und Zapp, der muss dann eben auf das Buch von Herrn Schlenderer warten.

 

 

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6 Comments

  1. Hallo Daniela,

    also ich finde das darf als Traumpfad gelten, wenn man sich die Fotos so anschaut. Und Hitze – nein kann ich auch nicht gut ab. Immer schon hinterhergehechelt auf den sonnigen Wandertagen früher.

    Du darfst mir gerne mal Stullen schmieren – die Beschreibung der vergessenen Buttebrote klingt irgendwie sehr lecker.

    Herzlichen Gruß!

    PS: Beim nächsten Wanderbericht dann aber eigene Werwolfschreie!

  2. Klingt nach etwas, das mir auch mächtig viel Spaß gemacht hätte, bis auf… Moment… trockenes Brötchen beim Wandern? Nee, echt, das geht gar nicht – ich hätte wahrscheinlich vergessen, meine Wanderschuhe anzuziehen aber im Leben nicht die Klappstulle.

    Auch wenn Du wenig geknipst hast, geben die Bilder doch einen schönen Eindruck. Aus meiner Sicht verdient mal wieder Dein Geschreibsel den Ritterschlag und die Tour würd ich ausprobieren, irgendwann mal… kommt auf meine Liste.

  3. Boah, du warst Freitag bei der Affenhitze wandern ? Respekt ! Bin auch so ne Hitzetussi und bei den Temperaturen gehe ich freiwillig nicht vor die Tür und beweg mich. Ich hasse es wie die Pest, wenn man so dermaßen schwitzt *bääääh*

    Aber schön muss es gewesen sein. Das kann man den – wenn auch wenigen – Bildern schon entnehmen. 🙂

    LG Frauke

  4. Dä Daniela,
    Marathon laufen ist deutlich etwas vollkommen anderes als Wandern.
    Mir wurde von einem sehr geübten und tierisch ehrgeizigen Triathlon Sportler erzählt, dass er verkackt, wenn es ums wandern geht.
    Was mich aber echt kränkt ist, dass dieser Schlenderer so fit ist. Boah wie übel bei dem Wetter frech irgendwo hoch zu hüpfen.
    Sobald die extreme Wärme gewichen ist, hoffe ich auf eine gemeinsame Wanderung mit dir. Dann darfst du die Schnellere sein, ich schwächele nämlich dramatisch 😀
    LG Elke

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